Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 29 (17.7.1896)
- Date
- 1896-07-17
- Page
- Seite 500 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 500. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 29. mit des Lebens Not zu ringen, und diesem Kampfe war sein schwacher Körper nicht gewachsen. Ein Brustleiden, dessen Keime er bereits lange in sich trug, machte reißende Fortschritte, und ihm ist er denn auch nach langem Todeskampfe erlegen. Seine Beerdigung, deren Kosten das Consistoire israelite und die „Societe du repos eternel“ trugen, fand unter zahlreicher Beteiligung statt. g- Paris, 12. Juli. Zu Rouen fand am 25. Juni die Trauung des Herrn Lucien Mayer, Neffen des dortigen Grand-Rabbi Mayer, statt, welch' letzterer auch den Weiheakt vollzog. Der Feierlichkeit wohnte auch der Maire von Rouen, M. Laurent, bei. Bei dem Hochzeitsmahle brachte der letztere einen Toast aus auf den Bräutigam, seinen hochachtbaren und tüchtigen Mitarbeiter. Gleichzeitig sprach der Redner den Juden seine vollste Sympathie aus, seine hohe Achtung der Gewissensfreiheit und der Verpflichtung, allen religiösen Meinungen und ihren Bekennern gleiches und volles Recht zukommen zu lassen. — Bei Gelegenheit der Einweihung des Monuments des ermordeten Präsidenten Carnot in Nancy, welcher der Minister des Innern Barthon und der Handelsminister Baucher beiwohnten, wurden auch die Spitzen der jüdischen Bevölkerung empfangen. Als ihr Sprecher fungierte der Grand-Rabbin Bloch, der in seiner Ansprache die Repräsentanten einer liberalen Regierung begrüßte, die gewillt sei, allen Konfessionen mit gleicher Achtung zu begegnen. In seiner Erwiderung erklärte der Minister Barthon, daß der Vorredner nur denjenigen Gefühlen Ausdruck gegeben habe, die er selbst und seine Kollegen im Herzen trage. r. Petersburg, 12. Juli. Erst jetzt wird ein den Juden freundliches Wort unseres Zaren bekannt. Nach der Katastrophe aus dem Chodynskojfelde trug man zahlreiche Verwundete in das nahegelegene jüdische Spital, wo sie von den jüdischen Aerzten in aufopferungsvoller Weise gepflegt wurden. Am Tage nach der Katastrophe besuchte der Zar sämtliche Spitäler, in denen die Verwundeten Ausnahme gefunden hatten, darunter auch das jüdische. Nachdem er den einzelnen Verwundeten seine Aufmerksamkeit gewidmet und die im Spitale herrschende Ordnung und Sauberkeit gerühmt hatte, sprach er zu dem Leiter des Spitals: „Es freut mich sehr, zu sehen, wie die Juden an dem Werke der Barmherzigkeit und Nächstenliebe so warmen Anteil genommen haben". 8t. New-Zork, 1. Juli. Man muß durchaus nicht ein „Bruder" des Freimaurer-Ordens sein, um zu wissen, daß die Symbolik desselben der Symbolik des Salomonischen Tempelbaus entlehnt ist, wie solche in der Bibel beschrieben und in der jüdischen Tradition weiter ausgetragen ist. Die ganze Salomonische Erzählung ist in das Freimanrer-Ritual übertragen worden und der überwiegende Teil der Mysterien läßt sich auf einzelne Mythen im Midrasch zurückführen. Trotzdem aber hat man in verschiedenen Logen Deutschlands, besonders in den Berliner Logen, den Juden die Aufnahme verweigert, weil eben Rassen- und Religions-Vorurteil keine Raison kennt und von Argumenten keine Notiz nimmt. Es hat daher in jüdischen Kreisen, ob der Brüderschaft angehörend oder nicht, einen wohlthuenden Eindruck gemacht, daß der Großmeister des Staates New-York, John Stewart, den Rabbiner H. P. Mendes zum Kaplan der Großloge ernannt hat — eine hohe Ehrenstellung, welche bis jetzt noch keinem Juden übertragen wurde. — Die nächste Zentral-Konserenz amerikanischer Rabbiner wird in diesem Monat in Milwaukee abgehalten werden. Unter den Rabbinern, welche theologische Abhandlungen vortragen werden, befinden sich die Namen von Dr. Silverman, New-Pork, ferner die Rabbiner W. Rosenau von Baltimore, E. Großmann von Detroit, I. Aaron, Buffalo, Philipson, Cincinnati, B. Felsenthal, Chicago, Pros. Deutsch, Cincinnati. — Die 24. Schlußprüsung des Rabbiner-Seminars zu Cincinnati fand vor 14 Tagen statt; Rabbiner Dr. Mayer von Pittsburg hielt die Ordinations-Predigt. Die folgenden Kandidaten erhielten das Maturitätszeugnis und beinahe alle haben schon eine Anstellung gefunden: Fred. Cohn, Providence; Gus Levenstein, Cincinnati; Harry Mann, Pittsburg und Abraham Messing, Chicago. X Washington, 1. Juli. Präsident Cleveland hat an den Verfasser des bekannten, auch in Ihrem Blatte besprochenen Buches „Der amerikanische Jude als Patriot und Soldat", Herrn Wolf, für die Uebersendung desselben einen Dankbries gerichtet, in welchem es heißt: „Ich habe mit großem Vergnügen Ihr ausgezeichnetes Werk gelesen, denn es erweist Gerechtigkeit einem Volke, dem sie nicht immer zugestanden wird." Aehnliche Briefe schrieben unter anderem Kardinal Gibbons, Bischoff Keane und eine Reihe anderer bedeutender Männer. Die zweite Auflage des Buches ist soeben erschienen. _ * Aus den Gemeinden. Zum Leiter der Talmud-Thora- Schule in Kempen ist Herr Lehrer Gans aus Frankfurt a. M. gewählt. — Am 1. d. M. feierte Herr Lehrer Stillmann in Rakel sein 50 jähriges Amtsjubiläum. — Vakanzen: Lörrach (Baden). Sos. Rl. K. Sch. Fix. 800, Nbk. 800 Mk. u. fr. Wohn. Reisek. d. Gew. Meld. an Moritz Nordmann. — Regensburg. K. Sch. mit gut. Stimme. Fix. 1800 Mk. und fr. Wohn. — Gilserberg. L. K. Einkommen 1000 Mk., Meldung an Rabb. Dr. Munk, Marburg. _ Brief- und Lragekasten. 1. Ist der Lehrer einer jüdischen Elementarschule, auch wenn letztere nicht öffentlich ist, von der Zahlung einer Kommunalsteuer nach dem Gesetze vom 23. Sept. 1867 § l3 befreit? 2. Kann er, wenn er diese Steuern bereits drei Jahre bezahlt hat, aus eine Rückerstattung derselben dringen? O. 1. Ist ein Jude, der seinen Austritt aus dem Judentum vor Gericht erklärt hat und sich der freireligiösen Gemeinde angeschloffen, ein “icie? 2. Darf man den oben Bezeichneten zum nehmen? _ N.—Z. Die Antikritik über das „Wests. Gebetbuch", die Anzeige des Werkes „Gegensinnige Wörter im Alt- und Neuhebräischen", der Bericht über die Rabbinerwahl in Gießen, u. a. m., mußten wegen Raummangels zurückgestellt werden. Wir bitten wiederholt, alle Zuschriften für die Redaktion direkt an unseren Redakteur, „Berlin NO. 18", zu adressieren. Verantwortlicher Redakteur: A. Levin, Berlin. — Verlag: Siegfried Tronbach. Berlin W. 67. — Druck: Arthur Scholem, Berlin C., Roßstr. 8.