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Jüdische Wochenschau · 1945-11-09 · 344 (9.11.1945) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
6 (1945)
Issue
344 (9.11.1945)
Date
1945-11-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German, Spanish
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I i J 9 de Noviembre de 1945 — Año VI — N? 344 JÜDISCHE WOCHENSCHAU -Hí * «uev »jüdisch mocieisoHui 9. November 1945 ägi,... l J2Uo*Mi “Wer Wahrheit aussagt, wirket Recht. Wer Lug bezeugt, Enttäuschung.“ (Sprüche 12, 17.) Gerda Luft: Die Palaestinaarbeit waechst Boykott gegen England? Es ist eine starke Bewegung im Gange, den Boykott gegen englische Waren zu verhängen. Die Enttäuschung der Juden in der ganzen Welt über das unverständliche Verhalten Englands gegenüber allen jüdischen Leiden, Hoffnungen und Problemen, die Nichteinhaltung der feierlichen Versprechungen und internationalen Verpflichtungen, der neuerliche Bruch aller in der Wahlkampagne von der Labourparty abgegebenen Erklärungen zugunsten der Errichtung eines jüdischen Staates, haben eine so starke Verbitterung geschaffen, dass die einflussreichsten Kreise heute bereit sind, einen Schritt zu vollziehen, der mit den traditionellen freundschaftlichen Beziehungen zu den Engländern nicht in Einklang gebracht werden kann. Die auslösenden Ursachen dieser tiefen Enttäuschung sind so bekannt, dass sie nicht noch einmal im Einzelnen aufgeführt zu werden brauchen- Manchem, der sich weit vom Schauplatz der Ereignisse entfernt befindet, mag ein solcher Gedanke, einen Boykott gegen England zu verhängen, absurd oder falsch er- scheinen. Wer aber nur weiss, wie schrecklich es wirklich in Europa aussieht, wer mit mitfühlendem Herzen den nicht mehr zu qualifizierenden Prozess in Lüneburg miterlebt hat, wer nur eine geringe Ahnung über die von England nicht wahrgenommenen Möglichkeiten zur Rettung von Juden aus Europa hat, wer nur ein wenig die wirklichen Verhältnisse in Palästina kennt und weiss, in wie schändlicher Weise Engländer alles getan haben, um die jüdische Arbeit zu stören, der ist davon überzeugt, dass es sieb nicht um einen willkürlichen, ungerechten, undankbaren, unüberlegten oder einem, augenblicklichem Empfinden erwachsenden Beschluss handelt, sondern um eine Anregung, die von jüdischer Seite nicht leicht, nicht gern, nicht in Uebereilung gegeben worden ist. Bis heute ist es nicht bekannt, ob der Beschluss, England zu boykottieren, zur Durchführung gelangen wird. Dagegen wissen wir sehr genau, weiche wirtschaftlichen Schwierigkeiten England heute im allgemeinen hat. In diesem Zusammenhang ist interessant, was durch die United Press zu diesem Thema gemeldet wird. Attlee soll vor allem deswegen nach Nordamerika fahren, um die wirtschaftlichen Fragen zu klären, deren Verwicklung nach der nordamerikanischen Kündigung des Land an Lease immer bedrohlicher wurde und die englische Zahlungsfähigkeit in eine ernste Krise gebracht hat. Attlee soll ausserordentlich darüber besorgt sein, dass die Nordamerikaner keine weitere Hilfe für England zu leisten bereit sind. Die Lage wird dadurch kompliziert, dass es bisher nicht gelungen sein soll, immer nach den stets gut unterrichteten Korrespondenten der United Press, — eine einheitliche Meinung innerhalb des britischen Kabinetts zu diesen Problemen zu bilden. Während der Premierminister selbst der Auffassung ist, dass man alles tun müsse, um mit den Amerikanern zu einem Uebereinkommen zu gelangen, ist der Aussenminister Bevin und mit ihm andere Kollegen des Arbeiterkabinetts der Auffassung, dass ein starker Block von England gemeinsam mit den westeuropäischen Ländern geschaffen werden müsse, um dem Dollar lächelnd ins Angesicht schauen zu können, wie man sich ausdrückte. Die Gegner Bevins meinen, wahrscheinlich mit Recht dass alle westeuropäischen Staaten wirtschaftlich schwach und hilfsbedürftig seien, dass ein solcher Block aber vor allem mit der politischen Gegnerschaft Russlands rechnen müsse. Wie dies nun auch im Einzelnen sei, die Juden sollten sich darüber klar sein, dass hier eine der Möglichkeiten und echten politischen Chancen liegt, die uns für unsere eigenen Interessen erwachsen. Viel wirksamer als jeder Boykott, der in Palästina wegen der engen wirtschaftlichen Verquickung zwischen dem englischen Handelssektor und der jüdischen Wirtschaft nur sehr schwer realisierbar sein dürfte, ist die Verstärkung unserer wirtschaftlichen Einflussmöglichkeit in Nordamerika, um zu verhindern, dass man den Engländern, den grössten kaufmännisch een Vermittlern auf allen Weltmärkten, bedingungslos nachgibt und ihnen durch Gewährung neuer Kredite aus ihrer schwierigen Situation heraushilft, ohne dass sie auf politischen Gebieten nachgeben. Die Stunde ist gekommen, da England selbst für sein Wort einstehen muss. Jetzt ist es höchste Zeit, dass die berechtigten Interessen anderer Völker, auch des jüdischen Volks zu ihrem Recht kommen müssen Bei den Plänen derer, die den Versuch machen wollen, ohne die Vereinigten Staaten auszukommen, spielt der Handel mit Südamerika eine sehr entscheidende Rolle. Die wirtschaftliche Macht Englands in Südamerika hängt aber zu einem guten Teil davon ab, wie weit es gelingt, die während des Krieges unterbrochenen Handelsbeziehungen weiter auszubauen. Hierbei wiederum ist die Frage, ob die vielen jüdischen Finnen, die sich nicht unerheblich weiterentwickelt haben, bereit sein werden, die englischen Bestrebungen zu Die jüdische Wirtschaft in Palästina ist in einer dauernden Ausbreitung begriffen, und mit j dem Wachstum steigen die Bej dürfnisse der Kolonisationsinstanzen an. Für das laufende Jahr I wird das Budget der Jewish Agenj cy, das in erster Linie aus dem i Keren Hajessod gedeckt wird, { fast 4 Millionen Pfund betragen.! Das ist eine Summe, die man noch vor wenigen Jahren als durchaus utopisch betrachtet hätte. Betrug doch im Vorjahre das Budget nicht mehr als etwas über zwei Millionen. In der Tat ist auch nur ein Teil des Geldes für die laufenden Ausgaben der Jewish Agency, die für die wirtschaftliche Arbeit der Juden im Lande in weitem Masse die Verantwortung trägt, berechnet. Der Rest ist der Vergrösserung der Arbeit, wie sie durch die sich ändernden Bedingungen notwendig wird, gewidmet, wobei die Gründung verschiedener Gesellschaften, die den Aufgaben der Uebergangsperiode dienen sollen, eine grosse Rolle spielt. Die Gründung neuer landwirtschaftlicher Punkte und der Ausbau der bestehenden ist auch während des Krieges nicht unterbrochen worden. Im Gegenteil: die gemischte Landwirtschaft hat ebenso wie die Industrie durch den im Kriege erweiterten Innenmarkt einen starken Auftrieb erhalten und sowohl alte wie neue Wirtschaften haben sich mit allen Kräften bemüht, ihre Produktion zu vergrössern und damit einerseits die der Bevölkerung zur Verfügung stehenden Lebensmittel zu vermehren, andererseits die Grundlage ihrer Existenz möglichst rasch zu festigen. Für das laufende Jahr sind 11 neue landwirtschaftliche Punkte geplant, darunter werden Siedlungen für entlassene Soldaten sein, für die bereits jetzt der Boden besetzt und vorbereitet werden muss. Die Vorbereitung und erste Anlage dieser n-euen Punkte erfordert eine viertel Million Pfund, dh. ein. Viertel des Gresamtbudgets für die landwirtschaftliche Kolonisation. Es kann nicht nur die Aufgabe der Jewish Agency und anderer jüdischer öffentlicher und halböffentlicher Stellen sein, die Rückkehr der entlassenen Soldaten ins Zivilleben zu ermöglichen und zu erleichtern. Hier muss die Regierung aktiv sich an der Arbeit beteiligen, sei es durch Ausbildung und Umschulung, sei es durch die Reservierung von Arbeitsplätzen. sei es durch die Verfügungstellung von Boden für Ansiedlungszwecke und ähnliches. Es ist wahrscheinlich, dass sich die Regierung dieser Verpflichtung nicht entziehen wird, aber es ist notwendig, bereits heute die entsprechenden Wirtschaftspläne auszuarbeiten und die Stellen zu schaffen, die mit der komplizierten Aufgabe der Demobilisierung _zu betrauen sind. Es ist unter Tdiesem Gesichtspunkt besonders j wichtig, dass die Jewish Agency j die praktischen Vorbereitungen [ für die Ansiedlung entlassener i Soldaten bereits heute trifft, j Auch auf anderen Gebieten ist J die aktive Hilfe der Regierung unerlässlich, und die Behörden hai ben in den letzten Jahren auch grössere Bereitschaft gezeigt, handen sind und eingeführt werden müssen. Es sind jetzt Aussichten dafür vorhanden, dass Baumaterialien in gewissem Umfange ins Land kommen und damit die Erstellung von Wohnhäusern, wenn auch in relativ bescheidenem Umfange, beginnen kann. Es besteht Hoffnung, im laufenden Jahre 2500 neue Wohnungeeinheit&n zu erstellen und damit wenigstens den schlimmsten Härten abzuhelfevi. Die Bereitste!- mit Rat und Tat bei der Lösung ökonomischer Fragen mitzuhelfen. Durch die Anleihen, die im Laufe des Krieges den Besitzern von Zitrusplantagen gegeben wurden, ist es gelungen, einen grossen Teil der Pflanzungen, die während des Krieges keine Export-möglichlung von Baumaterialien in genü- | keiten hatten, in Bearbeitung zu j Sondern Umfange und zu entspreerhalten. Die Jewish Agency ver- ' chenden Preisen ist die erste Vorhandelt zur Zeit mit der Regieaussetzung für die reibungslose rung, um weitere Anleihen in ent-! Aufnahme einer grösseren Einsprechender Höhe, um die Pflanj Wanderung, für di9 man sich im zungen weiter über Wasser zu halj Lande vorbereitet, ten, bis sich wieder Exportmögi . , STiS wj»™“ yerantwortw* einen der bedeutendsten Exporte j ' .tle cieI^ ^er | des Landes bilden werden. ®riegs ra-tech;ift auf sie fallen , . müssen. Obwohl, jedoch absolut Es ist die Tendenz der Agency, , oesehen, diese Vergrösserung und für die Uebergangszeit Gesell-; die Ausbreitung der Arbeit beschaffen zu schaffen, die von öf- ' fentlichen Geldern gestützt, Privatkapital aufnehmen und dadurch in der Uebergangszeit arbeirschuffend und richtunggebend wirken können. Die Kolonisationsgesellschaft “Pasa” hat daher vor kurzem ihr Kapital erhöht und damit die Basis für breitere Kredite in der landwirtschaftlichen Kolonisation geschaffen. Eine neue Gesellschaft unter dem Namen “Tefachoth” ist für die trächtlich ist, werden wir mit sehr viel grösseren Masstäben zu messen haben, wenn die Einwanderung. die jetzt nur beschrängt ist. grösseren Umfang annimmt. Die Immigranten, die zur Zeit ins Land kommen und in den nächsten Jahren kommen werden, brauchen eine sehr viel umfassendere Fürsorge als irgend ein* Einwanderung die Palästina bisher gekannt hat. Es wird die Aufgabe der Juden in den vom Krieg re- Hergabe vop zweiten Hypotheken ¡ ]a^j,v unberührt gebliebenen Länhace al cutis suave, fresco, * elástico, juvenil y hermoso. CREMA MENDEL, a base de huevo,* /nutre al cutis, le da nueva vida, le infiltra una nueva juventud, *4 naga una prueba: use 8 días CREMA i MENDEL, a base de huevo, y verá como se v- í transformará su cutis, qué suavidad y frescura $ [brotarán de sus poros, qué divina elasticidad « irá tomando su epidermis!/ ^PfdaU ert perfumerías y farmacias' fordern. und wieweit sie genug I Charakter und politische Weit-! sicht beweisen, um sich nicht von : England gegen die Interessen ihres I eigenen Volkes einspannen zu las- ’ sen. Dies sind Probleme von ausserordentlicher Tragweite, deren Um ‘ risse heute nur erkannt werden | können, ohne dass es möglich ist, ¡.sie schon bis in alle Details fest zu umreissen. Man hat so oft über; jüdisches Elend gejammert, man j hat sich so oft über das Unver-! ständnis der anderen Nationen be- 1 klagt-. Jetzt dürfte ein Augenblick gekommen sein, um eigenes Verständnis für die Entwicklungen unter Beweis zu stellen. Man hat sich auch oft darüber beklagt, dass wir Juden ohnmächtig seien. Dies ist nicht wahr, wir haben Möglichkeiten. Tn den Gang der Ereignisse einzugreifen- Eine solche Möglichkeit bietet sich uns jetzt, nicht zur Schädigung Englands, sondern zur selbstverständlichen Wahrung unserer eigenen Interesse«. TKHUDA GOTTHF.fMER gebildet worden, um den Kapital- 1 bestand für billige Bankredite zu ’ erweitern. Die Wohnungsfrage ist nach wi* vor in Palästina brennend. Wohnungen sind kaum oder gar nicht zu haben, und die Unterbringung der Einwanderer macht sowohl den öffentlichen Stellen als auch den Verwandten. S die sie aufnehmen wollen, ausser -! ordentliche Schwierigkeiten! Die Wohnungsknappheit ist na- 1 türlich in Palästina wie in allen! anderen ländern in erster Linie | eine Kriegserscheinung, denn man! hat in den letzten fünf Jahren keine Baumaterialien für nichtl militärische Zweck.' freigegeben. | Das Studium des Wohnungswei sens, das durch die schwere Situation. im Kriege einen besonderen Antrieb erhalten hat, hat jedoch, deutlich gezeigt, dass eine ungeregelte Bautätigkeit, die rein von dem Prinzip der hohen Rentabilität bestimmt wird, nicht geeignet ist, die sozialen Probleme, die im Zusammenhang mit der Wohnungsfrage entstehen, zu lösen. Man hat bei den leitenden Instanzen und jn weiten Kreisen des Publikums einsehen gelernt, dass vom Standpunkt der Volksgesundheit ebenso wie einer gesunden Lohn- und Preispolitik die Ermutigung des Wohnungsbaus durch öffentlich* und halböffentliche Gesellschaften eine dringende Notwendigkeit ist. Die Regierung ist diesen Ideen ebenfalls nicht abgeneigt und zeigt die Tendenz, Baumaterialien, soweit sie freigegeben werden, vor allem sol- -chen Bauunternehmungen zukommen zu lassen, die von sozialen Gesichtspunkten geleitet werden. Die Jewish Agency investiert die Gelder, die sie zur Erleichterung der Wohnungsnot ausgibt, zur Bereitstellung billigeren Hypothekenkredits und zur Ermunterung gemeinnütziger Baugesellschaften. Die Wiederaufnahme der Baubswegung ist bisher vor allem daran gescheitert, dass die notwendigen Baumaterialien (Eisen, Holz etc.) nicht im Lande vordem und die Aufgabe der internationalen Stellen sein, Palästina die grossen Mittel in die Hand zu geben, die für die Aufnahme und Unterbringung dieser erwarteten Immigration erforderlich sind. i MICH ÜBERSEE bestellen Sie JETZT zum Jahreswechsel j¡M¡m Avenida ácl Tejar 2341 U. T. 73-1576 Buenos Aires Geprüfte Kindergärtnerin und eine Hilfskraft gesucht für unsere Ferienkolonie in Olivos. FRAUENGRUPPE DER N. C. I. 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