Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 38 (18.9.1896)
- Date
- 1896-09-18
- Page
- Seite 644 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 644. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 38. % a. Odessa, 13. September. (Karäer) Zu der Nachricht, die Sie über die Bitte der Karäer an das russische Miuisterium des Innern und die Entscheidung des letzteren brachten, möchte ich folgende Ergänzung Mitteilen, die gewiß für Ihre Leser von Interesse sein wird. Die auf Eliminierung des Substantivs „Inden" (besser „Hebräer", russ. „jewrey“) aus der offiziellen Bezeichnung der (Karäer gerichteten Bestrebungen derselben, datieren nicht von heute. Schon in den sechziger Jahren Iaffen sich die ersten Spuren dieser Bestrebungen Nachweisen, welche im Jahre 1869 ganz besonders an Ausdehnung gewannen. Hierbei spielte auch der berüchtigte Chacham Firkowitsch eine Rolle. Namentlich war es aber die Jugend, die sich mit einer einer besseren Sache würdigen Begeisterung der Bewegung anschloß, und zwar operierte sie mit einer recht eigentümlichen Argumentation. Sie wies nämlich den Hebräer-Namen mit Berufung auf ihre mongolische, resp. hazarische Abstamnnmg zurück. Selbstverständlich staken hinter der Aktion viel praktischere Beweggründe. Die Regierungsbeckinten wendeten nämlich manchmal gegenüber den „karäitischen Hebräern", wie sie offiziell hießen, irrtümlicherweise die Judenansnahmsgesetze an, und davor wollten sich die gleichberechtigten Karäer schützen. Und wirklich erwirkten sie schon damals einen Regierungs-Erlaß, der ausdrücklich verfügte, daß sie lediglich „Karäer" zu heißen haben. — Neuestens scheinen nun wieder Verwechselungen vorgekommeu zu sein, welche die Karäer veranlaßt haben dürften, die Erinnerung daran, daß sie nichtjüdische Juden sind, aufzusrischen. Habeant sibi! 44 Sofia, 11. September. (Petition.) Die hier wohnenden ausländischen Juden haben nach mehrmaligen Beratungen an die „Alliance Israelite Universelle“ in Paris ein Memorandum gerichtet, mit der Bitte, für ihre 200 schulpflichtigen Kinder Parallelklassen an der spagniolischen Schule zu errichten, an denen ein Teil des Unterrichtes in deutscher Sprache erteilt werden möge, ferner diese Kinder all der Subvention, welche die Allrauce jährlich den schulbesuchenden spagniolischen Kindern leistet, teilnehmeu zu Iaffen. Das Memorandum schildert die höchst bedrängte Lage der ausländischen Juden, die es ihnen unmöglich mache, ihren Kindern einen jüdischen Unterricht angedeihen zu lassen oder gar eine eigene Gemeinde zu errichten. Im Memorandum wird ferner vorgeschlagcn, an die Stelle des Schuldirektors einen jungen Rabbiner zu setzen, welcher der deutschen Sprache mächtig ist, um die Funktion eines Rabbiners der ausländischen Juden zu übernehmen. Dieser Rabbiner würde sich allmählich die zwei Sprachen, Spagniolisch itnb Bulgarisch aueignen, um daun ein ernster Kandidat für den Posten eines Großrabbiners oder Rabbiners einer größeren Gemeinde in Bulgarien zu werden. Der Eiuwand, die Alliance stelle mit solche Kandidaten an, welche in Paris ihre Studien absolviert habe,:, kann wohl nur für diejeuiegen Schulen gellen, welche auf französischem Gebiete zu besetzen sind. Da die Bildung und das jüdische Wissen der in österreichischen und deutschen Rabbinerschulen Ordinierten dem der Eleven der französischen Anstalt zuui allermiudesteu gleichkommt, möge sich die Alliance daher nicht dort dem Chauvinismus gefangen geben, wo ihre Thätigkeit außerhalb der Sphäre ihres engeren Vaterlandes auszuüben ist. Der Appell dieser armen Enterbten in Israel an die Alliance ist ebenso warm empfunden als echtjüdisch gedacht; möge er auch warme Herzen in Paris finden, wie die Spagniolen sie allezeit finden, so oft sie an die Todeskos in Paris herantreten. Für jene werden alljährlich hunderttausende Franks verausgabt, wogegen für die „Todeskos" von den „Todeskos" garnichts geopfert wird. £ Konstantinopel, 10. September. (Wer hilft?) Inmitten der politischen Wirren, die auch das ganze Interesse unserer Glaubensgenossen absorbieren, verursachten hier die Enthüllungen eines angesehenen deutschen Blattes, der „Franks. Ztg.", über den Mädchenhandel nach dem Orient in den hiesigen jüdischen Kreisen große Aufregung. Das, was unseren leitenden Persönlichkeiten völlig unbekannt gewesen, rvas sie aber, — beiläufig bemerkt — selbst wenn sie es wüßten, kaum hätten hindern können, wird von dem Korrespondenten des angezogenen Blattes mit dürren Worten gesagt: Ehrlose, verabscheuungswürdige Individuen aus Galizien, — fast durchweg Juden — verleiten Mädchen unter allen möglichen Versprechungen zur Reise nach dem Orient, wo sie alsdann öffentlichen Häusern einverleibt, dem Verderben preisgegeben werden. Es ist ein leidiger Trost, wenn wir unseren Feinden die Thatsache. entgegen halten können, daß die verworfenen Buben sich nicht aus christliche Mädchen beschränken, sondern ebenso gern jüdische Mädchen verleiten und verschachern; denn zu unserer tiefsten Schmach weiß der Korrespondent zu berichten, daß von den hier lebenden Vertreterinnen der niederen Halbwelt neunzig Prozent Jüdinnen sind, was, wie er hiuzufügt, um so verwunderlicher ist, als man in anderen Hauptstädten Europas, außer in Pest, diese Damen wenig in den öffentlichen Häusern vertreten findet. Wir sind hier den Verbrechern gegenüber machtlos; aber unsere Glaubensgenossen in Oesterreich sollten alle Mittel anwenden, um die Verworfenen in Galizien von ihrem schändlichen Gewerbe abzubringerl, damit sie in Zukunft nicht bleiben, was sie jetzt schon sind: Eine Schmach für das Judentum, ein Greuel der Menschheit! St. New-Aort, 2. September. Der soeben erschienene Bericht der vereinigten jüdischen Wohlthätigkeitsgesellschaftenpro Monat Juli liefert einen erneuten Beweis für die Not, die auf der armeil jüdischen Bevölkerung unserer Stadt lastet. Es kamen 4039 Gesuche ein, welche eine Bevölkerung von 13,463 Persoilen repräsentierten, die Hilfe beanspruchten. 144 Personen wurden in den Stand gesetzt, nach Europa zurückzukehren, oder in das Innere des Landes zu reisen. Die Einnahmen beliefen sich aus Doll. 11,176 und die Ausgaben aus Doll. 12,724. Wenn man nun die große Zahl von Witwen, von Familien bedenkt, deren Ernährer auf dem Siechbett liegt, wie viele Greise und arbeitsunfähige Männer auf der Liste der Gesellschaft stehen, die unterstützt werden müssen und bis jetzt auch regelmäßig ullterstützt wurden, so ist es tief betrübelld, daß dieses Liebeswerk teilweise unterbrochell werden soll, weil es an den Mitteln fehlt, noch weiter die Not zu lindern, und zwar in einer Stadt, die so viele bemittelte jüdische Bewohner zählt uild die ivohl helfen könnten, wenn nur ein jeder das Seinige thun möchte. «erantworllicher Redakt«ur: 9. Levin, Berlin. — «erlag: Siegfried Lronbach, Berlin W »7. — Druck: Arthur Schalem, Berlin C., «oistr. 8. öak 4 » | Redakteur brrlaq: Siegfried Lr> Tele, Redaktion 141, 4236. Die „Wochenschrift" Zeiten (2V, Bogen,, b> nats mindestens 4 Seit Post (Zeitungsliste p t ■ kohelet der Zweif 1: Zur Charakteristik Sar , Vogchechektive. - Chronik: Eine antlsei •j kippur. - Die Kolonis | j che» in unserer bellet f; (Fortsetzung.) Bon Mi |, -Ter Vorname der I' kreist. - Aries- und \ ß» In einer Epoc innern Zerrissenheit bar mar, lebte in Mm, der sich verg »ach einem erstrebt Nee umsah. Und verzweifelte er gär jedem höhere Lebe Menschen vor dem pessimistischen "ngnung der Me, ^schrieb er ei ^den be ^achietn, das wir ^besitzen, ist ^l'zen Ucher a a» ^en. Menschheit wie n lr. 0°"'^ch einem 4 ^°n Lehrer, n ~ he zu