Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 37 (11.9.1896)
- Date
- 1896-09-11
- Page
- Seite 627 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 697. ^entspreche. Man Esters gespannt sein l I re und liehe Kund^ stundeneu Installation^ Bischofs Zwejanowic-. ne Deputation des dor Der Kirchenfürst a« lchn er dem Patriotin lg zollte und schließljj 9 Mitglied beizn;9 Mgst in Raab em er gegenüber er äußern, des Judentums nifr gebührt, deren1 c Bischof non oählten Rabl .3 vw I“ konstatiere 'olgung mü ebt und das illezeit eii tus urt andw in Nr. 37. reich, Zadoc Kahn, aus. Schon bei dem Tode Alexanders III. veranstalteten sie hier in der Synagoge einen Trauerdienst; eine um so augenfälligere Erscheinung, als von den 50 000 Pariser Israeliten nicht weniger denn 15 000 aus Rußland stanrmen, das sie infolge jener Austreibungen verließen. Wahrscheinlich würde die Pariser Gemeinde, gleich der Londoner, nicht untröstlich darüber seirr, wenn der Zar den Eingewanderten wieder die Rückkehr nach Bessarabien gestattete. Im übrigen ist über die amtliche Beteiligung der Israeliten bei der Zarenfeier ebensowenig bekannt, wie über die Zuziehung der übrigen religiösen Genossenschaften. Vielleicht wird sich die Vertretung der Religion überhaupt auf die alleinige Person des Nuntius beschränken. „Ein Herrscher, ein Glaube, eine Sprache" - so lautet des Zaren Grundsatz. ** Zürich, 2. September. Die „Franks. Ztg." ließ sich kürzlich aus Bern berichten, daß in Genf trotz des Schächtverbots weiter geschächtet werde. Darob habe der schweizerische Tierschutzverein beim Bundesrat Beschwerde erhoben und dieser forderte Bericht ein. Aus den, Genfer Antwortschreiben ergab sich, daß zwei Metzger in ver Woche durchschnittlich fünf Ochsen nach jüdischem Ritus schlachteten, jedoch unter Anwendung des sogenannten „Enervement". Dieses Verfahren wenden die Metzger seit einiger Zeit beim Schlachten von Hammeln an, da bei diesen eine Betäubung unmöglich ist. Nach ^Angabe der Genfer Metzger ist dieses Verfahren ebenso rationell wie die in der Bundesverfassung vorgeschriebene Betäubung. Zum Ueberfluß hat der Genfer Chirurg Riverdin sestgestellt, bet diesem Verfahren trete der Tod sofort ein. Der Tierschntzverein hat dessenungeachtet nochmals gegen dieses Verfahren Einspruch erhoben, so daß die schweizerische Bundesregierung sich weiterhin damit befassen muß. Daß es nicht nröglich fein werde, den Schächtartikel durchzuführen, wurde voransgeseheu; es ist ja auch keine eidgenössische Kontrole vorhanden. .A Kopenhagen, 2. Septbr. Hier wurde jüngst dem Arzte Dr. Ludwig Israel Brandes (einem Onkel des berühmten Gelehrten Dr. Georg Brandes) seitens der Bürgerschaft ein Denkmal gesetzt. Das Monument steht gegenüber dem, von dem Verstorbenen gegründeten und geleiteten Krankenhanse. An der Spitze des Monumentes ist eine bronzene Büste, 1 Vs mal Lebensgröße. An der Vorderseite ist ein Bronze-Relief, die Gnade symbolisierend, darunter sind die Worte zu lesen: „Er liebte seinen Nebenmenschen". Die Enthüllungsseier hatte eine große und ausgezeichnete Gesellschaft herangezogen und eine außerordentlich zahlreiche Volksmenge angelockt, so daß der Straßenverkehr suspendiert werden mußte. Die Weiherede hielt der dirigiereude Arzt des Krankenhauses, Dr. Orum, woraus alle Anwesenden ihr Haupt entblößten unb das Denkmal enthüllt wurde. Herr Shaw, Advokat des höchsten Gerichtshofes und Präses der Spitalverwaltung, trat in der goldgestickten Uniform seines hohen Amtes hervor, nahm im Namen des Instituts das Denkmal in Empfang und versprach, nicht nur dasselbe;u beschützen und zu bewahren, sondern auch den Geist zu pflegen, in welchem die Anstalt gegründet wurde und wovon die Büste des Dr. Brandes das Symbol bilde: den Geist der Herzensgüte und Nächstenliebe, Unter bc,x Geladenen befanden sich zahlreiche Verwandte des Verstorbenen, so Georg Brandes, Prof. Hannover, Dr. Frederica, Dr. Rudolf Bergh, Prof. Carl Salomonsen :c. sowie die Häupter der verschiedenen Regierungs-Departements, sowie die hervorragenden Aerzte der Stadt. Ist London, 2. Septbr. Die ältere Generation erinnert sich sicher mit Wehmut des schönen Psalms mit der schönen Melodie, welcher am Sabbatausgang gesungen wurde. Wir danken Gott, daß er „unsre Hände kriegstüchtig machte!" Wie ein leerer Anachronismus klang vor Jahrzehnten der herrliche Psalm — heute scheint er wieder lebendige aktuelle Bedeutung zu erlangen. Die Londoner „Makkabäer" haben sich zur Aufgabe gemacht, die jüdisch-englische Jugend in, Sinne des Psalmisten kriegstüchtig zu machen, sie auch physisch für den Kampf vorzubereiten, den das Leben jedem einzelnen Bekenner des Judentums und der Gesamtheit anferlegt. Nach englischer Manier wurde den jungen Leuten eine militärische Organisation und ein martialisch klingender Name gegeben: „Jüdisches Knabenregiement" heißt die Schar, die unter dem Schutze und durch die Mittel der „Makkabäer" vollständige militärische Ausbildung genießt. Den deutschen Lesern dürfte es sonderbar erscheinen, daß von uns Londonern dem Knabenregimente eine Bedeutung für die Zukunft prophezeit wird; aber sie dürfen nicht vergessen, daß England keine allgemeine Militärpflicht hat, und daß der Dienst in der Miliz eine kostspielige Sache ist, die sich nicht jeder gestatten kann. Und das ist gerade das Verdienst der „Makkabäer", daß sie die ärmsten unter den armen Jungen Londons, die Kinder der russisch-polnischen Einwanderer, zur militärischen Ausbildung heranziehen. Das Seebad Deal, in nächster Nähe von Dover, bietet gegenwärtig ein interessantes Schauspiel. Weiße Zelte auf grünem Plane locken hunderte von neugierigen Badegästen herbei. „Was geht hier vor?" Das jüdische Knabenregiement lagert im Freien, und jedermann hat Gelegenheit, sich von ihren militärischen Leistungen zu überzeuge«. Der Aufenthalt an der See hat einen doppelten Zweck: erstens wird durch die Manöver den militärischen Forderungen Genüge geleistet und dann wird den armen Burschen ans dem überbevölkerten Osten von London eine unentgeltliche, überaus kräftige Ferienerholung gewährt. — Der Wohlstand der jüdischen Bevölkerung Londons scheint, wenn man nach dem gewöhnlichen Gradmesser, dem Fleisch-Verbranch, urteilen darf, im Wachsen zu sein, denn in dem ersten Halbjahr 1896 wurden 13687 Rinder, 2637 Kälber, 17956 Schafe rituell geschlachtet, dagegen in dem gleichen Zeitabschnitte des vorigen Jahres 12851, 2498, 15474. In gewissem Widerspruche damit steht freilich die Behauptung, welche Herr Rechtsanwalt Elkan Adler in der Generalversammlung des jüdischen Rekonvaleszenten-Heims imwidersprochen anfstellte. Dieser erklärte, daß die Schwindsucht unter der russisch-jüdischen Bevölkerung Londons in immer erschreckenderem Maße zunehme. Er führte diese Erscheinung darauf zurück, daß unsere armen Brüder in Rußland durch die Entbehrungen und Leiden, denen sie ausgesetzt waren, den Keim zu dieser tückischen Krankheit in sich ausgenommen haben, welche dann in England in den, ungewohnten Klima znm Ausbruch komme. a. Petersburg, 3. September. Die Karäer scheiuen sich ihrer natürlichen Beziehungen zu den anderen russischen Juden