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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-01-24 · 4 (24.1.1896) · p. Seite 73

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
4 (24.1.1896)
Date
1896-01-24
Page
Seite 73 (sequence 17)
Language
German
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Nr. 4. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Sette 73. eine hübsche Anekdote, die sich vor einigen Jahren in Johannesburg ereignet haben soll. Die Juden dieser Stadt hatten ein neues Bethaus gebaut und baten den wegen seiner Religiosität bekannten Präsidenten, es zu eröffnen. Krüger nahm diese Aufforderung ohne Zögern an und suchte seiner Aufgabe durch eine Rede gerecht zu werden, in der er die Geschichte des jüdischen Volkes rekapitulierte, und zwar in einer Weise, welche Zeugnis ablegte für seine Toleranz und st ine Diskretion. Das Auditorium war über die Rede des Präsidenten hocherfreut und der feierliche Akt wäre zu allseitiger Zufriedenheit verlaufen, wenn Krüger seine Rede nicht mit drm Satz geschlossen hätte: „Und so weihe ich dieses Haus dem Dienste des drei ein i g en Gottes!" Man konnte sich nicht darüber einigen, ob der Präsident diese Wendung absichtlich gebraucht habe, oder ob sie ihm, weil er an sie gewöhnt, wider Willen entschlüpft war. Ein Teil der Gemeinde aber glaubte, daß das Gotteshaus durch diese Einweihung für die ihm zugedachte Bestimmung unbrauchbar geworden sei, gleichgiltig ob.jene Worte mit oder ohne Absicht gesprochen waren, und baute neben ihm eine zweite Synagoge, in der sich der strenggläubige Teil der Johannesburger Juden zu versammeln pflegt. — Wir halten diese ganze Anekdote für eine — Anekdote, denn hier wird dem Präsidenten wie den Juden ein Maß von Dummheit zugetraut, deren sich die Beteiligten nicht rühmen können. Kier und dort. — Das deutsche Reichsjubiläum wurde am letzten Sabbat in allen Synagogen des Reiches würdig gefeiert. Zahlreiche Berichte über diese Feier, zuin Teil begleitet von Festprogrammen, sind uns zugegangen. Da wir alle Berichte nicht drucken können und einzelne nicht herausgreifen wollen, so bleiben — wie bei ähnlicher Veranlassung auch bisher — alle ohne Ausnahme ungedruckt. — Die Prüfungstermine an den israelitischen Sennnarien in Preußen sind für das Jahr 1896 wie folgt festgesetzt: Hannover, 16. Mürz Aufnahmeprüfung, 2. März Entlassungsprüsung; Kassel, 14. März Aufnahmeprüfung, 30. März Entlassungsprüfung, 29. Oktober zweite Volksschullehrerprüfung. — Im Elferausschuß der konservativen Partei soll nach der „Schles. Ztg." die Stellung Stöckers zur Partei Gegenstand der Verhandlungen gewesen sein. Es verlautet, der Ausschuß hätte beschlossen, daß Herr Stöcker unter der Bedingung weiter Mitglied der Partei sein kann, daß er alle Beziehungen zum „Volk" und zu den durch dieses Blatt vertretenen Kreisen der Christlich-Sozialen, das heißt den sogenannten „Jungen", abbricht. — Wie seiner Zeit berichtet, ist in Grabow von ruchloser Hand vor einiger Zeit aus dem jüdischen Friedhofe daselbst eine größere Anzahl von Grabsteinen herausgerissen und zerstört worden. Als Thäter wurde der Arbeiter Stanislaus Szczegulski aus Ostromo ermittelt, der vorn dortigen Schöffengericht zu einem Jahr Elefängnis und drei . Jahren Ehrenverlust verurteilt wurde. Die für die Er- Mittelung des Thäters von der Synagogengemeinde Grabow ausgesetzte Belohnung von 100 Mark ist einern Gendarni in Grabow ausgehändigt worden. — In Schneidemühl hielt der Litteraturverein am 12. d. M. seine Generalversammlung ab. Dem Jahresberichte zufolge betrug die Einnahme 5)09,95 Mark, die Ausgabe 334,40 Mark, so daß ein Bestand von 175,55 Mark verbleibt. Die Mitgliederzahl ist auf 93 gestiegen. Die Vereinsbibliothek besteht aus 175 Bänden. Im letzten Vereinsjahre wurden 10 Vorträge gehalten, außerdem fand ein Diskussions- und Unterhaltungsabend statt. Gewählt wurden in den Vorstand: zum 1. Vorsitzenden Rentier H. Berliner, zuin 2. Vorsitzenden Rabbiner Braun, zum Rendanten Lehrer Joseph, zum Schriftführer Zahnarzt Ahrenfeldt und zuni Bibliothekar Buchhändler Mottek. — In letzter Zeit sind den israelitischeu Gemeinden Badens die Aufrufe zu Zeichnungen für das zu gründende Landesasyl für Sieche und arme Greise zugegangen. Aus der Reihe der Vorstandsmitglieder, sowie von im Auslande lebenden Badenern sind schon mehrere Tausend Mark dem Grundstöcke dieses edeln Unternehmens zugewiesen worden. Besonders erfreulich aber ist, daß auch die Kranken- und sonstigen Wohlthätigkeitsvereine der Gemeinden bereits lebhaft daran sind, aus ihren Ersparnissen das Asyl zu fundieren. — Die Gemeinde St. Ingbert (Pfalz) ist von einem großen Brandschaden heimgesucht worden. In der vor 10 Jahren unter großen Opfern erbauten Synagoge brach aus bis jetzt unaufgeklärte Weise Feuer aus, welches das Innere des Gotteshauses zerstörte; u. a. fiel die heil. Lade nebst sämtlichen Thorarollen dem Elemente zum Opfer. Der großen Opferwilligkeit der christlichen Mitbürger, die auf die Feuerzeichen herbeigeeilt waren und rasch das Löschungswerk begannen, ist es zu verdanken, daß das Feuer auf seinen Herd beschränkt blieb. Der Schaden beläuft sich aus ungefähr 8000 Al. Diese Summe ist für die aus 12 Mitgliedern bestehende Gemeinde eine enorm große und die Wiederherstellung erfordert abermals große Opfer. — Reichen und wohlthätigen Lesern dieser Zeilen sei die heimgesuchte würdige Gemeinde wärmstens empfohlen. — In Straßburg (Elsaß) hat der rasche Zuwachs der isr. Gemeinde den Neubau einer Synagoge zur Notwendigkeit geinacht. Nachdem durch die Regierung, die Stndtgemeinde und Kultusgenossenschaft die nötigen Mittel aufgebracht waren, konnte im Herbst mit dem Bau begonnen werden, der ein wahrer Mouumentalbau, werden wird. Er wird im romanischen Baustil gehalten sein und 58 m lang und 42 na breit werden. Dazu werden helle Sandsteine verwendet. Den ganzen Bau wird ein stattlicher Turm von etwa 50 na überragen. Die Kosten betragen 800000—1 Million Mark, wovon die Stadt eine sehr beträchtliche Summe aufbringen wird. — In Lemberg werden neue Statuten der Kultusgemeinde beraten. Ein 8 des Entwurfes bestimint, daß ein Grab das Zehnfache der direkten Kultussteuer kostet. Die höchste Steuerstuse zahlt jährlich 500 Gulden, ein Grab kostet also eine Person dieser Steuerklasse 5000 Gulden. Für die Erlaubnis, einen Leichenstein setzen zu lassen, zahlt diese Stufe 300 Gulden. — Das Sterben ist also in Lemberg ein sehr teures Vergnügen, denn es kommen noch Gebühren für Taharoh, Leichenrede, Totengräber, Kultusbeamte hinzu, so daß die reichen Leute sich vorgenommen haben, in Lemberg sich nicht begraben zu lassen. — Ueber die Beratung dieser Statuten wird außerdem geschrieben: Es befremdet allgemein, daß zudieser Beratung nicht mehr als vier Vertrauensmänner von den Gemeindemitgliedern zugezogen werden. In dem neuen Gemeindestatut soll die gesamte Verwaltung der Synagogen und nicht

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