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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-04-03 · 14 (3.4.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
14 (3.4.1896)
Date
1896-04-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Nr. 14. Jahrgang V. Mllgeme, N t Berlin, 3. April 1896. d" Hem er ne Nebst einer wissenschaftlichen Beilage „Jeschurnn". Redakteur: A. Lev in. Verlag; Siegfried Lroniiach, Veriin W. 57. Bezugspreis vierteljährlich: Treu und frei I Inland MK. 2,00. * Ausland Mk. 2,50. Telephon Amt VI, Ar. 796. Post-Zeitungsliste Nr. 108. Die „Wochenschrift" erscheint an jedem Freitag mindestens 16 Seiten (2 Bogen), der „Jeschnrun" am Schlüsse jeden Monats mindestens 8 Seiten (1 Bogen) stark. Zu beziehen durch die Post (Zeitungsliste pro 1866 Nr. 108) oder unsere Expedition. Anzeigen werden mit 25 Pfg. für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet. Bei Wiederholungen oder größeren Aufträgen tritt eine Preisermäßigung ein. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unser Bureau nehmen Anzeigen für dieses Blatt entgegen. Inhalt: Neues Leben. Konfessioneller Geschichtsunterricht. Wochen - Chronik: Eine Protest-Versammlung. — Freiherr von Langen. — Ein verfrühter Aprilscherz. — Ahlwardt als Schnorrer. — Gegen die Wiener Bubokratie. — Eine Sühne. — Warum sind wir nicht beliebt? — Die Sonntags-Reformer. — Aus New-Pork. — Die Muster-Ackerbauschule. — Die Assimilation. Feuilleton: Das Lied am Meer. Von S. Saphra. — Das Martyrium der spanischen Juden. Von Prof. Dr. H. Graetz. — Der älteste lebende Komponist. — Die Insurgenten. Von S. P. — Die Peitsche des Herrn Daniel Jtzig. Von M. K. — Der ewige Jude. — Prompter Bescheid. Hier und dort. — Aus dem Leserkreise. — Kalender. — Anzeigen. Neues Felien. In der Zeit des herannahenden Alters oder gar wenn wir von den Jahren gebeugt und niedergedrückt sind, lieben wir es, nlitnnter in stiller Beschaulichkeit Rückerinnerungen zu pflegen, uns die goldene Jugend ins Gedächtnis zu rufen und, weitn unsere Phantasie noch so weit reicht, die glücklichen Momente der jugendlichen Lebensfreudigkeit nochmals durchzilkosten. Wir werden gewiß von wehmütigen Gefühlen beschlichen, da wir es doch wissen, daß wir in jene glückliche Zeit nie mehr würden zurückkehren können, und dennoch sind uns solche Eriniterungen die liebsten und teuersten in jenen Tagen, von denen der biblische Pessimist sagt, daß wir an ihnen keinen Gefallen mehr finden. Auch im Völkerleben giebt es eine goldene Jugendzeit, die Zeit der Unmittelbarkeit und der Schöpfungskraft, die Zeit, in der eine Ration an materiellen und geistigen Kräften zuniinmt und mit der ganzen Naivität der Jugend sich gewisser Ideale bemächtigt. Mögen sich viele dieser Ideale in dem praktischen Leben als undurchführbar erweisen, wir werden sie doch nicht missen wollen, ebensowenig wir die Träume unserer Jugend missen möchten. Das Peßachfest erinnert uns an jene glückliche Zeit unseres Stammes, als er seine politische Laufbahn mit dem Auszuge aus Egypten begann. Man wird mir vielleicht entgegenhalten, daß die biblische Erzählung dieses großartigen Ereignisses von der modernen Kritik stark angefochten wird, daß wir uns die kulturgeschichtliche Entwickelung Israels als aus dem natürlichen Wege vollzogen denken müssen. Indes handelt es sich bei der Beurteilung solcher Vorgänge nicht um die philologischen Wortklaubereien mancher pedantischen Schulmeister. Total genommen können wir uns diese kulturgeschichtliche Erscheinung nicht ohne einen wunderbaren Enthusiasmus, ohne einen heroischen Aufschwung denken. Ter israelitische Stamm ist unzweifelhaft ein Glied aus einer großen semitischen Völkergruppe; wunderbarer Weise aber wurde Israel allein der Träger einer großen Kultur, der eine weltgeschichtliche Mission übernommen und auch glücklich durchgeführt hat. Es war dies ein Zeitalter des heroischen Aufschwunges, ganz gleich, wie wir uns jene Erscheinung denken. lkebernatürliches giebt es für uns nicht; aber sofern wir nicht blasiert sind, glauben wir wohl an einen mächtigen Enthusiasmus, der gewiß bewunderungswürdiger ist als alle die Kunststückchen, die der große Hanfe in der Regel für Wunder nimmt. Der israelitische Stamm hat in der That eine neue moralische Wahrheit von der größten Tragweite, von der größten Fruchtbarkeit in die Welt gesetzt; ohne diese Erscheinung können wir uns die ganze menschliche Kultur überhaupt nicht denken. Setzen wir den Fall voraus, daß die inosaische Lehre mit einem Male vom ganzen Volke erfaßt worden sei, so wäre dies eine Art von Volksgenie, wie es zum zweiten Male in der Geschichte nicht vorkommt. Aber selbst wenn wir den ganzen Entwickelungsgang des Judentums betrachten, und annehmen, daß nur eine kleine Anzahl von Männern jene Lehre in ihrer Erhabenheit erfaßt haben, um sie langsam dem ganzen Volke beiznbringen, so ist auch dies

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