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Israelitischer Reichs-Bote · 1882-08-25 · 34 (25.8.1882) · p. [Seite]

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Journal
Israelitischer Reichs-Bote
Volume
8 (1882)
Issue
34 (25.8.1882)
Date
1882-08-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Organ für religiöse, wissenschaftliche und gemeinnützige Interessen des Iudenttzums. er Hcidis־ Hofe Organ für religiöse, wissenschaftliche und gemeinnützige Interessen des Iudenttzums. Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark, Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pfg. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen. erscheint jeden Freitag. Herausgeber und Redakteur Moritz Baum Redaktion und Expedition- Unterer Atzemer Nr. 9. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg. Zahlbar hier. Inserate werden bis Dienstag erbeten. Frankfurt a. M>, 25. August 1882 (5642). Ar. 34. Achter Jahrgang. סדרה כי תצא »5 Die hebräische Sprache ist dem manigfaltigsten Wechsel und der Veränderung in seinen Lauten und Mitlauten unterworfen. Es verlohnt sich gewiß der Mühe, über die Veränderungen und Wandlungen in unserer heil. Sprache selbst bei einer Thoravorlesungbetrachtung sich zu unterhalten, und sie eingehender zu untersuchen; ist doch seit jeher Religion und Wissenschaft auf das Innigste im Judenthum mit einander verknüpft, wird doch die jüdische Spnagoge בית המדרש genannt, Studirhaus, und demjenigen der Besuch derselben am Höchsten angerechnet, welcher auch seine Studien dort vollzieht. So wird im Talmud erzählt: Rabbi Rawa theilt mit: ״Bevor mir der Vers Davids bekannt war, der da lautet, ";אהבתי מעון בית Ps. 26. ״Herr ich liebe die Stätte deines Hauses" studirte ich in, meinem Hause, und betete im Bethause,nachher verrichtete ich Beides im Bethause!" Selbst die Thora wird דברים״" genannt, 5. B. M. 1,1, ״Worte", und beweist dies, welche Wichtigkeit ״Worten" also der Sprache überhaupt beizulegen ist. In die Wichtigkeit der genauen reinen Sprache ist eine solche, daß wegen einzelner Ausdrücke, einzelner falscher Redensarten, Israel zur Rechenschaft gezogen wird, wie der Midrasch El-Rabtha lehrt: Sie wurden bestraft wegen des Wortes הוא, wie es heißt כחשו בך ויאמרו לא הוא: Sie läugneten (Gott^ und sprechen nicht er! wegen des Wortes זה "" dfefetbehrf ge jprachön Mm -gotdm-i^ulbe ״ כי זה משה האישdenn dieser Mann Moses." Sie sündigten mit dem Worte: יש indem sie sprachen: ״ היש ד׳ בקרבנוist Gott in unserer Mitte vorhanden?" Durch eben diese Worte womit sie sündigten, sind sie bestraft worden, und durch eben dieselben Worte wird die Erlösung Israels von Stattten gehen. Wir finden daher mit welcher Aufmerksamkeit der fromme Israelit auf seine Sprache achten soll! Auch die heutige Thora-Vorlesung sagt: כי תצא ״ מחנה על איביך ונשמרת מכל דבר רע:Wenn du wider deinen Feind ins Land ziehst, hüte dich vor jedem bösen Worte!" Selbst in der Leidenschaft, in der Aufregung, in Unglücksfällen, kurzuni in jeder Lage soll man seine Sprache, seine Aussprüche achten. Wir glauben daher, daß uns der Leser willig zu einer Untersuchung in der hebräischen Sprache Gehör geben wird. Um die hebräische Sprache näher zu verstehen, muß man den Vokalwandel, der so schwierig zu erforschen ist, deutlich erkennen. Diese Laute sind der Erweichung, Verdunklung nnd Verkürzun g ausgesetzt; aus welchen Schwankungen eine so manigfaltige und bunte Färbung von Vokallauten emporgetaucht ist, daß unter allen Sprachen verwandten Stammes keine sich hierin mit der Hebräischen vergleichen läßt. (Ewald.) ״Je mehr nun fo die ursprünglich schärferen einzelnen Laute sich Verwischen und schwächen, desto stärker wird in der Sprache die Macht, welche eigentlich über allen einzelnen Lauten schwebt, und welche das Wort mehr geistig zusammenhält und wiegt, der Ton. Er hat schärfere Laute die er beständig trifft, allmählig abgestumpft, und verflüchtigt, wie Lol von Lul, Jiehtov von Jichtav, Jewereth für Jewarth. Im Tone, welcher eine Kraft, das Schärfere abzustumpfen, besitzt wird bei einer häufigen Art von Wurbei ׳ל wie ein גלה das auslautende ae u. 6 abgeschwächt dies findet sich nur im Hebräischen und außer dem in keiner semitischen Sprache so, und giebt ein denkwürdiges Zeugniß, wie äußerst zart und mundfein diese Sprache schon in sehr frühen Zeiten gewesen sein muß. Von der anderen Seite zeigt sich die Dehnung der Vokale durch den Ton, indem durch ihn kurze Vokale mehr oder weniger dauernd verlängert werden. Bei der Erweichung der Vokale geht in aufsteigender Linie jeder Vokal in den ihm zunächst verwandten, weicheren über. A erweicht sich in 6, i und u hinaufsteigend in 6 und 0; die Doppellaute ai und au verschwimmen in die einfachen und weichen Mischlaute ae und 0. Man vergleiche Naloh von Neleeh, Neh von Nah, Jechunenu von Jechonenu, Cheik von Chauk. Ps. 7.4,11. Verdunklung eines Hellen Lautes in einen zwar ebenso starken, aber tiefer gesprochenen, bildet den zweiten großen Wechsel der Selbstlaute, der jedoch im Hebräischen nur das in 0 übergehende a treffen, also weniger manigfaltige Aenderungen Hervorrufen kann, nur zerstreut vorkommt. Alan vergl. Chiraum, 1. B. M. 15,24 und Chirom V. 15 f. Andre Wechsel: Neriuäoh und N620ä0 Bergfeste, Kutonotli von Kutanneth. Durch Zusammenfließen (Contraktion) von Vokalen um das Klaffen (Hiarus) zu vermeiden, entstehen ebenfalls in den hebräischen Lauten Veründerungen, wie Naki aus Nakii, Rum aus Ruom. Verhärtung bei Vokalen zeigt sich bei i und j, u in v. Jeluja aus Jolui. Verdrängung od. Ellision findet ebenfalls statt, wie Kethowum aus Kethowuam. Da ein Zusammentreffen der Vokale dem Grundgesetze der Laute widerstrebt, drängen sich Halbvokale zwischen die Vokale ein, wie man für Daniel auch Danijel findet. Wir finden, und werden es immer mehr finden, wie Die hebräische Sprache" sich innig--dem-Toneja dem Hauche der Rede anschmiegt, wie sie Zart und biegsam dem Schönheits- und Wohlklangsgesetze dient, und einer schamhaften Sinnpflanze, einem Gemüthsgewächse gleicht, welches die geringste Berührung fühlt und empfindet. Und so ist auch die israelitische Religion eine sensitive Pflanze, ein Sinn,- ein Gemüthsgewächs. Man mag sie in ihrem geringsten Theile berühren, ein leichter Hauch mag ein Blättchen von ihr streifen, und siehe! die zitternde Bewegung theilt sich dem ganzen Stamme mit, alles was an ihr ist geräth in Erschütterung. Es giebt eben kein minder wichtiger Theil an ihr, der heil. Religion. Alles was an ihr ist, ist Wesentlich. Das Alles leitet ein Hauch, — der Gotteshauch — Job. 32,8 אכן רוח ד׳ באנוש ונשמת שדי ״ הבינםDer Geist ist es im Menschen, und der Hauch des Allmächtigen der sie verständig macht!" Ps. 104.29,31. ״Du verbirgst dein Antlitz — sie verschwinden, Du entziehst ihren Odem, sie vergehen und kehren zu ihrem Staube zurück! Du entsendest deinen Odem, sie entstehen, so erneuerst Du die Gestalt der Erde!" Das Judenthum ist eine Sinnpflanze. Berühre nur eine seiner zarten sinnigen Blüthen כי יקרא קן צפור לפניך בדרך בכל עץ או על הארץ אפרחים או ביצים והאם רבצת על האפרחים או על הביצים לא תקח האם על הבנים: שלח תשלח את האם ואת הבנים תקח לך ״ למען ייטב לך והארכת ימיםWenn sich vor dir ein Vogelnest trifft aus dem Wege, auf irgend einem Baume oder auf der Erde, Junge oder Eier, und die Mutter fitzt auf den Jungen oder auf den Eiern, so sollst du nicht nehmen die Mutter sammt den Jungen: Entlassen sollst du die Mutter, und die Jungen magst du dir nehmen. Damit es dir wohlergehe und du lange lebest!" Welches wahrhaft göttliche Gesetz, welche warme Liebe zu dem geringsten Thiere, dem niedrigsten Geschöpfe strahlt aus diesen Worten dem Gesetzforscher und Wahrheitssucher entgegen! ״Wenn, so sagt Raschi ״auf die Erfüllung eines so leicht auszuführenden Gesetzes, einer solchen מצור. קלה, welche nicht die geringsten Geld- oder andere Kosten erheischt, ein solcher Lohn in Aussicht gestellt wird, wie groß muß nicht der Lohn für die schwerauszuführbaren Gebote der מצות חמורות sein! Aber wenn du dieses Gebot erfüllst, wenn du die Mutter entlässest, so wirst du auch dahingelangen, daß du dir ein neues Haus baust nnd das Gebot des Geländers, der מצות מעקה erfüllen kannst, denn eine Erfüllung des Gebotes zieht die andre nach sich ,מצור, גוררת מצוה, und du wirst dann noch dahinkommen, dir einen Weinberg, Feld und schöne Kleider anzuschaffen, weil die entsprechenden Gebote alle auf dieses eine Gebot des Vogelnestes folgen. Die Heilighaltung des von Gott eingepflanzten Gefühls der Liebe auch im Thiere wird dadurch an's Herz gelegt, daß eben dieses Gebot, gleich dem Elterngebot 5,16, mit der Verheißung, damit verbunden wird. Der Mensch soll Herr der Thiere, aber nicht ihr Peiniger sein; die schädlichen mag er vertilgen, die unschädlichen aber unnöthigerweise zu tobten, oder über- Haupt ein Thier zu quälen ist rohe Grausamkeit! ״Die Ankunft des Messias" sagen unsre Weisen, kann nur beschleunigt werden, wenn der Hauch der Milde die Menschenherzen durchdringt, so daß jede Lieblosigkeit selbst gegen die Thiere aushört, daß selbst im Thier die edle Instinkte, berücksichtigt werden." שלח תשלח את האם אם קיימת מצוה זו את ממהר לבוא מלך המשיח: (דברים רבה): Wir stehen stumm vor diesem göttlichen Ge- Heimnisse, und können nur beten: Ps. 119,18, ״ גל עיני ואביטה נפלאות מתורתךOeffne meine Augen, daß ich die Wunder deiner Thora schaue!" Im Talmud (Kiduschin) lernen wir darüber: Rabbi Jakob sagte: Die auf Erfüllung des fünften Gebotes—der- - Elteruverehrung, und auf hie Mt--— lassung des Muttervogels gleichlautende verheißene Lohn findet nur im Jenseits seine Erfüllung. Denn er hörte, daß ein Vater zu seinem Sohne sprach: Gehe hinauf zum Taubenschlag und bringe mir junge Täubchen; dieser erfüllte sofort des Vaters Geheiß, entließ laut dem Gebot der Schrift, die Muttertaube, und dann nahm er die Täubchen, um sie seinem Vater zu bringen. Beim Hinuntersteigen that er einen Fehltritt, fiel von einer bedeutenden Höhe herab und blieb auf der Stelle todt, und dieser Vorfall führte ihn auf die Behauptung der jenseitigen Belohnung. Hierauf bemerkt Rabbi Joseph: Wenn Acher (Elischa ben Abujah, Lehrer Rabbi Meier's, Freund Akibas, später durch Studium hellenischer Philosophie abtrünnig, und Verräther der Juden), diesen Vers auf das Jenseits bezogen hätte, so würde er nicht zum Abfall, zur Leugnung Gottes gekommen sein! Die Abtrünnigkeit dieses kalten Vernunftmenschen, der an die göttliche Lehre nur den Maßstab der kurzsichtigen menschlichen Vernunft legte, schreibt man einem ähnlichen, wie oben geschilderten Vorfalle, der ihn zum Zweifel führte! Das Judenthum gleicht der Sinnpflanze, nehmet einen Stein ans seinem wohlgesügten Baue und es schrickt zusammen. Damals als es in dem ihm von Gott verheißenen Lande saß, da es Weinberge und Oelbäume, und alles Gute hatte, Häuser die es nicht gebaut, Brunnen die es nicht, gehauen, 6,11, und sagte in seinem Herzen: Meine Kraft und die Stärke meiner Hand schaffte mir diese Fülle, 8,17, und Jeschurun ward feist, schlug aus, ward feist, stark, fett, verließ den Schöpfer, seinen Gott, verstieß den Fels seines Heiles, 32,15, da hauchte er es an mit der Gluth seines Zornes, und alle die Blätter der Sinnpflanze flogen davon und ver-- theilten sich über alle Gegenden und Länder der Welt! Und siehe alle seine Herrlichkeit, seine Pracht, seine Gärten, seine Oelbäume und Weinberge — wie Staub vor dem Winde sind sie dahingeflogen! Und Israel wirft sich klagend in den Staub und spricht: Jes. 44,10 ff. ״Die heiligen Städte find Wildnisse, Zion ist Wildniß, Jerusalem — Ver- Wüstung. Unser heiliges und schönes Haus wo unsre Väter dich priesen, ist mit Feuer verbrannt! und alle unsre schönen Dinge sind wüste gelegt,

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