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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-04-24 · 17 (24.4.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
17 (24.4.1896)
Date
1896-04-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Nr. 17. Jahrgang V. er n e Berlin, 24. April 1896. Nebst einer wissenschaftlichen Beilage „Heschurun". Redakteur: A. £ e u i n. Urrlai): Sikgftikd Lronbach, ßrrliu W. 57. Telephon: Redaktion VII, 423b. -■ Lxpedition Vf, 796. Treu und frei I Bezugspreis vierteljährlich: Deutschland u. Oesterreich-Ungarn Ülk. 2,00, alle andern Länder MK. £.50. Post-Zeitungsliste Ar. 108. Die „Wochenschrift" erscheint an jedem Freitag mindestens 20 Seiten (2‘/2 Bogen), der „Jeschnrun" Mitte und Ende jeden Monats mindestens 4 Seiten (V2 Bogen) stark. Zu beziehen durch die Post (Zeitungsliste pro 1896 Nr. 108) oder unsere Expedition. Anzeigen werden mit £5 Pfg. für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet. Bei Wiederholungen oder größeren Aufträgen tritt eine Preisermäßigung ein. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unsere Expedition nehmen Anzeigen für dieses Blatt entgegen. Inhalt: Baron Hirsch. Eine Talmudübersetzung. — Aus dem Berliner Gemeindeparlament. — Jüdische Wissenschaft lin de sidcle. 11. Von Dr. S. Bernfeld. — Wochen-Chronik: An die Repräsentanz der Berliner Gemeinde. — Eine Reichsgerichtsentscheidung. — Antisemitische Statistik. — Die Rabbinerprüfung in Elsaß-Lothringen. — Tank vom Hause Antisem. — Der Antisemitismus in Frankreich. — Tod eines judenfreundl. Domherrn. — Die hebräische Sprache wird modern. — Der Zickzackkurs in Rußland. — Rekrutierung der Toten. — Dr. Aaron Weiß. — Feuilleton: Die Zerrissenheit des Lebens. — Reb Jomins Eidam (Schluß). — Auch ein Geschäft. — Hier und dort. — Briefkasten. — Kalender. — Anzeigen. Baron Hirsch. Aus Ungarn kommt die Trauerkunde von dein plötzlich erfolgten Ableben des bekannten jüdischen Finanzmannes und Philanthropen Baron Moritz Hirsch, dessen in das Großartige gehende Wohlthätigkeit in den letzten Jahren oft den Gegenstand der öffentlichen Diskussion gebildet hat. Der Verblichene war eine eigenartige und markante Erscheinung, und wenn wir auch nicht geneigt sind, alle philanthropischen Unternehmungen, die Baron Hirsch ins Leben gerufen, unbedingt zu loben, so darf doch nicht unerwähnt bleiben, daß eine so iveitgehende und so groß angelegte Eharitas geradezu einzig in der Geschichte dasteht. Bekanntlich hat sich der Verstorbene, einer jüdischen Familie in Bayern entstammend, von kleinen Anfängen zu jener Höhe der finanziellen und sozialen Stufenleiter emporgeschwnngen, die er in den letzten Dezennien eingenommen hat. Dies ist natürlich kein Verdienst. Aber als er seine vielen Millionen — man spricht von fünfhundert — bereits gesammelt hatte, begann seine Wohlthätigkeit, die nach amerikanischem Muster angelegt war. Vor allem war er der stille Wohlthäter der Israelitischen Allianz zu Paris, der er jährlich große Summen schenkte, um das Defizit zu decken, abgesehen von der Million Francs, die er der Gesellschaft vor Jahren geschenkt hatte. In Budapest unterhielt er ein Bureau, das monatlich vierzigtausend Gulden zu verteilen hatte: für die Inden in Galizien gründete er eine Zwölfmillionenstiftung mit der ansdriicklichen Bedingung, daß die Schulen, welche von jener Stiftung unterhalten werden, auch Christen zugänglich gemacht werden; er berief sogar einige Christen in das Kuratorium der Stiftung. Außerdem unterhielt er ein Wohlthätigkeitsbureau in Lemberg, um die dort herrschende Rot unter den Juden nach Kräften zu lindern. Aehnliche Stiftungen unterhielt er in Paris, Wien und anderen Hauptstädten, überall mit vollen Händen spendend. In der letzten Zeit machte von sich eine kostspielige Gründung des Verstorbenen reden, die nach unserer Ansicht eine verfehlte war. Baron Hirsch stiftete ein Kapital von fünfzig Millionen Francs für die Gründung von Kolonien in Argentinien, wo russische Juden ansässig gemacht werden sollen. Das ganze Unternehmen wurde später in eine ^Aktiengesellschaft umgewandelt, die Aktien schenkte Hirsch indes dem Verband der jüdischen Gemeinde in England. Zweifellos war er dabei von hochherzigen Motiven geleitet; die Kolonien aber, die in Argentinien gegründet worden sind, haben sich bisher als sehr wenig lebensfähig erwiesen. Baron Hirsch teilte die irrige Ansicht, welche viele jüdische Wohlthäter beherrscht, daß es Aufgabe der jiidischen Charitas sei, die Jndenheit mit allen Mitteln zu proletarisieren. Auf dieses schädliche System sind die argentinischen Kolonien basiert; die Kolonisten sollen ans unabsehbare Zeit eigentumslose Käthner bleiben. Ans diesen Punkt gedenken wir noch gelegentlich zurückzukommen. Hier wollen wir nur hervorheben, daß unter beit Kolonisten eine weitgehende, zum größten Teil berechtigte Unzufriedenheit herrscht, und nur sehr wenige Kolonien eine Zukunft haben, während jene, die Baron Eduard Rothschild mit geringeren Mitteln in Palästina ins Leben gerufen hat, einer gedeihlichen Zukunft entgegen gehen. Nicht minder darf es verschwiegen werden, daß Baron Hirsch auch nicht das Geringste für Knltnranfgaben der Jndenheit gethan hat, ja, daß er in der Regel alle derartigen Unternehmungen mit Geringschätzung zu behandeln pflegte. Die Wissenschaft des Judentums hielt er für schädlich, weil sie nach seiner Ansicht die Verbauerung der Jndenheit, die er so gerne herbeigesührt hätte, aufhielte.

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