Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 20 (1959)
- Issue
- 1739 (15.12.1959)
- Date
- 1959-12-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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jüdische mmmm Ja J&tvaKa j&iaelUci PUEYRREDON 1190 — l’ i*q. ARO XX. BUENOS AIRES. MARTES 15 DE DICIEMBRE DE 1959 No. 1739 Um die neue Regierung Israels Jerusalem. — Ministerpräsident David Ben Gurion ist es nunmehr gelungen, zwischen seiner Partei und den Progressiven ein Uebereinkommen zur Bildung eines Kabinetts zu erzielen. Man erwartet, dass sich jetzt auch die National-Religiösen bereitfinden dürften, in die neue Koalition einzutreten. Ben Gurion hofft, sein neues Kabinett baldigst der Knesset vorstellen zu können. Inzwischen nehmen die zusätzlichen Bemühungen ihren Lauf, um die mit der Mapam und Achdut Awoda bestehenden Differenzen beizulegen, deren Schlichtung, wie versichert wird, bevorsteht. Die Progressiven haben sich der Koalition angeschlossen, nachdem eine Einigung über die Handhabung des staatlichen Versicherungs-Systems zustande gekommen ist. Aufgrund eines neuen Gesetzes, welches der Knesset zur Bestätigung unterbreitet werden soll, wird jeder Israeli das Recht haben, irgendeiner Krankenversicherung beizutreten, ohne gezwungen zu sein, Mitglied der Organisation zu werden, unter deren Protektorat dieser Krankenverein besteht. So wird es z. B. möglich sein, der Kupat Cholim anzugehören, ohne die Mitgliedschaft bei der Histadrut zu besitzen. Was die Einigung mit den Religiösen angeht, so sind die Politiker der Ansicht, diese werde unter der Bedingung erreicht werden, dass Rabbiner Toledano als Minister für religiöse Angelegenheiten verbleibt, während Toledano von der Veröffentlichung neuer Bestimmungen über die Wahl des Oberrabbiners Abstand nehmen müsste. Die Streitigkeiten zwischen der Mapai und Mapam und Achdut Awoda beziehen sich auf die Interpretation der Verantwortung der in der Koalition zusammengeschlossenen Knessetmitglieder. Die Mapai fordert, dass alle in der Knesset vertrete- ___* WIE ICH ES SEHE Jetzt greifen sie Prinz an von JEHUDA GOTTHEIMER Erst vor wenigen Wochen haben wir uns mit einer Stellungnahme des Generalsekretärs der in Deutschland lebenden Juden, Herrn Dr. van Dam, beschäftigt, der in sehr scharfer Form eine Veröffentlichung über die wachsende antisemitische Stimmung in Deutschland als amerikanische Propaganda zurückgewiesen und behauptet hatte, dass diese Frage nicht von „den Amerikanern”, sondern von den „deutschen” Juden zu behandeln sei. Wir haben viele Einzelheiten mitgeteilt, um eine unnötige Debatte im eigenen Kreise zu vermeiden und dürfen im einzelnen an unseren Arikel erinnern, der zu diesem Thema unter dem Titel „Sie haben nichts gelernt” am 17. November erschienen ist. Wir wollen nicht verschweigen, dass wir zu den dort geäusserten Aeusserungen eine Reihe von Zustimmungserklärungen erhalten haben, was uns besonders in. teressant war. Da die Jüdische Wochenschau eine eigene Linie vertritt, und es ihr fernliegt, mit den Wölfen zu heulen, ist es keine Seltenheit; dass auch Proteste bei uns eingehen, worüber wir durchaus zufrieden sind, da sie das allgemeine Interesse der Leser an den behandelten Themen widerspiegeln. . Im Falle van Dam haben wir jedoch nur Beifallserklärungen erhalten, was eine Bestätigung dafür sein dürfte, dass wir „ehemaligen deutschen” Juden uns eine gesunde Reaktion gegen dieses neudeutsche Judentum der Herren van Dam und Gesinnungsgenossen bewahrt haben. Wir haben uns dagegen gewehft, dass Juden wieder dieselben Fehler begehen, die unser Schicksal besiegelten. Wir haben an historische Vorgänge erinnert, die wir selbst mitgemacht haben, die also keinen theoretischen Charakter für uns tragen, sondern aus unserer eigenen Erlebnissphäre stammen. Oder schmerzen die Wunden nicht mehr, sind sie durch Wirtschaftswunder oder andere Geschehnisse betäubt worden? Die Diskussion geht jedoch weiter. Van Dam und die Seinen haben nicht die Irrtümer ihrer Kritik eingesehen, sondern polemisieren jetzt gegen den Amerikanischen Jüdischen Kongress und dessen Präsidenten, den Rabbiner Dr. Joachim Prinz. Diese Kontroverse entbehrt nicht einer durchaus pikanten Note, weil der von Herrn van Dam angegriffene „Amerikaner“ unser Joachim Prinz ist, der gewiss ein treuer und guter amerikani- Jüdische Delegation bei Herter Washington. — Staatssekretär Christian Herter empfing eine Delegation der grössten jüdischen Organisationen, mit denen er einen Meinungsaustausch über die Interessen der Vereinigten Staaten im Nahen Osten pflegte. Philip Klutznik, Vorsitzender der Konferenz der „Präsidenten” lehnte Informationen über die Themen ab, die bei dieser 45 Minuten währenden Audienz besprochen wurden. Er sagte nur, der Empfang sei „herzlich . gewesen und könne als nützlich und produktiv bezeichnet werden. Der Delegation gehörten ferner Rose Halperin, D. M. Ei?endrath und Adolph Held an. Auf Fragen der Journalisten entgegne*? Klutznik nur, es habe sich um einen „Austausch der Ansichten über di,: amerikanischen Interessen im Nahen Osten” gehandelt. (ITA) scher Bürger sein mag und in seinem Lande ein hohes Ansehen geniesst, und zwar bei Nichtjuden wie bei Juden. Allein die Tatsache, dass Dr. Prinz zum Präsidenten des Amerikanischen Jüdischen Kongresses gewählt worden ist, dürfte auf die Bedeutung seiner Persönlichkeit hinweisen. Prinz ist nicht nur ein glänzender Redner und hervorragender Lehrer, der in seiner Gemeinde eine sehr grosse Ganztagsschule leitet, auf der die Kinder sehr gut Hebräisch 1er,nen, Prinz ist nicht nur in seinen alten Kreisen als Rabbiner und Seelsorger gesucht, sondern spielt auch auf dem Gebiet der jüdischen Politik eine wichtige Rolle. Er war der Führer der grossen amerikanischen Delegation auf der 4. Welttagung des Jüdischen Weltkongresses in Stockholm und dferen Hauptsprecher. Als Präsident des Amerikanischen Jüdischen Kongresses erhielt Joachim Prinz auch eine politische Funktion, die ihn an die Spitze des amerikanischen Judentums gestellt hat, jener Judenheit, deren Aufgaben entsprechend ihrer Bedeutung garnicht überschätzt werden können. Ueberlegen wir einmal, was die jüdische Welt, was vor allem Israel von den amerikanischen Juden erwartet. Damit ruht doch auch eine gewaltige Verantwortung auf den amerikanischen Juden und ihrer Führung, in deren Rahmen Joachim Prinz eine erste Rolle spielt. Und bedenken wir nur noch einmal einen kurzen Augenblick, was die amerikanische Judenheit sowohl in dem heroischen Kampf gegen Hitler wie in dem ernsten Ringen um den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinden Europas geleistet hat. Eine solche Judenheit hat nicht das Recht, ein Wort bei den Fragen anderer Judenheiten mitzuspivchen? Bisher gab es innernen Mitglieder der Koalition in sämtlichen Fragen geschlossen ihre Stimme abgeben und von dieser Verpflichtung nur in Fällen von Gewissensfragen entbunden sein sollen. (ITA) Demonstration in Tel Aviv Tel Aviv. — Eine Grup. pe von 50 rumänischen Einwanderern demonstrierte vor der rumänischen Legation und wurde von der Polizei zerstreut. Zwei der Demonstranten ersuchten, von den Beamten der Legation empfangen zu werden, doch verweigerte man ihnen den Zutritt in das Gebäude. Die Menschenmenge verlangte die Fortsetzung der Wiedervereinigung der Familien, welche trotz ständiger Versprechen von den rumänischen Behörden eingestellt worden ist. (ITA) halb der jüdischen Probleme keine Abgrenzung, über wessen Sorgen andere sich den Kopf zerbrechen dürfen. Oder haben alle Juden, die ausserhalb Deutschlands leben, nur die Pflicht, den deutschen Juden wieder zu helfen, wenn es ihnen noch einmal an den Kragen gehen sollte? Oder „kann bei uns so etwas nicht passieren”? Die gegen Prinz und den Amerikanischen Jüdischen Kongress geführten Angriffe sind sehr scharf. Sie seien deswegen im folgenden wörtlich wiedergegeben, damit sich jeder Leser ein objektives Urteil zu bilden ver. mag: „Der Amerikanische Jüdische Kongress veröffentlichte eine Borschüre, in der erklärt wird, grosse Teile des deutschen Volkes seien gegenüber dem Antisemitismus apathisch und gleichgültig. In letzter Zeit habe es eine Reihe von „ernsten und alarmierenden” Zwischenfällen gegeben, für die zwar eine unverbesserliche Minderheit verantwortlich sei, die aber nicht möglich gewesen wäre, wenn nicht der Antisemitismus im deutschen Volk noch immer populär sei. Die Broschüre trägt den Titel „Das deutsche Dilemma — Einschätzung des Antisemitismus, Ultranationalismus und der Demokratie in Westdeutschland.” Es heisst darin auch, zwar seien die meisten jungen Deutschen nicht so übertrieben nationalistisch wie frühere Generationen, sie seien aber gegenüber der moralischen Entwicklung Deutschlands beunruhigend gleichgültig. Die Veröffentlichung der Broschüre war Gegenstand einer Pressekonferenz mit dem deutschen Botschafter in Washington, Dr. Grewe. D r Präsident des amerikanLohen Jüdischen Kongresse a, Dr. Prinz, übergab ihm nie Broschüre mit den Worten, die Denkschrift solle die SINDICATOS Y EDUCACION Jerusalem. — Una comunidad del tamaño de la Histadrut (Confederación del Trabajo), de su estatura social y de su importancia económica, debe permitir a sus miembros la total oportunidad de comprender por qué están trabajando, en el mismo sentido que un pionero debe comprender por qué se está esforzando. Esto hace enfrentarse a la Hisiadrut con un enorme problema de organización en el terreno de la educación, hecho aún más difícil por la compleja naturaleza de sus miembros, ©ñire los cuales hay hombres y mujeres con los amtecedsnies más variados. El Depariamenie de Cultura de la Histadrut es el instrumento mediante el cual el movimiento laboral de Israel resuelve sus problemas educacionales. El vasto programa de actividades culturales y educativas del Departamento incluye centenares de clases de hebreo elemental para inmigrantes adultos, educación superior para los trabajadores que no han tenido oportunidad de educarse en su juventud, millares de conferencias en granjas y fábricas, publicación de grandes cantidades de periód:cos, centenares de libros y folletos y el apoyo, total o parcial, a casi mil bibliotecas. El Departamento también patrocina centenares de coros, numerosas orquestas, centenares de grupos dramáticos y de grupos de danzas folklóricas. En las comunidades agrícolas, el Departamento exhibe películas de las que disfrutan miles de trabajadores y sus familias. SCHLOMO S. TANGER Syndikate und Erziehung Jerusalem. — Eine Gemeinschaft von der Grösse der Histadrut (Arbeiter-Gewerkschaft), ihrer sozialen Gestaltung und ihrer ökonomischen Bedeutung muss ihren Mitgliedern die volle Möglichkeit geben zu verstehen, wofür sie arbeiten, ebenso wie ein Pionier wissen muss, warum er sich müht. Dies stellt die Histadrut vor ein riesiges Problem der Organisation auf dem Gebiet der Erziehung, das noch schwieriger durch die verwickelte Natur ihrer Mitglieder gestaltet wird, unter denen sich Männer und Frauen der verschiedensten Herkunft befinden. Die Abteilung für Kultur und Erziehung der Histadrut ist das Instrument, durch das die Arbeiterbewegung Israels ihre Erziehungsfragen löst. Das ausgedehnte Programm der kulturellen und erzieherischen Aktivitäten der Abteilung uinschliesst hunderte Kurse für elementares Hebräisch für erwachsene Einwanderer, höheren Unterricht für Arbeiter, die nicht die Gelegenheit hatten, sich in ihrer Jugend zu bilden, tausende Vorträge in Bauernhöfen und Fabriken, die Herausgabe grosser Mengen Zeitungen, hunderter Bücher und Broschüren und die volle oder teilweise Unterstützung von fast tausend Bibliotheken. Die Abteilung fördert auch hunderte Chöre, zahlreiche Orchester, hunderte Theater, und folkloristische Tanz-Gruppen. In den landwirtschaftlichen Siedlungen bringt die Abteilung Filme Aufführung, an denen tausende Arbeiter und ihre Familien sich erfreuen. SCHLOMO S. TANGER Aufmerksamkeit auf gewisse Tendenzen in Deutschland lenken, aber zugleich auf die demokratischen Kräfte in der Bundesregierung und anderen deutschen Kreisen hinweisen. Botschafter Grewe erklärte dazu, mit seiner Anwesenheit wolle er die Bedeutung unterstreichn, die die Bundesregierung jeder objektiven Diskussion des deutsch-jüdischen Verhältnisses beimisst. Er habe die Broschüre noch nicht studiert und sei nicht sicher, ob er zu den gleichen Schlüssen kommen werde. Er sagte jedoch: „Wir würden Deutschland einen schlechten Dienst erweisen wenn wir die Existenz gewisser Einstellungen leugnen würden, die aus Nazizeiten übrig geblieben sind.” Es sei die Frage, ob man erwarten könne, dass solche Einstellungen in so wenigen Jahren völlig verschwinden. Die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes befinde sich jedoch auf dem rechten Weg. Der Antisemitismus in der Bundesrepublik nehme nach seiner Ansicht ab. Der Generalsekretär des Zentralrates des Juden in Deutschland, Dr. van Dam, wandte sich in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) gegen die Veröffentlichungen des amerikanischen Jüdischen Kongresses zum Antisemitismus in Deutschland. Erstellte zugleich fest, dass der Zentralrat, nicht aber publicity-beflissene einzelne Amerikaner oder amerikanischjüdische Organisationen, Sprecher und Sachwalter der jüdischen Interessen in der Bundesrepublik ist. Die Bundesregierung tue dem deutschen Volk keinen guten Dienst, wenn sie Aktionen, die aus geschäftstüchtigem Ehrgeiz einzelner ■ entstanden sind, unterstützt, indem sie sonst unbeachtet bleibenden Broschüren, Angriffen gegen Deutschland und Zusammenstellungen über anti-jüdische Stimmungen in Deutsch, land erst die öffentliche Resonanz gibt. Dr. van Dam sagte, die amerikanische Zusammenstellung über antisemitische Geschehnisse und Stimmungen in der Bundesrepublik habe weder neue Tatbestände aufgezeigt, noch sei sonst etwas Bemerkenswertes in (SehluM auf Sdtt £ Vizepräsidenten Jerusalem. — Die Knesset wählte fünf Vizepräsidenten: Israel Ishantach (Mapai), Arie Beneliezer (Cherut), Jaakow Grinberg (Religiös-Nationale Partei), Chanan Rubin (Mapam) und Benjamin Mintz (Ponle Aguda) — (ITA) AaitC A I ü'.iïUïE