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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-12-25 · 52 (25.12.1896) · p. Seite 867

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
52 (25.12.1896)
Date
1896-12-25
Page
Seite 867 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 62. Elllgemeiuc Israelitische Wochenschrift. Seite 867. und der orthodoxen Partei, welche diese Andacht, als mit den orthodoxen Traditionen unvereinbar, zu verhindern suchte. Da die Ortspolizei sich keinen Rat schaffen konnte, mußte die Gensdarmerie in der Synagoge einschreiten. 9 Budapest, 20. Dezember. (Einweihung einer neuen Schule. — Stiftung. — Streitigkeiten. — Handwerkslehrlinge.) Die neue große Schule, welche unsre Religionsgemeinde aus einem Grundstücke an der Ecke der Wesselänyi- und der Gärtnergasse (VII. Bezirk) erbauen ließ, ist ihrer Bestimmung übergeben worden. In seiner Festrede nahm Rabbiner Dr. Kohn Veranlassung, einiges über die Wirksamkeit der hiesigen Religionsgemeinde auf dem Gebiete des Volksschulunterrichts hervorzuheben. Die Kosten des schönen Gebäudes beliefen sich aus ca. 200 000 st. — Frau Elise Fischer in Arad hat ihr ganzes Vermögen im Betrage von einer Million Gulden der jüdischen Gemeinde zur Gründung eines Mädchen-Waisenhauses letztwillig hinterlassen. Die Zöglinge bleiben bis zu ihrer Verheiratung im Waisenhause, wo sie eine strengreligiöse Erziehung erhalten müssen. Jedem Mädchen wird eine Mitgift von 1000 fl. sichergestellt.In der orthodoxen Gemeinde zu Neutra hat sich im Lause der Zeit unter Führung des Talmudisten Vorhand eine hyperorthodoxe Untergemeinde gebildet, welche, um ihrem Führer ein Einkommen zu sichern, nicht nur ein eigenes Bethaus, sondern auch eine Talmudschule erhält. Die Kultusgemeinde sah diesem Beginnen eine Weile zu, ersuchte aber schließlich den Magistrat um Schließung des Bethauscs und der ungesetzlichen Vorhandschen Winkelschule, welcher Bitte auch stattgegeben wurde. Dem Rekurs der Betroffenen Folge gebend, hob jedoch der Vizegespan den Bescheid des Magistrats aus und ordnete eine neue Verhandlung und Beschlußfassung an. Die Gemüter sind jetzt beiderseits äußerst erregt. — Dem Ungarisch-Israelitischen Handwerks- und Ackerbauverein unterstehen 291 Handwerkszöglinge. In jüngster Zeit sind 45 neue Aufnahmegesuche eingelaufeu. Paris, 20. Dezember. (Kultussache.) Hier wird bekanntlich auch der jüdische Kultus vom Staate subventioniert. So hat diesmal die Deputiertenkammer 123 530 Fr. für Kultuseinrichtungen und 22 000 Fr. für den Bau von Synagogen mit großer Majorität bewilligt. X Petersburg, 20. Dezember. (Eine jüdische Deputation beim Zaren. — Jüdische Soldaten. — Ackerbauschule. — Jüdische Apotheker.) Unsrer Synagogenverwaltung wurde im Aufträge des Zaren mitgeteilt, daß demnächst die Zulassung der Inden des russischen Reiches zu einer Huldigung erfolgen werde. Bis zum 18. Januar habe daher die Anmeldung der Deputationen der jüdischen Gemeinden von Petersburg, Moskau, Odessa, Warschau und Kiew beim Ministerium stattzusinden. — Das erste Departement des Senats hat wiederum eine Entscheidung getroffen, nach welcher den verabschiedeten Untermilitärs mosaischer Konfession, welche ihre Militärpflicht nach dem alten Rekrutierungsmodus geleistet haben, bedingungslos das Recht zugestanden wird, im ganzen'Reiche zu leben; hierbei ist es irrelevant, ob diese Personen zu Gemeinden in der jüdischen Ansässigkeitssphäre angeschrieben sind, oder nicht. Dagegen war vor kurzem bestimmt worden, daß die Soldaten jüdischer Konfession, die nicht das Aufenthaltsrecht in allen Teilen des Landes besitzen, während der Dauer ihres Urlaubs was die Wahl ihres Aufenthaltsortes betrifft den allgemeinen Gesetzen über den Aufenthalt der Juden außerhalb des Territoriums unterworfen sind. — Dem Vernehmen nach plant das Ministerium für Landwirtschaft die Errichtung einer Ackerbauschule fürjüdische Knaben. Einige reiche Glaubensgenossen haben zum Besten der Schule 25 000 Rubel gespendet; das Ministerium wird dieselbe einerseits mit 5000 Dessjatinen Land int Cherssonschen Gouvernement ausstatten, um daselbst eine Musterwirtschaft einzurichten. Der Unterricht soll vorwiegend praktisch sein und einen dreijährigen Kursus umfassen. — Einen Erlaß seines Vorgängers, der bestimmte, daß in sämtlichen von Juden bewohnten Gouvernements die Zahl der jüdischen Apothekerlehrlinge nur 5 % der Gesamtzahl solcher Lehrlinge betragen dürfe, hat der Minister des Innern umgestoßen. Dieser Bestimmung schloß sich auch der Dirigierende Senat an, „da kein Gesetz des Reiches eine Vorschrift über die Zahl der jüdischen Lehrlinge enthält, die in den Apotheken ausgenommen werden dürfen." Sofia, 18. Dezember. (Ein Mißverständnis) hat zwei Männer aus Jerusalem, die hier für die Armen im Heiligen Lande sammelten, in Untersuchungshaft gebracht. Der Chacham Baschi in Konstantinopel intervenierte für sie und schickte Herrn Navon Bey mit einem Schreiben des Großveziers hierher. Dies Schreiben empfing der türkische Kommissar dahier, der dann beim Fürsten die Befreiung durchsetzte. Wieso aber konnten ohne jeglichen Thatbestand die zwei Männer 62 Tage im Gefängnis bleiben? Bei den Männern fand man ein großes Empfehlungsschreiben, in welchem u. a. stand: CE“ cr6 („Gebet ihnen Geld") Die Behörde ließ das Schriftstück amtlich übersetzen und der Uebersetzer leitete CE" von D“ ab und übersetzte es wörtlich: „Gebet ihnen — Blut!" Und das genügte. X Jerusalem, im Dezember. (Spitalbau.) Am 11. v. Mts. besuchte eine Kommission des Stadtrats in Begleitung des städtischen Baumeisters den Spitalbau, um durch persönliche Inspektion festzustellen, daß beim Bau die arrondierte Grenze des Bau-Areals eingehalten wurde. Die Kommissiou war sichtlich erstaunt über die Solidität des Baues und über seinen bisherigen rüstigen Fortgang. An der Fertigstellung der Umfassungsmauer wird eifrig gearbeitet, die Zisternen sind bereits fertiggestellt. Der Regen, welcher sie füllen sollte, wurde lange vergeblich erwartet und mußte man eine Zeit lang das zum Bauen notwendige Wasser für vieles Geld kaufen. Glücklicherweise hat inzwischen die Bitte um Regen ihre Erhörung gefunden, so daß nun das in den Zisternen sich ansammelnde Wasser für den Weiterbau benutzt werden kann. □ Aus de» Gemeinden. Rabbiner Dr. Kohn in Kattowitz feiert am 6. Januar sein 25 jähriges Amtsjubiläum. Das gleiche Jubiläum beging am verflossenen Sabbat Herr- Rabbiner Dr. Blumenstein in Luxemburg. — Versetzt: Herr I. Rosenthal von Czarnikau (als Religionslehrer und Kassenassistent) nach Königsberg^Pr. — Vakanzen: Gr ätz (Posen) Rabb. Fix. 2400 Mk. (R.-U. an höh. Knaben- und Mädchenschule extra) und Nbk. — Schwetz (Wpr.) zum 15. 2. od.

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