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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-06-19 · 25 (19.6.1896) · p. Seite 436

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
25 (19.6.1896)
Date
1896-06-19
Page
Seite 436 (sequence 16)
Language
German
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Seite 436. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 25. Ballettänzerinnen spenden Wiener Juden sehr viel; sonst aber sind sie ziemlich schäbig, wie das oben znsammengestellte Jahresbudget der Großgemeinde, die über 130000 Juden zählt, beweist. Red.) Lemberg, 4. Juni. Für die am 2. d. M. stattgefnndenen Gemeinderatswahlen wurde Herr Oberrabbiner I. Schmelkes kandidiert, um die konservative Partei, die durch den neuen Statutenentwurf erbittert ist, zu gewinnen. Die Beteiligung der Konservativen, die 1440 jüdische Wähler zur Urne stellten, war eine ungemein rege, dafür aber glänzte infolge der Gegenagitation die sogenannte jüdische Intelligenz bei der Wahl durch ihre Abwesenheit. So kam es, daß trotz der angestrengtesten Mühe, die sich der Kultuspräsident Samuel von Horovitz gab, unser Rabbiner mit 28 Stimmen — er hatte 1440, sein Gegner 1464 — gegenüber dem antisemitischen Kandidaten unterlag. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. So schrieb auch das hiesige antisemitische Blatt höhnisch: „sticht den Bemühungen der Christen ist es zu verdanken, daß wir im Gemeinderate den Juden zwei Mandate entrissen, sondern dem Umstande, daß die sogenannte Intelligenz der Juden sich von der Wahl absentierte. Was wollen aber die Juden von uns haben, wenn sie sich untereinander nicht vertragen können." Es ist schmerzlich, daß man solche höhnische Worte anhören muß, ohne sie Lügen strafen zu können. £ Graz, 10. Juni. In der heutigen Sitzung des hiesigen Gemeinderates teilte der Vorsitzende mit, es sei ihm vom Strafgerichte die Mitteilung zugekommen, das gegen die antisemitischen Gemeinderäte Feichtinger und Ledam die Anklage wegen der Verbrechen der Veruntreuung und des Betruges erhoben wurde. Bezüglich des Gemeinderates Feichtinger sei die Suspendierung bereits nach seiner Verhaftung ausgesprochen worden, und betreffs des Gemeinderates Ledam habe der Vorsitzende die Suspendierung auf Grund der Gemeinde-Ordnug erst jetzt verfügt. — Zu den Leuß, Freiherr v. Hammerstein, Pastor Rauh u. s. w. gesellen sich nun die österreichischen Antisemiten - Weltverbesserer Feichtinger und Ledam. Ein rheinischer Staatsanwalt hatte ganz recht, als er vor einiger Zeit sagte, daß er den Antisemitismus für ein Durchgangsstadium zum Zuchthaus halte. O Budapest, 16. Juni. Vor kurzem erhielt Baron Albert Rothschild einen Brief aus Budapest, in welchem er aufgefordert wird, postwendend 120 000 fl. unter der Adresse „Arbeit 1896", Budapest, Hauptpost restante, einzusenden, widrigenfalls ihm der sichere Tod durch Erschießen oder Erdolchen in Aussicht gestellt wird. Das Schreiben trug die Unterschrift: „Die Vampyre der Anarchie." Baron Rothschild schickte den Brief an die Budapester Stadthanptmannschast. Hier waren bereits seit mehreren Tagen Untersuchungen ini Zuge, da auch aus Temesvar und Orsova Anzeigen eingelangt waren, daß mehrere dortige reiche Bürger Briefe ähnlichen Inhalts erhalten hätten. Die Schrift sämtlicher Briefe weist auf eine und dieselbe Hand hin. Um den Briesschreiber in die Falle zu locken, wurde unter der Adresse „Arbeit 1896" von der Polizei thatsächlich ein Schreiben Hauptpost restante deponiert. Mehrere der geschicktesten Detektives hielten sich ununterbrochen bei der Post auf, um Jeden, der um den Verantwortlicher Redakteur: A. Lev in, Berlin. — Verlag: Siegfried Cro bezeichneten Brief fragen sollte, zu arretieren. Gestern nun erschien ein Schuhmacherlehrling am Schalter der Postrestante- Abteilung und erkundigte sich, ob nicht ein Brief mit der bezeichneten Chiffre eingetroffen sei. Als ihm dies bejaht wurde, nahnl er den Brief in Empsallg imd wollte sich entfernen, wurde jedoch von ben Detectives verhaftet. Er gestand nach einem eindringlichen Verhör, daß er von einem Soldaten zur Post geschickt worden sei. Nun war es leicht, den Auftraggeber des Knaben zu fassen, indem die Polizisten dem Lehrling, welchem strenges Stillschweigen aufgetragen war, nachgingen. Aus diese Weise wurden die Verfasser des anonymen Brieses in Person des 18 jährigen, aus Odessa gebürtigen Infanteristen des 32. Regiments, Carl Benedek, und eines Einjährig-Freiwilligen ermittelt. Die Polizei teilte das Ergebnis sofort der Militärbehörde mit, welche die weitere Untersuchung führt. N Petersburg, 10. Juni. Von der jüdischen Bevölkerung Petersburgs wird dem russischen Kaiserpaare bei seiner Rückkehr nach Petersburg ein Kunstwerk überreicht werden, welches von dem bekannten russischen Bildhauer M. Antokolski hergestellt worden ist. Das Werk stellt einen Engel dar, der vom Himmel auf die Erde herabsteigt, in den Händen die Kaiserkrone, um sie auf das Haupt des Gesalbten zu legen. Die Gruppe ist ans reinem Silber hergestellt und wiegt gegen 4 Pud (1 Pud gleich 16,38 kg). Die Figur des Engels steht auf einem Postamente, welches mit einem ivertvollen, roten Stoff bedeckt ist; die Höhe der Figur beträgt die halbe Menschengröße, bei einer Breite von 3U Arschin (1 A. gleich 0,71 Meter). Das Postament mit der allegorischen Gruppe kann mit Hilfe eines Mechanismus in eine rotierende Bewegung versetzt werden. Das ganze Wert kostet mehr als 22 000 Rubel, von welchen der Bildhauer 10000 Rubel erhält. Es ist noch nicht bestimmt, ob die Neberreichung des Kunstwerks im Namen der ganzen jüdischen Bevölkerung Rußlands, oder nur der jüdischen Gemeinde Petersburgs stattfinden wird. S* Kreta, 12. Juni. Die traurigen Nachrichten von dieser Insel, wo neuerdings ein furchtbarer Ausstand mit dem im Orient üblichen Niedermetzeln von friedlichen Einwohnern ansgebrochen ist, lenkt die Aufmerksamkeit aus das daselbst lebende Häuflein von Inden, deren Leben und Habe nun neuerdings gefährdet sind. Auf Kreta leben heilte ca. 200 Israeliten, von denen der größte Teil sich in der Hauptstadt Kanea, ein kleiner Teil in der Hafenstadt Rheimo befindet, während die übrigen zerstreut aus der Insel leben. Die Juden in Kanea leben fast ausschließlich dem Handel, weshalb sie von den Griechen daselbst, die selbst tüchtige Kanfleute sind, sehr gehaßt werden. Sie besitzen eine ärmliche Synagoge, die aber schon etliche Jahrhunderte alt ist; sie haben auch einen Rabbiner, den sie sich gewöhnlich aus Konstantinopel oder aus Jerusalem kommen lassen. Sie sprechen noch immer spaniolisch, trotzdem sie schon nahezu vier Jahrhunderte auf dieser Insel leben. X* Aus den Gemeinden. Die Synagogen-Gemeinde in Ratwor hat Herrn Moritz Schidowsky zum ersten Kantor gewählt. ach, Berlin W. 67. — Druck: Arthur Schalem, Berlin C., Roßstr. 3.

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