Israelitischer Reichs-Bote
- Journal
- Israelitischer Reichs-Bote
- Volume
- 8 (1882)
- Issue
- 39/40 (27.9.1882)
- Date
- 1882-09-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Q) ■? rf Hrgan für religiöse, wissenschaftliche und gemeinnützige Interessen des Iudenttzums. Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark, Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pfg. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen. erscheint jeden Freitag. Herausgeber und Redakteur Moritz Baum Redaktion und Expedition : Unterer Atzemer Nr. 9. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg. Zahlbar hier. Inserate werden bis Dienstag erbeten. r i; Frankfurt a. M., 27. September 1882 (5643). Nr. 39—40. Achter Jahrgang. Abonnements-Einladung. UM" Mit dem 1. Oetoker keginnt das vierte Quartal. Agenten für den Hetried des Kiattes erhalten entsprechende Provision. Geschätzte Keser! Wir wenden uns an Sie mit der Bitte, sich durch die Verbreitung unseres Blattes ein Verdienst um die heilige Sache der Religion, wie unsern besondern Dank zu erwerben. Am Suckothtage lesen wir in dem Pred. Salomo 9, 10: כל, אשר תמצא ״ ידיך לעשות בכחך עשה:Wozu du nur Kraft besitzest, durch dich handeln zn können, das thue!" Es ist durch Einzelne, selbst durch schwache Personen, schon Großes in unserm Volke geleistet worden, und das Verdienst, welches man sich durch Beförderung und Unterstützung jüdischer Literatur, besonders in der heutigen Zeit, wo unser Glaubensbund Anfechtungen aller Art erfährt, erwerben kann, ist ein herrlicherer Gewinn als Reichthum und irdische Ehre. Man erzeigt dadnrch der Gesammtheit Israels eine ״Wohlthat" und giebt es kein höheres Verdienst, kein schöneres Gebot zu erfüllen, keine würdigere Vorbereitung zum Festtage, als solche der Gesammtheit zum Segen gereichende Wohlthat. Wir legen eine Probe-Nummer unseres Blattes S-Zemplarc zLr׳., Verkeilung- -mid-Beo» breitnilg bei. Aus Wunsch werden wir eine größere Anzahl Probeblätter übersenden. Es sind in jüngster Zeit, wie wir mit Freuden aussprechen können, durch unsere gesch. Leser uns vielfach Abonnenten zugeführt worden, wir sagen ihnen hierfür unsern Dank. Wenn wir auf die gef. Unterstützung unserer Leser in der Verbreitung unseres Blattes Anspruch machen, so geschieht Solches im Vertrauen auf die :! Willigkeit derselben für die Sache, die wir vertreten, aus eigenem Antriebe, ohne Selbstinteresse zn wirken. Es bietet sich in den bevorstehenden Feiertagen dazu Gelegenheit. ,,, Wir rufen ihnen ein kräftiges יישר כת zü! Thätigen Abonnentensammlern werden wir gern die gesetzliche dazu erforderliche Erlaubniß zukommen lassen, wie auch eine entsprechende Provision bewilligen. In der Hoffnung, daß unsere Bitte keine ungünstige Aufnahme , sondern Erfüllung und Verwirklichung finde, zeichnet mit dem besonderen Wunsche glücklicher Feiertage Hochachtungsvoll Dev Herausgeber. Drrrn KüLLerrfeste. Die Festfreude, mit welcher der Israelit das Gebot seines Gottes am Suckothfeste erfüllt, ist eine heilige, wahrhaft jüdisch-religiöse. Während die heidnischen Völker ihren Herbstgottheiten, dem Vertumnus, der Ponoma, der Flora, die an sich schon den Charakter höchst unreiner Leidenschaften tragen, unkeusche Tänze, üppige, betäubende Rosenkränze darbrachten und sich gegenseitig mit Rosen und anderen Blumen in ausgelassener Lust bewarfen, war es dem Volke Israel geboten, sein Erntefest, sein Herbstfest, האתית in in inniger, aber ernster, heiliger Freudigkeit zu feiern. Das Judenthum giebt der Freude,, der reinen Herzenswonne Raum, aber es heiligt dieselbe an dem Lichte und der heiligen Gluth seiner Religion zu einer milden, wohlthuenden, sanften Weihch zu einem Frohsinn in Gott. Erst nach dem Versöhnungstage, nachdem der Israelit sich mit Gott und den Menschen ausgesöhnt hat, nachdem er seine geifüge religiöse Umwandlung vollzogen, soll er sich der Freude, der religiösen Wonne hingeben, nach dem בבית אלקים נהלך ברנש Ps. 55.15. ״Wir gehen in das Haus des Herrn mit Zittern" kommet ״ עבדו את ד׳ בשמחה באו לפניו בתנהdienet dem Ewigen mit Freude, kommt vor ihm mit Jubelgesang." Ps, IM. 2. Wie völlig verschieden die Freude Israels von der des Heidenthums! Während die Heiden die sinnlichste, stolzeste Blume, die Rose, ihrem Herbstgotte streuten, bindet Israel sein Fest mit bescheiden Mirthen an die Hörner des Altars!" אל ד׳ ויאר לנו אסרו חג בעבותים עד קרנות המזבח: Israel bringt Sinnbilder, tiefe inhaltreiche Gleichnisse durch seinen Feststrauß seinem Herrn dar. ״Der Mensch ist die vernünftige, die bewußte Natur (Hegel) und durch Israel dankt das ganze Weltall, die ganze, todte und lebendige Natur für die große, übergroße Zahl der Wohlthaten, die der Herr im Laufe des zurückgelegten Jahres erzeigte, und bringt dem Ewigen als Zeichen seiner Dankbarkeit von der Frucht des Erdbodens פרי האדמה dem Herrn dar. Es ist dies im Sinne der Worte Jakobs; 1. B. M. 43, 11. ״Nehmet von dem Gepriesensten des Landes in eure Gefäße und bringet dem Herrn ein Geschenk!" Von dem Besten des Landes, הכלל הוא לבחור ״ הנאה מכל אחר שבהם :Die .Hauptsache ist von jedem das Schönste auszuwählen;* ' Ein wahrhaft jüdisches Fest ist demnach dieses Hüttenfest. Man dankt seinein Gotte, der wie ein Vater seine Kinder die ״ צאן מרעיתוSchafe seiner Weide" (Ps. IM) durch die dürre Wüste nach dem wasserreichen Lande Palästina führte, (daher die Wafferpflanzen: Bachweide, Lulow,) der in Hütten wohnen ließ und von dem alles Gute, aller Segen kommt. Und man dankt ihm mit Früchten seines Landes, mit Erzeugnissen des Bodens Israels, nicht durch fremde Pflanzen! ״Trinke Wasser aus eigenem Brunnen, und rieselnd Wasser aus eigener Quelle!" Spr. S. 5. 15. Wir glauben hier eine tiefe Wunde, einen entstellenden Fehler des heutigen Judenthums berührt zu haben. Will man nicht allenthalben aus fremdem Borne trinken, sich an fremdem Blumendufte berauschen, und vernachlässigt man nicht überall das bescheidene Erzeugniß des heimischen, des ureigenen Bodens, die so schöne, beseligende, wohlthuende Religion Israels und ihre so herrliche Sprache? Es ist ein Zeichen unserer Zeit, daß Alles, was wohlklingt, was phrasenhaft, was nach außen glänzend ist, dem wahrhaft Kernigen, dem Jnhaltreichen, dem Wahren vorgezogen wird. Ein schönklingender, in dichterische Form gehüllter Ausspruch Schillers oder Göthe's gefällt mehr als ein tiefsinniges Wort unseres lieblichen Sängers David, oder des gottbegeisterten Propheten Jesaiah. Während der mit ״Klassischer Bildung" so gut ausgestaltete Gymnasialschüler die Koriphäen deutscher Literatur in ihrem kleinsten Theile memorirt und sie bei jeder Gelegenheit citirt, sie in den höchsten Himmel seiner Werthschätzung, seines Lobpreises versetzt, nehmen die großen Dichter und Denker unseres Volkes nur einen verschwindend kleinen Theil seiner Bildung, seines Studiums ein, er kennt sie nicht, er verachtet sie, er meidet ihre Nähe. Und doch, welch hohes, welch vortreffliches Bildungselement, so ganz der Natur und dem Wesen der anfkeimenden Menschennatur, des werdenden Menschen wird hierdurch verloren! Wie ganz anders prägt die, auf religiöses Gefühl sich gründende Weisheit, die auf religiöse Macht sich gründende Lehre sich unserm Gemüthe ein, als die weltlichem Boden entkeimende. Ja, die ganze geistige Konstitution des Menschen entbehrt ein Lebenselement, sie siecht und kränkelt, sie verfällt, wenn ihr nicht die alle Bildung, alles Wissen verbindende religiöse Nahrung zugeführt wird, ebenso wie die körperliche, physische Beschaffenheit des Menschen leidet, wenn ihr nicht die entsprenden eisen-, milch- und käsehaltigen Nahrungsstoffe zugeführt werden. Alle geistige Energie, alle Willensthätigkeit des Menschen beruht im Grunde auf religiösen Antrieben und nur zu der höchsten Schädigung derselben kann es gereichen, läßt man den Urbodeu alles Höheren, das Entstehungsseld aller höheren Weisheit und Vernunft unkultivirt. Die Konzentrirung der geistigen Kräfte aus einem Punkte ist zum Glück, zum Wohlbefinden des Geistes, nach dem Ausspruche aller, neueren Phrenologen, so höchst nothwendig! Nur aber die Religion kann solche Einheit, Energie des Geistes gewähren! Das oberflächliche, leicht verfängliche, bestechliche. Urtheil läßt sich durch den schmeichelnden Wohllaut der sogenannten humanen, klassischen Bildung zur Geringschätzung des heimischen, religiösen Besitzthums verführen und beachtet nicht, daß alle jene Schriftsteller, die man bewundert, auf echt wahrhaft reli-' giösen Boden fußen, auf ihm groß geworden sind, So hat z. B. der bewunderte Göthe H»,dem Kreise, , worin er erzogen ward, die mannigfachsten religiösen Anregungen erhalten, Klopstoks religiöse Poesie war .(hm^frssk.^bMn^jHder, Kambe baute.M einen Alta^ rn jeinem Zimmer, an *nielchÄu er täglich betete. Schiller erhielt durch seine feinfühlende, gebildete Mutter Elisabeth Dorothea eine wahrhaft religiöse Erziehung. Was besonders die jüdische, religiöse Erziehung für große, geistig hervorragende Männer erzeugen kann, das beweist der nun Hingeschiedene große Schriftsteller Berthold Auerbach, dessen ganzes Geistesleben, Wissen und Denken auf talmudisches. Wissen sich gründete. Die Bibel übersetzte derselbe ins Deutsche schon in seinem achten Jahr; den populären Commentar des Salomo Jizchaki — Raschi genannt — las er ein Jahr darauf schon fließend, ebenso den fälschlich Mendelsohn zugefchriebenen Biur (Commentar) zum Pentateuch. Und sind nicht auch die am Schönsten, in höchster Erhebung ausgesprochenen Gedanken unserer besten Dichter nicht einfacher, treffender em unsern heiligen Büchern enthalten? Wenn wir das so gepriesene Glaubensbekenntniß Göthes im 1. Theile des Faust betrachten: ״Wer darf ihn nennen und wer bekennen: Ich glaube ihn. Wer empfinden und sich unterwinden zu sagen: Ich glaub' ihn nicht? Der Allumfasser, der Allerhalter faßt und erhält er nicht dich, mich sich selbst? Wölbt sich der Himmel nicht dadroben? Liegt die Erde nicht hierunten fest? Und steigen freundlich blickend ewige Sterne nicht herauf?' Erfüll dein Herz so groß es ist und wenn du ganz in dem Gefühle selig bist, nenn' es dann, wie du willst, nenn's Glück! Herz! Liebe! Gott! Ich habe keinen Namen dafür! Gefühl ist Alles, Name ist Schall und Rauch umnebelnd Himmelsgluth!" Nun, so schön diese Worte sind, so treffen wir auf jeder Seite der heiligen Schrift viel anschaulichere, deutlichere Lehren über Gott, seine Eigenschäften', sein Walten hiernieden. Viel näher steht der gläubige Israelit seinem Schöpfer, als derjenige, der jenes Glaubensbekenntniß zu seiner Richtschnur nimmt. Dem Israeliten ist die Gotteserkenntniß kein unbestimmtes, vagues Gefühl, 5. B. M. 4, 39. ״Erkenne und nimm wohl zu Herzen, daß der Ewige der Gott ist im Himmel oben und unten auf der Erde, sonst Keiner!" Und der Name Gottes ist dem Israeliten nichts Gleichgültiges. נקרש את שמך ״ בעולםWir heiligen deinen Namen in der Welt!" ^(Sabbath-Gebet.) Der Name Gottes ist nicht dem /! •*t- \ \