Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-02-14 · 7 (14.2.1896) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
7 (14.2.1896)
Date
1896-02-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4794838-9609712-9609835--1160-9609836
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

i'lebft einer ivisseusctxrstlicben Beilage „Iescburun". Berlin, 14. Februar 1S96. Nr. 7- Jahrgang V. WPk* Herausgeber: A. Levin. Redaktion nnd Ucrlag: Rosrstt'lltze!Z. Bezugspreis vierteljährlich: Tl'LU Utld! Inland |Hh. &,00. * Ausland |4Ut. &,50. Telephon Amt T, Ar. 558. Die „Wochenschrift" erscheint an jedem Freitag mindestens 16 Seiten (2 Bogen), der „Jeschnrnn" am Schlüsse jeden Monats mindestens 8 Seiten (l Bogen) stark. Zu beziehen durch die Post (Zeitungsliste pro 1896 Nr. 108) oder unsere Expedition. Post-Zeitnngsliste Ar. l08. Anzeigen werden mit 2» Jlfg. für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet. Bei Wiederholungen oder größeren Aufträgen tritt eine Preisermäßigung ein. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unser Bureau nehmen Anzeigen für dieses Blatt entgegen. Inhalt: Aus dem jüdischen Gemeindeparlament in Berlin. Für die Konservativen. Zum Kompetenzstreit. Von L. Weinberg. Das argentinische Hilfswerk. Schopenhauer und das Judentum. Schluß. Von Robert Kuttner. Das jüdische Weib. I. Der Schlemiel. (Gedicht.) — Der „krumme Schlaume". — Die Insurgenten. Von S. P. Wochen - Chronik. — Brief- und Fragekasren. — Kalender. — Anzeigen. Ans irnn KcmkiildtMliiincnt in Kuli». Im hellen Lichterglanze erstrahlte am Montag Abend der Sitzungssaal der jüdischen Gemeinde. War es doch ein hochwichtiger Akt, der dieses Mal vollzogen werden sollte, die Einführung nämlich der neu- und rviedergewählten Repräsentanten, sowie deren Stellvertreter. Unten im Saale herrschte ein lebendiges Treiben, alle Erschienenen hatten sich in höchste Gala geworfen und harrten erwartungsvoll der Dinge, die da kommen sollten. An den fragenden Blicken und dem etwas zaghaften Auftreten erkannte der Kundige bald den Neuling, der dann aber bald von einigen „alten Herren" in die Mitte genommen und in die erlauchte Gesellschaft eingeführt wurde. Eine lebhafte Bewegung entstand, als die imposante Gelehrtenfigur Senators den Saal betrat; mit nicht minderem Interesse hasteten die Blicke auf dem in Arbeit und Studium frühzeitig ergrauten Haupte des Professor Baginsky, auch die jugendlich geschmeidige Gestalt Professor Levins erregte Aufsehen. Bon der Vogelperspektive aus betrachtet, sind die Mehrzahl der Gewählten würdige Herren in gesetztem Lebensalter, doch auch manches recht jugendlich dreinschauende Gesicht macht sich darunter nicht unangenehm bemerklich. Der Vorstand war vollzählig vertreten, von den wenigen wiedergewählten „liberalen" Stellverrretern war nur Geheimrat Boas anwesend, sonst war das Kollegium fast vollzählig. Nur ein einziger Herr, der sonst niemals bei dieser Feierlichkeit zu fehlen pflegte, war diesmal nicht zugegen, der Polizeibeamte nämlich, der sonst stets als Vertreter der Behörde die Einführung nnd Verpflichtung vornahm. Vermißt wird ihn aber wohl niemand haben, und so konnte denn gegen 7Vs Uhr der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Justizrat Meyer, den Platz einnehmen, den sonst der Vorsitzende der Repräsentanten einzunehmen pflegt, um in höchst eigener Person und mit der ihm eigenen Beredsamkeit . den Einführungsakt zu vollziehen. Die Rede, die Herr Justizrat Meyer bei dieser Gelegenheit hielt, trug die Bedeutung einer programmatischen Kundgebung. Sie zeigte für den Kundigen aber schon nach den ersten Sätzen, daß Herr Meyer ganz der Alte geblieben ist. All das, was sich seit Monaten ereignet, die vollzogenen Wahlen, die gegen früher gänzlich veränderten Ergebnisse derselben, der ganze Zug der Verjüngung, der durch die Gemeinde geht, das ganze Streben, endlich aus den unhaltbar gewordenen, verrotteten und vermorschten Verhältnissen herauszukommen— alle diese Strömungen scheinen an diesem wie ein Petrefakt in die moderne Zeit hineinragenden, im Aktenstaube grau gewordenen Formellisten spurlos vorübergegangen zu sein. Er will nun einmal zu den Leuten gehören, von denen ein geflügeltes Wort sagt: „Sie haben nichts gelernt und nichts vergessen". Doch lassen wir ihn selber reden: Als ein hochbedeutsamer Moment, so etwa begann der Redner, sei es zu betrachten, daß die neugewählten Gemeindevertreter zu einer Zeit in ihr Amt eintreten, wo das revidierte Gemeindestatut nun endlich zur Wirklichkeit geworden wäre. Aber durch diesen Schritt seien noch keineswegs alle Zweifel gehoben, man sehe das aus den verschiedenen Einsprüchen gegen die Richtigkeit der Wählerliste, die augenblicklich beim Oberverwaltungsgericht zur Entscheidung ständen. Auch habe kürzlich der Polizeipräsident in einem Schreiben das ganze Wahlsystem bemängelt als unpraktisch, namentlich auch wegen der langen Dauer des Wahlermittlungsverfahrens. — Ein sehr vernünftiger Herr, der Herr Polizeipräsident! In Herrn Justizrat Meyers Augen freilich ist dieses Wahlsystem ein Fortschritt gegen früher, namentlich ist nach seiner Meinung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.