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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-12-11 · 50 (11.12.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
50 (11.12.1896)
Date
1896-12-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Nebst einer wissenschaftlichen Beilage „Ieschurun". t tt t Berlin, II. Dezeinb. 1896. Nr. 50. Jahrgang V. Redakteur: A. Levin. Verlag: Siegfried Lroubach, Serlin W. 57. Telephon: Redaktion VII, 4236. * Expedition VI, 796. Bezugspreis vierteljährlich: Treu und krei l Deutschland u. Gesterreich-Uugarn MK. 2,00, 4 * alle andern Länder MK. 8,50. Post-Zeitungsliste Nr. 108. Die „Wochenschrift" erscheint an jedem Freitag mindestens 20 Seiten (2 Va Bogen), der „Jeschnrnn" Mitte und Ende jeden Monats mindestens 4 Seiten (l/s Bogen) stark. Zu beziehen durch die Post (Zeitungsliste pro 1896 Nr. 108) oder unsere Expedition. Anzeigen werden mit 85 pfg. für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet. Bei Wiederholungen oder größeren Aufträgen tritt eine Preisermäßigung ein. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unsere Expedition nehmen Anzeigen für dieses Blatt entgegen. Inhalt: Schmocks Rehabilitierung. — Nachahmungen. — Aus dem Berliner Gemeindeparlament. — Das „modernste" Gebetbuch. — Wochen- Elironik: Abgewinkt. lieber die Volkszählung in Preußen. — Böhmische Berge? Ein jüdischer Frauenkongreß. — Ueber das Alte Testament und das moderne Leben. — Feuilleton: Das große Sterben. Von Wilhelm Jensen. — Der Fremdling. Von F. Saphra. — Hier und dort. — Kalender. — Anzeigen. Schmocks llehadilitierung. Vor bald fünfundvierzig Jahren schrieb Gustav Freytag sein klassisches Lustspiel „Die Journalisten", durch welches der „jüdische" Journalist Schmock zu einer großen „Berühmtheit" gelangt ist. Schmock ist im Grunde genommen ein harmloser Mensch, jedenfalls ein Ehrenmann im Vergleich zu den journalistischen Zuhältern, die in den letzten Tagen die Aufmerksamkeit der ganzen zivilisierten Welt in unrühmlicher Weise auf sich gelenkt. Es ist ein armer Tropf, der gern ein paar Groschen durch Reporterdienste verdienen möchte, und wenn ihm dies nicht gelingen will, sucht er sich irgend einen kleinen Betrag zu erborgen. Freilich ist er auch eine lächerliche Erscheinung und fordert unfern Spott heraus. Als dieses klassische Lustspiel erschienen war, zeigte sich Berthold Auerbach peinlich berührt. In einem seiner Briese an seinen Vetter Jakob Anerbach drückt er sein Befremden darüber aus, daß Gustav Freytag, der mit hochbegabten, ehrenhaften und verdienstvollen jüdischen Publizisten Umgang gepflegt, gerade Schmock heransgestscht habe, um den „jüdischen" Journalisten typisch zu machen. Indessen konnte man damals einen ungerechten Spaß vertragen; Gustav Freytag und Berthold Auerbach sind auch fernerhin gute Freunde geblieben. Freytag hat sich sogar kurz vor seinem Tode in einem Pfingstartikel für die „Neue Freie Presse" in Wien unvergleichlich herrlich gegen den Antisemitismus ausgesprochen. Schmock ist aber im Laufe der Zeit eine stehende Figur geblieben. Und als es sich darum handelte, die jüdischen Journalisten von der deutschen Presse zu verdrängen, wurde Gustav Freytag stets als Eideshelfer für dieses unsaubere Unternehmen angerufen. Es thut uns aufrichtig um den großen Dichter leid, daß sein Name zu solch einem schmutzigen Treiben mißbraucht werden konnte, aber Schmock war nun einmal ins Leben gerufen und konnte nicht mehr aus dem Katechismus der Antisemiten verschwinden. Und er hat seine Dienste gethan. Seit etwa zwanzig Jahren ist es einem neu entstandenen Heer von arischen Rowdies gelungen, die anständigen Elemente der Publizistik aus der journalistischen Thätigkeit zu verdrängen, um den Männern der „tentschen" Art Platz zu machen. Es waren dies die Leckert, die Lützow und die andern Polizeispitzel, welche in ihren Mußestunden auch die öffentliche Meinung zu fabrizieren mithalfen. Ehren-Leckert ist mit 17 Jahren von der Schule abgegangen; ein „arisches" Blatt, wie die „vornehm"-antisemitische „Tägl. Rundschau" stellte ihn bald daraus als Theaterkritiker an. Dieses Bürschlein half Kunst und Wissenschaft fördern. Wahrlich, man muß sich stets an die bedeutenden und ehrenhaften Männer erinnern, welche immerhin der Berliner Publizistik angehören, um nicht den letzten Funken von Respekt vor der Tageslitteratur zu verlieren. Stets haben die „arischen" Preßorgane darüber Krokodilsthränen geweint, daß die „jüdischen" Schmocks die deutsche Presse korrumpieren, und nun stellt es sich heraus, von welchen Ehrenmännern die gute „christliche" Presse, wie die „Staatsbürger Zeitung", die „Tägl. Rundschau", der Breslauer „General-Anzeiger" und ähnliche Organe, bedient war. Man kennt vorläufig nur diese Preßbanditen, deren Treiben öffentlich vor Gericht gebrandmarkt worden ist; in der Wirklichkeit ist jedoch ihre Zahl bedeutender, und man könnte das Untersuchungsgefängnis zu Moabit ziemlich gut bevölkern, würde man all das lichtscheue Gesindel entlarven, das in der „deutschen" Presse sein Unwesen treibt. Denn es ist ihnen in der That gelungen, diesen Rowdies, die hochbegabten und gebildeten jüdischen Publizisten in der deutschen Presse unmöglich zu machen. Große Blätter, die

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