Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 31 (31.7.1896)
- Date
- 1896-07-31
- Page
- Seite 532 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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irTivi *'s 'ji1'it7WBS Seite 532. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 31. Begründung eines jüdischen theologischen Instituts. Die Anstalt soll, nach Ausführung der Petenten, den Zweck verfolgen, Geistliche mit spezieller theologischer Bildung heranznziehen, zum Ersatz der bisherigen, als Rabbiner bezeichneten geistlichen Personen. — Der ans Anlaß der Krönung bekannt gegebene Amnestie - Erlaß bringt auch unseren Glanbensgcnossen einige Erleichterungen. Artikel l § 7 gewährt vollen Erlaß allen jüdischen Landwirten der jüdischen Kolonien im Gouvernement Jekaterinoslaw für alle Schulden und Steuern, welche sie dem Staate seit dem 1. Januar 1887 schulden. Artikel XIII § 2 lautet: Volle Amnestie wird bewilligt für alle Strafen, welche ans administrativem Wege oder wegen Verletzung spezieller Ordonanzen ergangen sind. (Strafen, den Familien der jüdischen Rekruten auferlegt, welche sich der Leistung der Dienstpflicht entzogen haben.) w. Bukarest, 24. Juli. Die jüdisch-spaniolische Gemeinde zu Kalasat engagierte vor einigen Monaten aus Bulgarien einen 51 ultusbeamten namens Caleb Nissim. Nach einiger Zeit erhielt derselbe den Besuch des Polizeihauptmanns, der ihm aufgab, mit seiner Frau und seinen sieben Kindern den Ort binnen fünf Tagen zu verlassen, widrigenfalls man ihn gewaltsam fortschaffen werde. Caleb Nissim begab sich aus die Polizei, zeigte seinen vollkommen ordnungsmäßigen Paß vor und fragte nach dem Grunde des so schroffen Vorgehens gegen ihn. Man gab ihm zur Antwort: „Wir haben gegen Ihre Person gar nichts. Sie sind ein durchaus anständiger Mensch, aber Sie sind Jude, und wir haben strengsten Befehl, keinem Juden die Erlaubnis zu erteilen, hier seinen Wohnsitz zu nehmen." Weitere Schritte des Gemaßregelten bei der bulgarischen Gesandtschaft und beim Ministerium finb bis jetzt ohne Erfolg geblieben. Die auf diese Weise ihres Beamten beraubte Gemeinde niußte sich während einer geraumen Zeit des Fleischgenusses enthalten. r. Sofia, 15 Juli. Herr M. S. Benedict, Vertreter der Alliance Israelite, hat jüngst unsere Stadt besucht und die hier befindlichen jüdischen Schulen besichtigt. Von jüdischer Seite wie von den Landes- und städtischen Behörden wurden ihm hohe Ehren erwiesen. Er wurde u. a. empfangen: vom Unterrichtsminister und dem französischen Generalkonsul. Insbesondere sprach der Minister Herrn Benedict seine Freude aus über den großen Segen, der von den durch die Allianz gegründeten Schulen ausgehe. Uebrigens hat der Miuister aus seiner Inspektionsreise auch die jüdischen Schulen sehr eingehend besichtigt und überall seiner hohen Befriedigung über Lehrer, Schüler und Leistungen Ausdruck gegeben. 8r. New-?)ork, 3. Juli. Die jüdischen Gemeinden der Stadt haben eine Revolte gegen die großen Schlachthaus- Firmen begonnen, welche einen „Ring" gebildet, um eine Erhöhung der Preise für Koscherfleisch herbeizuführen. Die Folge dieser Kombination ist, daß selbst die ärmste jüdische Bevölkerung das Pfund Pfleisch um 3 Cents teurer bezahlen muß, als die Nichtjudcn. 'Die zum „Riuge" gehöreude Firmen haben einen einzigen Rabbiner zur Beaufsichtigung der Schechitah angestellt, Rabbi Jacob Joseph, der ein Jahreseinkommen von 10 000 Dollar bezieht. Rabbi Joseph ist seit einem Jahre gelähmt, alle Bitten und Petitionen jüdischer Freunde, ihn durch einen anderen Rabbi zu ersetzen, Bcrantwortlicher Redakteur: A. Lenin, Berlin. — Verlag•' Sieafried Crnn damit Garantie für das rituelle Schlachten geboten werde, blieben auf Seiten der Firmen erfolglos. Nun ist der Kampf gegen den Fleischtrust auf allen Seiten eiltbrannt. Die an 1000 Mitglieder zählende Hebrew Batchers Benevolent Association wollte mit einigen Groß-Firmen in Nciv Jersey Kontrakte abschließen, aber der Trust kam dahinter und hintertrieb den Kontrakt. Eine Folge davon ist, daß sich der kleinen Fleischer eine wahre Panik bemächtigt hat, denn viele von ihnen sind bei früheren Gelegenheiten, als sie sich gegen das Diktat des Trusts auflehnen wollten, einfach an die Wand gedrückt und ruiniert worden. Die Krisis ist so nahe, daß selbst zahlreiche Rabbiner eingesehen haben, es müsse eine Umkehr stattfinden, soll das jüdische Publikum nicht horrende Fleischpreise bezahlen und die Kleinmetzger an den Rand des Bankerotts getrieben werden. Man ist daher auf den Plan verfallen, von der Stadt die Erlaubnis zum Schlachten von Vieh durch die Kleinfleischer zu erbitten und das Fleisch an die Kunden zu verkaufen. Die Rabbiner Neumann und Drackniann befürworten die Idee. Man droht dem Trust, daß Hunderte wenn nicht Tausende einfach Vegetarier werden würden, wenn der skandalös hohe Preis des Fleisches nicht verringert wird. Die um ihre Existenz kämpfenden Fleischer haben die Sympathien des Publikums für sich. * Aus den Gemeinden. Berufen: HH. Ostwald von Lissa nach Kattowitz. — D. Heymann von Rogowo nach Briefen, Wpr. — Ko ch anowski von Myloslaw nach Gnesen. — Vakanzen. Borken (Westfalen): Zum 1. 9. od. 1. 10. unverh. El. K. (Sch. bevorz.) Anfangsgeh. 1000 Mk. und Geleg. zu Nbk. Meid, an H. Jonas. — Wissek (Posen): K. Sch. Melv. an M. Kirchstein. — Nieder-Flörsheim: Rl. K. Sch. Fix. 450, Nbk. 200 Mk. Meld. an Josef Mayer. Aus dem Leserkreise. * Hochverehrte Redaktion! Sie brachten vergangene Woche in Ihrem geschätzten Blatte eine Korrespondenz des Bezirks ll (Düsseldorf und Umgegend) des „Vereins der jüdischen Lehrer in Rheinland und Westfalen". Ohne auf den Bericht sonst irgendwie einzugehen, stellen wir hier nur fest, daß die Konferenz von im ganzen sieben Mitgliedern besucht war (abgesehen von nicht stimmberechtigten Gästen.) Es waren dies die Herren: 1. Löbenstein-Düsseldors, 2. Zivi, 3. Block-Oberhausen, 4. Rothschild-Duisburg, 5. Sulmann-Köln, 6. Abraham-Kettwig, 7. Frl. Liebermann-Düsseldorf. An der Abstimmung über die gegen den Vorstand gerichtete „Resolution" beteiligten sich nur sechs Mitglieder, von denen zwei gegen dieselbe stimmten. In einem Verein, der fast 100 Mitglieder umfaßt, gestatten sich demnach vier Mitglieder eine Art Mißtrauensvotum gegen den Vereinsvorstand zu beschließen und noch dazu zu veröffentlichen. Die geeignete Instanz für „berechtigte Klagen" wäre doch wohl die nächste Vereinsversammlung gewesen. Köln, 26. Juli 1896. Der Vorstand des „Vereins der jüdischen Lehrer in Rheinland und Westfalen." bach. Berlin W. 57. — Druck: Arthur «cholem. Berlin C., Roßstr. S.