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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-01-17 · 3 (17.1.1896) · p. Seite 53

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
3 (17.1.1896)
Date
1896-01-17
Page
Seite 53 (sequence 17)
Language
German
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Nr. 3. Allgemeine Israelitisch» Wochenschrift. Seite 53. Kier und dort. — Berliner Vereins-Chronik. Der Militär- und Sanitätsverein „Deutsches Vaterland" feierte sein erstes Stiftungsfest im „Deutschen Hof", Lukauerstrin glänzender Weise. Etwa 1""0 Personen waren anwesend. Die Festrede, die mit einem Hoch auf den Kaiser schloß, hielt Rechtsanwalt und Lieutnant Gnttfeld- Der Verein selbst zählt zur Zeit über 600 Mitglieder; unter ihnen bemerkte man Offiziere, Stabsoffiziere, Juristen, Aerzte und viele Herren der Großkaufmannschaft, alle verkehrten kameradschaftlich untereinander.— Der Verein „üemilus Cliassodim“ feierte am Sonntag in Dräsels Festsälen, Neue Friedrichstr., sein >3. Stiftungsfest, an welchen! mindestens 400 Personen teilnahmen. Die Vereine mit gleicher Tendenz hatten Deputationen entsandt, die eine ehrende Aufnahme fanden- Beim Beginn der sog. Kaffeepauie sprach Herr Dr- I- Moses einen von ihm verfaßten Prolog und der unermüdliche Vorsitzende des Vereins, Herr I. Rosenthal Worte der Begrüßung an die Mitglieder und Gäste. Cs folgten alsdann musikalische und deklamatorische Vorträge, zum Teil von künstlerischem Werte. Das schöne Fest hat dem strebsamen Vereine neue Freunde und Anhänger zugeführt. - Unter mehreren Preisaufgaben, welche dieser Tage von der Berliner Universität gestellt worden sind, lautet das Thema von der theologischen Fakultät wie folgt: „Die Aufgaben des vierten Evangelisten über die jüdische Sitte und das jüdffche Land." Ter Preis für die Lösung der Aufgabe besteht aus 9"0 Mk- Die Ablieferungsfrist läuft bis zum 1. Mai. — Dr- Moritz Kirschstein feierte am 10. d. Mseinen 70. Geburtstag. Seit 28 Jahren Direktor der ersten Religionsschule der hiesigen jiidischen Gemeinde, hat er an deni geistigen Leben seiner Zeit stets den regsten Anteil genommen- Etwaigen Ovationen, die zweifellos nicht ausgeblieben wären, hatte der Jubilar sich durch eine Reise entzogen. — Es verlautet, der Oldenburgische Landrabbiner, Herr Tr. Mannheimer beabsichtige, beim Staatsministerium die Verlegung seines Wohnsitzes von Oldenburg nach Jever zu beantragen. — Im hohen Greiseuhalter hat sich der Nestor der elsässischen Rabbiner, Herr D reyfuß aus Zabern, Vater des Oberrabbiners der Stadt Paris, nach langjähriger, gesegneter Wirksamkeit in den wohlverdienten Ruhestand versetzen lassen- — Der Gemeinderat zu Metz hat in seiner vorletzten Sitzung '>ooo Mk. als Beisteuer zur Anschaffung einer Orgel in der Synagoge daselbst einstimmig bewilligt. — In Sachsen erfolgte im Jahre 1804 nur ein Uebertritt zum Judentum, während 20 Juden zum Christentum iibergetretcn sind. — Zur Ehrung des seligen Dr- Joel Müller, der in Ungar- Ostra seine Thätigkeit als Rabbiner begonnen und 16 Jahre hindurch fortgesetzt, veranstaltete der Vorstand dieser Gemeinde eine Gedächtnisfeier. Rabb. Tr. Emanuel Lenke hielt die Gedenkrede, in welcher er den Verewigten als Mensch, Gelehrten und Priester der jüdischen Wissenschaft feierte. — Eine Deputation des Kriegervereins in S a m o t s ch i n hat am 7d- M-, dem 25 jährigen Todestage des im Kriege gegen Frankreich im Lazareth zu Chatenois vor Belfort verstorbenen Sekondelieutenants Sali Cohn, dessen Leiche seinerzeit nach seiner Heimatstadt übergeführt worden ist, einen Kranz mit weißer Atlasschleife und der Widmung: „In dankbarer Erinnerung der Kriegerverein" auf seinem Grabe niedergelegt und dasselbe mit Tannen gelchmückt. — In Stolberg fand jüngst ein jüdisches Begräbnis statt- Eine große Menge Zuschauer hatte sich dazu eingefunden. Leider aber benahm sich ein Teil dieser Zuschauer in einer Weise, wie man es nicht hätte für möglich halten sollen. Der Tranerzng wurde vielfach verhöhnt; als derselbe ans dem israelitischen Friedhofe anlangte, erreichte der Lärm seinen Höhepunkt. Ja, als der gebeugte Gatte am Grabe zusammenbrach, sollen Steine und Erde nach ihm geworfen worden sein. Wir konnten und wollten vorstehenden sensationellen Bericht fast nicht glauben, aber die katholische „Volkszeitnng" bestätigt denselben. Sie bezeichnet das Verhalten des Pöbels am Friedhofe als geradezu „kannibalisch" und fügt hinzu, daß die verstorbene Frau sowie die ganze Familie allgemein geachtet und beliebt gewesen. Die Entrüstung nnter der Einwohnerschaft Stolbergs ist denn auch allgcniein- -- Wie s. Z. berichtet, war gegen den Wiener Zeitungs-Antisemiten Ernst Vergani (Vergannew nennt ihn der Ghettowitz) eine Denunziation wegen Unterschlagung, begangen in seiner Eigenschaft als Bürgermeister von Mühldorf, eingegangen und die Untersuchung eingcleitet. Jetzt ist das Verfahren gegen ihn eingestellt, aber nicht etwa, weil seine Unschuld erwiese», sondern weil das Vergeben verjährt und die unterschlagene Summe ersetzt worden ist. — In Wien begann am 14. d. Mder Schwnrgerichtsprozeß gegen den Pfarrer Deckert, den bekannten Antisemiten, welcher in zahlreichen Predigten durch Propagierung des Märchens vom Bluttriuale zu Feindseligkeiten gegen die Juden aufreiztc- Der Angeklagte wurde freigcsprochen. — Auf dem von Libau mit jüdischen Auswanderern in Hüll angelangten Dampfer „Hermann" erstickten sechs Personen, welche ohne Fahrschein die Fahrt nach England unternahmen. — Herr S- H. Goldschmidt in Paris, Vorsitzender des Zentral- Komitee der „Alliance Jsraölite Universelle", hat einen erneuten Beweis seiner Hochherzigkeit gegeben- Vor einer Reihe von Jahren wurde vom Zentral-Komits ein Fonds geschaffen, dessen Zinsen zur Gewährung von Unterstützungen und Pensionen an die Lehrer der Alliance-Schulen und deren Hinterbliebenen bestimmt wurden. Diesen Fonds, welcher am Ende vorigen Jahres die Höhe von 81,00" Frks. erreichte, hat Herr Goldschmidt nunmehr mit einer Schenkung von 200,00" Frks. bedacht und so zu einem wirklich leistungsfähigen gestaltet- — Ein jüdischer Offizier. In dem Gefecht bei Amba Aladschi, das die „Kreuzzeitung" einen „der glücklichsten militärischen Erfolge der Geschichte" nennt, war es ein jüdischer Offizier, Adrien Issel, aus Genua, der seit 1887 in Afrika ist. und wesentlich zum Ausgang des Kampfes durch seinen Mut und seine Tapferkeit beigetragen hat. Hoffentlich übersieht die „Kreuzzeitnng" diese Bemerkung nicht! — Sir Julian Goldsmid das bekannte Mitglied des englischen Parlaments, ist am 7. d. M. in Brighton gestorben- Der Entschlafene war einer unserer hervorragendsten Glaubensgenossen in England. Erst vor kurzem in den Geheimrat der Königin berufen, legte er wegen zunehmender Krankheit die Stelle des Präsidenten der Ang-lo Jewish Association nieder, die er jahrelang bekleidet hat- Im Parlament war er liberal-unionistischer Vertreter für Süd-Saint Pancras. — Heitere s- Der Bankier Tausendmeier zeigt einem Freunde seine neue Wohnung- Beim Eßzimmer angelangt, erklärt er: „Meine Frau hat schon ausgemessen: hier können — „Gott behüt! — vierzig Personen speisen " — Litterarische Notiz Die günstige Aufnahme, welche „Die Geschichte der Juden in Rom, von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart (2"50 Jahre)" von Tr. A. Berliner im In- und Auslande gefunden hat, veranlaßt den Verfasser, dem vielfach an ihn gerichteten Wunsche nach einer Preisermäßigung für Gemeinden-'und Vcreinsbibliotheken, Rabbiner und Lehrer zu entsprechen, sodaß das Buch (2 Bände) nunmehr direkt vom Verfasser (Dr. A. Berliner in Berlin, Krausnikstraße 21) gegen Einzahlung von 5 Nt. 30 Pf. (statt 1" M.) bezogen werden kann. Kriesuitii fragrlmfleu. Titel und Inhaltsverzeichnis des vor. Jahrganges erscheinen nächste Woche. - Iie Ianuar-Ilr. der „Ieschurun" wird der nächsten Nr. der A. I. W. veiaekegt werden. — Erst die nächste Nr. unsres Blattes kann au unsre geehrten Expeditions-Abonnenten unter Nachnahme gesandt werden. — Jnbetreff der Beilage „Ieschurun" mache ich den Vorschlag, int homiletischen Teil ausschließlich Festpredigten und Kasualreden zu bringen, also keine Sabbatprcdigten und keine Betrachtungen, da diese von Lehrern in kleinen Gemeinden, für die die Reden doch wohl hauptsächlich bestimmt sind, nicht benutzt werden köunen- Ich höre auf den Konferenzen im Privatgespräch oft die Klage, daß trotz der großen Anzahl von Predigtsammlungen immer noch Mangel an kurzen und guten Festpredigten und Kasualreden ist, die sich für kleinere Gemeinden eignen, weshalb ich mich auch veranlaßt gefühlt habe, meine Grabredensammlung herauszugeben. I. Gossel-Camen- (Wir sind ganz Ihrer Meinung. Red) Auf die Anfrage des Herrn M. P. Filehne, welches Theaterstück für Purim wohl das geeigneste wäre, kann ich folgendes aus Erfahrung -- schon 2 mal aufgeführt mit meinen Schulkindern — als witzig und effektvoll bezeichnen: I. „Ein Purim beim Schwartauer Raw", Posse mit Gesang in Knittelversen. II. „Der Wunderarzt" .Humoristisches Intermezzo von Frau Dr. E. in L. Zu haben bei I- Kauffmann, Frankfurt am Main zum Preise von 50 Pfg. S. Mannheimer, in Wolbeck (Wests.) — Hrn. M- P., Filehne. Als passendes Purimspiel wird „Die lebende Megtlla" von Jussuf empfohlen. Das Heft ist s. Z. bei I. Saenger, Hamburg, Gerhofstrerschienen- Im übrigen verweisen wir auf das Inserat in der heutigen Nr-

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