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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-03-06 · 10 (6.3.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
10 (6.3.1896)
Date
1896-03-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Nebst einer missenschaftlicb en Beilage „Ieschurun". Nr. 10. Jahrgang V. eitt e Berlin, 6. März 1896. Herausgeber: A. Levin. Redaktion nnd Uerlag: Neßstraße Bezugspreis vierteljährlich: Ultö! Inland Mk. SJ,00. * Ausland Mir. 5J,50. Telephon Amt I, Ar. 558. Post-Zeitungsliste Ar. 108. Die „Mochenschrift" erscheint an jedem Freitag mindestens 16 Seiten (2 Bogen), der „Jeschurnn" am Schlüsse jeden Monats mindestens 8 Seiten (1 Bogen) stark. Zu beziehen durch die Post (Zeitungsliste pro 1896 Nr. 108) oder unsere Expedition. Anzeigen werden mit pfg. für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet. Bei Wiederholungen oder größeren Aufträgen tritt eine Preisermäßigung ein. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unser Bureau nehmen Anzeigen für dieses Blatt entgegen. Znhalt: Der Judenstaat. Bon M. A. Klausner. Ein Vorstoß. Die Reformgemeinde. Von Dr. S. Bernfeld. Feuilleton: Die Insurgenten (Fortsetzung). — Ein berühmter jüd. Maler. - Ein 82 jähriger Tondichter. Woche« Chronik: Synagogenweihe - Lehrerverein. — Opferfreudigkeit. — Der Geist Jellineks. — Tie „Volksrundschau". — Der „Ritualmord". — Rabbiner Dr. Stiebe!. — Eine Prinzipienfrage. — Das Rabbinerseminar in Breslau. — Für Herzl! — In Wien. — „Asemiten". — In Lemberg. — Heute mir, morgen Dir. — Gemeindewahlen in Lemberg. — Die Situation in Rußland. — Eine beispiellose Liquidation. — Rabbi I. L. Perlmann. Hier und dort. — Personalien. — Briefkasten.—Kalender. —Anzeigen. vkr Mniftaat. Die in der vorigen Nummer dieses Blattes bereits erwähnte Broschüre des Tr. Theodor Herzl, „Der Judenstaat" betitelt (Verlag von M. Breitenstein in Leipzig und Wien), will den „Versuch einer modernen Lösung der Jndenfrage" bilden und nennt sich in der Vorrede eine „Staatsschrift." Der Verfasser macht den Vorschlag, der Judennot, d. i. der Not der Juden durch Bildung eines eigenen Judenstaates, sei es in Argentinien, sei es in Palästina, ein Ende zu bereiten; mit anderen Worten: er erfindet den Zionismus. Obwohl er eingestandenermaßen ohne Kenntnis der einschlägigen Litteratur ist, hat er von dem Zionismus doch schon gehört, und deswegen nimmt er bescheiden für sich,in Anspruch, zwar nicht auf den uralten messianischen Gedanken, aber ans die Mittel zu seiner Verwirklichung als erster verfallen zu sein, zwar nicht die Dampfkraft, aber ihre motorische Verwendung erfunden zu haben. Er sagt in der Vorrede: „Man kannte auch die Dampfkraft, die im Theekessel durch Erhitzung des Wassers entstand und den Deckel hob. Diese Theekesselerscheinung sind die zionistischen Versuche und viele andere Formen der Vereinigung zur Abwehr des Antisemitismus. Nun sage ich, daß diese Kraft, richtig verwendet, mächtig genug ist, eine große Maschine zu treiben, Menschen und Güter zu befördern. Die Maschine mag aussehen, wie man will." Unser Erfinder macht es sich ziemlich leicht, wie man sieht. Die Maschine, die er erfunden zu haben vorgiebt, „mag aussehen, wie man will." Aus diese Weise ist auch das Perpetuum mobile ttttschwer zu erfindeu: Man denkt sich eine Maschine, bei deren Anwendung keilte Kraft verloren geht, und das Perpetuum mobile ist fertig; „die Maschine mag aussehen, wie man will." Ter Verfasser brauchte hiernach nicht erst zu versichern, daß er „im tiefsten davon überzeugt sei, daß er recht habe." Nur tiefinnerste Ueberzeugung kann so naiv sein. Nur tiefinnerste, ttaivste Ueberzeugung kann den Mut zu dem Ansinnen verleihen, das Herr Dr. Herzl in folgende Worte kleidet: „Aber ich stelle noch härtere Zumutungen an meine Leser. Ich verlange von den Gebildeten, an die ich mich wende, ein Umdenken und 'Umlernen mancher alten Vorstellung. Und gerade den besten Juden, die sich um die Lösung der Judenfrage thätig bemüht haben, mute ich zu, ihre bisherigen Versuche als verfehlt und unwirksam anzusehen." Doch halten wir uns bei der Vorrede nicht weiter aus und kommen wir zum Kern: Herr Dr. Herzl wünscht, daß die zivilisierten Staaten insgesamt die Bildung eiites Judenstaates in einem der beiden genannten Gebiete — oder auch anderwärts, denn der Verfasser ist nicht eigensinnig — unter ihre Protektion nehmen, daß die Juden entweder durch die Hochbank oder durch die Mittelbank oder durch volkstümliche Subskription eine Milliarde aufbringen — vielleicht ist mehr nötig, vielleicht genügt weniger, sagt der Verfasser, der hierin ebenfalls nicht eigensinnig ist und die Arbeit einer auch nur annähernden Bedarfsberechnnng den nicht erfindenden kleinen Geistern zumeist — und mit dieser Milliarde das Geschäft ihrer allmählichen Uebersiedelung in das neue Judenlaud betreiben. Die ärmsten Juden, die Desperados, sollten voranziehen, der Mittelstand werde folgen, die oberen Zehntausend A2D

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