Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 6 (7.2.1896)
- Date
- 1896-02-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6. Jahrgang V. eint Berlin, 7. Februar 1896. "CMIaemerne \A Nebst einer wissenschaftlichen Beilage „Ieschurun^. Herausgeber: A. Levin. Bezugspreis vierteljährlich: Redaktion und Uerlag: R-Hstraße 5. TrLU UNd frei! Inland Mk. 8.00. * Ausland Mir. 8.50. Telephon Amt 1, Ar. 558. Post-Zeitungsliste Nr. 108. Die „Machenschrift" erscheint an jedem Freitag mindestens 16 Seiten (2 Bogen), der „Jefchurnn" am Schluffe jeden Monats mindestens 8 Seiten (1 Bogen) stark. Zu beziehen durch die Post (Zeitungsliste pro 1866 Nr. 108) oder unsere Expedition. Anzeigen werden mit 85 Pfg. für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet. Bei Wiederholungen oder größeren Aufträgen tritt eine Preisermäßigung ein. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unser Bureau nehmen Anzeigen für dieses Blatt entgegen. Inhalt: Reibungen. I. Indifferentismus. 11. Statistik über die Stellung der jüdischen Lehrer. Von Dr. F. Lazarus. Zum Kompetenzftreit in Eoblenz. Bölkerpsychologische Betrachtungen über das Judentum. Von Prof. Dr. Lazarus. Schopenhauer und das Judentum 11. Von Robert Kuttner. Josef Naffi. (Schluß) Von S. Lobstein. Wochen - Chronik. — Brief- und Fragekasten. — Kalender. — Anzeigen. liriliiuigcn. I. Weichlichen Naturen ist nichts widerwärtiger, als der Anblick einer Waschküche. In erheuchelter Naivetät stellen sie sich an, als glaubten sie, ihre Leibwäsche würde mit b)au de Cologne gewaschen, und sie wenden sich naserümpfend ab, wenn man ihnen ml oaulos demonstrieren will, daß in diesem Reinignngsprozeß ätzende Lange die hervorragendste Stelle einnimmt. Eine Verallgemeinerung dieser unmännlichen Schwäche würde das ganze Kulturleben gefährden, aus der gesamten Kultnrmcnschheit einen Haufen schmutziger Wäsche machen, deren Reinigung von manchen gewünscht, von keinem aber versucht würde. Man müßte darum, wie man nach altjüdischer Sitte allmorgendlich dein Schöpfer dankte, daß erden Hahn geschaffen, damit er den Schläfer an ben Anbruch des Tages erinuere, Gott preisen, daß er das journalistische Federvieh gebildet, das trotz weitverbreiteter Abneigung gegen den Dust der Lauge die Arbeit in der Waschküche der Menschheit nicht scheut. Vielleicht benutzen unsere zeitgenössischen Gebetbuchfabrikanten diesen Fingerzeig und füllen mit einem solchen Segenspruch eine der vielen Lücken, die ihre nicht immer geschickte und noch seltener berufene Hand unserem Gebetbuche gerissen. Diese Reform wäre „zeitgemäß", diese Neuerung heilbringend. Doch das nur en passant. diese, die aber auch so wenig gesehen und beachtet wird wie diese: unsere religiösen Lehrer und Leiter, die, so oft, d. h. so selten sie sich zeigen, blitzsauber, Gott und den Menschen ein Wohlgefallen sind. Lose Leute munkelten zwar .schon immer, daß auch hier hin und wieder eine „Reinigung" stattfinde, allein im allgemeinen wähnte man, diese Prozedur werde mit Hilfe einer leicht dahinfliehenden Milde vorgenommen. Die Petition an den Minister, die Erwiderung eines Lehrers und die Replik des beteiligten Rabbiners — und die Leser dieses Blattes haben plötzlich einen Blick in die theologisch-pädagogische Waschküche geworfen und zu ihrem nicht geringen Erstaunen wahrgenommen, daß auch hier, wie bei alleu anderen Sterblichen, mit Lauge gewaschen wird. Der Kompetenzstreit am Rhein ist noch nicht beendet; die Parteien haben das letzte Wort noch nicht gesprochen, weshalb auch ich einen Kommentar noch nicht schreiben kann. 9(eu ist dieser Streit jedoch nicht. Schon vor Jahren habe ich, ohne unmittelbare Veranlassung, diese Frage berührt und eine klärende Aussprache über das Verhältnis der Rabbiner zu den anderen Beamten des Judentums zu provozieren gesucht — vergebens! Die Beteiligten schmiegen sich aus; die Wäsche wurde zu Hause gewaschen; an eine Generalreinigung, die beabsichtigt war, dachte niemand. Die Frage ist wieder aktuell geworden und sie wird, wie Herr Dr. Singer vor acht Tagen hier versichert hat, nicht so bald von der Tagesordnung abgesetzt werden. Man gestatte darum, das Silhouett, das ich vor Jahren an dieser Stelle gezeichnet, nochmals hierherzusetzen und kundige Männer einzuladen, dem Schattenriß Farbe, d. i. Leben zu geben. Es wurde damals der Nachweis versucht, daß daS Verhältnis der Rabbiner zu den Lehrern und Kantoren besonders in den Mittelgemeinden sich immer mehr zu Ungunsten der letzteren verschiebe: Obwohl ihre Mitwirkung an dem Gottesdienste, Wir Juden haben als Gesamtheit unsere, wenn ich so ihre Mitarbeit an dem Werke der religiösen Erziehung sagen darf, religiöse Leibwäsche, die uns so nahe steht wie ebenso unentbehrlich ist wie die homiletische und probend»,i,»er,rent vis Ende Marx für beide Klätter Mir. 1,00. Zusendung erfolgt nur gegen vorherige Einsendung des Ertrages. Adresse: Serlin X. 24.