Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 1 (4.1.1921)
- Date
- 1921-01-04
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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MzelvuMmer 70 h. '«mment motidtf. IC 5-8# ttjShrl. K15 — Rcbakiion und Administration: MSdrtsch-Ostran. L-naeaage U. Manuikriple a»ck mi' Nstckvortwerdcn nur vbn« Gewähr angenommen und aukvewatnl Eine Berpttichiuna ,u, Rstckienduna wird «ich, anerkannt Evre«^ stunden der Redaktion täali« von U biS 19 Uöt vormittags. Eigentum deS ^ädt>Ä:i 8erlageS» re« Gen. m b. K »n Mährtich-Ostrau Herausgeber ond verantworilicher Redakteur Dr. Hugo Herrmano t« Mähr.-Ostrau. Dienstag, 4. l. 1921. 3. Jahr. 24. Tebeth 5681. LaS jüdisch- ®oH*6Iatt* tß fein Lokalblatt, sondern alS Versand geitung dagu berulen den nationalen. kulturellen und Wirtschaftlichen Interessen der bewußten Iudenschast im gan,en tschechoslcwakischen Staate und in Galt, zien zu dienen. - Inserate kosten L« d für dte « «ach gesvaltene Dttle >imeter,etlo Anträge >ür In- ,ernte übern innen auste, der Administration alle grstster«» Annoncenerpeditionen. t',-.,,^»ut jeden Dienstag nnd -mim«. Warum wir für Palästina fein müffen. Argumente eines Richtzionisteu. Von Rabbiner Leo Harrifon, St. Laufs. , 1l. S. A. Die folgenden Ausführungen des liberalen Rabbiners Leo Harrron sind zuerst im „Jewifs. Advocate". Bolton, erschienen. Ich glaube, es ist kaum nötig,. darauf Hinzuwersen, daß ich dieses Thema nicht als Zionist diskutiere. Ich bin kein Nationaljude und habe keine besonderen.Interessen an den politischen Möglichkeiten der.jüdischen Palästinasiedlung. Aber es gibt noch andere Gesichtspunkte dieser Siedlung, die ganz Israel angehen, mögen wir Zionisten sein oder nicht, mag sich der eine dem Judentum als einer Religion zugehörig fühlen, oder der andere dem Judentum als einer Nation. Die beginnende Besiedlung Palästinas ist eine Tatsache, die dein bekannten Schritte der britischen Regierung ihr Dasein verdankt. Sie eröffnet Möglichkeiten und Ausblicke von höchster Bedeutung, und zwar nicht nur den Juden, die dorthin auswandern wollen, sondern allen Juden/ denn alle sind tief verknüpft mit der Tragödie von Israels. Schicksal in weiten Teileil der Erde. Palästina bedeutet eine neue Hoffnung für ungezählte 'Tausende unserer jüdischen Brüder. Die korrupte Herrschaft der Türken in Palästina ist zu Ende, und England, politisch der Herr Palästinas, hat einen jüdischen Oberkommissär eingesetzt, hat öffentlich die Anrechte der Juden auf ihr Heiniatland am" annt, hat verheißen, dies Land zu entwickeln, die jüdische Einwanderung zu ermöglichen und den Juden Rechte zu geben eutsvrcchcud ihrern Berhättms zur Einwohnerzahl. Schon gibt es eine Anzahl blühender jüdischer Kolonien in Palästina; neue Siedlungen erwachen. Jüdische Wehr schützt die jüdischen Kolonien. Die jüdische Universität soll eine Quelle jüdischen Geistes werden, und das reine Hebräisch der Bibel ist die Sprache der Kinder in den Straßen Jerusalems und die Sprache der Schulen. Da taucht die schwere Frage auf: Welche Vorbereitungen sind getroffen, um die neuen Einwanderer zu empfangen? Welche Industrien hat man errichtet, um sie zu beschäftigen, welche Borbcr itunen ha mau in der Landwirtschaft getroffen, und welche im Bereift strungs-- wesen, welche im Wege-, im Eisenbahn- und im Hafenbau? Es müssen die Grundlagen zum modernen Ackerbau und zum nrodernen Geschäftswesen getroffen werden. Ungeheure Summen' sind nötig, viele Millionen, um Palästina vorzubereiten für die jüdische Siedlung. Nur um den ersten Schritt zu tun, wird man wenigstens 100 Millionen Dollars nötig haben. Soll man d'e Schultern zucken bei der Erwähnung dieser enormen Summe? Gewiß sind 100 Millionen eine enorme Summe, aber die 30 oder 40 Millionen, die die amerikanischen Juden für das Kriegshilfswerk gegeben haben, waren auch keine Kleinigkeit. Und diese 100 Millionen sollen nicht für eine einmalige Unterstützung gegeben tverden, sondern als Grundlage für eine dauernde Lösung des Problems des jüdischen Elends. Der größte Teil der Juden Mittel- und Osteuropas befindet sich in einem Elend, das oller Worte spottet. Muß ich auf die schrecklichen . Verfolgungen in Polen und Rußland hinweiesn? Tausende und Abertausende unstlückncher F'.üchtsinge sind zufammengctrieüen in den Lagern bei Danzig und anderen Plätzen und warten auf die Möglichkeit einer Zustucht. Wo sollen sie hin? Einst war England das Land, wo das Vorurteil der Rassen und Religionen nicht bestand. Und jetzt sehen wir im freiheitsliebenden England den Beginn einer heftigen antisemitischen Kampagne, der sich große Preßorgaue zur Verfügung stellen. Und täuschen wir uns nur nicht darüber, daß auch Amerika nicht immun ist. Schon Hai das Echo der neuen Beschuldigungen unsere Küsten erreicht, schon wird auch hier der Versuch einer organisierten Judenhetze gemacht. Und doch müssen wir unseren unglückseligen Brüdern in ihrem Elend helfen, und "ich glaube, daß wir ihnen um besten helfen können, we:ui wir die gesunden Grundlagen einer jüdischen Paläsinasiedlung errichten. Und welches ist der Grund, daß unter den Juden so große Neigung gerade zur .Ans'edlung in .Palästina ist? Es ist die Macht des Gefühls, und dieses tiefe Gefühl beseelt nicht einmal nur die Zionisten, es ist ein tiefes religiöses Geschritten ist, auf die dortige Wische WrWichkeit schon geübt hat. - , . Daß die jüdische Frage in Rußland trotz der Herrschaft des Proletariats keineswegs gelöst ist, fühl, ganz besonders herrschend unter unseren . / rocit j^bon entfernt ist, beweist schon orthodoxen Brüdern. Denn immer noch klingt fügende Tatsache: in den Herzen von Millionen Juden, im Glück Die rußländische kommunistische Partei le-ugwie im Unglück, jenes Wort: „Wenn ich W zur Gänze das Vorhandensein einer spezifisch Dein vergesse, o Jerusalem!" Die Macht des Wische« Frage, nicht nur in wirtschaftlichem, religiösen Gefühls wird ungezählte Juden nach sondern auch in kulturellem Sinne. Die in ihrem Palästina führen. Aber es war im Grunde das Rahmen bestehenden __ jüdischen ^Seksionen^haben nämliche Gefühl, das in Jacob Schiff, diesem Fürsten in Israel, den Wunsch erweckte, Palästina zu einem Zentrum des jüdischen Geistes auszugestalren. Und es wird bei allen Juden die ungeheuerste Begeisterung erwecken, wenn einst d'e große jüdische Universität sich aus den Hügeln von Jerusalein erheben wird, und wenn wieder von dort acks „ausgehen wird die Lehre und das Wort des Herrn von lediglich einen sprach-propagandistischen Charakter. Und doch muß dieselbe SMon, da sie der jüdischen Wirklichkeit doch etwas näher steht trotz ihres radikal assimilatorischen Charakters die rußländische kommunistische Partei auf eine Reihe spezifisch jüdischer Probleme aufmerksam machen. So lesen wir, um nur eines von vielen Beispielen zu zitieren, im offiziellen Organ „Partei Nachricht Nl des Zentralbüros der jüdischen Sektionen der russischen kommunissischen Partei" Nr. 1, fol- Jerusalem." Dort kann der einzigartige Ingendes Memorandum an das Zentralkomitee der tcllekt und der Genius unseres Volkes sich' frei erheben, dort werden unsere Philosophen, die Sp'noza und Bergfon, Gottes Gedanken noch einnral Nachdenken, und gewaltige jüdische Gelehrte werden dort erstehen, epochemachende Denker und Politiker. Und dort kann auch die jüdische Religion neue Blüten treiben, dort, wo der Sabbath nicht im Widerspruch steht zu den Bedingungen des ökonomischen Lebens, und wo die Religion die prophetischen Ideale von Recht und Gerechtigkeit im sozialen Leben zur Verwirklichung führen kann. Es kann keinen Juden geben, der sich nicht an dem Gedanken freut, in Palästina die höchsten Möglichkeiten unserer Rasse zu verwirklichen. Das ist kein jüdischer Nationalismus. Wir müssen das Leben unserer Brüder retten und, wie es stets die gr^ft/p Führer Israels worttrft, 'Mserem Zerjlrclrfti^ verfolgten Volke eine heimatliche Zufluchtsstätte öffnen. (Z. K.) 1 5 C Jfeme des jüdischen EoziaUsnmZ. Bon Jechiel Ha Ipern, Wien, Im letzten Aufsatz haben wir versucht, ,vie Wirkungen des kapitalistischen Wrtschaftsisysteuis auf den Wischen ökonomischen Organismus darzulegcu, uni so herauszufiu'den, wc.che gritomn de" Valästimsmus aus einer religiös-romantischen '.ner sozialen Bewegung gemacht haben. Wir >' •ibautun, daß der Paläftinismus zu einer ,l.ft, >rrch«n sozialen Rotwrndigkcit geworden ist. T •ich aus der kapitalistischen Wirtschaftsordnung siey ergebenden hi stoischen Charakter .des Palästimsnrus will man bestreiten, ind-AN man den sehr nahe bevorstehenden Untergang des kapitalistischen Wirtschaftssystems überhaupt und damit auch den Wegfall seiner zerstörenden Wirkung ans den Wischen sozialen Organismus/ ja selbst die Auflösung als einer spezifischen wirtschaftlichen Einheit prophezeit. Biele, die Naiveren, finden es angemessen, diesen Gedanken ganz kurz zu fassen, indem sie sagen: Kommt das Proletariat zur Herrschaft, dann gibt es für jeden Arbeitswilligen Arbeit und Arbeitsmöglichk.ift. Das sogenannte jüdische Problem ist damit glatt beseitigt und gelöst. Wir wollen hier nicht müßige Betrachtungen darüber anstellcn, ob der Untergang der kapitalistischen Wirtschaftsordnung wirNich so nahe bevorsteht, wie die erwähnten.Gegner des Palästinismus meinen. Wir wollen nur trachten, die Wirkungen zu erforschen, die der Untergang der Sapitalistischen Ordnung und die ihm folgenden Erscheinungen auf den jüdischen wirtschaftlichen Gesamt-Organismus und seine einzelnen Teile notwendigerweise haben müssen. Nur naive Leute, um keinen kräftigeren Ausdruck zu gebrauchen, glauben noch daran, daß der Uobergang von der kapitalistischen zur sozialen Wirtschaftsordnung mit der Uebernahme der politischen Macht durch das Proletariat vollendet ist. Immer betonen die sozialistischen Theoretiker, daß diesch Uebergang — die schlechthin sogenannte „soziale Revolution" — ein sehr langwieriger Prozeß sein wird, daß also auf die kapitalistische Epoche nicht unmittelbar die sozialistische, sondem eine langandauernde für alle Schichten des Volkes qualvolle Uebcrgangszeit kommen werde. Unsere Aufgabe ist also nicht, nicht darüber nachzudenkm, welche Gestalt die jüdische Frage annchmen wird, wenn der sozialistische Staat konssitnirrt ist, sondern wie die großen Umwälzungon, die mit der Vernichtung der bestehenden und mit dom Aufbau der Neuordnung verbunden sind, während der Uvb>wgangszeit auf die jüdische Wirklichkeit rückwirk:n müssen. Um aber keine sitlM Prophezeiungen anzustellen, werden wir versuchen, an einigen Beispielen die Mrkung darzustellcn, die di« soziale Re & S1russischen kommunistischen Partei: Di« Katastroph im ökonomischen Leben der jüdischen Bevölkerung: Der Krieg und die Revolution, die Berfchärfung des Bürgerkrieges, die wirtschaftliche Politik der Sowjetmacht und schließlich die alles vernichtonide schreckliche Pogromwelle hat die hergebrachte Lebensweise -des jüdischen Kleinhändlers und Handwerkers bis aus den Grund zerstört. Die überwieHeud« Mehrheit -derselben ist aus d«nrwirtschaftlichen Leben verdrängt und hat alle Existenzmittel verloren. Ein kleiner Teil versucht sich du.rch Spekulation zu retten, zchu'tauscinde von Wsiwen und Waisen müssen "durch den Staat versorgt werden, nachdem ihre Männer und Bätw -durch die Banden in der Ukraine ermordet sind. Dir gegcnrevolutionäre Pogromwell-e hat alle jüdischen Städte und Städtchen vollkommen vernichtet. Diese Pogromwelle, die ein Produkt des Zusammeustoßes zu ischen StM und Dorf ist, hat die Beckvhuua awiscken.Bauern und Juden gänzlich vergiftet und das, ganze gesellschaftliche Leben des Landemit dem Ansisemitismus verseucht. Die atirn kleinen jüdischen Landarbeiterkvlonien im Chersoner Gouvernement sind wähvend der Kämpft mit Grigoriew gänzlich vernichtet worden. In den Gegenden, wo eine kompakte jüdisch: Bevölkerung wohnt, müffen bet den lokalen nnd zcNträlen Organen der Sowjetmacht in den nationalen Kommissariaten spezielle Wische Sektionen gebildet werden, um die Bedürfnisse der jüdischen Alassen ihrer Eigenart und Lc-b-ensform gemäß zu beftiödlgen. So weit die jüdisch-eu Sektionen der ruffischcn kommunistischen Partei, die die Exiftenzberechtiguna irgend einer speziellen Wischen sozialistischen Partei leugnen und ihre vigeu: Existenz nur auf sprachliche, ihrer Meinung nach vorübergehende Gründe zurückführen. Der Referent über die ökonomische Lage der Wischen Massen auf der allgAneinen jüdischen Arbeiterkonferenz in Witebsk, die auch von den Kommunisten beschickt war, bemerkt, daß, während im ganzen Lande eine Emigration von der Stadt nach dem Dorfe andanert, bei dm Juden die Wmcdcrung in umgekehrter Richtung vor sich geht. Den Wischen Massen, -die aus Klsinhändlern, Handwerkern und zum Teil auch aus Arbeitern bestehen, drohe die Gefahr, insgesmnt in „schwarze" Arbeiter, die nur die widrigsten Arbeiten ausführen, vcrwan-dclt zu werden. Es gäbe noch viele Beweise dafür, daß die jüdische Frage auch in Sowjet-Rußland absolut nicht gennldert, geschweige denn gelöst ist, ja weit schärfer und schmerzlicher als sonstwo zutage tritt. Welches sind die Tendenzen, die zu diosrr Verschärfung der Anormalität nach dem Untcrgauge der kapitalistischen Wirtschaftsordnung führen? Wie jede Wirtschaftsordnung, so ist auch das Systenr^ des Ueherganges von der kapitalistischen zur sozialistischen Oordnung in jedem Lande im großen und ganzen der dort bcstehe-wden Klassendifferenzierung und wirtschaftlichen Struktur' angepaßt. Sogar die diktatorischen Maßnahmen müffen der vorhandenen Klassenteilung und ihrer Stärke Rechnung tragen. Der jüdische wAtschqstliche Gcisanrtorga-niSmus wjdet also untcf der prolÄarischen Gefahr aus denselben Gründen, die die Mehrheit seiner Mitglieder unter dem kapitalistischen Wirtschaftssystem ans ihren ökonomischen Positionen drängen. Die jüdischen Massen sind nämlich gezwrmgan, sich Normen zu ftigen, die eigentlich einer sozialen Einheit von W-nz anderer ökonomischer Struktur entsprechen. Genau wie im lapitalistifchen Wirtschaftssystem wird auch in diesem Falle I-der soziale Fortschritt für den jüdischen Volksorganismus zur Katastrophe und zur Ursache erbarmungsloser Zerstöning. Was für alle Bewohner eines Zimmers Luftwechsel und Erftischung bederftet, wird für den im selben Zimnier liegenden Lungenkranken zur Ursache schwerer Erkraumng. Unser sozialer Oganismus ist »in kranker «***** * t-p; LEO INSTITUTE. >BW YORK denn soziale Revolutionen verschlimmern seinr ohnedieschwierige und unsichere Lage.. Das bwschewistische Regime, das an. der sozialen Umgestaltung der russischen Gesellschaft besonders mfttg arbeitet, beschleunigt und verstärkt die Katastrophe innerhalb des russischen Judentums. Hiefür nur wenige Beispiele. Die Möglichkeit der dauermdcn BrnutzMg der alten Produktionsmittel in eine: Zeit, wo zur Herstellung derselben Produkte nm* oeffere moderne Produktionsmittel vorhanden iu p. ist unmittelbar, wenn auch vorübergehend, an das kapitalistische Produktionssystem gebunden. (Ueiber me Ursachen dieser Ericheinung kann ich mich hier nicht weiter verbreiten.) Notwendigerweise wird dabei eine ungeheure Menge menschlicher Arbeit verschwendet. Bei staatlich organisierter und verwalteter Produktion wäre es gerdaezu eine Torheit, nicht an Stelle dieser primitiven Produksionsn'.ittel nach Möglichkeit die verbesserten, auf den letzten technischen wissenschaftlichen^ Errmrgsw schäften beruhenden Maschinen zu benützM. Und damit ist die Zentral-isier-ung der Produftion verknüvst, die auch durch die vielen Vorzüge der gsmei-nsomen (ko-operasiven) Arbeit zahlreicher Arbeiter -die Produktion besonders fördert. Daher ist es klar und verständlich, daß die Bolschewiken die weitestgehende /Zentralisierung verschiedener Produktionszweige durch sich reu. In einer ganzen Reihe russischer kleiner (und auch einiger größerer Städte) waren zohntav-ftnd« russischer Arbeiter und Meister als Schneider sie» schästigt. Ein bolschewistisches Dekret nationaftsioiste nrit einem Federstrich diesen Produktionszweig und zeniralisteite ihn in den russischen Hauptstädten, wo die Zahl der jüdischen ^Bevölkerung verschwindend klein ist. Die jüdischen Schneider in den Provinzstädtm wur'den aus dir Straße geworfen und tanfM-de nichtjüdischer Arbeiter in den Hauptstädte:: nahmen ihrer» Platz ein. . Ein zweites Beispiel: Dir 'SsNj^rezrs-Ätsführte für alle Bürger die Zwangsarbeit ein. Oualifizierte Arbeiter blieben selbswerständlich bet ihren Befchästigungen. - Alle Beschäftigungslosen, die bei Streifungen betreten werden, sind nach dem Gesetze als unquMftz-ierte Anbsitsr zu betrachten, sie werden in Arbeiterbataillone gesteckt und z-n dm niedrigsten^ „schwarzen" Arbeiter beiüitzft Diefe Bataillone sind nicht nur von den zahlreichen jüdischen Luftmenschen und Kleinhä-Mern gefüllt, sondern auch von Tausenden jüdischer Arbeiter, die dank der Zentralisierung ihrer ProduktiqüZt zweige aus ihren wirtschaftlichen Positionen verdrängt sind rmd nun als „beschäftigungslos" ftst genommen werden. So droht dem russischen Irrdentum die Gefahr, aus einer Güsrllsch-aft von Lustmcnschen in eine solche von „schwarzen" Arbeitern verwandelt zu werden. Natürlich sind auch Teile der russischen Gesellschaft aus ihren wirtschaftlichen Positionen verdrängt worden. Darum bemühte sich die Sowjeb regierung, Mittel ausfindig zu machen, um dcn verschiedenen deklassierten Elementen den Uckbergang oder die Rückkehr zur produrtiven ülrbcit M ermöglichen und zu erleichtern, .w zi.n Beispiel gibt eines der bolschewistischen Dekrete jeder' Gruppe von Arbeitern die Mök-c-pkcil, den nött- M Boden samt Inventar zur E ri'^.oung kooperrtiver Landarbcitersiedlungen zu t v ten. Bei den jüdischen deklassierten Massen a-be. '-'lÄerholt sich dieselbe Erscheinung, die wir rmr.- der kapitalistischen Wirtschaftsordnung beobachtet haben. Die negative Seite jeder Eüjchcknung oder Refornr (auch wenn sie sonst für-niemand von negativer Wirkung ist) ist für die jüdischen Massen besonders . empfindlich und oft katastrophal, diese sinh aber fast nie in der Lage, die IM zu benützen, die zur Linderung dieser ncgaiivm Wirkung bereitet werden. In dem eben migefiihrten Falle ist cs der Antisemitismus und die Furcht vor Pogromen, die nicht nur die Abwanderung städtischer Juden ins Torf unmöcstich machen, sondc-n: sogar eine umgekehrte Wandenmg der Landju-den in die Stadt verursachen. Und der bäuerliche Antisemitismus wächst, je mehr der Antagonismus zwischen Dorf und Stadt zuniimut. Bon den Maßnahmen gegen die Bauern genießt die jüdische städtische Bevölkerung am wenigsto« (da sie nur einen kleinen Prozentsatz beschäftigter r besitzt) dagegen leidet sie am schwersten i\ . Seiten der Bauern, da die Juden, -ruck weau sie im Dorfe wohnen, von den Bauern als Srädter a::-^ gesehen und als Ursache alles Ueb.ts dett-acht't werden. Alle diese Erscheinungen komcken selbst auf die absolut assimilatorisch eesinuteu iüdischsn Kommunisten nicht wirkungslos bleiben. So cn^andt bei ihnen der Plan, eine konzentrierte Masssnkolonisation^ der Juden in einem der rückstöndigeren Teile Rußlands durchzuführen. Ui© vcr aUero der tradittomlle Haß gegen den PalMftckSmu§ hinderte sie und damit die durch sie Werte Gesamtpartei der ru-ssiscv^r zu der zionistischen Bewegung cisu frspELeee M-r wenigstens weniger "