Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 50 (11.12.1896)
- Date
- 1896-12-11
- Page
- Seite 836 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4794838-9609712-9610594--1934-9610610- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 836. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 50. zu verleihen, was in der am 20. v. M. stattgehabten Generalversammlung der Kultusgemeinde in feierlicher Weise geschah. Aus diesem Anlasse veranstaltete die jüdische Jugend einen Fackelzug und brachte dem beliebten Rabbiner große Ovationen dar, an denen sich alle Bevölkerungskreise des Ortes ohne Unterschied der Konfession beteiligten. S* Budapest, 6. Dezember. (Jahresbericht. — Jüdische Abgeordnete.) Soeben ist der Jahresbericht des Landes-Rabbiner- Präparandie über das Schuljahr 1895 96 in ungarischer und deutscher Sprache erschienen. Die Publikation gewinnt einen besonderenWertdurch denUmstand, daß inVerbindung mit demAusweise eine gründliche Studie des Professors Dr. Wilhelm Bacher über die Bibelerklärung Moses Maimonides erschien. Die treffliche Arbeit des Gelehrten wird bei allen, welchen diese Materie geläufig ist, lebhaftes Interesse erwecken. — Der neue ungarische Reichstag hat nicht, wie früher berichtet, vierzehn, sondern, wie jetzt bekannt wird, nur zwölf jüdische Abgeordnete, da die Abgeordneten Dr. Aranyi und R. v. Biedermann — dieser ein Schwager des Honvedministers — Nicht-(mehr-)juden sind. O Rom, Anfang Dezember. (Signor Giacomo Malvano,) der neuernannte Senator und Sekretär im Ministerium des Innern, ist der sechste Jude im Senat. Die anderen fünf sind: der ehemalige Minister Isaak Artom, der berühmte Sprachforscher Graziadio Ascoli, der Dichter, Maler und ehemalige Vizepräsident der Deputiertenkammer Tullo Massarani, ferner die Herren Enrico Fano und Cesare Parenzo. 8t. New-Zork, 20. November. (Das Jubiläum der Gemeinde Ahawath Chessed. — „United Hebrew Charities" — Jüdische Frauen. — Seltene Bibliothek. — Vom Chasan zum Zahnarzt.) Die Gemeinde „Ahawath Chessed" beging am 14. und 15. d. M. ihr goldenes Jubiläum. Die Gründer der Gemeinde waren etliche aus Böhmen eingewanderte Glaubensgenossen, weshalb die Gemeinde noch heute „die Böhmische" genannt wird, obwohl ihr seit Jahren viele Mitglieder aus anderen Ländern angehören. Mit geringen Mitteln und kleiner Mitgliederzahl begonnen, verfügt die „Ahawath Chessed" jetzt über reiche Mittel und eine stattliche Mitgliederzahl, über eine herrliche Synagoge und eine wohlgeordnete Religionsschule. Die Gemeinde, welche sich ursprünglich nur mit einem Vorbeter, dem jetzt wieder in seiner Heimatstadt Prag lebenden Herrn Felisch, begnügen mußte, berief später den rühmlichst bekannten Dr. Hübsch aus Prag und nach seinem Ableben den gelehrten Oberrabbiner Dr. Kohut aus Fünfkirchen zu ihrem Prediger. Seit dem Tode Kohuts, d. i. seit etwa zwei Jahren, amtiert Dr. G. Davidson, früher in Cincinnati, an der Ahawath Chessed als Prediger. Die Gemeinde, welche im Anfänge streng orthodox war, wendete sich unter Dr. Hübschs Führung der gemäßigten Reform zu. Die Feier des 50jährigen Bestehens der Gemeinde war schon seit Monaten vorbereitet und vereinigte alte und neue, die ältesten und jüngsten Mitglieder im liebgewordenen Gotteshause. — Die „United Hebrew Charities" der Stadt New-York hielt ihre 22. Jahresversammlung ab. Aus dem Jahresberichte geht hervor, daß die Gesellschaft während des verstossenen Jahres 34000 Applikationen um Unterstützung erhielt, und daß sie 146000 Doll, ausgab. Professor Francis G. Peabooy hielt später einen Vortrag über das Thema: „Das moderne Verantwortlicher Redakteur: A. Levin, Berlin. — Wohlthätigkeits-Wesen". Dasselbe habe gegenwärtig mit drei separaten Problemen zu thun, nämlich mit den Leuten, die nicht arbeiten können, mit solchen, die keine Arbeit haben, und anderen, die nicht arbeiten wollen. Unterschiede zwischen diesen drei radikal verschiedenen Typen von Menschen zu machen, sei das spezielle Studium der modernen Wohlthätigkeit. — Das hiesige Blatt „Commercial Adviser" bringt eine interessante Notiz über „Jüdische Frauen". Es heißt darin: Der erste weibliche Zahnarzt war eine Jüdin, Dr. Fanny Sternfeldt. Die in New-Pork gegründete Pflegerinnenschule (Training School for Nurses) hatte ihr Entstehen einer Jüdin, Frau Alma Hendricks, zu verdanken. Das größte Stipendium, das je einem jungen Künstler verliehen wurde, stammte von einer Jüdin, Frau I. H. Lazarus in New-Pork. Der erste weibliche Fabrikinspektor in London ist eine Jüdin, Mary Abrams, ebenso ist die erste Frau, die in einem öffentlichen Krankenhause angestellt wurde und auch dort wohnte, eine Jüdin, Dr. Josephine Walter. — Eine Bibliothek, ungewöhnlich reich an seltenen und wertvollen hebräischen Werken, wie sie in keiner amerikanischen Bibliothek anzutreffen sind, wird gegenwärtig zum Verkauf angeboten. Sie wurde von einem Herrn A. M. Blank, einem Biblophilen, der aus Perersburg vor einigen Monaten hier einwanderte und sie während einer Reihe von Jahren gesammelt hat, hierher gebracht. Herr Blank ist gezwungen, sich von seinem Schatze zu trennen. Die Bücher sind alle in vorzüglichem Zustande und sehr gut gebunden. Da ist zum Beispiel die Gedichtsammlung von Emanuel, bekannt unter dem Namen der jüdische Dante, in einer Ausgabe von 1491. Das Alte Testament „sine punclls", 1519- Das Wörterbuch des berühmten Pinchi, 1529, die Talmud-Ausgabe aus der Offizin Benvenisti, Amsterdam, in welcher die auf Jesus bezüglichen Stellen unverkürzt abgedruckt sind; das Wörterbuch des Rabbi Jehuda Hachasid, 1538; die Kommentare des berühmten Eliahu Misrachi zum Pentateuch 1545; eine Masse der seltensten Drucke aus Konstantinopel, Venedig, Kremona, Mantua, Sabionetta, Salonichi, wie sie nicht leicht wieder beisammen gefunden werden. — Das Neueste in Cincinnati ist, daß der Chasan der Scheerith- Jsrael-Gemeinde zum Doktor der Zahnheilkunde promoviert und seine Offizin 911 Richmond Straße eröffnet hat, wo zu lesen ist: Dr. A. Grodsky, Dentist. Ein tüchtiger Chasan, der zugleich als Zahnarzt und Doktor zur Zunft der Gelehrten gehört, ist sicherlich eine Seltenheit. * Aus den Gemeinden. Verstorben: Herr Lang, Lehrer und Kantor in Meiningen. — Herr Feibelm an n, Kantor in Kaiserslautern. In der erstgenannten Gemeinde sind bereits mehrere Bewerber zu Probevorträgen geladen, sämtlich aus dem Herzogtum, da nur Staatsangehörige definitive Anstellung erlangen können. Die Schechitah soll fortab von der Lehrerfunktion getrennt sein. — Vakanzen. Königsberg i. Pr.: Rabb. Fix. 5000-6500 Mk. — Marköbel: L., K., Sch. Fix. 700, Nbk. ca. 300 Mk., fr. W. u. Heiz. Meld. an Leop. Stern. — Hamburg: Zum 1. 4. 97 L. d. neueren Spr. für Talmud- Thora - Realschule. Meld. an Dir. Dr. Goldschmidt, Kohlhöfer 20. Druck: Arthur S ch o l e ni, Berlin 0., Roßstr. 3. Bering: Siegfried Lroubach, Berlin W. &7. —