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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-08-14 · 33 (14.8.1896) · p. Seite 551

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
33 (14.8.1896)
Date
1896-08-14
Page
Seite 551 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 38. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 551. wollen wir nill k aels glauben, wollen wi ,, Mb«, u„ l«t bitfei S(i„| j>„! M w «*,» ^Wenibeifef,^,, Judentums gewidmel 1 .Mer Freude werde. tehen, müssen wir lsähigen Charlatan riert werde. Es > wir das Gebäud! aber so lange d dulden, daß dies. -et die Hoffnung auf die lach seinen, Empfinden und : Idee darf nicht zu einer uan die Vorzeit parodiert/ identum besteht im Wiffen ag und Pflichten. Mit den ctmacher wird es nicht geittertum müssen wir uns in ie Worte Gabirols zu: Lite! Lug!? Blaffen Trug! ft gesunden - eswunden. Dr. S. Bernfeld. ömitr. t a. R, den 8. August, ger, steht prinzipiell, wie l in einem gewissen Gegen- .urteilung spricht das aber nZ Breuer war der streng >i Hirsch eine gewisse, fast j Inkonsequenz nicht wegj entgegengesetztem Lichte anzuschauen vermochte. Ich will gewiß nicht behaupten, daß er anders gedacht, als gesprochen habe; nein, seine Anschauung stand selbst unter dem Banne seiner alles möglich machenden Dialektik. Wenn, nach dem Talmud, für die Mitglieder des großen Sanhedrin die Fähigkeit Bedingung war, einen offenbar Schuldigen dialektisch als unschuldig darzustellen, so hat Hirsch gewiß die Anwartschaft auf eine Stelle im großen Sanhedrin gehabt. — Hirsch war in seiner Jugend ein intimer Freund Geigers; er gehörte einem Prediger-Verein an, dessen Mitglieder auch Geiger und Jacob Anerbach waren. Graetzs „Gnosticismus und Judentum" ist Hirsch gewidmet: „Dem Manne fortschreitender Entwicklung des Judentums." Und Graetz, der Historiker, war doch wohl ein Mann des Urteils! — In Oldenburg hat Hirsch das „Kol-nidre" abgeschafft. In Frankfurt hat sich Hirsch um die alten Frankfurter Minhagim garnicht gekümmert, und das war der Grund, weshalb die Männer von altem Schrot und Korn, wie Moses Mainz, Salamon Geiger, Tewele Bondi u. s. w., nie so ganz mit Hirsch an einem Strange zogen. — In Frankfurt bestanden von uralten Zeiten her kleinere Neben-Synagogen, die einer begreiflichen Ehrfurcht bei den Orthodoxen genossen; Hirsch hat gegen diese Synagogen, zu Gunsten einer strammen Konzentration der orthodoxen Separat-Gemeinde, stets einen schonungslosen Vernichtungskampf geführt. Das ist ja konsequent vom Standpunkte des Rabbiners der orthodoxen Separat-Gemeinde, aber doch von sehr anfechtbarer Konsequenz vom Standpunkte des „Schulchan Aruch," besonders wenn die ganze Separat-Gemeinde die Berechtigung ihrer Existenz davon herleitet, daß die Hauptgemeinde alte Gebete in der Synagoge abgeschafft und die Orgel eingeführt habe — also auch nur Vergehungen gegen Schulchan Aruch und altes Herkommen. Hirsch hat, gegen den alten Frankfurter Minhag, die Hakkophans (die Prozession in der Synagoge am Simchas Thora) eingeführt, weil das eine eindrucksvolle Zeremonie ist, weil er überhaupt für das Imponierende und Pompöse ein gewisses Faible hatte. So hat er nach dem Tode Kaiser Wilhelm 1. die Synagoge schwarz drapieren lassen, und zugleich als Bestandteil der Trauer-Feier „Haznr tomim" und „Kaddisch" in der Synagoge vorgetragen. — Gegen den int Schulchan Aruch vermerkten Minhag hat er im abnehmenden Monde Trauttngen vollzogen. Er war auch der erste orthodoxe Rabbiner, der durch Talar und Bässchen dem Eindruck seiner Person und Rhetorik nachhals. — Dr- Hildesheimer hat erst in Berlin sich dazu beqnemt, dieses Beispiel nachzuahmen, während er in Eisenstadt zwei Jahrzehnte lang dies als chukkas haggoi von sich wies. — In Frankfurt, kann man überhaupt sagen, gab es für Hirsch einen eigenen Schulchan Aruch: die Interessen seiner orthodoxen Separat-Gemeinde. „Handle so, daß die Separat- Gemeinde „Adaß Jeschurun" blühe und gedeihe!" — — das war sein kategorischer Imperativ. Daher entstand der berüchtigte Streit mit Rabbiner Bamberger-Würzburg, als die Hauptgemeinde sich bereit erklärte, allen Forderungen der Orthodoxen entsprechend Synagoge, Tauchbad, Schechita u. s. w. mtter Leitung eines notorisch orthodoxen Rabbiners einzurichten. Bamberger-Würzburg, der um ein Gutachten angegangen war, ob man unter solchen Umständen noch die religionsgesetzliche Pflicht habe, ans der Gemeinde auszutreten, hat vom Standpunkte des Schulchan Aruch aus diese Frage verneint. Der gewöhnliche Schulchan-Aruch-Talmudist konnte ja diese Bereitwilligkeit einer der größten Gemeinden, dem Schulchan Aruch entsprechende Einrichtungen zur Verfügung zu stellen, nicht anders als mit Freuden begrüßen. Aber „anders als sonst in Menschenköpfen malte sich in Hirschs Kops die Welt." Für ihn gab es nur den einen Gesichtspunkt: der Bestand der Adaß Jeschurun ist dadurch gefährdet — und damit war es entschieden, daß jeder fromme Frankfurter Jude die Pflicht habe, aus der altehrwürdigen Gemeinde anszutreten, obgleich diese allen Anforderungen der Orthodoxie Nachkommen wollte!! — Auf Vorwürfe, die er Bamberger-Würzburg machte: wie dieser sich erlauben konnte, gegen ihn, den mara di athra (Ortsrabbiner) ein Gutachten abzugeben, hatte Bamberger erwidert: Das Verbot gegen mara di athra zu „paßkenen" sei nur „orach ara" (herkömmliche Sitte) und nicht gesetzliche Vorschrift. Hirschs Dialektik packte den Stier sofort bei den Hörnern: orach ara ist derech erez (Höflichkeit) und derech erez ködern lathora, Höflichkeit stehe noch höher als die Thora!! Man sieht, wie Hirschs Dialektik vor nichts znrückschreckte, wenn es nur den Interessen der Adaß Jeschurun in den Kram paßte. Seine Entscheidung in der Austrittsfrage war also sicherlich eine dialektische Gewalthätigkeit gegen den Schulchan Aruch. Das war Hirschs vielgepriesene Konsequenz: keine objektive, sondern eine subjektive. Hirschs subjektive Individualität war überhaupt von phänomenaler Nnbeugsamkeit. Sein ganzer Kommentar zum Pentateuch ist ein Monument starrköpfiger Subjektivität. So hatte er es sich in den Kopf gesetzt, die hebräische Sprache rein aus sich selbst zu erklären und abzuleiten, und nicht aus die unheiligen (!) Wurzeln des Arabischen, Syrischen, Phönizischen, Aetiopischen rc. znrückzuführen. Hirsch hatte seine guten Gründe dafür: er verstand diese unheiligen Sprachen nicht. Er machte aber aus dieser Not eine Tugend: Hirsch identifizierte sich mit der hebräischen Sprache, und da er zu den andern semitischen Sprachen keine Beziehungen hatte, sollte auch die hebräische Sprache ganz außer Beziehung zu denselben stehen und bleiben. Der Fuchs, der die Trauben, die zu hoch hängen, für sauer erklärt, war überboten: die sauren Trauben können doch reifen und süß werden; die semitischen Sprachen wurden aber für alle Ewigkeit von der Erklärung der hebräischen Sprache ausgeschlossen. Was Hirschs unbeugsamer Subjektivismus in der Exegese' geleistet hat, das ist auch wirklich eine Gewaltthätigkeit für bett nüchternen Sprachforscher. Etymologien wie: „kum“ „aufstehen," und „jbm“ „Schwager" sind etwas gewöhnliches. Behauptungen wie: „eine ätiopische Frau heiraten" (Numeri 12,1) und „unverheiratet sein" sei identisch, werden einfach aus dem Aermel geschüttelt. Es genügt, daß Hirsch erklären will, aber nicht anders kann, also muß es so und nicht anders sein. So war Hirsch. Aber gerade darum war er der Mann der Frankfurter Orthodoxie. — Frankfurt ist Patrizier- Stadt, und die Frankfurter Orthodoxie ist eine — Patrizier- Othodoxie. Der Patrizier verlangt seine Eleganz, wenn

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