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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-09-04 · 36 (4.9.1896) · p. Seite 612

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
36 (4.9.1896)
Date
1896-09-04
Page
Seite 612 (sequence 16)
Language
German
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Seite 612. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 36. das Blut christlicher Kinder haben müssen. Infolge dieser Hetzpredigt wurde gegen den Geistlichen bei der Großwardeiner Staatsanwaltschaft die Strafanzeige wegen Aufreizung wider eine Religionsgenossenschaft erstattet. — Der Karlsburger Korrespondent des „Pester Lloyd" berichtet seinem Blatte: „Der Wunderrabbi von Bustyahaza weilt, auf einer Badereise begriffen, seit einer Woche in unserer Mitte. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich diese Nachricht in der Staot und Umgebltng, und bald stellten sich die Gläubigen zu Hunderten ein, um bei dem im Rufe der Heiligkeit stehenden Manne Trost und Hilfe zu siechen. Auch ich machte ihm einen Besteck) und der Rabbi erwies mir die Ehre, eine volle Stunde lang über Welt und Leute unbefangen zu sprechen. Auf die Frage, worin eigentlich seine Wirksamkeit bestehe, meinte er: „Ich spreche dem Unglücklichen Trost zu und ermuntere ihn zur Frönnnigkeit und einenr moralischen Lebenswandel. Die meisten meiner Besucher verlassen mich mit gestärktem Gottesvertrauen, wodurch auch ihr Selbstvertrauen und ihre Thatkraft wächst, und in den meisten Fällen ist ihnen auf die natürlichste Weise geholfen. Darauf allein beschränkt sich mein Einfluß ans meine Besucher." S* Rom, 28. August. Der Papst hat den Angnstiner- Kanonikus Pater Mortara, der bekanntlich als Kind seinen jüdischen Eltern entrissen und getauft wurde, zum Superior von Sankt Bernhard ernannt. Es wird dem gliihenden Kirchenredner, der am Schluß seiner Missionspredigten von der Kanzel herab um Bekehrung seiner Mutter zu beten pflegte, nicht leicht werden, seinen bisherigen Wirkungskreis mit dem einsamen Alpenhospiz zu vertauschen, wo die aufopferndste thätige Menschenliebe gefordert wird. O Madonna di Campiglio, im August. Der Besitzer des Alpenhotels hier, Herr F. I. Oesterreicher, ließ mt§ eigenen Mitteln eine neue katholische Kirche erbauen, deren Kosten sich auf 20 000 fl. beliefen. Ob einer seiner katholischen Kollegen sich revanchieren und hier eine — Synagoge erbauen wird? I). Cincinnati, 15. August. Das „Hebrew Union College" (Rabbiner-Bildungsanstalt) hat bedeutende Lehrkräfte anfzuweifen. Die Verstorbenen Dr. Max Lilienthal, Dr. Heinrich Zirndorf, Dr. Salomon Eppinger, Lehrer Aufrecht waren als Fachgelehrte und die beiden ersten auch als Schriftsteller wohl bekannt vor ihrem Eintritt ins College. Zwei andere von den früheren Lehrern sind auf bedeutende Rabbinatsposten berufen worden, nämlich Dr. Ignaz Müller in Louisville und Dr. D. Davidson in New Jork. Neun Lehrer stehen jetzt an der Spitze der Anstalt, akademisch gebildete Männer, wie man solche früher „Wohllerner" genannt, die in der Wissenschaft des Judentums und in der semitischen Philologie hervorragend sind, so daß vom 1. Oktober ab eine allgemeine semitische Akademie für Nniversitälshörer im College eröffnet werden kann, worin außer dem Hebräischen und Aramäischen auch Syrisch, Arabisch, Ethiopisch und Assyrisch (auch für Nicht- Theologen) gelehrt werden wird, was bislang noch keine jüdische aber auch keine andere theologische Anstalt im Lande unternommen hat. Das College hat bis jetzt 46 Rabbiner und zwei Lehrerinnen ausgebildet. Die beiden Lehrerinnen sind beschäftigt in der technologischen Schule (Manuel Training School) in Chicago resp. an der Spitze einer eigenen Lehranstalt in Cincinnati. Bon den achtundvierzig Rabbinern sind zwei in Europa, weitere Studien zu machen. Einer privatisiert und fünfnndvierzig sind angestellte Rabbiner. Die merkwürdigste Erscheinung auf diesem Gebiete ist die Lust, Theologie zu studieren, die sich unter der amerikanischen Jugend knndgiebt- Die Behörden des College haben ihre liebe Not, die Klassen gegen lleberfüllnng zu schützen, die Produktion nach dem Bedarf und mit besonderer Rücksicht aus die älteren Amtsgenossen einzurichten. Die Anfragebriefe von jungen Leuten, die ans allen Teilen des Landes im Sekretariat einlausen, sind an Zahl und Inhalt ganz merkwürdig und setzen eine weitverbreitete Begeisterung für den Predigerstand voraus, wovon man früher keine Ahnung hatte. — In Belvidere einem Vororte von San Franziska, wird demnächst eine interkonfessionelle Andachtsstätte errichtet werden. Die jüdischen und christlichen Bewohner sind nicht stark genug, sich selbstständige Bethäuser zu erhalten. Das Gebäude ist so ausgestattet, daß es den religiösen Gefühlen beider Konfessionen nicht widerspricht. Es wird auch kein Funktionär angestellt werden, sondern „Ministers", Priester und Rabbiner werden eingeladen werden, ihre Glaubensgenossen zu erbauen. — In Port Elizabeth (Süd-Afrika) wurde Herr Georg L. Burmann zum Meister der Loge „Gute Hoffnung", der größten und einflußreichsten in den östlichen Provinzen, erwählt. Herr B., der auch Präsident der jüdischen Gemeinde in Port Elizabeth ist, ist der erste Glaubensgenosse, welcher diese Ehrenstelle daselbst bekleidet. L Cvolgardic (Westaustralien), Mitte August. Die Regierung hat der hiesigen jüdischen Gemeinde ein Stück Land behufs Baues einer Synagoge geschenkt. Unter dem Vorsitze des Rates Levinson fand nun eine Versammlung statt, welche den sofortigen Bau eines Tempels beschloß. Das Gebäude soll 200 Personen fassen und 600 Pfund Sterling (12000 Mk.) kosten, Nach Schluß der Sitzung waren bereits 120 Pfund gezeichnet. Coolgardie ist im Aufblühen begriffen, soeben ist eine neue Bahn nach Balgoorlie eröffnet worden. Vor drei Jahren war dort noch wüstes Land, nun hat Coolgardie elektrisches Licht. Interessant ist, daß sich kein einziges Pfandleihgeschäft hier befindet, noch giebt es einen jüdischen Juwelierladen. >tr. 37. y * Aus den Gemeinden. Im Laufe der vorigen Woche wurden die zwei Senioren der jüdischen Lehrer der Pfalz zur letzten Ruhe bestattet. In Frankenthal verschied im 76. Lebensjahre Lehrer Singer. Derselbe bekleidete diese Stellung über 50 Jahre und wurde im vorigen Jahre mit der silbernen Medaille des Verdienstordens der baierischen Krone vom Prinzregenten ausgezeichnet. — In Rülzheim verschied Lehrer Salomon im 73. Lebensjahre. Derselbe wirkte auch beinahe 50 Jahre in dieser Gemeinde, wie sein verstorbener Kollege Singer geachtet und geehrt von seinen Glaubensgenossen und von Andersgläubigen. — Vakanzen. Pakosch. (Posen): Sof. interim, talmud. geb. str. orthod. K. Sch. Meld. an M. Liebermann. Die nächste Nr. erscheint der Feiertage wegen einen Tag später. Die Expedition. Berantwortlicher Redakteur: S. Benin, Berlin. — «erlag: Siegfried «ronbach. Berlin W. 67. — Druck: Arthur «chelem, Berlin C., «»»str. ». X Kebatteu Verlag: Siegfricb < Ge Maklion ”11, 413t Die..Mochenschril Seiten (21/, Bogen, nals mindestens 4 S Apologie, oder - Eine Notlage ui - Nochen-Chronik: Kultusbeamten polnischen Juden. - Biographische De gebe!. Das große - Hier und dort, zeige«. Gedä Berso den i

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