Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 49 (4.12.1896)
- Date
- 1896-12-04
- Page
- Seite 820 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 820. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 49. 100 Meilen weit gereist, um dieses Glückes teilhaftig zu werden. Manche hatten jahrelang keine Thora gesehen und beteten mit einer Inbrunst, wie sie in zivilisierten Ländern kaum empfunden werden kann. — Am 9. d. M. wurde der Ratsherr Lazarus Hart einstimmig zum Bürgermeister von Ramsgate gewählt, trotzdem er nicht in Ramsgate geboren ist. Der neugewählte Bürgermeister dankte für das ihm erwiesene Vertrauen und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß er nun die Ehre haben werde, die goldene Bürgermeisterkette zu tragen, die sein berühmter Glaubensgenosse Sir Moses Montefiore vor 12 Jahren gelegentlich der Feier seines hundertsten Geburtstages der Stadt zum Geschenke machte. Es ist interessant, daß ein Stadtviertel von Ramsgate den Namen „Sir Moses Montefiore Ward" führt. — In England und Wales giebt es 100000 (?), in Bombay 13375, in Schottland 2060, in Irland 1879, in Gibraltar 1000, in Trinidad 31 Juden. In Johannesburg wohnen jetzt 6253 Juden. g. London, 28. November. Die kleine Gemeinde der Samaritaner zu Nablus hat eine Schule errichtet, in der auch die Kinder der Juden ausgenommen werden; sie hat sich an die Anglo-Jewish-Association um eine Unterstützung gewandt. Das englisch geschriebene Gesuch ist von „Jacob, Hohepriester der samaritanischen Gemeinde" und „Jsaac, Priester" unterschrieben und schließt mit den Worten: „Möge Gott uns wieder vereinigen, wie wir zuvor gewesen sind: ein Volk Gottes." Petersburg, 25. November. fFür die jüdischen Studierenden. — Schulwesen. — Karaiten sind keine Juden) Bei der Grundsteinlegung des Gebäudes der medizinischen Fakultät in Odessa hielt der Gehilfe des Ministers für Volksaufklärung, Geheimrat N. M. Anitschkow, die Festrede, in welcher er u. a. ausführte, daß sich in Rußland ein besonderer Mangel an Aerzten bemerkbar mache, wodurch die Volksgesundheit erheblich leide. Bei uns komme ein Arzt aus 6000 Einwohner, während in Deutschland bereits auf je 3000, in Frankreich auf je 1800 und in England auf je 1600 Einwohner ein Arzt komme. Diese Armut an Aerzten in Rußland erklärt Redner dadurch, „daß die Universität, welche ihre Thore sperrweit allen öffne, die nach höherer Ausbildung verlangen, sich gezwungen sehe, vielen, welche sich medizinischen Studien zu widmen wünschen, Aufnahme zu verweigern zufolge von Ursachen, welche von der Hochschule ganz unabhängig sind." Er meinte natürlich die Juden, die in kaum nennenswertem Prozentsatz zu den akademischen Studien zugelassen werden. — Rußland hat über fünf Millionen Juden und — 515 Schulen, das ist also eine Schule für 9900 Juden. Dazu kommt, daß von diesen 515 Schulen nur 110 staatliche sind; 83 werden im Interesse von Kultusgemeinden unterstützt, und 322 sind Privatschulen. Daß solche Schulen nicht die idealsten sind, versteht sich von selbst. Der letzte Bericht des Schulinspektors im Kiewer Distrikt beweist dies zur Genüge. Die jüdische Bevölkerung dieses Distrikt beträgt 1'/, Millionen, die Zahl der Schulen ist 118; 86 davon sind Privatunternehmungen. Kaum 7000 Kinder besuchen diese Schulen. Die große Masse der jüdischen Kinder — fast 40000 an der Zahl! — wird im „Cheder" ■ erzogen. Solcher giebt es in dem einen Distrikt 2885, also ein Cheder auf 554 Bewohner. Die Errichtung moderner Schulen würde ungeheure Summen kosten, ist somit unerreichbar. Im Kiewer Distrikt allein müßte man für die * 40000 Kinder, welche jetzt in Chedarien unterrichtet werden, * nicht weniger als 280 Schulen errichten, und mehr als 1000, wenn alle Kinder Rußlands die Schule besuchen sollten. Und doch würde das Unternehmen möglich sein, wenn die Regierung ihre Hand dazu hergäbe! — Als im vergangenen Jahre der Befehl der Militärbehörde erlassen wurde, jüdische Soldaten hätten beim Militärkommando keine Kanzleidienste zu leisten, reichte der Chacham der Karaiten ein Bittgesuch ein, des Inhalts, man möge den Befehl nicht auf die Karaiten ausdehnen. Der russische Kriegsminister hat nun entschieden, die Karaiten von dem Befehl auszunehmen, weil die Gesetze, welche sich aus die Juden beziehen, auf die Karaiten nicht anwendbar seien. * Aus den Gemeinden. Herr N. Goldberg in Köthen ist , als 1. Kantor in Ratibor gewählt. — Vakanzen. Wirsitz: Sos. od. 1. 1. 97 Rl., K., Sch. Fix. 1350, Nbk. ca. 200 Mk. Reisek. d. Gew. — * Stadtlohn (Kreis Ahaus): Für 15 schulpfl. Kinder unverh. , El. u. Rl. Eink. 1000—1400 Mk. Meld. an Beruh. Oppenheimer. — Beuthen O.-S.: Sch. n. Hilssk. (Baß, der im Chor mitw. kann, bevorz.) Fix. 1800, garant. Nbk. 700 Mk. Brief- und Fragekasten. NN. Augsburg. Die Mitteilung, daß anonyme Zuschriften in den Papierkorb wandern, wird an dieser Stelle r bald das Jubiläum der 1000. Wiederholung feiern können. — , Herrn B. A., hier. Sie machen uns auf eine weitere Ents deckung eines Lesers des B. T. in Sachen „Mumpitz" aus- ) merksam, nach welcher das Wort aus dem Hebräischen stammen und eigentlich Me-Am puz „Von dem zerstreuten (Wander-) ( Volke" heißen soll. Falls Sie der Einsender dieser etymok logischen Studie sein sollten, so setzen Sie sich, bitte, eine t Bank runter. 1 VM- Der heutigen Nummer unseres Blattes liegt ein | Prospekt der bekannten Musikinstrnmentcnfabrik von Jul. | Heinr. Zimmermann in Leipzig bei, aus den wir unsere Leser S hierdurch aufmerksam machen. Die Exped. | LiMkilMklWLL A. Berkheim, Dragouerstr. 18 sür Bau und Neparaturen schnell u. billig. Lebrecht Stier, Hagenauerstr. 10. Isrgrütilchrr Jugendfreund Zeitschrift zur Unterhaltung ».Belehrung fnrKinder jüdisch. Glaubens. Herausg. E. Flanter. Vierteljahr!. 1,— Mk. Zu bezieh, durch jed. Postamt (Liste Nr. 3524), jed. Buchhdl. sow. d. die Expedition Kerlin H. 37. Probehefte gratis. IWrtflfhw f- Gemälderahmen, Neuvergold, u. Bildereinrahm.6.Bebel, Victoriastr. 23. Centralmarkthalle Stand 135/186. Verantwortlicher Redakteur: A. Levin, Berlin. Verlag: Siegfried Cronbach, Berlin W. 67. — Druck: Arthur Scholem, Berlin 0., Rohstr. 3.