Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 28 (10.7.1896)
- Date
- 1896-07-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4794838-9609712-9610216--1541-9610217- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
** '* «"Wb, «tt MS ,„it 3Jä(, " 1885 , 5805 » 1895 , 8213 *? f« lf'mi,m wlilfa f“ W<».M Ad«. ^, ^^"ntlich schon recht viele aus gezogen sind. Die hat vorläufig ganz aufgehört, in 'UZ gar keine Beförderung dort- Wochen wird hier der russische storbenen Barons Hirsch, Hm zurückerwartet; von seinem Be- > es wohl wesentlich abhängen, Iluswauderertransporte dorthin m. Das hiesige Jahre an Einnahmen 2/5000! aben (darunter allerdings einen : 1), 325000 Dollar. In dem er erzogen 1427 Knaben und : if rund 100 Doll, erforderten. : i wird von dm „United Hebrew K jenigeu Kinder zur Verfügung Z äuser nicht ausgenommen werhe abgewiesen werden mußten, | :en Gebäudes für 500 Kinder ^gebracht wurden. Nach Bel Waisenhaus die größte dersein. Fräulein KarolineJ. Bartlett, e Peoples Church in Kalac Chicagoer Sinai-Synagoge rbbiner Dr. Hirsch an dem- :gte. lltzemerne Berlin, 10. 3uli 1896. Nr. 28. Jahrgang V. Nebst einer wissensch aftlichen Beilage „Ieschurun". Redakteur: A. Lev in. Bezugspreis vierteljährlich: Verlag: Siegfried Lronbach, Serlin W. 57. §rmt und frei T Deutschland u. Oesterreich-Uugarn Mk. 3,00. Telephon: ' alle andern Länder Mk. 2,50. Redaktion VII, 4236. * Lxpedttion VI, 796. Post-Zeitungsliste Nr. 108. Die „Wochenschrift" erscheint an jedem Freitag mindestens 20 Seiten (2>/, Bogen), der „Jeschurun" Mitte und Ende jeden Monats mindestens 4 Seiten (V, Bogen) stark. Zu beziehen durch die Post (Zeitungsliste pro 1896 Nr. 108) oder unsere Expedition. Anzeigen werden mit 25 pfg. für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet. Bei Wiederholungen oder größeren Aufträgen tritt eine Preisermäßigung ein. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unsere Expedition nehmen Anzeigen für dieses Blatt entgegen. Inhalt: Das Judengesetz. — Glossen zum Gemeindetage. II. Von M. A. Klausner. — Moritz Becker. Von Dr. I. Rülf. — Wochen- Chronik: Wider die Tauferei. — Das Gesetz wider den unlauteren Wettbewerb — Die Juden sind keine „Nation". — Der „Ritualmord" in Ostpreußen. — Die Freie Israelitische Vereinigung. — Das Wiener Tollhaus. - Präsident Herzl. — Drumonts Gedächtnis. — Tolstoi über die Judenfrage. — Feuilleton: Die Subotniki. Von A. N. Stein. - Die Nedan. Von Eduard Kulke. — Aschmadai. Von Joachim Rosenauer. «Fortsetzung.) — Die Tugenden des Weibes. Von Eduard Kulke. — Hier und dort. — Aus dem Leserkreise. — Kalender. — Anzeigen._ Das Iiideilgesktz. (In seinem Geburtstage.) Es war einmal ein Graf, welcher mit dem Juden Abraham innigst befreundet war, dem er alles anvertraute und den er liebte wie seine Seele. Eines Tages sprach er zu ihm: „Abraham, unserer Freulldschaft fehlt der einzige Kitt, der Kitt der gemeinsamen Religion. Wolltest du dich noch zu der meinigen bekennen, dann wäre mein Glück vollkommen und unsere Freundschaft unzerstörbar!" Bedächtig erwiderte Abraham: „Ich will, trotzdem meine Religion mir bis jetzt ausreichende Befriedigung gewährte, deinem Drängen nachgeben. Vorher jedoch laß mich die Stadt, von welcher deine Religion ihren Glanz erhält, aufsuchen; dort will ich die Quelle des Heils kennen lernen und mich von dem Vorzug überzeugen, den deine Religion vor der meinigen besitzt, und nach meiner Rückkehr soll uns auch diese Verschiedenheit nicht mehr trennen". Mit innerem Widerstreben ließ der Graf den Freund ziehen, des Gedankens voll, daß, sobald dieser erst die Leiter seiner Religion kennen lernen würde, an einen Uebertritt nicht mehr zu denken sei. Der Freund blieb lange Zeit weg und ließ nichts mehr von sich hören. Als er heimkehrte, wagte der Gras nicht, ihn aufzusuchen, die Erzählungen fürchtend, welche er zu hören bekommen würde, bis der Freund ihn endlich rufen ließ und ihn also anredete: „Wie, solange ich noch Jude war, kannte deine Freundschaft keine Grenze, und nun, da auch auf religiösem Gebiete keine Verschiedenheit uns mehr trennt, bist du so abgekühlt?"-Verwundert erwiderte der Graf: „Du warst in der heiligen Stadt, sahst dort so viel Widerspruchsvolles, so vieles an den Leitern, was die Bezeichnung „religiös" nicht verdient, und konntest es über dich gewinnen, zu dieser Religion dich zu bekennen?" Darauf jener: „Gerade das war es, was für mich ausschlaggebend gewesen. Eine Religion, deren eigene Oberen alles thun, was geeignet ist, das religiöse Leben zu vernichten — eine Religion, die von solchen Häuptern Gesetze erhält und dabei noch besteht — eine solche Religion muß einen tiefen unzerstörbaren Kern in sich tragen, und das bestimmte mich, sie anzunehmen!"- Also verhält es sich mit dem Judentum in Preußen, das jetzt nahezu fünfzig Jahre lang unter einem Ausnahmegesetz schmachtet, welches als ein Untergrabungsgesetz seiner religiösen Idee ein Patent verdient hätte. Das Judentum in Preußen, das heute noch nach der Schablone von 1847 lebt, nach einem Gesetz, welches es Männern überantwortete, die redlich das ihrige gethan haben, um das vom Sturm der Jahrhunderte ohnehin zerzauste Blümlein Religion gänzlich zu zertreten — ein solches Judentum trägt die Gewähr ewiger Dauer in sich. Neunundvierzig Jahre eines V o r st a n d s - Judentums haben ausgereicht, um so vieles von dem niederzureißen, was ein rabbinisches Judentum in fast zwei Jahrtausenden ausgebaut hat. Die Freiheit — recte Willkür — von Männern ohne Liebe zu ihrer Religion, von Häuptern des Judentums, die unbeeinflußt von der Kenntnis seines inneren Wesens, von Führern, die für das heiße Verlangen der ihnen anvertrauten Herde kein Verständnis besaßen, von Leitern, die selbst des Zügels bedurft hätten — diese Freiheit, welche zuweilen bis zur Lächerlichkeit ausartete, hat das emsige Schaffen in den Zeiten des Druckes preisgegeben, hat die religiöse Verbindlichkeit zu einem Genoffenschaftsgesetz mit Paragraphen, von denen einer den andern aufhebt, herabgewürdigt, und aus deni Ganzen, aus dem das Judentum bestand, ein Flick- und Stückwerk gemacht, daß sich Gott erbarme! Neunundvierzig Jahre Judengesetz, welches das Seelenleben des Judentums: Kultus und Unterricht, den berufenen Vertretern