Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 32 (7.8.1896)
- Date
- 1896-08-07
- Page
- Seite 548 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 548. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 32. diesem Wege das Honorar mit 6000 Rubeln angewiesen worden. — Der Verein zur Unterstützung der Kolonisation Palästinas in Rußland hat in den Jahren 1893, 94 und 95 125 392 Rubel für diesen Zweck eingenommen und die Kolonien Gederah, Mischmar, Hajarden, Wadi el Chanin und Rechoboth gefördert. — Dem vereideten Rechtsanwalt, Hofrath und Ritter- Adolf Goldblatt in Friedrichstadt (Kurland) ist vom Justizminister das Recht verliehen worden, in den Ostseeprovinzen zu advozieren. Es ist dies der erste Fall seit Einführung der neuen Gerichtsordnung in den baltischen Provinzen, daß einem Israeliten dieses Recht gewährt worden. * Lissabon, 19. Juli. Vierhundert Jahre sind nahezu verflossen, seitdem König Emanuel der Große die Juden aus Portugal verbannte und der letzte Rabbiner aus Lissabon zog. Papst Alexander VI. (Borgia) beeilte sich dem Könige zu seiner Heldenthat zu gratulieren und verlieh ihm zugleich den Titel „fidelissimus“ („allergetreuester"). Der Patriarch von Lissabon wieder begann seine Jubelpredigt, die er damals vor dem Könige und dem Hofe hielt, mit den Worten: „Venite, disperdamus eos de gente, et non memoretur nomen Israel ultra“ („Kommet, vernichten wir sie als Volk und der Name Israel soll nie mehr erwähnt werden." Psalm LXXXIII, 5.) Nun war das Königreich Portugal wieder „judenrein". Vor einigen Jahrzehnten, fast vierhundert Jahre seit diesem traurigen Ereignisse, hat das Königreich Portugal seine Pforten wieder den Juden geöffnet. In Lissabon eristiert wieder eine jüdische Gemeinde und neulich wurde auch Herr Angela Sitrug aus Livorno zum Rabbiner erwählt. Derselbe wird zwar auch alle anderen Kultusämter versehen, weil die Gemeinde noch zu klein ist, mehrere Funktionäre anzustellen, aber immerhin ist jetzt wieder ein Rabbinat in Lissabon installiert und die Söhne der Vertriebenen haben hier festen Fuß gefaßt. 8t. New 'Jork, 14. Juli. Vom 7. bis 10. Juli fand in Milwaukee die achte Zentral-Konferenz amerikanischer Rabbiner, an der 40—50 Mitglieder teilnahmen, statt. Ein interessantes Ereignis in der diesjährigen Versammlung ivar das Erscheinen der Unitarier-Geistlichen Rev. A. W. Gould, Sekretär der Westlichen Unitarier-Konferenz, und des H. F. Secrist, welche als Abgeordnete ihrer Konferenz erschienen, um den Verhandlungen der Rabbiner beizuwohnen. Sie wurden natürlich zugelassen, und sogar enthusiastisch begrüßt. Der greise Rabbiner Dr. I. M. Wise von Cincinnati führte den Vorsitz und zwar mit einer Kraft und Geistesfrische, als ob 78 Jahre eigentlich noch gar kein Alter wäre. In seiner Ansprache führte Wise u. a. aus, daß nach seiner Ansicht die Konferenz als ein Reformationskörper das amerikanische Judentum vollständig repräsentierte und daß die andern blos Sekten und anachronistische Minoritäten wären. Er verlangte, daß eine Formulierung des jüdischen Bekenntnisses in akademischer Sprache abgefaßt werde, sodaß die große Welt endlich einmal aufgeklärt werde über das, was die Juden eigentlich glauben, und fern hielten, was sie nicht glauben. Er kündete auch an, daß Professor G. Deutsch Arrangements getroffen hätte für die Vertretung des amerikanischen Judentums auf dem im Jahre 1900 in Paris stattfindenden Kongreß der Religionen. Rev. I. Aaron von Buffalo hielt einen Vortrag über „Unsere verschiedende Stellung", in welchem er die Ansicht vertrat, daß das Reform-Judentum ein Asyl wäre, nach welchem ein Rückzug möglich sei, aber es wäre nicht alles so systematisch geordnet, wie es sein miißte. Eine Zentral-Kousercnz von Juden, aus Laien und Theologen zusammengesetzt, wäre zeitgemäß und würde eine Einigkeit des allgemeinen Strebens erzielen, und dann könnten Alle für die „Erhöhung des Judentums" sich begeistern. Juden würden aufhören, Genugthuung in experimentellen Versuchen zu finden. Eine Anzahl Vorträge wurden gehalten und gegen den Schluß die Arbeiten des Komitees über die Zulassung von Konvertiten ohne Unterwerfung unter den Abrahamitischen Ritus (Beschneidung) geprüft. Rabbiner Dr. G. Gottheil von hier erstattete Bericht über die Revision der Konstitution in einem in deutscher Sprache abgefaßten Schriftstück, welches er durch die Post übermitttelte, was aber als „nicht ordnungsgemäß" ad aeta gelegt wurde, weil man es als eine „Beleidigung" auffaßte, ein in fremder Sprache abgefaßtes Schriftstück von einem Manne, der Meister der englischen Sprache ist, entgegen zu tiehmen, gleichsam andeutend, als ob die Herren heimischer in der deutschen Sprache wären. Am Schluffe der Sitzung wurde die Wahl der Beamten des lausenden Jahres vorgenommen, mit folgendem Resultat: Präsident: I. M. Wise; l.'Vice- Präsident: I. L. Leucht, New Orleans; 2. Vice-Präsident: William Rosenau, Baltimore; Schatzmeister: S. Hecht, Milwaukee; Schriftführer: Charles L. Levi; korrespondierender Sekretär: M. Mielziner;Exekutiv-Kommitee: S.Sale, St.Louis, H. Vels, Montreal, D. Phillipson, Cincinnati, E. G. Hirsch, Chicago, und Joseph Stolz, Chicago. 8t. NewJork, 18. Juli. Die jüdische Kleinkinderbewahranstalt an der 149. Straße und Mott Avenue, welche vor etwa einem Jahre ihr Asyl eröffnete, erfreut sich eines ungemein großen Erfolges. So jung die Gesellschaft auch noch ist, so hat sie doch schon eine zahlreiche Mitgliedschaft, da am vergangenen Januar 101 Patrone, 116 Subskribenten und 705 Mitglieder der Liste eingereicht waren. Dabei betrugen die Schenkungen 3869 Doll., während die regelmäßigen Beiträge nur 2125 Doll, betrugen. Von den 42 seit der Organisation aufgenommenen Kleinen waren neun weniger als ein Jahr alt, sieben zwischen ein und zwei Jahren, 16 zwischen zwei und drei Jahren, sieben zwischen drei und vier Jahren und drei zwischen vier und fünf Jahren. — 34 Zöglinge der jüdischen Handwerkerschule erhielten dieser Tage Abgangszeugnisse als Möbel- und Bautischler, als Bau- und Maschinenschlosser, als Maler, Bronze- und Bleiarbeiter re. Der Inspektor der Schule sagte in seiner Ansprache, daß die Resultate höchst befriedigend seien, indem 830/g der Entlassenen Arbeit gefunden haben. •_ — Vakanzen: Langenlonsheim. Sof. Rl. K. Sch. (sem. geb. bevorz.) Fix. 600, Nbk. 250—300 Mk. u. fr. Wohn. Meid, an Emil Natt. — Babenhausen (Hessen) zum 1. 10. deutsch. Rl. K. Sch. Fix. 7—800, Nbk. ca. 400 Mk. Meld. an L. Arnsberg. — Gütersloh (Wests.) zum 1. 10. El. K- Anf.-Geh. 900—1000 Mk. Meld. an S. Langbein. — Karbach (bei Marktheidenfeld, Untersr.) Sof. sem. geb. Rl. K. Sch. Fix. 735 Mk. u. Nbk. Meld. an Mayer Samuel. Nerantwortlicher Redakteur: A. Levin, Berlin. — Verlag: Siegfried Cronbach. Berlin W. 57. — Druck: Arthur ®c$olem, Berlin C., Roßstr. S.