Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 34 (21.8.1896)
- Date
- 1896-08-21
- Page
- Seite 580 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 580. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 34. sanitären Verhältnisse. Die Aussiedelungsfrage wurde bereits im Jahre 1890 angeregt, die hierzu eingesetzte Kommission beendete ihre Arbeiten aber erst in diesem Jahre und am 1. Juli wurde der Beschluß dieser Kommission publiziert. Die Kntaiser Jndenschaft beabsichtigt bei höheren Instanzen um die Aufhebung dieser für sie empfindlichen Verfügung einznkommen. * Bagdad, Ende Juli. Die hiesige Mädchenschule, welche im verflossenen Jahre von der Alliance Jsraelite gegründet wurde und von dieser, wie auch von der Anglo Jewish Association erhalten wird, erfreut sich allgemeiner Beliebtheit. Der Generalgouverneur hat selbst seine beiden Töchter als Schülerinnen in die Anstalt eintreten lassen. D. New Aork, 6. August. Beim Bau des neuen Tempels der Gemeinde Sheerith Israel werden ein paar riesige Mühlsteine einer alten holländischen Mühle als Pflastersteine Verwendung finden. An dieselben knüpft sich eine interessante historische Reminiszenz. Diese Mühlsteine sollten nämlich schon seit 1682, als die ersten portugiesisch-jüdischen Flüchtlinge sich hier nach einem Bethause umsahen, welches sie auch in Süd William Straße fanden, sich dort, wo früher eine Mühle stand, vorgefunden haben. Seit 1835 in Vergessenheit geraten, wurden diese Steine kürzlich von N. Taylor Phillips an ihrem alten Standort in Süd William Straße aufgefunden. Sie haben Feuer, Umbauten und Zerstörungswut unseres Zeitalters überdauert und fanden sich noch als Pflastersteine der Pard vor. Die Gemeinde brachte dieselbe an sich und will diesen historischen Reliquien nun einen geeigneten Platz in der neuen Synagoge anweisen. — Marie Melanie Simkins von Staten Island ist heute Mittag in der City Hall Oberst Eugene H. Levy angetraut worden. Es ist dies eine romantische Heirat. Denn Frl. Simkins war vor kurzem noch eine Katholikin. Sie zog den Frieden ihres Herzens dem ihres Glaubens vor, und trat in die Religionsgemeinde ihres Gatten über. Frl. Simkins war Schullehrerin und nahm den ganzen Sommer über im Hause des Rabbi A. H. Geismann in Brooklyn Religions-Unterricht. Oberst Levy ist Vater von neun Kindern; einer seiner Söhne, Clifton Levy, ist Rabbiner in Baltimore. — Vakanzen. Lissa i. P.: Zum 1. 1. 97 mus. geb. 1. K. u. Sch. (erwünscht Kore, Tokea, Mohel) Fix. 2100 Mk. u. Nbk. — Bärwalde (Pom.): Sof. Rl. K. Sch. Fix. 1200, Nbk. 100—150 Mk. u. fr. Wohn. Reisek. d. Gew. — Schotten: Bald K. Sch. Fix. 1000 Mk. u. Nbk. (ca. 300 Mk. wenn Bew. gepr. Rl.). — Marien bürg (Westpr.): Sof. od. 1. 10. sem. geb. Rl. K. Sch. (auch Pred.) Fix. 2000, für R.-U. am Gymn. bish. 150 Mk. Reisek. d. G. — Hillesheim (Rheinhess.): Sof. unverh. Rl. K. Fix. 600 Mk., Nbk., sr. W. u. Heiz. Meld. au Moritz Hirsch. — Auerbach (Hess.): Unverh. Rl. K. Sch. Fix. 600, Nbk. ca. 400 Mk. u. fr. W. Meld. an Jonas Bendheim. — Großstein heim (Hessen): Sof. od. sp. Rl. K. Sch. Fix. 800, Nbk. ca. 800, für R.-U. in Nachbargem. 100, für Chorleit. 100 Mk. Reisek. d. Gew. Meld. an S. Schönmann. — Niederhagenthal bei St. Ludwig (Elsaß): Zum 1. 10. K. Sch. Meld. an Max Levy. * Aus dem Leserkreise. * Verehrliche Redaktion! Gewähren Sie gütigst folgenden Bemerkungen zu den in Nr. 31 Ihres gesch. Blattes veröffentlichten Ausführungen des Vorstandes des Vereins der jüd. Lehrer in Rheinland und Westfalen einigen Raum. — An der am 12. Juli in Düsseldorf stattgehabten Bezirkskonserenz nahmen nicht 7, sondern 8 Mitglieder teil. (Herr Nußbaum- Duisburg war im Verlaufe der Versammlung, vor der Abstimmung, dem Vereine beigetreten.) — Bei der Abstimmung über die gegen den Vorstand gerichtete Resolution ergab sich nur eine Stimme gegen dieselbe. Die Stimme des Herrn Kollegen Sulmann darf nicht mitgezählt werden, da derselbe Mitglied des Vorstandes und deshalb Partei ist. Wäre die Versammlung stärker besucht gewesen, so würde das Ergebnis der Abstimmung sich zu einer nur um so schärferen Verurteilung des Vorstandsbeschlusses gestaltet haben. Ich bin im Besitz von Schreiben verschiedener der Konferenz ferngebliebener Mitglieden, die sich sämtlich im Sinne der Resolution äußern. Die Maßnahme des Vorstandes, eine Unterstützung, die nach dem Sinne zweier beschlußfassender Generalversammlungen gleichsam 5 fonds perdu bewilligt ist, ohne die Ermächtigung seitens einer Vereinsversammlung in ein Darlehen umzuwandeln, ist und bleibt eine Eigenmächtigkeit des Vorstandes, auch wenn diese Wahrheit nur von Fünfen ausgesprochen wird! Indem der Vorstand pater peccavi sagte und endlich auf den „Schuldschein" verzichtete, hat er den Beweis für die Berechtigung dieses Vorwurfs gegeben. — Wenn übrigens eine auch nur schwach besuchte Bezirks-Konferenz sich gestattet, die Maßnahmen des Vereinsvorstandes zu kritisieren und diese Kritik zu veröffentlichen, so übt sie ihr unzweifelhaftes Recht aus. Anstatt dieses in Frage zu stellen und den Eindruck der Resolution durch Hinweis aus die geringe Beteiligung an der Konferenz zu schwächen zu versuchen, hätte der Vorstand besser gethan, durch thatsächliche Beweise vom Gegenteil die ihm unangenehme Kritik zu entkräften. M. Abraham-Kettwig. * Geehrter Herr Redakteur! Die Notiz in Ihrem Blatte vom 7. d. M., die Ferienkolonie in Polzin betreffend, veranlaßt mich. Ihnen zur thatsächlichen Berichtigung folgendes mitzuteilen: Die Ferienkolonie in Polzin wird nicht von dem allgemeinen Komitee der Berliner Ferienkolonien ausgerüstet, sondern dieselbe ist eine Schöpfung der Berliner Logen des Odd-Fellow-Ordens. Den Tendenzen des Ordens gemäß soll es in demselben keine Standes- und Religions-Unterschiede geben. Die Odd-Fellow-Ferienkolonie in Polzin besteht aus Kindern aller Konfessionen. Die jüdischen Eltern, die ihre Kinder der Leitung der Odd-Fellow-Ferienkolonie anvertrauen, wissen als Mitglieder des Ordens, daß sie aus eine rituelle Verpflegung nicht Anspruch erheben dürfen. Eine getrennte Verpflegung der Kinder würde, abgesehen von dem Kostenpunkte, den Tendenzen des Ordens widersprechen und, was gerade die Ferienkolonie verhütet wissen möchte, eine Kluft zwischen den christlichen nnd jüdischen Kindern Hervorrufen. Hochachtungsvollst und ergebenst Berlin, 18. August 1896. Julius Löwenstein. Blücherstr. 51III. _ Verantwortlicher Redakteur: A. Levin, Berlin. — Verlag: Siegfried Eronbach, Berlin W. 67. — Druck: Arthur Schalem, Berlin C., Roßstr. S.