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Jeschurun · 1895-01-25 · 4 (25.1.1895) · p. Seite 62

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Journal
Jeschurun
Volume
4 (1895)
Issue
4 (25.1.1895)
Date
1895-01-25
Page
Seite 62 (sequence 14)
Language
German
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Seite 62. AescHrrrurr. Nr. 4. * Hier nnd dort. Die Ahlwardt-Posie in der denticstsozialen Reformpartei^lmt noch immer kein Ende gefunden In der Reichstagsfraktion »oll es »u Auscinanderfcvnngcn wegen des Ahlwardt'fchen Programms gekommen sein; einstweilen scheut man sich noch, dem „hospitierenden" Bundschuh-Mann die Thür zu weiten. — Hrn. Sanitätsrat Dr. I. Blumenthal, hier, ist der russische 2t- Annen- Orden zweiter Elaste verliehen worden. — Die diesigen Rechtsanwälte DDr. Moll und Tiktin sind zu Iustizräten ernannt worden. — £>rii. Emil Jakob, in Firma Jakob und Valentin, wurde der Eharakter eines Königl- Kommerzienrats verlieben. — Die Gattin des Hrn. Rabb. Dr Olitzki in Allenstcin, ist im noch nicht abgeschlossenen 24. Lebensjahre einem mchrmonatlichen Leiden, von welchem sic vergebens in unserer Stadt Heilung suchte, erlegen. Aus dem Friedhöfe der Israelitischen Synagogengemeinde (Adast IiSroel) wurde die Entschlafene bestattet; an ihrer Bahre sprach ihr Stiefvater, Hr. Lehrer nnd Prediger Höxter von hier — Znm 1. RcligionSlehrer nnd Snbflituten des Rabbiners in Königsberg ist Hr. Tr. Ludwig Pick, Rabb. in Pyritz, gewählt worden. - Mar Bruchs biblisches Oratorium „Moses" erlebte am 10. Januar unter Leitung deS Komponisten seine ErstlingSaufführnng in der Barmer KonzertgcsMchaft. — Hr. Kantor Schüftan ist von Grottkau nach Steinau, - - Hr. Lehrer H a n S von Hcllstcin nach Wächtersbach verseht. — Hr Lehrer Weill ist von Mur. Goslin nach Berlin nbergesicdclt, sein Nachfolger ist Hr. I. Lepserowitz auS Mecklenburg. — Am 14. d. M. fand in Beuthen eine VerbandS-Veriammlung der Rabb. Obcrfchlefiens statt in welcher über mehrere wichtige Angelegenheiten beraten nnd Beschlust gefaßt wurde- — Die Gemeindcvertrctllng in Wreichen hat beschlossen, noch im Laufe d. I. einen Rabb. aiizustellen. Das Gehalt für denselben soll 8000 M. p. a. betragen. Ter Bewerber must den Nachweis akademischer Bildung führen nnd neben seinen rabbinischen Funktionen auch die Leitung der Gcmcinde-Rcligionsschule, wie eine Zeit des Unterrichts an derselben, an der gegenwärtig drei Lehrer thätig sind, übernehmen. — Bei dem Feuer in der Nacht vom 7. auf den 8. d. M. in Strclitz ist unter vielen anderen unersetzlichen Kostbarkeiten auch die große Bibliothek des Landesrabbiners Tr. I. Hamburger total vernichtet worden, — eine Bncherfaniinlnng von 40 Jahren, über 5000 Bände stark. Ansterdem befand sich in demselben Zimmer noch die neueste Austage seines kürzlich vollendeten Riesenwerkes: Realeneyklopädic für Bibel und Talmud, Abteilung I und Abteilung II, nebst drei Supplementen, jedes 1000 Exemplare, die der Verfasser selbst drucken liest. Der Schaden beträgt mehr als 20 000 M. Ferner beklagt der Verfasser den Verlust einer grasten Anzahl Manuskripte wertvollen Inhaltes, deren Schaden unersetzlich ist. Die Versicherungssumme ersetzt leider noch nicht den zehnten Teil deS Schadens. — Ein Dresdener Einwohner gebrauchte in einer Wirtschaft gegen die Juden im allgemeinen beschimpfende Ausdrücke. Ein anwesender Jude fühlte sich hierdurch beleidigt und stellte Strafantrag. Das Schöffengericht gelangte jedoch zu einem freisprcchendcn Urteil, ebenso erkannte das Landgericht als Berusungsinstaiiz, es sei nicht erwiesen, das; durch die allgemeinen Schimpfredcn aut die Juden der Kläger persönlich getrosten werden sollte und mitbeleidigt sei, wie er im Strafantrag betont hatte. — In Raab verschied der pensionierte Rabb. der dortigen Gemeinde, Dr. Salomon Ranschburg, im 70. Lebensjahre. Er lnnterlästt eine 400 geschriebene Bogen umfassende talmudisch-rabbinischc Encyklopädie- — In Alw-Kubin wurde Dr. I. Horoviv, Rabb. aus Bistrib, und in Sillein Tr. Julius Klein zum Rabb. gewählt. — Rabb. Moses Bloch, Professor am Pcster Rabb.- Scminar, an dem er seit dessen Errichtung Talmud lehrt, begeht am 15. künftigen MtS. seinen 80. Geburtstag, zu denen Feier seine ehemalige» Schüler bereits Vorkehrungen tresten. — Im Lcmderger allgemeinen Krankenhaufc haben kürzlich zwei Kranke, welche sich als Antisemiten deklarierten, jüdische Krankenzimmergenossen überfallen nnd misthandelt, sowie in ihrer Wut Einrichtungsstücke zertrümmert. Gegen die Ercedenten wurde die Strafanzeige erstattet. — Ter im Oktober gegründete Verein „Reunion" in Zürich, eine Vereinigung, in welcher die Juden dieser Gemeinde eine Stätte finbcit sollen, einerseits für näheren freundschaftlichen Znsammenschlust durch Veranstaltung von geselligen Zusammenkünften, Anlässen lAbendunterhaltnugen :c.), andererseits für die notwendige Förderung der geistigen Bildung durch Abhaltung von Tisknnions- und Vortragsabenden, l^strichtung eines Lesezimmers und einer Bibliothek, zählt bereits 70 Mitglieder, darunter 20 verheiratete. Es ist die Aussicht vorhanden, dast infolge der bereits unter großer Beteiligung ftattgchabteu Tiskussionsabcnden die Zahl derselben demnächst sich bedeutend steigern wird. — Der berühmte hebräische Dichter und Schriftsteller A. B. Gottlober, zur Zeit in Bialystock, feierte am 18. Tebeth seinen 85. Geburtstag, Goltlober ist einer der ersten Kämpfer für die Aufklärnng unter den Inden in Rußland (aus der sogen- „Berliner Schule"). littnatiir. * ä. Maybaum Dr. >§., „P redigten undSchrister klär ung en ", Berlin, Weisstock 1894. — Die Sammlung enthält 3!) gottesdienstliche Vorträge über das erste und zweite Buch Moses und einen Anhang von sechs Kafualreden. Die vorliegenden Reden, in der Berliner Synagoge gehalten, gehören zu den besseren Erzeugnissen der modernen Homiletik; sie zeichnen sich durch eine knappe populäre Fassung nnd durch eine einfache, das Gemüt ansprechende Diktion ans. Was wir darin vermissen, Midrascheregese u. a., mag auf Rechnung des Berliner Auditoriums gesetzt werden. — Zu den besten Auslegungen zählen wir Seite o: „Füllet die Erde nnd bezwinget sie," d. h. nach Maybanms Betrachtung: Beschränket den Willen, daß er ein sittlicher Wille werde. Ferner der auch von Professor Lazarus einst so tnusterhaft erörterte Begrisf „Volk", der in der gemeinsamen Sprache aller Volksgenossen am zutresfendsten erklärt wird, und „daß die Verschiedenheit der Sprachen die Einheit des Menfchengefchlechts nicht aufhebe" (S. 10); die Unterscheidung zwischen Ehrliebe nnd Ehrgeiz (S. 24); das Zurückführen der Ethik, insbesondere der „Nächstenliebe" auf Religion (S. 36); die Einleitung zu den Patriarchcncrzählungen, die M. als eine Bilderschrift hinstellt (S. 37); die Ehannkkabetrachlung (S. 136); die witzig anmutendc Zusammenstellnn.i von Gotteshaus nnd Bet Hans, wonach die oft leeren Dempel leider nur den Rainen Gotteshäuser verdienen (S. 209); die Parallele von Men schZeitwort und Gottes wort (S. 211); die apologetische Rede (S. 263) gegen einen von Professor Berner 1891 gehaltenen Vortrag „Judentum und Ehristentum und ihre Zukunft" nlit dem Schlußhinweis auf Renan, alle diese Reden dürften auch dem denkenden Leser viel Wohlgefallen abgewinnen. Weniger einleuchtend ist der Uebergang von David und Jonathan zu Jakob und Esau, wobei das Streben am „Möinjano" zu bleiben zu sehr hervortritt. Das Schweigen der biblischen Erzählung über Rebeckas spätere Geschichte, welches Maybalim — wie er sagt — zu teilten „wagt": daß „die Mutter in Jakob völlig ausging" (S. 107), wird in der rabbinischen Exegese wirksamer illustriert. In

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