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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-06-26 · 26 (26.6.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
26 (26.6.1896)
Date
1896-06-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Bezugspreis vierteljährlich: vertag: Lirgfried Lronbach, Berlin XV. 57. g;mt unfc fri>f? Deutschland n. Oesterreich-Uutzarn Mk. 2,00. Telephon: * * aüe anbecn Länder Mk. 3,50. Redakeion VII, 4236. * Expedition VI, 796. post-Zeitungsliste Nr. 108. Die „Wochenschrift" erscheint an jedem Freitag mindestens 20 Seiten (2'/, Bogem, der „Jeschnrun" Mitte und Ende jeden Monats mindestens 4 Seiten ('/, Bogen) stark. Zu beziehen durch die Post (Zeitungsliste pro 1896 Nr. 108) oder unsere Expedition. Anzeigen werden mit 35 pfg. für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet. Bei Wiederholungen oder größeren Aufträgen tritt eine Preisermäßigung ein. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unsere Expedition nehmen Anzeigen für dieses Blatt entgegen. Inhalt: Reform und Ignoranz. Von M. A. Klausner. — Westfalen und kein Ende. Von Dr. Singer-Eoblenz. — Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Charlottenburg. Von Lion Wolff. — Der VII. Gemeindetag des D -J. G.-B. — Die Freie israelitische Vereinigung. — Wochen Chronik: I^ss extromos ... — Geldheiraten. — Vizebürgermeister Lueger. — Jules Simon. — Gräßliche Kunde. — Eine jüdische Portia. — Beachtung des Sabbats in Amerika. — Die Juden in New-Aork. — Feuilleton: Erinnerungen. Von M. Spiewkowski (Schluß). — Aschmadai. Von Joachim Rosenauer. — Hier und dort. — Ans dem Leserkreise. — Briefkasten. — Kalender. — Anzeigen. Brfari uni) Iporan;. Zu den Vorzügen der überlieferten jüdischen Gemeindeverfassung gehört in erster Linie, daß sie dem Laientum die Herrschaft einräumt und der Gemeinde Souveränität verleiht. Diese Herrschaft aber ist nicht schrankenlos, die Souveränität keine Willkür. Mit einer Weisheit, die kaum anders als durch Divination sich erklären läßt, hat der Urheber der jüdischen Gemeindeversassung, die ein Abbild der jüdischen Staatsverfassung ist, das erbliche Priestertum auf den Dienst im Gotteshause ausschließlich verwiesen, diesem damit Achtung sichernd, doch zugleich der Bildung eines herrschsüchtigen Pfaffentums vorbeugend. In der Ehrfurcht des Volkes stellte er die Lehrer voran, die Geistliche im Sinne anderer Konfessionen nicht sein wollten und nicht sein konnten, und die ihr Ansehen von Fall zu Fall durch Scharfsinn, Weisheit und Erfahrmlg verteidigen und neu gewinnen mußten. Dem Laientum blieb die Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten Vorbehalten, ohne eine andere Beschränkung, als die in der Natur des Gemeindezweckes lag: das Judentum zu hüten und zu wahren, seinen köstlichen Inhalt zu pflegen und, wo es anging, zu mehren. In allen wichtigen Fragen entschied die Gemeinde, einem Geschworenengericht vergleichbar, das Rechtsbelehrung von den Lehrern in Israel, den Rabbinern empfing. Und mit Ehrerbietung nahm die Gemeinde die Belehrung entgegen. Die gelehrten Laien, an denen es fast nirgends fehlte, hatten in hundert Disputationen des Rabbi Urteilssicherheit erprobt, und die Ungelehrten lauschten mit fast andächtiger Achtung vor dem Wissen den Worten ihrer bestellten Lehrer. Beinahe unmöglich war unter solchen Verhältnissen ein Konflikt, der selbst dann nicht ausbrach, wenn die Entscheidung der Gemeinde nicht dem Sinne des Rabbiners entsprach; denn in diesem Falle hatte nicht etwa die Unwissenheit, sondern es hatte die Gelehrsamkeit eines Anderen entschieden, die recht gut einmal den Sieg davontragen konnte, ohne das Ansehen des Rabbiners zu untergraben oder auch nur zu schmälern. Auf diese Weise war es ohne Schaden, daß an die Spitze der Gemeindeverwaltung zuweilen Personen traten, die sich hierzu nur durch ihren Reichtum empfahlen. Man durfte sicher sein, daß ihr Ehrgeiz befriedigt war, wenn sie die Vorsteher derer hießen, deren Willen sie vollstreckten, und daß sie das Mißverhältnis zwischen der übertragenen und der verdienten Würde gern durch Opfer ausglichen, die sie dem Gemeinwohl brachten. So bewährte sich in unserer Gemeindeversassung die Herrschaft des Laienelements ausgezeichnet. Die Gemeinden gediehen, im Judentum herrschte reges Leben, seine Wissenschaft entfaltete sich zu hoher Blüte und gewann an Vielseitigkeit wie an Tiefe. Auch in den langen, allzulangen Zeiten harter Verfolgung, die Israel neu zusammenhämmerte und alle Teile der religiösen Gemeinschaft mit festen Banden umschlang, blieb in Israel das Mäcenatentum der Laien für die Forscher und Verbreiter der Lehre voll unerschöpflicher und königlicher Freigebigkeit. Wer nicht niit feiner Person dem Glauben und der Wissenschaft dienen konnte, der diente mit seinen Mitteln und wußte sich gleichermaßen gottwohlgefällig, wenn er Synagogen oder Schulen baute oder Druckereien einrichtete, die Herausgabe und Verteilung gelehrter Werke veranstaltete. Die Achtung vor Bildung und Wissen ist bis auf den heutigen Tag ein Schmuck der Judenheit geblieben und macht nicht das geringste Moment aus, das jüdische Eltern bewegt, unter den schwersten Opfern und Entbehrungen für einen das

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