Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 7 (25.1.1921)
- Date
- 1921-01-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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25. Jänner Serie % Dienstag »Jüdisches SSüKsBIaft" «IL ÄSSSi&WÄ &i ®?t ÄlJ? 5*&J**!*!!* -"Kdich,MiA°zi-i-, «q. rim und Äs. der Schwierigkeit der nicht nur die zionistische Exekutive. Manche be- »och Dr. Ruppin ihre Posten fürchten eine Katastrophe infolge der Unter , die Lage^ vollständig brechung der Einwanderung, eine noch größere """ ' ' Katastrophe aber wäre die^BAassung der Ausv* Sava«. «a k\ .1 (n Tk _ ~ t 1 . geklärt sein wird. Er bittet den Waad leumi, die schwierige Lage unserer Bewegung und Palästinas zu verstehen. Nicht materielle Hirse werde heute vorn Waad leumi verlangt, diese M der Waad leumi auch außerstande zu leisten, aber seine moralische Kraft müsse er dem Waad hckzirim leihen. Nach Ussischkin erstattet Dr. Thon den Bericht über die politische Tätigkeit des Waad leumi und konstatiert ein gutes Einvernehmen mit dem Waad hazirim. Er erwähnt die schwierige Lage der jüdischen Polizei, die Beteiligung des Waad leumi an der Beilegung der Streiks, die Bemühungen, eine ständige Schlichtungskommission zu bilden. Er berührt weiter die Frage der jüdischen Legion, die Erziehungsfrage 4ind die Beziehungen zur Zionistischen Organisation, die Verhandlungen mit den Arabern. Pellin berichtet über die Tätigkeit der jüdischen Mitglieder des Advisorh Council. Die jüdischen Mitglieder sprechen nur hebräisch, und ihre' Reden, werden dann übersetzt. Herr Ben-Zwi, ebenfalls Mitglied des Ädvisory C"uncil, weist auf die Wichtigkeit dieser Institution hin, in der allein Juden mit Arabern an einem Tisch sitzen und die Verständigung ermöglichen. Das Ädvisory Council ist zwar r ur^ eine beratende Körperschaft, der Obcrkommissar schenkt ihr aber volle Aufmerksamt it und weite Berücksichtigung. In der zweiten Sitzung berichtet Herr ^i-;engosf über die wirtschaftliche'Kommission, über die Finanzlage des Landes, über die Teuerung und macht Vorschläge, wie man Kionistisches Kapital ins Land ziehen kann. Er hat darüber eine besondere Vorlage un-* tcrbreitet. Ahronowicz berichtet über die Tätigkeit her Einwanderungskommission. Er konstatiert big, Zunahme der jüdischen Arbeit in den älteren Kolonien. In der dritten Sitzung wurden folgende Fragen behandelt: Schlichtuneslommifsion zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, jüdische Polizei, Wirkungskreis des Waad leumi und die Tätigkeit der. jüdischen Mitglieder des Advisory-Council. Es wurden auch die Fragen der Gemeindeverwaltung berührt, für die besondere Verfassungen ausgearbeitet werden Wanderer in ihrer Heimat. Es must ein Weg gefunden werden, der das Einvernehmen zwischen Waad leumi und Waad hazirim garantiert. Ahronoivicz weist auf die zwei Richtungen hin, die idealistische und die kaufmännische. Für ceu Kaufmann lohnt es sich nicht, aus einem kleinen Lande die Lösung der Frage der Millionen Juden zu suchen, wir aber glauben gerade daran. Tie Auflösung der Kwuzoth können nur reisende Kaufleute verlangen, aber nicht Führer einer nationalen Beiregung. Dicsengoff befürchtet die Arbeitslosigkeit im Lande. Ter Bedarf wird bei uns immer die Verwcichungsmö lihleiten ül ersteigen, und lange noch werden wir die größten Anstrengungen machen müssen, und nur so verstehen wir den Zionismus. Herr Grissin verlangt die Einstellung der Erziehungsarbeit. Das ist 'aber das einzige Gebiet, auf dem wir' wirkliche Erfolge erzielt haben. Ich weist nicht, wieviele Kühe und Ziegen wir haben, ich weiß aber, was wir für die Wiedergeburt unserer Sprache getan haben. Nur die Mitglieder der Reoraanisat>onskommis ion, die für diese Fragen kein Verständnis haben, können u s dies zumuten. Sie sprechen von einer Krisis. Sie sollen doch versuchen, weiter zu arbeiten und vom Volk die Mittel zu fordern. Mögen sie ihre Aemter im Zionisinus nieder^ legen, aber nicht von uns die des Erziehuiigswescnsverlangen. »Preisgabe Sesterreich. Ostjudendebatte in Wien. In der Spezialdebatte über das Budget kam es wiederum zur wüsten Beschimpfung der Ostjuden. Abgeordneter Dr. Jerzabek: Von den l'/r Millionen Einwohnern Wiens gehören nicht weniger als 300.000 einem Stamme an, der erst während des Krieges nach Wien gewandert ist. Darunter befinden sich überwiegend Elemente, deren weiterer Aufenthalt bei uns nicht erwünscht sein kann. Wenn man eine Ausweisung dieser Leute - „ - - ee , -, c, o durchführen würde, ergäbe sich mit einem ¥ r?erL &?r-®W,0ff S!C\re,bt bts ^'Schlage eine Erleichterung der Wohnungsnot, des Landes m dusteren Farben und weist richtet an die Regierung das dringende darauf hrn, daß infolge des^eldmange s man Ersuchen, die entsprechenden Maßnahmen zu gezwungen sein wird öffentliche Anstal en. 8u, -f^ damit die ergangenen Ausweisungs- Keßen Man muß aufhoren m Palasttna 6efe'Mc' auch wirklich durchgeführt werden. Gelder für fremde Zwecke zu sammAn Das A geordneter D au goin hat temJer a ganze palästinensische Grld muß sur Palästina , j g.ange un5 fghrt aus: Ein Mittel zur selbst verwendet werden. . j Abhilfe wäre die Vollendung der vor bem Eine von dem Rabbinat entsendete Komin Angriff genommenen Bauten, ein Mission protestierte gegen die Existenz nichtrikuweiteres Mittel die Adaptierung von startlieller Arbeiterküchen und erdat vom Waad leumi $en Gebäuden, insbesondere von Kasernen, seine moralische Unterstützung in dieser An ' “ ' ' ~ — - aelegenheit, damit es nicht zu einem verzweifelten Kampfe mit der Orthodoxie käme. Ter Waad leumi versprach, die Angelegenheit zu untersuchen und dann auf sie zurückzukommen. Herr M e y ro w i c z vermißte in der Rede Ussischkins die Behandlung der Frage der Kronländereien u. a. Meyrowicz versteht nicht die Freude Ussischkins über die Einigung der * Arbeiter, die dadurch nur noch stärken werden. Der Waad leumi müsse seine moralische Autorität anwenden, um Streiks zu vermeiden. Be rlin meint, das; das Mcnschenmaterial, daß bei der Ankunft einen ausgezeichneten Eindruck macht, im Lande selbst sich ungünstig verändert. Die Arbeiter beginnen immer mehr zu verlangen, so daß sie den Arbeitge er zur nichtjüdischen Arbeit drängen. Tie Grenzfrage darf uns nicht zur Verzweiflung bringen. Tie Krisis, die Palästina jetzt durchwacht, ist nicht nur eine Geldkrisis. Geld hatten wir immer wenig. Die demokratischen Grundlagen der Zionistischen Organisation sind erschüttert. Das 'schlimmste sei das Zentralisationssystems des Waad hazirim. G i s s i n wundert sich über Ussischkin, der auf sich die ganze Verantwortung trägt, daß er alle bestehenden Arbeiten aufrechterhalten will. Gissin verlangt die Auslösung der Kwuzoth zugunsten des Kleinbetriebes. Die Kwujjoth seien nur deshalb geschaffen worden, weil die Führer bn Arbeiter behaupteten, sie könnten bei den Kolonien nicht arbeiten. In der letzten Zeit sind aber in Pethach-Tikwah zirka 160 Arbeiterfamilien untcrgebracht worden. Die Angst vor den Arbeitern halte viAe K«pitallsten von der Einwanderung zurück. Wir tzchen vor uns zwei Hauptaufgaben: Ununterftrocfictrc CfiniDflttbcniTtjj unt> flcffccicjCTtcT Landkaui. . . Rädker- Feldman» :er« an t beifür Wohnzwecke. Viel zweckmäßigere Maßnahmen können jedoch auf einem dritten Gebiete geschaffen werden. Wenn man die 30.000 Wohnungen, die von Ostjuden benützt werden, freimachen würde, wäre mit einem Schlage für die 20.000 obdachlosen Familien in Wien Raum geschaffen. Gegen Leute — die allerdings in der verschont nben Minorität sind — die als Arbeiter und Angestellte nützlich tätig sind, ist nichts einzuwenden, die Majorität dev Ostjuden in Wien betreibt jedoch Schiebergeschäfte, Kettenhandel und Valutaspekulationen und betätigt sich in der Art, wie es nur Blutsauger und Panrpire tun. Das Wohnungsanforderingsgesetz soll g genü e.- Ausländern, die wegen Schieberei u. ccrglei-h u verurteilt sind, energisch durchgesührt werden und gibt eine Handhabe wenigstens tei.weift Abhilfe zu schaffen. Daß sich diese Politik«, nicht fragen, woher denn die Wohnungsnot in jenen Orten komme, die von Ostjuden nicht bewohnt sind. Ter Herr Abgeordnete V a u g o i n sollte feine Behauptungen statistisch Nachweisen, denn das LeMchlanÄ. 2ni Zeichen der Zeit. Tine neue Teilung g x un hat sich dem lukralioen Gcft'üft der Ja.enhee zug'wrnvet Das Blatt wi-d an al.en Strähne n Berlins verkauft, und zeigt im Titel ein n Bismarck-Kopf. flankiert von zwei Haftm evz n. Der. Lcilarticcl des Blättchens, lesen T nor. bezeichnend ist für das g i ig: Ni veau, c>as' beim deutschen Publikum vo ausgcsctzt t ird ist ein-Auf. uf an ah Deutschen zum Befreiens kämpf gegen die Juden. Dick' zweite S> üc schmückt eine Statt" i: der N tualm rde vom Jahre 1071 bis 1462 <Fo.t etzung fckgt), dj: aber lückenhaft zu sein scheint, da b.k.pels-, weli'e im 14. Ich Hund rt!e igllch drei Ostorce' notiert werden. Zweife los ve.sprichr d e Fut-l setzung Besseres zu di:ten. Wertvoll: Aufschlüsse gibt auch ein A tikel über die jüdischen Eauner in Deutschlcnd, aus dem zu entnehmen ist, daß die 1843er Revoluli » nichts anderes war als ein Ra heakt der Jucen gegen F.iedrich Ali h lm de Bieren wegen oec Auszeichnung, die er dem Verfasser eines Werkes über jüdische Verbrecher verlieh. Di.scr ntarkanie Blödsinn w'rd durch dle folg tt en Ergüsse gutbezahlter A.rikclschmie.er no.j wcit übertroffen. Es gibt da eins läng4 nicht mehr originelle Talmudausschlach'ung n.i. einem Zitat des Herrn Pfarrer Deckert in Wien: „Gott schütze uns vor dem krummen und bucklig n Juden t.icl)." So erbärmlich da; Ganz: auch jcheinen mag, so karn man dennvh nicht mlt Verachlung über de ar.ige Journal: k. h'nnreggehen. weil ihr BZehen hnnzelchn nd istl für den Geist der Zeit und für die trüben! ^Quellen, aus denen diese Publiktik gesp ist ai d. Die antisemillsch: Pr pagan a i, sihtlichi m Wachsen beg iffen und kapitalistisch re ck fundiert. Ihr Endsteh dir Herbefführung von Ausschreitungen, wäre Wasser auf der Mülrl: der Putschisten. Man hasst, vor einem b ln greifen der Enten'e in der Entwafsnungsfraar den entscheidenl.cn Schlag f h en zu können. Dazu soll das hswäh te Mi rel der Judenhetze verhslfen und d'e Grund n: d:s',menen Schmachblattes ist symptomatisch dafür. „Gcheimnijfe der Weisen von Zion." Bor dem Nürnberger Schöffengericht Surde eine Privatbeleidigungsklage der Meister vom Stuhle der Loge, ,Lstr.ausgehenden. Morgenröte^ in Frankfurt am Main gegen die Vorsitzenden der Ortsgruppe Nürnberg des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes verhandelt. Tie genannte Ortsgruppe hatte im Frühjahr 1920 ein Flugblatt vsrbreltet, de'- sen Behauptungen aus dem bekannten antisemitischen Pamphlet „Tie Geheimnisse der Weisen von Zion" aufgebaul waren. Aus der ersten Seite des Nürnberger Flugblattes wird von der Bestechung eines Juden geredet, der die Geheimberichte des Baseler Zionistenkongresses nach Frankfurt am Main gebracht habe, und nach dem wörtlichen Zitat aus den „Geheimnissen der Weisen von Zion" „die am 12. August 1807 geg.ü.cdete Judenloge mildem vielsagenden Namen „Zur aufgelMden Morgenröte" seit einem Jalxchunderi die Verbindung mit dem Großorient von Frankreich unterhält". In dieser Bemerkung erblicken die Kläger eine schwere üble Nachrede in dem Sinne, daß die Loge während des Weltkrieges in landesverräterische Beziehungen zum F inde ge .anle.i ha'.e. 1c: An.e la;te Ker er l estritt, an der Verbreitung des Flugblattes irgendwie beteiligt zu sein; der Angeklagte März gab zu, an einer Ausschußsitzung des Deutschvöllijchen Schutz- und Trutzbundes teilgenommen zu haben, in der die Verbreitung des Flugblattes beschlossen wurde und als einer der Vorsitzenden der Nürnberger Ortsgruppe die Verbreitung durch die Ortsgruppe gekannt zu haben. März und namentlich sein Verteidiger machten alle möglichen Ausflüchte, um die Verantwortung 'kibzuwälzcn. Jusiizrat Dr. Gebrke als Rechtsbeistand der Kläger kenn Generalisieren hat keinen Zweck, mit demselben ,efd)nete bick m bet Beeidigung als typisch' Rechte könnte man sagen, daß drei Viertel der Z ^rfide Kampfeswcisc des Antisemibäuerlichen Bevölkerung rn Oesterreich aus | j,en Gegner mit Schurutz zu bewersen Wucherern, Ketteuhändlern und Schiebern bestände und wir glauben, daß uns in diesen: Falle eher der Wahrheitsbeweis gelingen würde, als dem christlichen Herrn Dr. Jerzabek und seinen Genossen, der auf dem deutschen Volkstage in Wien im Sommer 1918 für striktestes Durch halten eingetxeten ist, sich selbst aber lieber im Hinterlands befand und den bereits dainals hungernden Wienern die Ostjudcn.vorgcworfen hat. Der, saubere Herr, der die-christliche Liebe so gerne im Munde führt, er soll es sich überhaupt, trotz der großen Not, nicht schlecht gehen lassen, sollte doch und dann, zur Rechenschaft gezogen, durch Ausflüchte zu kneifen. Einen Beweis für ihre Behauptungen erklärten März und sein Verteidiger nicht antreten zu können; die Originale der Dokumente der „Geheimnisse der Weisen von Zion" lägen in Moskau und seien zurzeit nicht greifbar. Das Gericht sprach Kerken frei und verurteilte März zu 80 Mark Geldstrafe, eventuell acht Tagen Gefängnis. ktultusmintstcr für die Ostjuden. (I. C. B) Anläßlia, der Tebgtle - üi er endlich seinen hungernden Wählern etwas bes-!den Etat des Kultusministers in der -.. r-J-Idma",- :e-lan r ein bei-isereS zu sckgm haben, als das ewige Ge-schrei scheu,Landesoerfamrmung crüärce der >tutt System m'd ösMüche Lerichterstattung! mit den Ostjuden. Eines schönen Tages werden l M.mnijter HuemfG man könne d,e Unr- Nr. 7 versitäten den Studierenden aus dem Osten nicht verschkiesteu. England rufe sie sogar herbei. Man möge auch bedenken, wie viel die Juden dazu beigetragen hätten, den deutschen Einfluß im 'Osten zu stärken. Während des Krieges habe die Regierung die Unterstützung der Ostjuden sehr nötig gehabt. Hlndenburg und Ludendorsf haben wiederholt Aufrufe an die Ostjuden gerichtet und ihre Mitarbeit herbeigewünscht. <?hte Parlamentarische Ostjudendebatte. (I. C. B.) Im Hauptausschuß des Reichstages, der zur Zeit keine Plenarsitzungen abhält, kam es in den letzten Tagen zu einer Aussprache über die Ostjudenfrage in Deutschland, die insofern besonders bemerkenswert ist als in ihr der demokratische Reichsminister K o ch eine lange Rede hielt und sich dabei zu Grundsätzen und Anschauungen bekannte, die mau bisher nur von Reaktionären und Antisemiten zu hören gewohnt war. Die Aussprache wurde herbeigeführt durch eine Anfrage von seiten der unabhängigen Sozialisten, die dagegen protestieren, daß man nach Deutschland gekommenen Ostjuden ihre Pässe abgenommen hatte, obwohl diese bereits das amerikanische Visum trugen. Im Anschluß daran fragten die antisemitischen Parteien an, wie. es mit der Durchführung der ministeriellen Verfügung vom November bestellt sei, die die Errichtung von Internierungslagern für ärbeitslose und kriminelle Ostjuden vorsieht. Mit Recht wurde von sozialdemokratischer Seite betont, daß diese Maßregel schon vom politischen Standpunkt aus zu verwerfen sei, denn Amerika werde niemals Leute hereinlassen, die in einem Konzentrationslager gewesen seien, und die Betreffenden sielen somit Deutschland dauernd zur Last, während bisher Hunderte bereits Deutschland aus dem Wege nach Amerika wieder verlassen haben. — Reichsminister Koch erwiderte, die Einrichtung der Inter.lierungslager sei Sache der einzelnen Bundesstaaten und das Reich habe auf die Regelung dieser Frage.keinen direkten Einfluß. 'Im-übrigen sei er der Ansicht, daß sich „Ausnahmemaßnahmen" ff: der Behandlung der Ostjuden vor dem deutschen Interesse ni^t rechtfertigen lassen. Insbesondere dürfe ihnen nicht gestattet werden, in Deutschland Arbeit aufzunehmen. Jeder jüdische Einwanderer aus dem Osten, h eure einen auswandernden deutschen Arbeite, Der Wohirun^smangel in den Großstädten, i sbesondere in Berlin, sei zum großen Teil aus die ostjüdifche Zmvandcrung zurückzuführen. Im Anschluß an die Rede des Ministers erhoben die Antisemiten ihre bekannten Forderungen, insbesondere die nach sofortiger Errichtung von Konzentrationslagern und der Aiisweisung aller in den letzten Jahren zuge- , wauderter Ostjuden. — Es ist sehr bedauer-' lich, daß gerade ein demokratischer Minister sich dazu hergibt, gegen die Ostjuden Argu- . mente anHvsühren, deren Unhaltbarkeit ihm bekannt sein muß. Bisher hat sich in Deutschland noch keine Berufsorganisation und kein« Gewerkschaft über die ostjüdischcn Arbeiter beschwert, und in t«n Bergwerken sicht map sie sogar sehr gern, weil dort gar nicht soviel Arbeiter gefunden tverden können, wie man brauchen kann. Auch der Berliner Wolinungsmangel ist, wie längst erwiesen, nicht auf Konto der Ostjuden zu ser.en. Man kann in dem allzu deutlichen Nachgeben des Ministers gegenüber alldeutschen Einflüssen ein weiteres Symptom für den oft konstatierten Ruck nach der reaktionären Seite hin erblicken. Polen. Eine jüdisch-medizinische Gesellschaft m Warschau. (I. C. B.) Die polnische Regierung legalisierte eine neue jüdisch-medizinische Gelellschaft, die den Zweck hat, den Gesundheit-;-. zustand sowohl unter den Juden als auch mrter den Polen zu heben. Als Arbeitsgebiet der Gesellschaft wird in den Statuten unter anderem angegeben: Errichtung und Erhaltung moderner Krankenhäuser, Ambulatorien, Schasjung von Ferienheimen für Kinder, Errichtung billiger, hygienisch einwandfreier Wohnungen für die arme Bevölkerung, öffentliche Bädehäuser und Wäschereien sowie Isolierbaracken für^ ansteckende Krankheiten, ferner Einrichtung eines ärztlichen Ueberwachungsdienstes« in den jüdischen Schulen, Veranstaltung von volkstünüichen Vorlesungeii über Hygiene und ständiges Studium der Lebensbedinguugen der Juden iir Polen. Im alten ütrlßland bestand bereits eine solche Gesellscliast, ' tvelche uocy während des Krieges groste Dienste geleistet hakte. So erinnert 1 r. c. Al i n z in der ,.5.>azcsi> ah ' daran, de;. als nach Kriegsausbruch zahlreiche Juden an." den russisch-polnischen Städten 'nach Warichan flüchten mußten und dort, * unter den größten Eillbehrungen lebend, ver-