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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-11-13 · 46 (13.11.1896) · p. Seite 772

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
46 (13.11.1896)
Date
1896-11-13
Page
Seite 772 (sequence 16)
Language
German
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Seite 772. Allgemeine J-raelitische Wochenschrift. Nr. 46. Bischof in Gegenwart der ihn begleitenden Geistlichkeit mit einer feierlichen Rede, in welcher er die Notwendigkeit der Brüderlichkeit und Einigkeit zwischen allen Menschen ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses betonte. — In S K itomir wird die Schulfrage wieder akut. Die jüdische Bevölkerung beträgt kaum 5% der gesamten Einwohnerschaft, aber nur drei Gymnasiasten jüdischer Religion werden zum Besuche des dortigen Gymnasiums zugelassen, während mehr als 60 Schüler um Aufnahme ansuchten. — Im Gouvernement Cherson haben in neuerer Zeit unsere Dorfgemeinden die Erlaubnis erwirkt, daß den Juden vorübergehender Aufenthalt in den Dörfern gestattet wurde, damit die Bauern Gelegenheit haben, ihre Produkte vorteilhaft zu verkaufen. Ferner hatten die Behörden der in einigen Ortschaften des Gouvernements vorhandenen Wasser- und Bäder-Heilanstalten kranken Juden erlaubt, zum Kurgebrauch diese Ortschaften besuchen zu dürfen. Diese Milde gefiel dem Gouverneur nicht, und er verfügte, daß der Aufenthalt von Juden in den Dörfern unter gar keinen Umständen geduldet werden dürfe. Mit beispiellosem Cynismus bemerkt noch der Gouverneur in seiner Verfügung, daß weder die Krankheit noch das Verlangen eines Juden, seine auf dem Lande wohnenden Eltern zu besuchen, den Behörden Anlaß geben dürfe, den Aufenthalt von Juden in den Dörfern zu dulden! — Eine Abrechnung der Gesellschaft zur Verbreitung der Aufklärung unter den Juden in Rußland liegt für 32 Jahre ihrer Wirksamkeit vor. Zum 1. Januar 1896 bestand die Gesellschaft aus 1803 Mitgliedern. Im Jahre 1896 erhielten vom Comite 56 Privat- und Commnnalschulen Unterstützungen im Betrage von 3696 Rbl. Zum Unterhalt der Schulen der Gesellschaft in St. Petersburg sind von den Beiträgen hiesiger Mitglieder 9029 Rbl. 54 Kop. verwandt worden; ferner erhielten 517 Lernende in den höheren und mittleren Lehranstalten Unterstützungen im Betrage von 26 923 Rbl. — Vakanzen. Jnowrazlaw: Zum 1.4. 97 Verheir. Waisenvater. Meld. an Rabb. Dr. Kohn. — Nicolai O.-S.: Sos. K., Sch. Fix. 1200 Mk., nicht unbed. Nbk. u. fr. W. — Schwegenheim (Pfalz): Sos. Rl., K., Sch. Fix. 500, Nbk. 200 Mk., fr. W. Meld. an G. Walther. — Rakwitz: K., Sch. (auch Sekr.) Eink. 1200 Mk. u. fr. W. Meld. an M Oettinger. — Wilhelmshasen: Zum 15. 1. 97 Rl., K., Sch. Fix. 1000 Mk. Meld. an Louis Leeser. — Argenau: Sos. K., Sch. Fix. 1000 Mk., fr. W. u. Nbk. — Wiesen - selb: Sem. geb. Rl., K., Sch. Fix. 650, Nbk. ca. 350 Mk. Meld. an A. Bamberger jr. — Köpenick b. Berlin: Zum 1. 4. 97 staatl. gepr. Rl., K., Sch. — Myslowitz: Zum 1. 3. 97 sem. u. mus. geb. Rl., K. Fix. 1800, Nbk. mind. 600 Mk. Reisek. d. Gew. — Stettin: Zum 1. 1. 97 Sch., Syn. Diener. Fix. 1000, Nbk. ca. 1200 Mk. — Cöthen (Anhalt): K., Sch., Kore. Fix. 1500 Mk., fr. W. u. Nbk. - Staßfurt: Gepr. Rl., K., Sch. Fix. 1200 Mk. Meld. an Louis Salinger. — Schönsee (Westpr.): Rl., K., Sch. Fix. 900, Nbk. ca.' 300 Mk. Reisek. d. Gew. — Labischin: 1. El. Fix. 1280 Mk. u. sr. W. Meld. an Kgl. Regierung in Bromberg, Abt. H u. Mitteil, an den israel. Schulvorst, in Labischin. _ Verantwortlicher Redakteur: S(. r-evin, Berlin. — Verlag: Siegfried fc'i'O Literarisches. * rbtyn (hebräische) litterarisch-wissenschastliche Monatsschrift. Verlag K. Wisotzki, Redaktion W. Ginzberg. Jahrgang I, 1. Heft. Berlin 1896. Wir haben in unserer Zeitung auf diese litterarische Erscheinung bereits hingewiesen, die wir als einen bedeutenden Fortschritt der hebräischen Litteratur mit Freuden begrüßen. Das erste nunmehr vorliegende Heft entspricht allen Erwartungen, die wir von der in bewährten Händen sich befindlichen Redaktion hegen durften. Sowohl an äußere Ausstattung, wie auch an Gediegenheit des Inhalts reiht sich diese Monatsschrift den besten litterarischen Revuen würdig an. Die Aufsätze sind alle Originalarbeiten und keine Uebertragungen. Heft I enthält folgende Artikel: 1. Das Programm des Haschiloach, 2. Im Jammerthal, eine Erzählung (anonym), 3. Renans Verhältnisse zum Judentum, von Dr. S. Bernfeld, 4. Salomon ibn Gabirol, von D. Rohn. Die Erziehung bei den Juden und Christen, von I. L. Dawidowitsch, 7. I. L. Gordon (Erinnerungen) von R. Breinin, 8. Des Khalisen Traum (ein Gedicht) von D. Frischmann, 9. Die deutsche Judenheit (ein Kulturbild) von Dr. B—d, 10. Kritik, von H. Rohn, 11. Gedanken und Thun (eine feuilletonistische Plauderei) anonym, 12. Tagesereignisse, von Dr. Ni. I. B. Eine ausführliche Besprechung der einzelnen Aussätze behalten wir uns noch vor. Der Zeitschrift wünschen wir einen gedeihlichen Fortgang. * T’hillot Tel eljön. (Freitag Abend Gottesdienst.) Synagogen-Gesänge für Kantor und Chor mit Orgelbegleitung von E. Kirschner, erster Kantor an der Synagoge zu München. Obwohl an Synagogen-Gesängen, ja selbst an guten Synagogen- Gesängen zur Zeit kein Mangel ist, darf man es innerhalb unserer kantoralen Litteratur doch als ein erfreuliches Ereignis bezeichnen, daß dieselbe durch die Herausgabe obengenannter Gesänge in einer Weise bereichert wurde, die dem Komponisten nur zur Ehre gereichen kann. Kirschner ist ein ausgesprochener Melodiker, der mit einer Vorzüglichkeit die Gesangsstimme zu behandeln versteht, wie vor ihm nur Sulzer, Lewandowsky und sein Nürnberger Kollege Rosenhaupt. Auf echt traditioneller Basis beruhend, tragen seine Gesänge überall das Gepräge eines tüchtigen und routinierten Komponisten, wie überhaupt seine Musik nicht eines frischen und erfrischenden Zuges entbehrt, der oft nahe ist der guten Volkstümlichkeit. Melodiös und modulatorisch immer nobel, nie ins Triviale fallend, überragt sie manches Erzeugnis der letzten Jahre um ein ganz Bedeutendes. Stellenweise sogar von dramatischer Kraft und lebhaftem Schwung, pikant und gewandt harmonitiert, packen diese Gesänge den Zuhörer, ob er will oder nicht. Angesichts dieser Thatsachen kann ich den Herren Kollegen das Werk nur auf das Wärmste zur Anschaffung und Benutzung empfehlen. Düsseldorf, 10. November 1896. Hermann Zivi. Brief- und Lragekasten. In meinem Artikel „Die Thätigkeit nach Innen" wolle man an der betr. Stelle statt obligatorischer Gottesdienst obligatorischer Unterricht lesen. R. Wnbach, Berlin W. 67. — Druck: Arthnr Schalem, Berlin 6., Roßstr. 3.

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