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Jüdisches Volksblatt · 1921-10-04 · 66 (4.10.1921) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1921)
Issue
66 (4.10.1921)
Date
1921-10-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jahr Wormeineit monast. ti 7.— Da« „saaudie Nt k.a» Lokalblatt londrrn al« Brriand aoituna d»4« brrulcn den natto nelri» k»ltnrelle>i und wtrtlchait l'rlico i>n,-rfslon der bcrrulitrn IudcnlLal» im aarrren »«Äechollrr-akilchcn Staate und In kSal«. tu dienen - Knicrack kosten UI d fUr die Lisch gespaltene »MlimeurMcile. -lnirärie iut Ojnr'Sir übernehmen außer Der 3(Sni=tBiau?n aße aeCEu-ren^ KnnoaeeneipeDUidnen tttluictni le* den firettag._ 3. Marcheschwan 5682. . ’-M üWWWWJWr1W.^WP ■■, G U'i. H wv^'wiBff Hin ,r»w»a«r* i!Mt 1i ur ®«achtuRBii SSJÄSS j nur M j .is-Tigv/ einverkauf für flähr.-Ostr« \\ Weber, itt?3 Restauration,' t tschechischen Legionen ö. Her, Qrofle Sasse. Kunstüi rlagsbuchhandlung „Halrrl", (toi ßckygasse 7.! “******“*““IIIIII||||IM>MIIIIMIIII Hr 4,(,l‘ Zur SteersanNation der zroMijchen Lauoesvehmden. Von Dr. Walter K o h n e r, Karlsbad. Tie zionistische Ortsgruppe Karlsbad stellt dem am 19. und 20. d. 2)f. in Prag ttattsindenden zionistischen TistriktStag für Böhme» folgenden Äntrag: „Der Distriktstag beichliebt die Schaffung einer Zionistischen Geschäftsstelle in Prag, die auf geschäftlicher Basis beruhend die organisatorischen, propagatarischcn und grschästlichen Agenden des bisherigen Tistriktskomitees übernimmt und derart angelegt sein soll, dah sie in Zukunft die Geschäftsstelle der zionistischen Organisation des gesamten Landesverbandes sein kann Tie Organisierung dieser Geschäftsstelle wird einer Kommision überlasten, die dem nächsten Partei- oder Zionistcntag darüber zu referieren hat." Hiezu schreibt uns Herr Dr. Kohner: Dorgefchichte: Nach dem Zerfall der ö'terreichisch-nngarischen Monarchie standen die bisher eigentlich in tzar keinem Zusammenhänge gewesen'» Distrikte Böhmen, Mähren, Schlesien sowie der neu hinzutretende, bisher noch unorganisierte slowakische und kärpathorusirsche Di'trikt vor der Notwendigkeit, zusammenzutreten und im Rahmen des neuen Staatsganzen eine zionisti-- sche Einheit zu bilden. Im Lahre 1919 und 1920 wurde diese Bereinigung durchgeführt. ohne jedoch irgend eine Stelle, am wenigsten die neue Zentralstelle, das Zentralkomitee in Mähr.-Ostrau selbst zu befriedigen. Die Ursache für das schlechte Funktionieren aller zionillischen Stellen und der ganzen zionistischen Arbeit in diesem Staats eeesen selbst wurden von d n verschiedenen Tagungen und Faktcren des öftere" untersu-bt und man hat folgende Gründe dafür angeführt: as die schwierigen politischen Verhältnisse, besonders in der Slowakei, die von einem in Böhmen oder Mähren gelegenen Zentrum fchlcll't oder gar nicht verwaltet werden können und derentwegen jrtrm zur Konstituierung von Di'lrictskow.iiees in der Slo uarei und in Karpstder-:''-aNd schreiten mußte, ohne die entsprechenden diese 'Y'"i '-aben. b) Die Wegnahme außerordentlich wichtiger und hervorragender Gesinnungsgenoffen d"r -' >'» Arbeit im Nolion Zrat (von den 21 Mitgliedern des NR. sind 17 Zioni'ten — und ge j .neu' t f'-tc 'chle dtellenl. in w-lchem sie ihre ganze Arbeitskraft konzentrieren müssen, sodatz sogar dws große jüdis'e Zentrum Prag nicht i" * er p-n* r"t. Män"er cfIr das Zentral» Komitee, ja ni^t einmal mehr für das'Diftriktskomiieo aufzubringen. Diese zwei Hauptgruppen von G"ündcn sind gewiß richtig erkannt worden, sie können daher nicht allein die wirksamen Ursachen für -,.„r f>fv'.^ + f„'„. r-.e-fi t^ir bedenken, daß im kvnareßlosen Jahr 5680 die Zabl der Schekelzahler 7587, im Kongresija.hr 5081 mm um 9000 betrug, obwohl der Kongreß in diesem Lande stattfand, wenn wir sehen, daß die Zastl der S-bekel-aVer in Brag gegenüber der Zabl der Juden sehr klein ist ,daß große Ortsgruppen weiter schlafen, daß in der ältesten Ortsgruppe Böhmens die Zionillen in absolute Letbargie versunken sind und nicht einmal zu iillil-'-er Arbeit zu baden sind, daß die Distriktsbehörde, deren Siß nicht einmal mehr in Prag iß, wäbrend ihrer Llmtszeit nur ein- oder zweimal an die Ortsgruppen herantritt, so mü'- sen wir zu dem Schluß kommen, daß nur eine gründliche Remednr hicher helfen kann. /Die Ursachen der Krise. Als Krise kann der gewiß nicht zu schwarz geschilderte Zustand ruhig bezeichnet werden. Dir sehen die Ursache in folgendem: Wir haben keinen Führer und keine Arbeitsmethode und ein veraltetes System. A. Der Führer. Es ist wahr, mir können keinen Fübrer schaffen oder beschließen, einen zu finden. Aber ich möchte sagen, daß wir Führer haben, d. h. Männer von Ansehen und außerordentlichen Fädigkeiten, die unser Vertrauen genießen. Diese Männer aber sind entweder durch politi» sche Arbeit allzusehr in Anspnich genommen oder sie sind aus Gründen nichtzionistischer Art koltgestellt worden. Vor allem aber sind sie veräraert und übcrarl'eitet im aussichtslosen Kampf mit der falschen Methode und dem veralteten System. Was verlangen wir billigsrweise von unserem Führer und was muß er jetzt alles tun» Was dürfen wir verlangen und was nicht? Wir dürbm und müssen verlangen, daß der Mann, der die zionistische Dewegung in diesem Lande leiten soll, Idealismus. Zielsicherheit, p.rsönliche Ueberzeugungskrast, Beredsamkeit, bürgerlich angesehene Stellung hat, den Zionismus kennt, d. h. den nunmehr schon ganz gewaltigen Fragenkomplex beherrscht. _ Dieser Mann muß willensbildend sein, das heißt, seine ^Anschauung vom Zionismus zur Anschauung!des offiziellen Zionismus machen können. Er j müßte der spiritus rector fein. Wir dürfen von dem Manne nicht verlangen, dah er selbst Adressen schreibt, d. h. daß er sich selbst um die unzähligen kleinen aber außerordentlich wichtigen geschäftlichen Agenden kümmern, daß er selbst das nötige Geld zu- I sam'N"iGetieb', daß er seine Ideen münsam ge» 'gen hinderte z. T. künstlich und m"tmllig kon- ' struierte Hindernisse und Gegenströmungen durchkämpfen muß. Und wenn dieser Mann sich der zionistischen Arbeit nicht so widmen kann, wie er wollte, weil materielle Hindernisse dem entgegenstehen, so müßten wir ihn bezahlen. D. Arbeiksmekhode. Unsere Methode ist die der Kongresse und größeren oder kleineren Tagunaen und Konferenzen und ganz speziell eine Mechode der Resolutionen. Wenn es auf unsere Resolutionen ankäme, wären wir längst am Zi.le. _ Je schwächer innerlich eine Versammlung sich fühlt, desto mebr und weittragendere Resolutionen werden gefaßt. Kein Wort soll damit gegen di; Institution als solche gesagt sein. Was uns wertvoll an Tagungen und Konferenzen erscheinen könnie, ist ^er persönliche 5kontakt zwischen den einzelnen Zionisten, die gegen'est'ge Aussprache, die aber auf der Tagung selbst unmöglick ist, weil sich sonst die Debatte ins Endlose üchen würde. Außerhalb der Beratungen aber ist keine Zeit mehr. Als stimmungsmachendes, erfrischendes Clement kommen Kongresse und Tag"ngcn sebr in Bctracbt. Sie sind auch notwendig, um Gesetze und Richtlinien für künftige Arbeit aufzustellen, aber zionistisch« Arbeit — darüber wollen wir uns im Klaren fein — sind sie nickst. Zionistische 2lrbeit kann nach wie vor nur von Mann zu Mann geleistet werden. Denn auch die große zionistische Politik wird so geirtccl'. «Bastour-Sokolow, Brauoei. Wilson ). Es kommt also darauf an, die Verantworbmg für die Arbeit von einer Körperschaft, einer - Konferenz, einer Bchördr weg auf den e i nzelnen Zionisten zu übertragen. C. System. Dorrborrschend scheint mir bei allen führenden Zionisten eine gewisse Ueberschätzung der j eigentlichen Situation; daraus, daß der zionistische Gedanke außerordenllich stark geworden ist, .daß gwße politische Erfolge zu verzeichnen .sind, daß die effektiven Widerstünde gegen die I Bewegung innerhalb des Judentums gewiß geringer geworden find, wird der Schluß gezogen, wir feien bereits das ganze jüdische Volk, unser ^""g'-est iei *05 jüdische Parlament. Man sagt: Da wir das jüdische Volk vor der Staatsbildung sind, brauchen wir Berhältuisse, wie sie in einem Staatswesen vorbanden sind. Jeder Jude sei Bürger, der keine besondere Leistung vollbringen muß, die Gliederung der Zionisten habe nach Gesinnungsgruppen und nicht nach Landesverbänden zu erfolgen, der Schekel fei abzufchaffen. lAnträge in der Organisationskommission des Kongresses). Man spricht offen aus, die Zeit der Propaganda fei vorbei, die Zahl der organisierten Mitglieder groß genug, man brauche nicht mehr Hinzureißen, die Gründe des Zionismus nicht mehr durch das Iudenelend zu bekräftigen; verhängnisvolle Irrtümmer, Lebensfremdheit der zionistischen Führer und Beamten! Denn wir sind knapp 5 Prozent des jüdischen Volkes, innerhalb des Judentums ist die Zahl der aktiven Gegner geschwunden, die Zahl der Indifferenten, der Noä>-Iuden. der Passiven, die ihre Trägheit hinter „Sympathie" verbergen, aber nicht kleiner geworden: im Gegenteil! Je mehr derart schädliche Tbeoreme verfochten werden, desto größer die Zahl derer, die sagen: Unsere Behörden, unsere Beamt m, di« werden schon arbeiten ,da sie ja dafür be- '"Mt w-rd-n. .st'omnsi es denn in einem Staatswesen darauf an, daß der einzelne mehr tut, als sich zu erhalten? I Unsere Führer und Beamten leben eingespönnen in zionistischen Kreilen, sie kommen, wo immer sie sein mögen, persönlich nur mit den Aktivsten unter uns zusammen, daher sie nie das richtigste Bild bekommen. Denn die Klagen der Aktiven werden mit dem Satze abgetan: So geht es überall! Ja, wenn es überall so geht, . wenn in einer Gemeinde nur zwei oder drei arbeiten, wenn überall die Zionisten zu 95 Prozent nur de nomine Zionisten sind, wo ist denn danndieStärkeder Bewegung? Dann lassen wir doch lieber die „Größe der Bewegung" ein rhetorisches Argument sein und ri.bten'wir unsere Arbeit nach den Ergebnissen der Wirklichkeit, dag wir noch klein und schwach sind, daß der Funke der Begeisterung unter -ms Zionisten, geschweige denn unter der jüdischen Allgemeinheit winzig klein ist, daß dre Zeit der Bropaganda noch nicht vorbei und die Zeit der kühlen Zahlen leider noch nicht gekommen ist. In der Zusammenfassung ergibt sich, daß diese drei Gründe, Aiangel an Führern, mangelhafte Arbeitsmethode, unrichtige Einstellung erst dadurch zur Geltung kommen, weil uns noch n 'cts fehlt, fl-5 Mängel bei diesen drei Faktoren ausgleichen und unschädlich machen könnte. Das ist der Mangel eines Apparates, ^n der letzten Zeit bot man mit immer größerer Klarheit den außerordentlichen Wert eines, von den momentanen Parteikonstellationen unabhängigen, automatisch weiterarbeitenden Partsiapparates erkannt. Eine große Reihe ausgezeichneter Beamter sitzt in den Zentralämtern, deren Arbeit bereits eine gewisse Kontinuität verbürgt. was ist zu tun? Wir haben hier in Böhmen und im weiteren Verlauf im ganzen Staatswesen einen Derwaltungsapparot zu schaffen, der die ge- 'omt» technische Arbeit nicht nur des bisherigen D. K. sondern auch der einzelnen Ortsgruppen übernimmt. Dieser Zentralapparat, auf v>'mänvi>cE'!-nrvpaaan^istische Basis gestellt, hätte unter der Leitung eines erfahrenen und findigen Mannes zu stehen, der, in allen technischen Fragen, Kosinlotionen, Arbeitsmethoden autonom, in publizistischen Fragen jedoch das i Sprachrohr der zionistischen Leitung sein I würde. Diese „Technische Zsntrale". wie man , sie nennen könnte, verfügt über eine Druckerei, t In welcher nicht nur das oder die Parteiorgane, sondern sämtliche Einladungen, Zirkulare, Eintrittskarten, Plakate, Flugschriften der einzelnen Ortsgruppen und Vereine gedruckt werden. Durch geschickte Verbindung von Annoncen auf Einladungen und Zirkularen können die Kosten derselben Herabgedrückt werden. Durch Einprägung von Nationalfonds-Wertzeichen in Drnckchchen, Einladungen usw. wird diese Institution gefördert. Die Zentrale ist Inseratannahmestelle für alle jüdischen und nichtjüdischen Zeitungen. Sie verfügt über ein genaues Adressenmatcrial aller Mitglieder aller zionistischen Vereins, aller Juden in ihrem Wirkungsbereich, nach den verschiedensten Gesichtspunkten geordnet: Stellung zum Zionismus, zur Politik, Bermögensverhältnisse, Berufe usw. sodaß ihre Dienste nicht nur von den zionistischen Behörden »sondern auch von Einzelpersonen, bezw. Geschäften in Anspruch genommen werden könnten. Die Zentrale übernimmt auch den Versand von all di-sien Druckschriften. Die Bibliothekabteilung verfügt über alle zionistische und propagatorisch wichtige andere güch^r, steht mit den bestehenden Verlagsanstalten in engem Kontakt und verleiht Propagandamaterial. Angrsckkossen an diese Abteilung gibt es ein periodisch erscheinendes Organ, das kurz, schlagwortartig den Inhalt aller zionistischen Publikationen enthält. Eine Zeitungsausschnitt-Abteilung liest und sammelt Material über alle möglichen Themen. Die Agitationsabteilung führt alle von ihren Standpunkt aus wichtigen Ereignisse in Evidenz, hat ein Verzeichnis aller Redner sowie aller wichtigeren Reden dieser Männer, vermittelt die Vorträge, Konzerte, Lichtbildervorträge, verleibt Musikalien, Theaterstücke, Prologe usw. Die Finanz- und Paßabteilung vermittelt Pässe, Visa, Ausfuhrbewilligungen nfw. Die Zentrale hat ihre Korrespondenten bei allen Ortsgruppen, in allen Städten, die das Material herbeischafsen. Das Prinzip dieser Zentrale ist es. keinerlei Diensts unentgeltlich zu tun und womöglich auch keine Gratisdienste zu perlangen. Die Einkommensquellen der Zentrale sind folgende: Zuschlag zum Landesbeitrag, beziehungsweise ein bedeutender Teil der Zionistensteuer. Honorare und Vermittlungsgebühren, Jnseratenvermittlung, Abonnements auf Zeitungsausschnitte, Zentralblätter. Provisionen für Bücher und Zeitungen, Leihgebühren. Eine derartige Zentrale, die hier nur in ihren gröbsten Umrissen geschildert werden konnte, würde bald die ba-'vt-ä'hl'chsten Agenden der bisherigen Zentralbehörden über» nebmen so daß die Männer, die in ver r-enuv« stehen, sich nicht mit diesen Dingen abgeben müssen. Dadurch werden eine Menge Kräfte für propagatorische Arbeit frei. Alle Arbeiten, die in der Zentrale vereinigt werden sollen, sind zum Teil bereits in verfchiede'icn Landern und auch bei uns :m Gange, aber all; auf „behördlichem" Wege. Wir misten aber, wie es mit dcr Bedeutung der zionistischen Be» Hörden steht, wie wenig Respekt sie genießen. Sollte ein ernstlicher Versuch diesen Teil der zionistischen Arbeit aus kaufmännisch-technische Prinzipien auszubauen, ihn dadurch allen persönlichen und politischen Konstellationen zu entziehen und dadurch den stabilen Apparat zu schaffen, der ein außerordentlich wesentlicher Ten aller Arbeit ist. nicht ernstlich geprüft werden? Denn diese Zentrale wird sich in kürzester Zeit nicht nur des Vertrauens aller Zionisten sondern aller Kreise des Judentums erfreuen, wird mit allen Instanzen Zusammenarbeiten und dadurch allein eminent propagatorisch wirken. Wird oder kann sie doch eine zionistische Institution sein, die zur Abwechslung einmal dem Einzelnen etwas zu geben im Stande ist. anstatt immer zu nehmen! Ae KuU«sgemeinde-Wahl in Prag» Die „Selbstwehr" schreibt: . Wenn wir die Bilanz dieser ersten „demokratischen" Kultusgemeindewahl für uns ziehen wollen, so müssen wir genau das ideelle vom materiellen Ergebnis sondern. Mit dem ideellen Ergebnis können wir zufrieden sein. Jahrelang hatte die Kultus-^meinde in totenähnlicher Erstarrung gelegen. Man hatte in bürokratischer Weise gewisse überkommene Geschäfte des Kultus und der Armenpflege geführt. Fernab von der jüdischen Oeffentlichkeit walteten einige Herren von ihren Vormännern mehr ernannt als von jemandem wirklich gewählt ihres Amtes. Sehr reinige interessierten sich für die ganze Sache; im Grunde hauptsächlich die Nutznießer der Stiftungen. Parteien gab es keine. Es gab nur Personen mit Eigenheiten. Wir Zionisten haben mit einer Zähigkeit, deren Anerkennung wir uns selbst nicht zu versagen brauchen, gegen diese Wirtschaft gekämpft; lange Jabre vergebens. Wir haben Gemeindeprogramme aufgestellt, die Aufgaben der Gemeinde diskutiert — auch diese Mätter haben ihren Teil daran — haben immer wieder ein demokratisches Wahlrecht verlangt, kunstvoll eine Art Oefsentlichkeit der Repräsentanz-Sitzungen geschaffen. Wir haben immer wieder den Weg der Kultusgemeinde in der Richtung zur Volksgemeinde gezeigt, ihr große Aufgaben nickt nur des Kultus, sondern auch der jüdii<^"n Kultur, Erziehung und Schule, des sozialen Lebens und der konstruktiven Fürsorgetätigkeit zi'gewiesen, vor allem aber in ihr den Ort erkannt, wo alle kulturellen und nationalen Arbeiten der Jude dieser Stadt ihren natürlichen Mittelpunkt haben. Wir feiern an dem Tage, an dem wir mit kaum einem Viertel der Mandate aus dem Wahlkampf hervorgehen, einen vollsten« digen Sieg unserer Idee. Das demokratisch^ Wahlrecht ist — wenn auch, wie es sich jetzi, herausstellt, in höchst fragwürdiger Weise — •' jedenfalls im Prinzip eingeführt, es herrscht^ ein ungeheures Interesse für die Kultusge« meinde. Juden, die weit ab von unserer Gemeinde waren, haben plötzlich ibr Herz für sie entdeckt. Die alte Ratbauspartei preist fit als eine Mutter in Israel. Sämtliche Parteien stellen ein Gemeindeprogramm auf. daA mit größerer oder geringerer innerer lieber-'! zeugtheit unter Gemeindeprogramm reprodl» ziert. Die Wahlen selbst haben eine Stimmenanzabl aufznweisen, die von 100 Prozents der Wahlberechtigten nicht weit entfernt iflfc wenn sie nicht 100 Prozent überschreiten. Wenn die Parteien halten werden, was UI in ihren Programmen versprochen habelp! dann wird es in der Repräsentanz eine gut«! Ai-beit geben und eine Arbeit in unscreuil Linne. J . Mit nnWrn idealen Erfolg könne« wir zufrieden sein.

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