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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-10-30 · 44 (30.10.1896) · p. Seite 740

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
44 (30.10.1896)
Date
1896-10-30
Page
Seite 740 (sequence 16)
Language
German
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Seite 740. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 44. Klub gestalteten sich so aufregend, daß aus diesem Anlasse nicht weniger als neunzehn Studentenduelle zu verzeichnen sind. Unter anderem wurde der Sohn eines Ministerialrats, namens Petrovics, vom jüdischen Rechtshörer Desider Tauber, den er durch antisemitische Schimpfworte beleidigte, zum Zweikampfe gefordert; er erteilte jedoch den Sekundanten Taubers die Antwort, daß seine „Prinzipien" es ihm verbieten, sich mit eineni Juden zu duellieren, womit er die Angelegenheit als erledigt betrachtete. Er, nicht aber — Tauber. Dieser nahm eine Hundepeitsche und züchtigte „Herrn" Petrovics auf offenener Straße im Beisein mehrerer Universitätshörer. Unter den letzgenannten befand sich der christliche Student Emerich Komlossy, der es nicht wagte, seinen Kollegen zu verteidigen, dafür aber den „Juden Tauber" beschimpfte. Dieser ließ den Komlossy zum Duell fordern, und wurde gleichzeitig vom Rechtshörer Paul Meßaros, welcher sich ebenfalls in Begleitung Petrowics befand, gefordert. Herr Tauber duellierte mit beiden mittelst Säbels und hat sie arg zugerichtet, während er eine unbedeutende Verletzuug davontrug. Petrovics wurde mittlerweile seinem „Prinzipe" untreu, und wollte sich mit dem „Juden Tauber" schlagen; die Sekundanten Taubers ließen dies aber nicht zu, da Petrovics durch die von Tauber erhaltene tüchtige Tracht Prügel disqualifiziert wurde. (Ohne den antisemitischen Jünglingen die Hiebe zu mißgönnen, sind wir über den Vorfall doch nicht sonderlich erfreut. Müssen denn jüdische Studenten jede barbarische Unsitte mitmachen?) Paris, 25. Oktober. (Verschiedenes.) Den berüchtigten Kompagnon Drumonts, Abbe Henri Desportes, hat die Nemesis ereilt; er ist als ganz gemeiner Betrüger entlarvt und, steckbrieflich verfolgt, im Eisenbahnzuge verhaftet worden. Der Biedermann hat seine Publikationen „gegründet" und die Anteilscheine, die auch nicht einen Pfennig wert sind, Leuten von der Art, die nicht alle wird, ausgeschwatzt. Als ihm der Boden unter den Füßen zu heiß wurde, suchte er zu entfliehen, wurde aber nahe der Grenze erwischt und befindet ist bereits in Mazas. — Die einleitenden Schritte zur Errichtung einer palästinensischen Bank sind hier geschehen. Diese wird ihre Thätigkeit daraus erstrecken, kleinen Grundbesitzern aus ihre Bodenerzeugnisse Darlehen zu gewähren. Einige jüdische Pariser Banquiers haben dem Unternehmen ihre Unterstützung zugesagt. Das Kapital, für welches öffentliche Subskriptionen eingeleitet werden, wird 500000 Francs betragen. m. St. Petersburg, 25. Oktober. (Allerlei.) Die hiesigen Tageszeitungen berichten, daß der Staatsrat im Dezember daran gehen werde, die bestehenden Judengesetze zu revidieren. Die Entscheidung hängt von den Antworten der Gouverneure auf die ihnen vorgelcgten Fragen über die Wirkungen der Gesetze in ihren Amtsgebieten ab. — Einer der angesehensten Aussetzer über die jüdischen Ackerbau- Kolonien in den südlichen Provinzen empfing von der Regierung den Auftrag, ihr über den Stand der Kolonien und die Bedürfnisse und Lage der Kolonisten ein genaues Referat zu erstatten. — Der amerikanische Gesandte studiert gegenwärtig die gesetzlichen Bestimmungen, die für den Aufenthalt amerikanischer Juden in Rußland Geltung haben und macht der Regierung Vorschläge, wie manche Unklarheiten in den betreffenden Normen zu beseitigen wären. verantwortlicher Redakteur: «. Sevin, Berlin. — Verla,: «ie,fried Ar« S* Konstantinopel, 25. Oktober. (Dementi.) Unser Großrabbiner publiziert folgendes Schreiben: „Da in den Tagesblättern von judenfeindlicher Seite die Nachricht verbreitet wird, daß die jüdische Einwohnerschaft von Phanal-Haskioi sich an den Verfolgungen und Plünderungen der Armenierbeteiligt habe, so kann ich nicht umhin aufs Bündigste zu versichern, daß diese Mär nur durch den Judenhaß erzeugt worden ist, da, gerade umgekehrt, viele Hunderte der verfolgten Armenier in Judenhäusern Schutz und Zuflucht gefunden haben. Es liegen Danksagungen von mehr als 200 Personen vor, die mit Namensunterschrist bezeugen, daß sie ihr Leben nur den Juden zu danken haben. Ich habe sofort eine eingehende Untersuchung eingeleitet, um den Verbreitern jener Lüge auf die Spur zu kommen. Es hat sich dabei nur ergeben, daß einige Juden von den Plünderern zum vollen Preise Gegenstände gekauft haben. Ich habe darauf durch Ausruf allen, die dies gethan, aufgegeben, die Sachen, trotz Bezahlung, unverzüglich an 'Me Polizei abzuliefern, was denn auch ohne Weigern geschehen ist." W. Cincinnati, 10. Oktober. Rev. W. Rosenau gab in seinem während der Zentral-Konserenz amerikanischer Rabbiner vor einigen Wochen gehaltenen Vortrage einige interessante Bemerkungen über semitische Studien in amerikanischen Hochschulen. Amerika hat eine vorzügliche Chronik dieses Faches. Der erste höhere Lehrsitz Amerikas war Harvard. Binnen vier Jahren, nachdem das College ins Leben gerufen wurde (1640), wurde regelrechterUnterrichtim Hebräischen,Chaldäischen und Syrischen erteilt. Im Jahre 1722 wurde ein italienischer Jude, Judah Morris, zum Speziallehrer für Hebräisch ernannt. In Harvard herrschte bis zum Jahre 1816 ein hübscher Gebrauch. Jährlich wurde bei der Eröffnung eine hebräische Ansprache gehalten. Momentan umsaßt Semitica in Harvard Babylonisch, Assyrisch, Aramäisch, Phönicisch, Hebräisch, Arabisch, Ethiopisch und rabbinische Litteratur. Die amerikanischen Universitäten und Colleges können mit Stolz auf das Interesse blicken, das sie diesem „unpopulären Studienzweig" entgegenbringen. Man spricht wohl davon, daß die Zahl der sich mit Semitica befassenden Studenten kaum die Ernennung von Lehrern rechtfertige. Daraus erwidert Rosenau treffend, dos die Zahl dieser Studenten mindestens ebenso groß sei, wie die der Hörer von Sanskrit, Anglo-Sächsisch, Gothisch rc., und doch werden diese an den Colleges weiter gelehrt. * Aus den Gemeinden. Herr Salonio aus Baja (Ungarn), der zum Kantor in Veuthen (Oberschl.) gewählt war, wurde von der Regierung nicht bestätigt. — Vakanzen. Wittmund: Zum 1. 1. 97 El., K-, Sch. Fix. 1000 Mk., fr. W., Heiz., Bedien. Meld. an Ad. Wolff. - Hof i. B-: Rl., K. Fix. 900 Mk. u. kl. Nbk. Meld. an S. Wilmersdörfer. — Zell a. d. M.: Sof. unverh. Rl., K., Sch. Fix. 300, Nbk. ca. 150 Mk., fr. Station, Wohn., Heiz. Bald. Meld. an R. Bender. — Beuel: Sof. Rl-, K., Sch. Fix. 900 Mk. u. ein. Nbk. Meld. an Rabb. Dr. Cohn- Bonn. — Straubingen: Sem. geb. Rl., K., Sch. Fix. 1200, Nhf. 3 — 400 Mk. Meld. an Sal. Lippmann. — Danzig: Rendant. Fix. 2000 Mk. (Kaution 3000 Mk.) »ach, Berlin V. 67. — »ruck: Arthur Schalem, «erlin C., A-t«r. *. 5

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