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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-11-27 · 48 (27.11.1896) · p. Seite 804

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
48 (27.11.1896)
Date
1896-11-27
Page
Seite 804 (sequence 16)
Language
German
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Seite 804 Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 48. aber alles, was ihn auch nur noch im entferntesten mit Judentum in Verbindung bringen könnte, ängstlich von sich ab. Für ihn und seinen Freund, den bekannten, ihm geistig weit überlegenen Anwalt Dr. Albert Wolffson giebt es nur Menschen, keine Juden, und die Juden als Juden haben für diese Menschen gar kein Interesse. Wenn Männer von solchem Einfluß treu zum Judentum halten würden, wie manches ließe sich dann" hier erreichen, wo der Antisemitismus, namentlich unter den Gebildeten, eine Höhe erreicht hat, die man noch vor wenigen'Jahren einfach für unmöglich gehalten hätte! Statt dessen ist der Einfluß, den diese beiden Männer auf ihren Kreis, so weit er aus Juden besteht, ausüben, ein geradezu unheilvoller, denn in diesem ganzen Kreis werden alle Kinder getauft, sie sollen nicht dereinst erwachsen, mit dem Fluch des Judentums belastet, abseits stehen von den Aemtern und Würden, die ihnen als Juden verschlossen sind! Von der Zahl der so glücklich gemachten Kinder macht man sich schlechterdings keine Vorstellung, da die Eltern meistens zu — vorsichtig sind, diese Verbesserung ihrer Nachkommenschaft bekannt zu machen; ich halte sie aber für erschreckend groß und möchte die Bedeutung dieser charaktervollen elterlichen Leistung nicht unterschätzen. Als charakteristisch für den in jenen Kreisen herrschenden Geist mag die Thatsache gelten, daß man den unlängst verstorbenen, rühmlichst bekannten Dr. Isaak Wolffson, den einstigen Vorsteher der jüdischen Gemeinde, auf dem konfessionslosen Friedhof beerdigt hat, einem Teil des allgemeinen Friedhofs in Ohlsdorf, auf dem natürlich nur Namen wie Cohen, Samuel, Goldstücker und ähnliche zu finden sind. Die Ehrung des Herrn H. als einen Inden zu erwähnen, war das denkbar schlechteste Beispiel, aus solche Mitkämpfer darf das Judentum gern verzichten. (Wir haben natürlich die Sachlage nicht gekannt. Red.) 1. Reiskirchen bei Gießen, 23. November. (Konfessioneller Friede in — Hessen.) Vor einigen Tagen feierte das Israel Löwenbergsche Ehepaar die silberne Hochzeit, aus welchem Anlaß der Kriegerverein, dem der Jubilar mit nur noch einigen Glaubensgenossen als Krieger aus der Glanzzeit Deutschlands 1870/71 angehört, einen Lampionszug mit Musikbegleitung veranstaltete. Der Jubilar gedachte in splendider Weise der Ortsarmen und erhöhte dadurch den konfessionellen Frieden, der hierzulande eine seltene Erscheinung geworden ist. Karlsruhe, 23. November. (Aus der Schule geplaudert) hat der frühere Drucker des hiesigen antisemitischen Organs, Herr Ehr. Faaß. Er erläßt eine öffentliche Erklärung, worin er konstatiert, daß er schon seit Oktober v. I. nicht mehr öffentlich für diese Partei ausgetreten sei; er habe es satt mit Leuten zusammenzuarbeiten, die in moralischer Beziehung auf einem Niveau stehen, das auf Anstand und Anständigkeit keinen Anspruch mehr erheben könne. Jetzt darf man begierig sein, was die „leitenden Herren" zu dieser Bescheerung ihres ehemaligen hoffnungsvollen Adjutanten sagen werden. Das hiesige antisemitische Organ, die „Wacht am Rhein", wird demnächst auch wieder in andere Hände übergehen und zwar an Heidelberger Antisemiten. Der jetzige Besitzer Reuther, der früher in Heidelberg thätig war, beabsichtigt nämlich wieder nach Norddeutschland zurückzukehren, wo ihm mehr Lorbeeren winken, als bei den bösen Badensern. B. Wien, 23. November. (Jüdische Handwerker.) Zum Beweise, wie wenig die Behauptung, „die Juden" hielten sich dem Handwerk fern, wahr ist, diene folgende Bekanntgabe des „Vereins zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten": Der enorme Andrang von Knaben, welche sich aus allen Ländern der österreich-ungarischen Monarchie um Aufnahme an den Verein wenden, und die großen Auslagen, welche die Bekleidung und Versorgung des dermaligen Standes von mehr als 800 Zöglingen erfordern, haben den Vorstand des Vereins zum Beschlüsse genötigt, die Ausnahme von Knaben während der Monate Dezember und Januar zu sistieren. n. Brüun, 12. November. (Maßregelung.) Die Stadthalterei löste den hiesigen Verein deutscher Techniker „Sudetia" auf, weil dieser die jüdischen Hörer nicht für satissaktionsfähig erklärte. £ Budapest, 22. November. Kaum ist das „freie Israel" entstanden, beschäftigt es schon die Gerichte. Im „Egyenlöseg" wurden die „Freien" scharf angegriffen; es hieß da, daß diese Anhänger aus jüdischen Fleischhauern bestehen, die sich der Aufsicht, die ihnen seitens der jüdischen Gemeinde zuteil wird, entledigen möchten. Der Gründer der Vereinigung, Dr. Joses I. Kondor, angeblich ein früherer Rabbiner, ließ gegen die Redaktion des „Egyenlöseg" einen Preßprozeß anstrengen. — Der Herrmannstädter Landmann Joachim Radoi hat vor Jahresfrist an eine Straßenecke ein großes Gemälde ausgehängt, welches in grellen Farben die Fabel vom Tisza-Eszlärer Ritualmorde veranschaulichte. Dem Gemälde fügte er die Erklärung bei, daß die Juden das Blut von Christen unbedingt zu religiösen Zwecken benötigen. Der Gerichtshof erblickte jedoch in dieser „sinnreichen" Erklärung eine Aufreizung gegen die israelitische Konfession und verurteilte den Radoi zu 10 fl. Geldstrafe und zwei Wochen Gefängnis. _ * Aus den Gemeinden. Versetzt: Herr Lehrer Tobias von Czarnikau nach Löbau, W.-Pr. — In Riga feierte der Kantor der großen Synagoge, Herr Baruch Rosowski, am 11. d. M. sein 25 jähriges Amtsjubiläum. Der Jubilar ist einer der ersten modernen Chasanim des Zarenreiches. Die Feier wurde in der Synagoge von dem greisen Rabbiner Pucher geleitet und am Abend durch ein Festessen fortgesetzt. — Vakanzen. Bunde (Ostfriesland): Zum 15.1.97 unverh. deutsch. Rl., K., Sch. Fix. 900 Mk., fr. W., Heiz, u. Nbk. Meid, an G. Watermann. — Thalsang (Bez. Trier): Staat!, gepr. L., K., Sch. Fix. 950, Nbk. 200 Mk. u. fr. W. — Jakobshagen (Pomm.): Zum 1. 12. Rl., K., Sch. Eink. 12-1300 Mk. - Zirke (Posen): Sof. El., K., Sch., Kore. Eink. 16-1700 Mk., ft. W. u. Heiz. Meld. an den isr. Schulvorstand. — Neumarkt (Oberpsalz): Zum 1. 1. 97 Sch., Gem. Dien., Hilfsk. Fix. 800, Nbk. ca. 400 Mk. Meld. an I. Wolf. — Heidelsheim (Baden): Zum 1. 1- 97 Rl., K., Sch. Fix. 600', Nbk. 4-500 Mk. u. ft. W. Meld. an die Bezirkssynagoge in Bruchsal. — Jnowrazlaw: Musik. 1. K. u. gepr. Rl. Fix. 2000 Mk., fr. W. u. Nbk. Reift, d. Beruf. _ Verantwortlicher Redakteur: A. Levin, Berlin. - Verlag: Siegfried Cronbach, Berlin W. 67. - Druck: Arthur Scholem, Berlin C., Roßstr. 3.

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