Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 6 (1945)
- Issue
- 344 (9.11.1945)
- Date
- 1945-11-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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BUENOS AIRES, 9 de Noviembre de 1945 —Año VI — N* 344 BISEMANARIO INDEPENDIENTE Reg. Nac. de ia Prop. Intelectual No. 173.330 Redacción y Administración: VICTORIA 2481 — U T. 47 - 1935 15 ctvs. Wir muessen fuer Klarheit sorgen W. B. Die Vorgänge in Aegypten sind noch in Dun/ce! gehüllt und voll von Widersprüchen. Der ägyptische Ministerpräsident hat “mit gewisser Bitterkeit*1 Feststellungen getroffen, die an anderer Stelle in der Zeitung wieder gegeben sind. Zu gleicher Zeit haben in anderen arabischen Städten Unruhen nach dem Muster von Alexandrien und Kairo statt gefunden, die noch blutiger Und noch empörender gewesen sind. Die ägyptischen Juden haben einerseits gegen die Behauptung protestiert, die Unruhen seien spjntan gewesen, und erklärt, dass es sich um einen wohl vorbereiteten Plan gehandelt habe. Aber gleichzeitig hat der Oberrabbiner der Polizei für ihren wirksamen Schutz gedankt und “zufällig” mit den gleichen Worten wie der Premierminister erklärt, dass die Nachrichten über die Unruhen sehr übertrieben gewesen seien. Der Wert dieser Erklärung wird dadurch herabgesetzt, dass ein Tag vorher der Oberrabbiner zum König gerufen wurde, ohne dass über den Inhalt dieser Audienz ein Wort bekannt gegeben worden vüi re. Und dennoch: Wir glauben dem ägyptischen Ministerpräsidenten, dass seine Verbitterung echt ist, und wir glauben, dass seine Erklärung, es gäbe in Aegypten keine organisierte antijüdische Bewegung, mindestens zur Hälfte richtig ist, nämlich so weit sie die Aegypter betrifft. Es gibt ja auch in Palästina ausser den von den Effendis bezahlten Funktionären heute weniger denn je namhafte arabische Kreise, die judenfeindlich eingestellt sind; denn während in Tripolis, Kairo und Ak xandrien blutige Auseinandersetzungen stattfinden, sitzen in Tel Aviv, Haifa und Jerusalem Araber und Juden gemeinsam im Kaffeehaus und diskutieren die Fragen der Gegenwart. Aber nicht nur unter diesen Gesichtspunkten sind die arabischjüdischen Zwischenfälle vollkommen unlogisch, sie sind es historisch gesehen noch mehr. Araber und Juden haben in der spanischen Blütezeit die westliche Welt um ausserordentliche wissenschaftliehe und künstlerische Leistungen bereichert. Es waren die Araber Nordafrikas, welche mit den Jaden Spaniens jene aus der Geschichte beider Völker nicht fortzudenkende historische Verbindung eingingen, die für die ganze Menschheit von Bedeutung wurde, ln den Küstenstädten Nordafrikas spiegelte sich diese Freundschaft zwischen Juden und Arabern wider; aber heute sind Araber und Juden der nordafrikanischen Küste Jahrhunderte hinter d°m Status ihrer Ahnen des 11. und 12. Jahrhunderts zurückgeworfen. Weder die Araber, noch die Juden Nordafrikas lass' n heute vermuten, dass unter ihnen einst Philosophen wirkten, die die klaren und harmonischen Lehren eines Aristoteles der europiäschen Sprache Zurückgaben. Nicht einmal eine Erinnerung an diese Glanzzeit semitischen Geistes haben sich diese beiden Völker jetzt bewahrt, die in den Mellohs- und Elendsquartieren Nordafrikas unter unsagbar dürftigen Verhältnissen leben. Denn wie wären die blutigen Ereignisse der letzten Woche denkbar, wenn eine solche Vergangenheit noch lebendig wäre? Wer ist also der Interessierte an diesen Vorgängen? Einen Tag vor dem Beginn der arabischen Ausschreitungen hat die Weltpresse bekannt gegeben, dass England die ägyptischen Flottenstützpunkte verlassen solle und auf der Suche nach neuen Mittelmeerhäfen sei. Mit aller Klarheit erklärt die englische Regierung, dass me solche neuen Stützpunkte braucht, um ihr Reich zu schützen; aber jeder weiss, dass England diese Stützpunkte von fremden Völkern nehmen muss. Die englische Aussenpolitik k:nnt nicht die amerikanischen Traditionen der guten Nachbarschaft, sie orientiert sich an den Eroberungszügen vergangener Jahrhunderte find der Eroberungspolitik eines Disraeli. Ein Blick auf die Landkarte zeigt: W'o kann es für England geeignetere Basen geben, als in Tripolis oder Haifa? Wer ist also interessiert an einem Kl ma ständiger Gewalttätigkeiten? Doch nur der Verwalter dieser Gebiete, England, dem weder Tripolis, noch Haifa gehört. Es verwaltet im Namen der Vereinten Nationen die Gebiete Nordafrikas, ebenso wie Palästinas. Und ständige, vielleicht sogar übertriebene Zeitungsoncldungen über Unruhen in diesen Gebieten können nur dev. einen Sinn haben: Im nordamerikanischen Volk den Eindruck zu erwecken, dass diese Gebiete nur unter Aufwendung grosser Truppenmengen ruhig gehalten werden können. Und deshalb braucht die englische Verwaltung ständige Unruhen in den arabischen Ländern, deshalb glauben wir dem ägyptischen Ministerpräsidenten, dass Aegypten an den Vorkommnissen der letzten Wochen unschuldig sein kann. Unschuldig ist selbstverständlich auch das englische Volk. Die englische Kolonialverwaltung ist eine Kaste van Menschen, deren Familientradition die Administration des Weltreiches ist. Seit Jahrhunderten haben sich die politischen Methoden dieser Kaste nicht geändert. An ihr sind die Ereignisse d^r letzten fünfzig Jahre spurlos vorüber gegangen. Aber die Welt hat sich geändert. Das englische Volk hat in seinen Wahlen bewiesen, dass es mit den Tories gebrochen hat, und es wird seinen neuen Vertretern nicht weniger verzeihen, als wenn diese die Methoden der Tories in die Zukunft retten wollen. Gestern hat Churchill im Unterhaus erklärt, die Auesenpolitik der Arbeiter unterscheide eich in nichts von der der Konservativen. Attlee sollte sehr nachdenklich werden angesichts eines solchen Lobes, das die freie Welt als Tadel versteht. Die IVeit hat sich geändert; neue Völker sind bereit, Verantwortungen zu übernehmen, die bisher England allein trug. Deshalb brauchen uns die letzten Ereignisse nicht deprimiert zu stimmen. Es kommt nur darauf an, die wahrem Zusammenhänge aufzuzeichnen, es kommt nur darauf an, zu zeigen, dass alle die Unruhen in Nordafrika und Palästina das Produkt künstlich geschaffener Konstellationen sind. Es kommt nur darauf an, die Fäden der britischen Kolonialpolitik zu zerschneiden. Es kommt darauf an, vor aller Oe ffcotlichkeif diese Draht- UN MENSAJE«» ^ei- Declarando que habla en nombre de todos los miembros del Congreso de Organizaciones Obreras Industriales (C.I.O.), Phillip Murray, presidente del C.I.O., cablegrafió al primer ministro Clement Attlee, una acre protesta contra los informes de que el gabinete británico continuará la política del Libro Blanco en Palestina. El cable dice así: “Informes de que él gabinete británico favorece la continuación de la política del Libro Blanco en Palestina con ligeras modificaciones, está causando consternación aquí. El trabajo norteamericano que conjuntamente con el trabajo británico he respaldado i repetidamente las aspiraciones judias en Palestina, no puede creer que las solemnes pro- ¡ mesas hechas al pueblo judío serán ahora ol- | vidadas. Si el Libro Blanco continúa es se- ■ guro que la opinión pública norteamericana 1 reaccionará vigorosamente. Ello traerá un i peligroso efecto sobre las relaciones anglo- ¡ norteamericanas. Hablando en nombre de todos los miembros del Congreso de Organizaciones Obreras Industriales, respetuosamente apremio a usted para que impida este cruel golpe sobre el pueblo judío y lleve a su cumplimiento la promesa de una ilimitada inmigración en Palestina.” NEUE ZWISCHENFAELLE IN NORDAFRIKA KAIRO, 6 (U.P.) — Der britische Informationsdienst gab bekannt, dass in der Nacht des 4- November In Tripolis schwere Unruhen ausgebrochen sind, die durch Gewaltanwendung und Brandstiftungen gekennzeichnet waren, wobei Araber Juden angriffen. Die Opfer waren bis zur Nacht des 6. November 74 Tote und 183 Verletzte bei den Juden, und 1 Toter und 36 Verletzte bei^ den Arabern und mehrere Verwundete bei den Italienern. 40 Juden wurden getötet und viele mehr schwer verletzt bei einem arabischen Angriff gegen das Judenviertel Souk el Juna und Ta- ,iura. Vororten von Tripolis. Die britischen Behörden ergriffen strenge Massnahmen, so auch die Proklamation des Belagerungszustandes. Die Truppen und die Polizei verstärkten ihre Wachsamkeit, wobei sie Befehl erhielten, auf , Plünderer zu schiessen und Grup« | pen von mehr als 5 Personen aufzulösen. Man sagt, dass diese in Tripolis beispiellosen Gewaltakte von unverantwortlichen Elementen verursacht wurden, hauptsächlich aus | dem arabischen Teil der Stadt. Das Inland blieb im allgemeinen ruhig, ausser im Osten, wo in | Cussbat und Zliten Unruhen vorkamen. Diese “unverantwortlichen Elemente5' hatten die Gerüchte j ausgestreut, dass der arabische i Bürgermeister von Tripolis ermor- | det und das religiöse Gericht angesteckt, worden sei. j Ausser den Opfern unter den! Juden — wird offiziell mitgeteilt! — ist die Plünderung aller jüdi- { sollen Geschäfte in Souk el Juna und in Tajura zu beklagen. Aus den nacheinander eingehenden Meldungen ist zu entnehmen, dass die Ausschreitungen erheblich waren, auch wenn man versucht, zu dementieren, da-is sie ausi * schliesslich antijüdisch waren, wie j i zunächst verschiedentlich ver- | | sichert wurde. | I Der Militärkommandant von :! Tripolis, Brigadier Temple, erj klärte den Mitgliedern des arabi-;! sehen Beirates, dem der Bürger- I Koenig Faruk empfing i den Oberrabbiner | KAIRO (ITA) — König Faruk j lud den ägyptisch, n Oberrabbiner ,! Naboum zu einer Audienz ein. und I •j empfing ihn in den Nachmittagsj stunden des 5. November. Der Köj I nig bestätigte den Empfang eines j j offiziellen Protestes, der ihm von j den jüdischen Gemeinden des i Landes ausgehändigt wurde. Man i kennt zwar nicht den genauen lnj halt der Note, aber der ITA-Korj respondenten konnte erfahren, j dass dte jüdische Gemeinde enerj gisch die offiziellen Erklärungen j zurückgewiesen hat. wonach die j antisemitischen Unruhen vom j Freitag angeblich nicht vorbereij | tet waren, sondern ausschliesslich : l vom “Pöbel” durchgeführt wur-! j den. Die Denkschrift weist darauf | j hin, dass dte Angriffe gleichzeitig : im ganzen Lande gegen jüdische j | religiöse und kulturelle Einrichj tungen unternommen wurden und! offen sichtlich vorbei dtet waren. I Aegyptens Premier j verspricht strenge j Massnahmen KAIRO, 6 (U.P.) — Der Premierminister Mahmud Fahmy Nokrashy Pascha erklärte in einer i Unterredung mit der United Press,! dass “alle Schuldigen an den agyp- | tischen Unruhen in der verga.n- ] genen Woche prozessiert und bestraft werden”. Der Premierminister sprach mit meister der Stadt vorsteht, dass sie ihren Einfluss zur Aufrechterhaltung der Ordnung einsetzen müssten. Der Beirat schickte daraufhin einen Brief an die englischen Behörden und versprach voll? Hilfe. Die Engländer verhafteten zahlreiche Araber. gewisser Verbi’terang. “dass man sehr übertrieben hat. denn die Un-; ruhen waren in ihrem Wss.^üiouj vorwiegend antijüöte-nTrx-tw-x—• der Beweis?: Ich erhielt heute m'-r gen einen offiziellen Bericht aus Alexandrien, dass von 210 angegriffenen Geschäften 114 Aegyptern gehörten. 56 Europäern und 40 Juden Es haf den Anschein, dass dte Unruhen nicht organisiert waren, und der Angriff gegen die der Farukstrassg war ein Zufall E* gibt 16 Svnasogen und Schuten in der Näh“ dieser Svnaco're. imd keine von Ihnen vm-rte r'hgegriften.” Der oh"rrabhine~ von Aegypten hat außerdem r7er PoliwH für den f-ed^nkt. den sie den Juden nnd ibrm Geschäften lieh, und d,a=em Schritt haben sich auch Finzelr-verson^n «ngeschlossen Der Rabbiner erklärte dem Vertreter d*r United Press: “Ich bedau*’-' di“ übertriebenen Nachrichten — rieht der United Press — dirt k°inp B'techtigung hatten. Es “iht k“?ren Anlass, um von einem tearmäseteen Angriff anf di« Juden zu corechen. und es gibt keine Anziehen für Antisemitismus. Es tet im<r“reeht Aegvnten ate antlo'-v>>Hteehns Tand hinzu'üellen: es sribt aueh nicht den geringsten Antisemitismus.” ULTIMO MOMENTO ZUM 10. NOVEMBER Ta'wii Sie in der Dienstag-Nummer B. B. Samuel: DIE BRANDFACKEL ziehereien der englischen Kolonialpolitik aufzudecken. Es muss sehr zweifelhaft erscheinen, ob die immer wiederkehrenden Beteuerungen der Jewish Agency, dass sie an die Freundschaft Englands und seine Vertragstreue glaube, zweckmässig sind, wo zu gleicher Zeit nicht nur jedes Kind in England weiss, wie es damit steht, sondern. 1 auch verantwortliche Politiker der Jewish Agency das Gegenteil! in Meetings und Protesterklärungen kundtun. Und dann müsste man darauf hinweisen, dass England nach den eigenen Angaben Churchills nicht in der Lage ist, seine Truppen zu demobilisieren, I weil es keine Arbeit und Unterkunft für die entlassenen Soldaten \ gäbe, dass dagegen Amerika davor zurückschreckt, irgendwo neue Truppenkontingente einzusetzen, wobei an die Worte Trumans er- 1 innert sei, dass Nordamerika nicht daran denke, seine Soldaten im Vorderen Orient zur Aufrechterhaltung der Ruhe einzusetzeu. j So wird man das doppelte Interesse Englands besser verstehen: { Unruhen im Vorderen Orient zu schaffen, um seine eigenen Solde-! ten zu beschäftigen und gleichzeitig den Amerikanern vor Augen; zu. führen, dass sie nicht intervenieren, da dies mit dem Aufgebot von neuen Heereseinheiten verbunden wäre. j Dies sind auch die wahren Gründe, warum England heute in | Palästina mehr Truppen und Heeresmaterial hat, als seinem Genej ral Montgomery in einer der schwersten Stunden der englischen , Geschichte zur Verfügung standen. . Vielleicht werden die verantwortlichen Staatsmänner, vor allem Truman, erkennen, welches trauFge Spiel im Nahen Osten gespielt wird, und welche Gefahren die englischen Manöver nicht t allein für die Juden, sondern für den Weltfrieden hedn/fnt. - iVlüg- JERUSALEM. 8 <U.r\> — Möglicherweise ist der Entschluss gefasst worden. Jerusalem in eine nratetedhe und eine jüdische Stadt aufzuteilen, wi? aus glaubwürd'te^r Ouelte mitgeteilt wird, Der Vorsitzende des Obersten Gerichtes in Palästina. W J. Fitzgerald der kürzlich mit der Untersuchung der Frag« betraut wurde, hat. der Regierung bereits seine Empfehlungen unterbietet, nachdem er mehrere zwanzig Zeusen vernommeen hat- Die Juden weigerten sich, an der Untersuchung tedzunehmen, weil sic sie ■lic üb'-'rf'iüss-’g empfinden. Der IT P. wurde niitgeteilt, 'i'es di“ R“vierung keinen endgültigen Beschluss fassen wird, *>evor?ip nicht genauesten« die PatecHnafrage ctpdter' und ertechied'-u hat. Fitzgrrald wird in der nächsten Woche in Jerusalem ankommen, wobei dann entschieden werden soll, oh man seine Vorschläge veiäffrntltehm wird.