Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 42 (16.10.1896)
- Date
- 1896-10-16
- Page
- Seite 708 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 708. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 42. und überlieferten Religion. Der Entschlafene war der älteste Sohn des als Gelehrter rühmlichst bekannten Rabbi Hirsch Chajes, Rabbiner zu Zolkiew, durch hervorragende Talente veranlagt, mit gründlichem Wissen des jüd. Schrifttums und profanen Kenntnissen ausgerüstet. Sein bedeutendes Wissen, vereint mit konziliantem Charakter, verwendete er für gemeinnützige jüdische Interessen, weswegen es auch in Brody keine bedeutendere gemeinnützige Institution gab, der er nicht mit ganzer Seele anhing. Sein Andenken wird hier für alle Zeit fortbestehen. S* Warschau, 12. Oktober. (Allerlei.) Am 30. September ist hier der Redakteur des „Jsraelita", Samuel Peltyn, 66 Jahre alt, gestorben, betrauert von allen, die sein warmfühlendes jüdisches Herz kannten und sein theologisches wie profanes Wissen anerkannten. — Es verlautet, daß die vor einigen Jahren erlassene Verfügung, wonach die Zahl der jüdischen Studenten aus den Hochschulen das Verhältnis von fünf Prozent der Gesamtzahl der Studierenden nicht überschreiten dürfe, demnächst aufgehoben werden soll. — Wie notwendig die Abschaffung der „Korobka" (Fleischsteuer) ist, wie die Erhaltung derselben ein schreiendes Unrecht gegen die Juden, die allein die Steuer aufzubringen haben, bedeutet, das zeigt wieder das folgende Geschichtchen. Die jüdische Gemeinde in Perayaslaw hatte um die Bewilligung einer Summe von 16000 Rubel aus dem jüdischen Fleischsteuersonds petitioniert, um damit zum Andenken an die Krönung ein Altersversorgungshaus zu erbauen. Diese Petition wurde abgelehnt, dagegen aus demselben Fonds, zu dem doch nur Juden beisteuern, 15000 Rubel für Errichtung eines Mädchengymnasiums in Odessa bewilligt, zu dem Jüdinnen nur in ganz beschränkter Zahl zugelassen werden. Lr. New-?)ork, 2. Oktober. (Sabbatfeier und Sonntagsruhe.) Dieser Tage hatte der Richter Cornell über eine schwierige Frage in Sachen der Sonntagsruhe zu entscheiden. Mehrere jüdische Kaufleute wurden vor Gericht citiert und die Anklage wegen Störung der Sonntagsruhe wider sie erhoben. Die Angeklagten machtengeltend, daß sie den Sabbat hielten. Der Richter entschied nun, daß, da nach § 261 des Kriminalgesetzes es vollständig genüge, wenn der Beklagte einen anderen Tag (als den Sonntag) in der Woche, den Sabbat, den seine Religion vorschreibe, halte, er sämtliche Angeklagten freispreche, und fügte hinzu, daß er in allen ähnlichen Fällen mit einem Freispruch vorgehen werde. * Aus den Gemeinden. Versetzt: HH. Lehrer Graf von Glogau (als Sekretär) nach Breslau; — I. Galliner von Landsberg (Ostp.) nach Dt. Eylau; — I. Rosenthal von Löbau (Westpr.) nach Czarnikau; — Dr. Lewin von Labischin an das Bethamidrasch in Jnowrazlaw. — Vakanzen. Posen (Brüdergemeinde): Sof. mus. geb. K. (Chor u. Orgel). Fix. 3000,, Nbk. ca. 3000 Mk. Meld. an Kommerz.-Rat Milch. — Baldenburg (Westpr.): Sos. Rl., K., Sch. Eink. 1000 Mk., Reisek. d. Gew. Meld. an Leop. Salinger. — Schwirz: K-, Sch. Fix. 600 Mk., fr. W. u. Nbk. Meld. an H. Ucko in Staedtel (Oberschl.). — Mur. Goslin: Sos. R., K., Sch-, Kore, Tokea. Fix. 700, Nbk. 400 Mk., fr. W., Reisk. d. Gew. Meld. an S. Engländer. — Landsberg (Ostpr.): Rl., K., Sch. Fix. 1000, Nbk. ca. 300 Mk. Meld. an A. Rubert. — Schöneck (Westpr.): Sof. gepr. Rl., K., Sch. (deutsche Vortr.) Fix. 1500, Nbk. ca. 150 Mk. — Tremessen: Zum 1. 12. K., Sch., Kore. Fix. 1200 Mk., fr. W, Reisk. d. Gew. Meld. an Jonas Jakob. — Homberg (Oberhessen): Zum 1. 11. unverh. Rl., K. Fix. 900 Mk. u. etw. Nbk. Meld. an Löb Stern. — Borken (Wests.): Zum 1. od. 15. 11. unverh. El., K., (Sch. bevorz.) Anf.-Geh. 1000 Mk. u. reich!. Gelegenh. zu Nbk. — Rhoden (Waldeck): Sof. Rl., K., Sch. Fix. 900 Mk. u. Nbk. Reisk. d. Gew. — Ahrweiler: Sem. geb. Rl., K. Fix. 900 Mk- Aus dem Leserkreise. Sehr geehrte Redaktion! Der Ursprung des Wortes Nebbich ist uns nicht unbekannt — Nebbich heißt eigentlich Nehepach! — Gott wends (zum Guten) quod ut dii bene vertant! — und ist durch Umbildung im Laufe der Zeit in Nebbich verdorben worden. S. Birnhard. Das Gedicht „Nebbich" in Nummer 41 Ihrer geschätzten Zeitschrift giebt mir Veranlassung zu bemerken, daß der Ursprung des Wortes „Nebbich" doch nicht so unbekannt ist. Er ist die verstümmelte Zusammensetzung der Worte „nie bei Euch" und giebt es in der Jargonspracke sehr viele Wörter und Ausdrücke, welche aus reinem Deutsch übernommen, verstümmelt worden sind. — Wenn ein Jude dem andern von einem Unglücke berichtet, das einen Bekannten betroffen, so wendet er gewöhnlich das Wort „nebbich" oder richtiger „nie bei Euch" an, um anzudeuten, daß der andere von gleichem Unglück verschont bleiben möge. Die von mancher Seite gepflogene Herleitung des Wortes von dem hebräischen Worte "pp; ist dagegen eine irrige. Memel, 12. Oktober. G. Millner. Brief- und Lragekasten. Den Schlußartikel über die „Vorstandswahl in Berlin" werden wir aus bestimmten Gründen erst in nächster Nr. bringen. Hrn. A. M., Hamburg. Sie haben in unserm Hamburger Bilde den Begriff Aktualität mißverstanden. Aktuell predigen heißt so viel wie Tagesfragen berühren. Daß Herr Dr. L. die Einrichtung einer 70 Jahre entbehrten Religionsschule angestrebt und durchgeführt und aus dem Gebiete der praktischen Wohlthätigkeit unermüdlich arbeitet, sei gern konstatiert; das ist auch sehr schön, hat aber mit „Aktualität" nichts zu thun. — Hrn. Pred. P., M. Grabreden sollten wir im Haupt blatte drucken? Das wäre unser — Tod. — Hrn. M. F., B. Wir kommen auf ihre Frage in der Beilage ausführlich zurück. — Hrn. C. L-, G. Sie werden demnächst eine erneute Zuschrift erhalten. — Hrn. A. Sp-, H. und F. S., L. Wir hatten noch immer keine Zeit, die umfangreichen Manuskripte zu lesen und bitten um Geduld. — Hrn. M. I. u. a., hier. Gewiß bringen wir nach wie vor kritische Berichte über die Repräsentantensitzungen. Die Berichterstattung einstellen — den Schmerz wollen wir dem Vorstand doch nicht anthun. — Anonymus, hier. Anonyme Zuschriften werden nicht berücksichtigt. — Herrn I. O., Frkft. a. M. Eine Erwiderung unseres dortigen ^.-Korrespondenten aus die Artikelserie des Direktor Dr. H. erscheint in nächster Nr. Verantwortlicher Redakteur: «. Levin, Berlin. — Verlag: Siegfried «ronbo#, Berlin W. 57. — Druck: Arthur Schalem, Berlin C., Aoßstr. ».