Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 7 (14.2.1896)
- Date
- 1896-02-14
- Page
- Seite 132 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 132. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 8. würde ein besonderes Studium verdienen. Die beiden Wandflächen rechts und lincks, mit Teppichen maskiert, tragen jede ebenfalls eine große Inschrift, die ein Flächenmuster von bewundernswerter B'Adhauerarbeit umgiebt. Eine der Inschriften, welche?iu Ehren des Gründers des Tempels angebracht wurde, lautet: „Da es keinen König mehr gab in Israel, der nins aus der Gefangenschaft hätte befreien können, haber.l wir uns zerstreut: die einen sind in dieses Land gekom-men, die anderen nach anderen Teilen der Erde, und alle beweinen wir unser Vaterland. Und wir, die wir hier wohmen, haben diesen Tempel erbaut mit kräftig starkem Arm mLo starkem Herzen. Der Tag, wo er vollendet wurde, war ein hoher Freudentag für alle Juden, viele, welche von dem Werke Kunde erhielten, sind aus den entferntesten Gegenden der Erde herbeigeeilt und frugen, ob denn ein M ann aufgestanden fei, der im Geiste groß genug fei, unsere Gemeinschaft zu leiten. Samuel war unsere Schutzmauer: Gott ist mit ihm und mit uns gewesen; er hat Gnade und Erbarmen für uns erlangt. Er war ein Mann der Arbeit und des Friedens, mächtig unter allen und ein großer Wohlthäter. Dieser Tempel ist erbaut worden unter der Negierung des Don Pedro. Gott sei sein Schutz und Beistand, daß er sich erhebe über alle Fürsten. Er sei mit ihm und mit allen aus seinem Hause, daß sich jeder lebende Mensch vor ihm demütige." * 2 Die Lage von Ophir und der Ursprung des Wortes „Afrika.". Auf unsere Vermutungen über die Lage des Bezirks Ophir, der in der heiligen Schrift als reich an Gold, Edelstein, Elfenbein und Vögeln mit schönem Gefieder geschildert wird, ist ein neues Licht geworfen worden. Es wurde gewöhnlich angenommen, daß er in Indien liegt, und daß von diesem Teile der Welt die Schiffe des Königs Salomo, sowie die des Königs von Tprus, die Schätze brachten, welche ihre Stäote bereicherten. Aber keine geringere Autorität als Dr. Carl Peters ist durch Dokumente, welche ihm kürzlich vor Augen kamen, überzeugt worden, daß nicht Indien, sondern Afrika unter der in der Bibel erwähnten freigebigen Vorratskammer verstanden werden muß. Dr. Peters hat die Ergebniffe seiner Untersuchung, welcher die Angaben eines jüngst von ihm entdeckten historischen Atlas zu Grunde liegen, veröffentlicht. Der Atlas wurde in der ersten Dekade des 18. Jahrhunderts in Amsterdam gedruckt und bestätigt wieder einmal das Sprichwort, daß es nichts neues unter der Sonne giebt. Die uns durch diese Landkartensammlung übermittelten Nachrichten beweisen, daß der Komplimator schon damals im Besitze vieler Kenntnisse über Afrika war, welche wir uns in der letzten .Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckt zu haben schmeicheln, welche aber fast 200 Jahre alt sind. Wir wissen, daß die Portugiesen am Congo und Chambesi im 17. Jahrhundert bleibende Kolonien hatten, und es ist nun klar, daß sie einen großen Teil der umliegenden Distrikte kannten, sonst hätten solche Mappensammlungen, wie die jetzt von Dr. Peters wieder herausgegebene, niemals verfaßt worden sein können. Wie diese Kenntnis für so lange Zeit gehemmt wurde, das ist eine jener sonderbaren Launen der Geschichte, welche wir teuer genug bezahlt haben mir Geld und mit Menschenleben, 'die bei den letzten Afrikaforschungen zu Grunde gegangen sind. Mit der Abnahme der portugiesischen Macht im „dunklen Erdteil" scheint auch ihre geographische Wissenschaft begraben worden zu sein und ist erst jetzt wieder ans Licht gekommen, um sich in der Beleuchtung moderner Forschungen als vollständig korrekt zu zeigen. Der alte holländische Atlas giebt überraschend gute Aufschlüsse über die Ost- und die Südwest-Küste Afrikas, über den Lauf des Congo und des Zambesi und anderer Nachbarströme, über die zwerghasten Akkastämme und über den großen Urwald an der Nordwest- Biegung des Congo. Der historische Atlas spricht überdies von den großen Schätzen, die im Zambesi-Gebiete gesunden wurden, Gold, Juwelen und kostbare Tiere, und galt sogar so weit, die Lage besonders hervorragender Goldminen anzugeben. Hier lagen zweifellos die alten Besitzungen Mono- Mueni, deren Ruinen jüngst gefunden wurden. Dr. Peters ist der festen Ueberzeugung, daß diese Ruinen phönizischen und sabarischen Ursprungs sind, und hier auch der im alten Testamente erwähnte „Ophir" lag. Ja, er nimmt sogar an, daß die drei hebräischen Konsonanten -,sx wahrscheinlich die Wurzel des Wortes „-A.fr" enthalten, welchem nachher die lateinische Endung „ica" angehängt wurde. Er thut ferner dar, daß hier ein sehr angesehener Landungsplatz für die Schiffe kleinasiatischer Fürsten war. *Die Schnelligkeit des Lebens. Worin sich die gegenwärtige Zeit ganz besonders von den früheren Jahrhunderten unterscheidet, ist die Schnelligkeit, mit welcher man lebt und die zmn Bedürfnis geworden zu allem, was inan lebt. Wie durch die Dampfkraft alle Entfernungen geschwunden sind, wie durch den elektrischen Draht alle Ereignisse in alle Weltteile und alle Schichten des Volkes aufs schnellste verbreitet werden, so hat sich der neuere Mensch eine Eilfertigkeit angewöhnt, welche oft genug den besten Lebensgenuß stört und der Gründlichkeit der Arbeiten aus technischen! wie geistigem Gebiete schadet. Man will alle Früchte selbst genießen und zwar alsbald nach der Saat. Die Zirkulation soll schnell gehen, und was langsam geht, dazu hat man keine Zeit. Man erneuert lieber wieder, als daß man aus die Dauer arbeitet. Unsere Väter konnten sich nicht satt sehen, nicht satt hören, nicht satt beten, nicht satt schmausen, nicht satt feiern — jetzt aber wird man alles dessen, was lange währt, und wenn es noch so schön wäre, noch so geistreich, noch so schmackhaft, bald überdrüssig, und wer jetzt Eindruck bei dem Publikum inachen will, muß bald enden, sei es in Rede, in Musik oder sonst etwas. Alles wird schnell abgenutzt. Man will immer etwas neues, neue Staatsmänner, neue Schauspieler, neue Bücher, neue Kleider, neue Einrichtungen, neue Gesetze. Daß dieses Drängen, Wechseln, Erneuern sein gutes hat, wollen wir nicht leugnen. Es macht vielseitig, es läßt nichts modern und faulen, es entfaltet alle Kräfte, es spornt den schöpferischen und erfinderischen Geist. Unsere Väter verschwendeten gar zu viel Zeit und Mühewaltung in nutzloser Weise; sie kamen nicht vorwärts und die besten Kräfte versiegten, weil ihnen die Verwendung behindert ward; inan begnügte sich mit geringen Verbesserungen, wo die Schäden auch noch so offen lagen. Allein jene Flüchtigkeit und Schnelligkeit in unserer Zeit bringt nicht ininder ihre Nachteile mit sich. Das innerliche Leben hört ganz auf; die Beschaulichkeit, die ernst mit Erkenntnis und Wahrheit meint, hat keinen Reiz; die Ausdauer, die im stillen wirkt und sich durch hundertfache Täuschung nicht beirren läßt, wird zu eine«! gar seltenen Vogel; die Oberflächlichkeit triumphiert, wenn sie sich nur irgendwie zu verkleiden versteht; weil man soviel sieht und erfährt, versieht man das eine über das andere, und selbst das Verdienst schwindet bald aus der Erinnerung, wenn es sich nicht imnier wieder bemerklich macht. Aus der Fülle der gegenwärtigen Erscheinungen wird, fürchte ich, weniger für die folgenden Jahrhunderte übrig bleiben, als aus den früheren für uns geblieben! _ Verantwortlicher Redakteur: Ä- Levin. Truck von E. Wertheim, Berlin NW.