Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 51 (18.12.1896)
- Date
- 1896-12-18
- Page
- Seite 851 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51. Allgemeine J-raelitische Wochenschrift. Seite 851. danken griff Rabbiner Dr. Neubürger-Fürth auf. Nachdem er festgestellt hatte, daß schon 1890 nur 7 % aller dieser Gemeinden aus 50 Familien und darüber bestanden, daß dagegen 3 4 aller Gemeinden nicht einmal 100 Seelen, und mehr als die Hälfte davon nicht einmal 50 Seelen gezählt haben, arbeitete er die Statuten eines Landesvereines zur Unterstützung notleidender israelitischer Kultusgemeinden in Bayern aus und legte sie der II. bayerischen Rabbinerkonferenz zu Würzburg im Mai 1894 mit dem Anträge aus Gründung eines solchen Vereines vor. Sie wurden hier sofort und dann von einer konstituierenden Versammlung, welche unter Beteiligung zahlreicher Rabbiner und Gemeindevorstände am 25. Dezember 1894 zu Nürnberg tagte, nach entsprechender Amendierung angenommen. Damit war der Landesverein ins Dasein getreten. Als Sitz des Vereins war ursprünglich München, dann Nürnberg in Aussicht genommen; aus Gründen der Zweckmäßigkeit wurde jedoch schließlich Fürth gewählt. Aus gleichen Gründen wurde je ein zusammenwirkender Vorsitzender und Kassierer den Schwestergemeinden Nürnberg- Fürth entnommen. Den Zweck des Vereins giebt sein Name an: Wie dringend das Bedürfnis ist, welchem der „Landesveretn" abzuhelfen strebt, mag aus der Thatsache hervorgehen, daß derselbe in den 1'/., Jahren seines Bestehens schon 7730 Mark auf den Zweck zu verausgaben gezwungen war, dabei aber weitaus nicht die Hälfte der an ihn herangetretenen berechtigten Ansprüche zu befriedigen vermochte. An Einnahmen verzeichnet der Bericht Mk. 12023,95. Vorsitzender desselben ist Justizrat Günzenhäuser, Hierselbst. Wir wünschen so viel Gönner und Förderer, wie er sie verdient und auch braucht, auch sich allen an ihn hinantretenden Pflichten gewachsen zu sein. W. Stuttgart, 14. Dezember. (Israelitisches Landesasyl.) In einer reich besuchten Versammlung der hiesigen und der Juden der Umgegend wurde beschlossen, einen „Israelitischen Landesasyl- und Unterstützungsverein" zu gründen, der den Zweck hat, für alte und bedürftige Juden, die sich nicht ernähren können, ein Heim zu gründen. Sobald ein Kapital von 100.000 Mk. zusammengekommen ist und das Asyl eine jährliche Einnahme von 10.000 Mark zu haben hofft, wird das Heim errichtet werden. Eine große Summe wurde bereits gezeichnet. O Budapest, 13. Dezember. (Israelitisch-ungarische litte* rarische Gesellschaft. — Kein „jüdischer" Bischof mehr.) Nach wenig mehr als einjährigem Bestände hielt die Israelitischungarische litterarische Gesellschaft am 9. d. M. in einem Saale der israelitischen Religionsgemeinde ihre erste Festversammlung, welcher die ordentliche Generalversammlung folgte. Tie Gesellschaft genießt trotz ihres kurzen Bestandes bereits einen vorzüglichen Ruf, was sich auch in dem Besuche der Festversammlung dokumentierte, zu welcher zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten und viele Mitglieder aus der Provinz sich eingefuuden hatten. — Nach einer römischer: Nachricht hat der Domherr Fraknoi auf den Bischofsitz von Fünskirchen verzichtet, da in vatikanischen Kreisen gegen die Ernennung eines getauften Juden Opposition wahrnehmbar ist. o. London, 7. Dezember. (FrühereLordmoyors. — Stiftung.) Daß der gegenwärtige Lordmayor von London, Faudell Philipps, nicht der erste Jude ist, der den höchsten bürgerlichen Ehrenplatz in der Themsestadt inne hat, ist bekannt. Schon seinem Vater war die gleiche Würde übertragen worden. In dem Jahre, da Sir Augustus Harris Sheriff von London war, saß Sir Jsaacs, der Chef des großen Londoner Fruchtgeschäftes, aus dem Bürgerthrvn. Sir David Salomons aber war der erste Jude, der zum Lordmayor gewählt worden ist. Es war noch zur Lebenszeit des Prinz-Gemahles der Königin Viktoria. Als diesem der Bischof von London die Wahl Sir Davids mitteilte und hinzusügte: „Nun haben wir endlich einen Gentleman auf dem Bürgerthron!" entgegnete der königliche Herr: „Ich gratuliere Ihnen dazu und freue mich, daß Sie auf der Suche nach einem Bürgeroberhaupt nicht engherzig an der Grenze des Christentums halt gemacht haben!" — Baronin Hirsch will ein Heim für jüdische Schwindsüchtige in England gründen. Sie hat ihren Verwandten, Mr. Bischoffsheim, Sir Edward Sassoon und Frank Lucas, zu dem Zwecke eine Summe von 50 000 Pfund Strl. eingehändigt. St. Petersburg, 13. Dezember. (Beschränkung. — Auswanderung. — Jüdische Studenten.) Einige russische Stadtverordneten-Versammlungen haben, der antisemitischen „Nowoje Wremja" zufolge, bei der Regierung petitionsweise die „Einschränkung des jüdischen Elementes" in den Börsenkomitees (Handelskammern) beantragt. — Die Emigrationsbewegung hat unter der jüdischen Bevölkerung des Jekaterinoslawschen Gouvernements ziemlich große Dimensionen angenommen. In Alexandrien (Egypten) und in Leeds (England) giebt cs gegenwärtig ganze Stadtviertel, die von aus dem Jekaterinoslawschen Gouvernement ausgewanderten Juden bevölkert sind. Unter den Emigranten befinden sich zwei junge Aerzte, die in Jckaterinoslaw geboren, das dortige Gymnasium und ihre medizinischen Studien auf russischen Universitäten absolviert haben. Der eine der Aerzte ist nach Alexandrien, der andere nach Leeds übergesiedelt und beide haben in den genannten Städten eine ausgebreitete Praxis, vorherrschend unter den russischen Uebersiedlern. — Der jüngst erschienene amtliche Bericht über das Personal der Universität Dorpat erweist einen beträchtlichen Rückgang der Zahl der Studierenden evangelischer und jüdischer Konfession. Evangelische Studierende waren 537 gegen 649 im Vorjahre, jüdische 188 (242), dagegen stieg die Zahl der griechischorthodoxen von 89 auf 119 und der römisch-katholischen von 79 auf 83. & Vom Balkan, 10. Dezember. (Anerkennung des jüdischen Geistes. — Jüdische Studenten. — Schulinspektion.) Rumänische Politiker sagen offen, daß es ihr moralisches und materielles Interesse erheische, die Juden möglichst zu unterdrücken, da diese infolge ihrer Fähigkeiten und ihres Fleißes die rumänischen Christen weit überragen. Sie kränken sich, daß einige naturalisierte Juden hohe Stellen bekleiden, wie zum Beispiel B. Emanuel David, der erste Professor für Mathematik an der Bukarcstcr Universität; Professor Lazar Scheineanu; Dr. Tiktin, der erste Grammatiker; Negrescu, der erste Architekt; Dr. Schachmann, der erste Arzt :c. :e. — Die Bukarester Universität hat soeben ihren Bericht über das Jahr 1895/96 veröffentlicht und es zeigt sich, daß von /