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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-11-20 · 47 (20.11.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
47 (20.11.1896)
Date
1896-11-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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9h. 4ß. bes. ^wissenschaftliche Monats im W. Ginzberg. Jahr >r haben in unserer Zeitung ^eits hingewiesen, die mit btl h^raischen Litteratur nunmehr vorliegende Hm! wir von der in bewährten n hegen durften. Sowohl m Gediegenheit des Inhaltbesten litterarischen Revuen Cnginalarbeiten und kein« folgende Artikel: 1. Ta- Zm Jammerthal, eine En lerhältnisse zum Judentum, ibn Gabirol, von D d Christen, von I. L. Stott merungen) von R. Breinin dicht) von D. Frischinanr' | Mtutbilb) von Dr. B-h Gedanken und Thun m, 12. Tagesereignisse, von ,e Besprechung der einzeln? or. Der Zeitschrift wünsch«1 >ttesdienjt i Nr. 47. Jahrgang V. DMtzemertfe Berlin, 20. Novemb. 1896 Nebst einer wissenschaftlichen Beilage „Ieschurun". Redakteur: A. Levin. Verlag: Siegfried Lronbach, Lerliu W. 57. Telephon: Redaktion VII, 4236. * Expedition VI, 796. Bezugspreis vierteljährlich: Crnt und frei! Deutschland u. Oesterrcich-Uugaru MK. 2,00, ' * alle andern Länder MK. 2,50. Post-Zeitungsliste Rr. 108. Die „Wochenschrift" erscheint an jedem Freitag mindestens 20 Seiten (2Va Bogen), der „Ieschnrrrn" Mitte und Ende jeden Monats mindestens 4 Seiten (Vs Bogen) stark. Zu beziehen durch die Post sZeitungsliste pro 1806 Nr. 108) oder unsere Expedition. Anreigen werden mit 25 pfg. für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet. Bei Wiederholungen oder größeren Aufträgen tritt eine Preisermäßigung ein. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unsere Expedition nehmen Anzeigen für dieses Blatt entgegen. Inhalt: Jakob der Kämpfer. „Boten" und „Engel". Von Dr. I. Goldschmidt. — Vom Tage. Von Dr. Singer. — Das „modernste" Gebetbuch. — Wochen-Chronik: Das Judentum als Schreckmittel. — Wider die Judenmission. - „Charlatane." — § 11! -- Die Juden und das Duell. — Ueber die Wahlen in Niederösterreich. — Der Schah von Persien — Feuilleton: Das Geld. Von Dr. B. Placzek - Das große Sterben. (Fortsetzung ) Von Wilhelm Jensen. — Mumpitz. — Reform und Ignoranz. — Hier und dort. — Brief- und Fragekasten. — Kalender. — Anzeigen. Inhli der Kämpfer. Der Traum des Lebens gleicht selten, gleicht niemals dem Leben des Traumes, und zeigt uns Jakob der Träumer das Idealbildes eines vom Erhabenen beseelten, vom Sieg der Gerechtigkeit überzeugten jugendlichen Gemütes, so ist uns Jakob der Kämpfer das Muster männlicher, in den Fährnissen des Lebens gereifter, durch Wahrnehmung und Erfahrung bestätigter Einsicht. Diese Einsicht lehrt ihn ein Recht kennen, das dem Träumen fremd gewesen, eine Macht würdigen, die er ehedem nicht anerkannt: das Recht des Stärkern, die Macht der Faust. Diese Einsicht lehrt ihn mit jenem Rechte rechnen, dieser Macht begegnen. Der nämliche Jakob, der, nach der Mitteilung unseres heutigen Bibelabschnittes, jenseits des Flusses Jabot einem himmlischen Wesen mit männlichem Mute entgegentrat, mit ihm während der lischt rang und es als der Morgen anbrach besiegte, begegnet diesseits des Flusses Jabok seinem leiblichen Bruder mit Demut, ja Devotismus und entwaffnet ihn durch Sanftmut und Bescheidenheit. Nach dem Geschmacke Jungisraels wäre dies gerade nicht. Dieses würde, duellwütig, entweder den übermächtigen Bruder Esau zum Zweikampf herausgefordert oder einen Verein zur Abwehr des Esauismus begründet haben; es würde in Versammlungen den Stärkeren zu überzeugen gesucht haben, daß sein Vorgehen wider die Verfassung verstoße, sein Verhalten aller Gerechtigkeit Hohn spreche. Esau aber stände mittlerweile, ohne die Ausführungen zu hören oder zu beachten, mit schlagfertiger Faust draußen, Jakob den Uebergang über den Fluß Jabok wehrend. Und doch wäre es erwünscht und erfolgreich, wenn Jungisrael in dem ihm auferzwungenen Kriege die Strategie des Kämpfers Jakob sich zum Vorbilde nehmen wollte. Wie dieser, haben auch wir einen Kampf nach zwei Fronten zu führen; in der Dunkelheit der Nacht wider einen Geist, den Geist des Jndifferentismus, und seit der Morgen angebrochen gegen die übermächtige Faust, die uns der Schwelle des Vaterhauses sernhalten will. Allein als hätten wir im Laufe eines zweitausendjährigen Geschichtslebens nichts gelernt und nichts vergessen, haben wir unsre Truppen falsch ausgestellt, haben wir sie konzentriert, wo sie selbst in der Defensive zu schwach, sie jenem Punkte entzogen, wo sie selbst für die Offensive stark genug wären. Seit fast anderthalb Jahrzehnten konsignieren wir unsre besten Männer gegen die antisemitische Front, verzetteln wir Zeit und Geist und Geld in dem Kampfe gegen einen Widersacher, der keine vi3 legis, sondern nur eine vis major kennt, nicht die Macht des Rechts, sondern das Recht der Macht anerkennt. So oft uns etwas verweigert wird, so oft fordern wir; je mehr wir fordern, desto mehr wird uns verweigert. Seit säst anderthalb Jahrzehnten haben wir unsre besten Kräfte dem Kampfe gegen den innern Feind, den Jndifferentismus, entzogen, so daß immer weitere Kreise ihm zum Opfer fallen; für diesen Kampf aber haben wir weder Zeit noch Geist noch Geld, obwohl er ebenso siegverheißend wär, wie der Krieg gegen den äußern Feind erfolglos ist. Wie lange noch wollen wir diese Taktik beobachten, noch etwas erstreben, was wir nicht erlangen können, und dem Verfalle preisgeben, was wir erhalten müssen! Möchten doch die besonnenen Männer, denen es ernst ist mit der Wiedererweckung jüdischen Lebens, das hier ertönende Signal, das die Krieger Israels nach einem anderen Punkte dirigieren will, nicht überhören, die Erfahrungen unseres leidgewohnten Geschlechts und das Verhalten des kampfbereiten Jakob nicht

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