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Israelitischer Reichs-Bote · 1882-09-27 · Beilage zum Israelitischen Reichs-Boten No. 39 & 40. · p. Seite 2

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Journal
Israelitischer Reichs-Bote
Volume
8 (1882)
Issue
Beilage zum Israelitischen Reichs-Boten No. 39 & 40.
Date
1882-09-27
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Die Gabe der Sprache. ihre Würde, und der^ rechte .Gebrauch derselben, nach vorzüglichen Quellen dargestellt von Emil Benjamin-Memel. (Fortsetzung aus Nr. 31 u. 32.) Denn wo der Geist der Gerechtigkeit Alle beseelt, wo dieser Geist durch alle Abstufungen der Gesellschaft herrscht, da ist Sicherheit und Wohlfahrt des Staates, das Glück der Familien, die Eintracht aller Stände und Volkstlassen — die erwünschte Frucht aller gemeinsamen und gemeinnützigen Unternehmungen geborgen. Der Argwohn weichet dem Vertrauen, die Mißgunst der freundlichen Theilnahme, die Streit- und Zanksucht dem Antriebe der Liebe. Kein Recht wird eigenügig verweigert, hartherzig verkürzt oder geschmälert, keine Klage kaltsinnig überhört; genug es wird alles verhütet, welches Haß, Streit, Zwietracht, oder andere Zerwürfnisse unter den Menschen herbeiführen könnte; es wird das Recht und die Berechtigung des Einen wie des Andern treu gewahrt; es wird Jedem das, was ihm zukommt gelassen, was chm zu geben und zu thun gehört nicht vorenthalten, was aber auch unumgängliche Bedingung ist für jede menschliche Gemeinschaft, weil ohne dieses Gesetz der Gerechtigkeit kein menschliches Gemeinschaftsverhältniß denkbar ist. — Die Forderung der Gerechtigkeit ist darum auch so groß, daß sie sich keineswegs bios auf das bürgerliche, politische Leben, auf die blos äußerliche Rechtssphäre beschränkt, obgleich sie hier allerdings ihre Hauptsphäre hat — sondern sich vielmehr auf alle Lebenskreye erstreckt. Die Forderung der Gerechtigkeit schattirt sich in allen nur möglichen Verhältnissen des Lebens ab. In allen nur möglichen Verhältnissen des Lebens wird Gerechtigkeit von uns gefordert, haben wir pe zu unserer Lebensaufgabe zu machen und ihr nachzueifern nach der Schrift Wort: Gerechtigkeit, Gerechtigkeit folge nach, aus daß du lebest (5 Most 10, 20.) Denn von der richtigen Anwendung der Gerechtigkeit ist die längere oder kürzere Dauer unseres Lebens, unser Heil und Verderben abhängig. Diese Vorschrift gilt aber nicht allein von unfern Tharen, sondern auch von unsern Worten. Wollen wir die . Forderung der Gerechtigkeir ganz erfüllen, jo müssen wir das Recht auch zu unserer Worte Regel machen und in allen unseren Worren der Gerechtigkeit stets eingedenk sein. Es ist, wie schon vorhin gesagt, nicht gleichgültig, was und wie tvir sprechen. Wie man über Religion und Tugend sprichi, über die Thaten Anderer, ihre Vorzüge und Fehler urtheitt; wie man über dieses oder jenes Phänomen sich mdignirt, oder aber es beifällig begrüßt — alles dieses gehört mit in das weite unermeßliche Gebiet der Gerechtigkeit. Ganz voran srellen wir die ungerechten Urrheile über unsere Nebenmenschen, die zwar, in der Regel, von lügnerischen, lieblosen und verläumderischen Lippen ausgehen, nicht selten aber auch von einem glühenden jedoch übereilten Tugendeiser, theils zur vermeintlichen Besserung des unrecht Beurtheilten, theils auch aus wirklicher Tugendbegeisterung, gegeii dritte Personen geäußert und ge fällt werd en. Wenn im letzteren Falle ein solch ungerechtes Urtheil nun auch gleich, usi-ütctiehretrder Besinnung 'willig und'gern zuruckgenoi>...ien rvird, so hat das Uebermaß )enes, wenn gleich aus sittlicher Quelle fließenden Eifers ein Unrecht erzeugt, und das Rechte ist verfehlt. ^Die Thaten der Menschen stehen in ihrer Uebereinstimmung mit dem heiligen Gesetze oder ihrer Abweichung von demselben vor unseren Augen, und sind um.Recht ein Gegenstand unserer Aufmerksamkeit und unserer gesellschaftlichen Unterhaltung, wir müßten gleichgültig gegen Recht und Unrecht, Wahrheit und Lüge, Tugend ' und Laster, müßten uns einerlei sein, das menschliche Glück und Elend müßten uils nicht rühren, wenn die Handlungen unserer Brüder von uns ohne Beifall oder Mißbilligung betrachtet würden. Indem wir aber so die Thal an ' sich mißbilligen und verabscheuen, indem wir Bedauern und zugleich Unwillen fühlen gegen den, der ste beging, stehen wir an der Grenze unserer B efugniß. Wollen wir weiter gehen, wollen wir darüber entscheiden, aus welchen Absichten und mit welchem Vorsatze der Fehlende handelte, wollen wir also sein Herz beurthciten, den Grab seiner Strafwürdigkeit bestiNimeii bann sollen wir aber auch das Göttliche, das mtt Strenge und Liebe zugleich die Stimme der Billigkeit und ben Zuruf der Milde vereinigt beachten. (Fortsetzung folgt.) F rank für. t a. M., im September. Der Herr Redakteur der zu New-8)ort erscheinenden jüdischen Ztg. „Jewish Messenger" erlägt folgenden Bertcht über eine Reste nach Europa. „Indem ich Ihnen einett Bericht über die Eindrücke, welche eine Retse m Deutschland und, der Schweiz auf mich machte, gebe, beschränke ich mich auf solche Bemerkungen, welche ein allgemeines Interesse für jüdische Leser haben. Am 7. Juni kam ich in Hamburg an, den svlgendett Sablath wohnte ich dem Gottesdienste in dem Reformtempel bet, wo Dr. Jonas als Rabbiner fungirt. Nach unsern amerikanischen Begriffen kann der Gottesdienst kaum reformistisch genannt werden. Tie Frauen nahmen ttoch, wie vor Alter, bte obereGallerie ein, sieben Männer werden . zu der Thora aufgerusen, die Gebete sind mit geringer Ausnahme hebräisch, und im Ehore werden lerne Frauenstimmen gehört. Ich war überrascht von der Leere des schönen Gebäudes. Es waren wohl zwanzig Männer und eme guteAnzahl russischer Flüchtlinge gegenwärtig, in der oberen Gallerte zählte ich genau 5 Frauen. . Während tu den orthodoxen Synagogen, wie man mir erzählte, an gewöhnlichen Sabbathen Nicht gepredigt wird, geschieht solches in dem Tempel jeden Sabbath. Dochmch glaube der Styl der Predigt würde nicht nach dem Geschmacke enter amerikanischen Zuhörerschaft sein. Dre Ansprache war m einer zu, hohen Redeweise. Der Prediger kam niemals auf das Niveau der gewöhnlichen Menschheit. Ich vernahm eine schöne Predigt, aber ich glaube nicht, daß durch dieselbe beu religiösen Bedürfrtissen des durchschnittlichen Gotteshausbesuchers gedient war. In Berlin besuchte ich die Hauptsynagoge in der Oranienburger ^Straße; es ist ein großes und imposantes Gebäude, doch glaube ich nicht, daß die Stimme des Predigers durch das ganze Gebäude gehört werden kann. Unter allen Synagogen, die ich besucht und gesehen habe, kann keine sich hinsichtlich Schönheit und Luxuriösität so rühmen, als die, im orientalischen Style gebaute Synagoge in Wiesbaden. Der Gottesdienst aber kontrastirt im höchsten Grade mit der ästhetischen Erscheinung des Tempels. Es herrscht da nicht die Ordnung und das Dekorium, welches man in einem solchem Hause erwarten sollte. In Mainz war das Gotteshaus wohl besucht und ich hörte eine schöne Predigt des Rabbiners Dr. S. Salfeld. Während meines Aufenthaltes in der Schweiz besuchte ich an zwei Sabbathen die Synagogen in Zürich und Luzern. In beiden Plätzen sind kleine Gemeinden, welche den Gottesdienst in orthodoxer Weise und in gemietheten Lokalitäten abhalten. Ich habe die Meinungen der Rabbiner von Hamburg, Frankfurt, Mainz und Wiesbaden vernotnmen, und alle beklagen sich über die Indifferenz, die Lethargie der deutschen Jrsaeliten. Der alte Geist religiöser Begeisterung und Pietät ist dahin, und unter der gegenwärtigen Generation ist kein Eifer, kein Enthusiasmus — nur Formalismus und ein guter Theil von Streitsucht. Um die Lage noch mehr zu verwirren, ist die Judenhetze noch durchaus nicht zu Ende, ihre Führer sind so thätig und wüthig als je, und ihre Animosität nimmt noch zu. Ich bm in meinen Bemerkungen zu dem Schluffe gelangt, daß wir gesellschaftlich in Amerika viel glücklicher find, als unsere Bruder in Europa und vom religiösen Anschauungspunkte glaube ich, daß unser religiöses Leben uns zu einem schöneren und edleren Endziele führen wird, wie unsere Propheten auch geweissagt haben, als die Israeliten Europas, von denen etnrge Rabbiner ganz nieoergeschlagen und verzweifelnd sind." (Wir finden in diesem Berichte die Bestätigung einer allgemein anerkannten und bewährten Thatsache, daß das Reformjudenthum an Kraftlosigkeit und Altersschwäche — trotz seiner verhültnißmäßigen Jugend — leidet. Wir bedauern, daß der Herr Berichterstatter sich nicht die Zeit und Muße nahm, die orthodoxen Synagogen und Rabbiner zu be>uchen. Er würüe hier ein ganz anderes Bild über oas deutsche Judenthum, welches, in der Thal nicht annähernd mit oem amerikanischen Judenthum zu vergleichen ist, erhalten haben. G. s. d. herrscht in den orthodoxen Synagogen, nicht jene traurige Oeoe des Reformtempel und rn den Herzett oer orthodoxen Rabbiner nicht jene dunkle Verzweiflung. Im klebrigen ubergeben wir den Bericht, ohne uns für die detaillirte Richtigkeit desselben zu verbürgen. So ist z.B. die Bemerkung, daß in dem Hamburger Reformtempel fast nur hebräische Gebete slattsinden, höchst unwahrscheinlich. Daß ern Redner in der großen Synagoge m Berlin nicht durchweg in dem ganzen Hause gehört werden kann, ist selbstverständlich. Das Publikum hat sich in allen großen Synagogen, wie auch hier in Frankfurt, um den Redner zu hören, näher zu ihm hinzubegeöen. Die Bemerkung über „Streitsucht" unter den : deutschen Juden bezieht sich ebenfalls nur auf die Reformer, denn die Orthodoxen haben keinen Grund zum Streiten, bei ihnen ist Alles bestimmt und unbestreitbar. Redaktion.) Bromberg. Kurz vor den Feiertagen fand hier die Grundsteinlegung der Synagoge statt. Die üblichen drei Hammerschläge that zuerst Oberregierungsrath Hahn Namens der königlichen Regierung. Im Anschluß an die Worte der Feftpredigt wünschte er, daß die Erbauer und fämmtliche Anwesende die Vollendung des Werkes erschauen mögen, und daß in dem Hause das, was bei Beginn der Ferer die Musik gespielt habe: „Allein Gott in der Höh' fer Ehrl" auch stets ausgeführt werde. Landrath v. Oertzen that die Hammerschläge unter dem Ausspruch: „Wo der Herr Nicht das Haus bauet, arbeiten umsonst, dre daran bauen." Der evangelische Pfarrer Seeno sprach: „Des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagi, das hält er gewiß." Auch die anderen Herren, Oberpoftdirettor Hirschj Steuerrath Jäch, Bauinspektor Muttray, sowie Conßstorialrath Taube und Divtsionspfarrer Moldenhauer sprachen zu den drei Hammer - schlügen; auf die evattgelischen Geistlichen folgten unmittelbar die Rabbiner Dr. Gebhardt und Theodor. (Inden, in mehreren Blättern der katholischer Geistlichkeit, wegen Nichtbetheüigung an ähnlichen und diesem Vorfälle gemachten Vorwurf können wir nicht einstimmen. Wir können nur unser Erstaunen ausdrücken, die evangelischen Geistlichen ttt solcher hervorragenden Weise bei der Grundsteinlegung einer Synagoge vertreten zn sehen. Dieses Eocetttren mit fremden Eonfessionen, wie es jetzt von gewissen Seiten unter den Juden geschieht, kann nicht unserer Religion und unseren Glaubensgenossen zur Ehre gereichen. Wir können das Sichenthalten der katholischen Geistlichen von einem solchen lediglich consessivnellen Akte nur selbstverständlich finden. Trotz des Schönthuens und der überzärtltchen Freundschaft, welche dre evangelischen Geistlichen bei derartigen Einweihungsgelegenheiten an den Tag legen, ist sie es, in deren Mitte die Hospredigerpartei StöüerS entstehen konnte, mit ihrer antisemitischen Agitation und ihrer Propaganda für russische Judenverfolgung. Wir haben dergleichen nicht von der tatholychen Geistlichkeit zu berichten. Dieselbe hält sich ebensosehr von einer Betheiligung an lediglich jüdischen confessronellen Handlungen, wre an einer gegen die Juden gerichteten Agitation fern. Auch Juden dürsten an rein katholischen Feierlichkeiten schwerlich als solche sich betheingen wollen. Redaktion). Waldenburg (Schlesien). Hier wurde am j5. September der Grundstein zur neuen Synagoge gelegt. Der Art, welcher Nachmittags um 6 Uhr statlfand, und zu welchem außer dem Vorstände und den Repräsentanten oer Gemeinde der größte Theil der Gemeindeglieder, sowie viele Personen anderen Glaubensbekenntnisses z erschienen waren, begann damit, daß der Vorsteher der Gemeinde, Kaufmann Raschkow, die auf die Grundsteinlegung bezüglliche Urkunde und die Abschriften der Protokolle über den Beschluß des Vorstandes und der Repräsentanten, wonach der Bau zur Aufführung gelangeti soll, verlas. Hierauf wurden diese Schriftstücke nebst der „Geschichte der Synagogen-Gemeinde Waldenburg und ihre gegeitwärtigen Verhältnisse", dargestellt von dem Rabbiner Dr. I. S amter (die betreffende Schrift soll nächstens durch Druck veröffentlicht werden), ferner die letzten Nununern der in Waldenbnrg erscheinenden Tageblätter, sowie einige Geldmünzen, nämlich je ein Geldstück vom Einmarkstück abwärts bis zum Einpfennigstück, in einer Kapsel dem Grundsteine eingefügt. Nunmehr ergriff Rabbiner Dr. Samter das Wort zu einer Festrede und führte schließlich die ersten drei Hammerschläge. Ihm folgten der Vorsteher der Gemeinde, Kaufmann Raschkow, ferner das älteste Mitglied der Gemeinde, Rentier F. Cohn aus Charlottenburg, Herr Jäger jun., welcher den Bau leitet, und Maurerpolier- Köhler. Mit Gebet wurde der Act geschlossen. Sch. R. W res che u, 18. September. (Unlieb verspätet.) Der hiesigen Synagogen-Gemeinde sind einige namhafte Legate vermacht worden, derenZinsen durch den Gemeinde- Vorstand dem Willen der Testatoren gemäß zu bestimmten Zwecken verwendet werden: 1., das Frau Rebecca Jaffe'sche Legat von 900 Mark, dessen Zinsen zum Unterrichte ..rmer Schulkinder bestimmt sind; 2., das ^Jtzig Blum'sche Legat von 1500 Mark, wovon der eine Theil der Zinsen zur Anschaffung für Kerzen in der Synagoge und der andere Theil für Verrichtung eines Gebetes am Sterbetage des Testators verwandt werden soll; 3., das Schlome Wolff Banner'sche Legat von 90 Mark; 4., das David Fuch'sche Legat im Gesammtbetrage von 3900 Mark. Die Zinsen 195 Mark jährlich, werden in bestimmten Beiträgen für Hilfbedürftige in Jerusalem, zum Unterricht armer Kinder, für hiesige Arme, für den Gemeindediener und für den Gemeindecantor vertheilt; 5., das Aron Ponsch'sche Legat von 300 Mark; 6., das Luise Gabriel'sche Legat von 450 Mark, auch die Zinsen dieser Legate werden für die Verrichtung von Gebeten am Sterbetage der Testatoren verwandt; 8., das Lewin Hirsch Jaffe'sche Legat von 3000 Mark, deren Zinsen zur Ausstattung armer Bräute ausgegeben werden und 9. das Luise Zarkowsky'fche Legat von 600 Mark, für dessen Zinsen der Gemeinderabbiner am Sterbetage des Verstorbenen Gebete zu verrichten hat. H. Wolff. Gorodistche (Gouvernement Kiew). Das Interesse des Tages nimmt nun die bevorstehende Eröffnung elner Privatleihbank für alle Bedürftigen ohne Unterschied oer Confession, Hierselbst in Anspruch. Die Urheber dieser so eolen Unternehmung sind die hiesigen Juden. Die Herren R. Bertmann, Poliekowsky, Lewiton und I. Spektor sind es, die, in Anbetracht der großen Ausbreitung des Proletariats, welche in letztererZeit bei uns stattfand, — viele Familien entbehren buchstäblich des täglichen Brvdes — beschlossen haben eine Leihbank zu gründen und haben auch zu diesem Zwecke eine Summe von 20,000 Rubel gezeichnet. Wenn diese Bank eröffnet ist, kann man sich votstellen, wie sehr man diese wohlthätigen Männer für das phylantropische Interesse, welches sie ihren AiUhlLtdLNL.erv-BrrtLau:wRHzeiAsn, fegnew rvied. -UnR wirklich kann diese Bank einen sehr glücklichen Einfluß aus die materielle Lage der Arbeiter- und Handelsklassen haben. Indem wir dem phylantropischen Werke ein vollständiges Gelingen wünschen, können wir nicht umhin die Befürchtung auszusprechen, daß es sich in die Sphäre der Hypothesen verlieren kann! (Red. Bisher hat man wenig von edlen humanen Werken der Juden Rußlands gehört. Sollte ihr Unglück ein Weckruf fürste gewesen sein. Vermischtes. — fEin biblisches Gemälde inPompeji.) Aus Neapel vom 23. v. M. berichtet ein Correspondent der Times: In Pompeji ist ein höchst interessantes Gemälde aufgesunden und unter den pompejanischen Fresken un Museum zu Neapel aufgestellt worden, welches das Urtheil des Salamo vorstellt. Es ist dies das erste ein btlisches Sujet darstellende Gemälde, welches in den verschütteten Städten bisher gefunden worden ist. Das Gemälde 'ist 5'/? Fuß lang, 19 Zoll hoch. Es stellt eme Terrasse vor einem mit Schlingpflanzen geschmückten Hause dar, welche von einem weißem Zeltdache überschattet wird. Au; einem erhöhtem Throne fitzt der König in weißem Gewände; auf jeder Seite sitzt em Berather neben ihm, und hinter demselben sieht man sechs bewaffnete Krieger. Der König hört einer Frau in grünem Gewände zu, die mit zerrauften Haaren und ausgestreckten Händen vor ihm kniet. In der Mitte des Gerichtshofes steht ein dreibeiniger Tisch,^auf welchem ein Kind liegt, das trotz seines Sträubens von einem Wetbe ,dessen Kopf ein Turban schmückt, in liegender Stellung erhalten wird. Ein Krieger hält das Kind bei deich Fußen und ist augenscheinlich bereit, es mit seinem Echwerte entzweizuspalten.^ Eine Gruppe von Zuschauern vervollständigt das Gemälde, welches im Ganzen i9 Figuren enthält. Das Bild ist vortrefflich erhalten. Als Kunstwerk steht es unter dem Durchschnitt des Werthes der pompejanischen Gemälde. Die Körper der Figuren sind zwerghaft klein und die Köpfe derselben außer allem Verhäliniß groß, was der hier geäußerten Meinung, daß mit dem Bilde eine Earicatur der Juden und ihrer Religion beabsichtigt war, einigen Schein der Begründung verleiht. Andererseits empfängt man aber den Eindruck, daß der Künstler ängstlich bemüht war, den Gesichtsausdruck der betheiligten Personen darzustellen, und deshalb die Köpfe vergrößert hat. Auch in anderer Beziehung ist Nichts von einer Earricatur zu entdecken. Die Todesangst der knienden Mutter, die Aufmerksamkeit des lauschenden Königs und der Triumph des andern Weibes, welches der bevorstehenden Theilung des Kindes entgegensteht, dies Alles ist sorgfältig ausgedrückt. — Ein triftiger Scheidungsgrund. Was? scheiden wollt Ihr Euch lassen? Habt Ihr denn ganz vergessen, daß in der heiligen Schrift geschrieben steht: Mann undWeib sollen eins sein? — Hochwurden, wann Se öfter bei uns vorbeiganga wär'n hätten's g'maant, wir san unserer zwanzig! Druck von Fr. Honsack in Frankfurt a. M. *

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