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Jeschurun · 1895-01-18 · 3 (18.1.1895) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1895)
Issue
3 (18.1.1895)
Date
1895-01-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Nr. 8. 1895. Berlin, den J8. Januar. 4. Jahrgang. C* _ Herausgeber: A. Lev in, ZS ersin. Israelitische Wochenschrift. Bezugspreis: viertekjährk. 2 WK. Erscheint an jedem Areitag. Bezugspreis für das Ausland: WK. 2,5V. Zu beziehen durch die Post unsere Expedition oder den Buchhandel. Redaktion und Vertag: Kr. Kamburgerstr. 21. Anzeigen, die Zeile 25 FK-, nehmen alle Annoncen-Erpeditionen sow'e unser Bureau entgegen. Ideale Zwecke und Kampfmittel. Ein jüd. Vereinsharis in Berlin. Vvn I. Mansbacher. AnS ArnSwalde—Friedeberg. Dr- Adolf Jellinek. II. Von Dr. Julius David. Berliner Inden. II. Von V. Simon. Eine Reichstagsverhandlung in spe. Von Otto Ernst. An Baron Konigswarter. Von S. N. M. Eine jüd. Nase. Von S. N. Margulies. „Baron Frank". Wochenchronik. — Kalender. — Anzeigen. — Ideale Zwecke und Kampsmittel. Die Boykottierung der Juden in geschäftlicher Beziehung wird von den Antisemiten auf so vielseitige Weise und mit solchem Cynismus betrieben, daß es lächerlich erscheint, wenn sie dabei noch immer die Phrase von der „Bekämpfung des Judentums vom Standpunkt des Idealismus" im Munde führen. Der Eifer, mit welchem Führer dieser Partei einander die Erträge aus Vortragseinnahmen, Zeitungsabonnements, Inseraten, Flugblättern, Bilderbogen u. s. w. streitig machen, zeugt wahrhaftig von keiner idealen Geistesrichtung. Und wie für manche von diesen Führern und ihrem Anhang die Judenfrage trotz aller schönen Redensarten nur eine „Magenfrage," ein nahrhafter Erwerbszweig ist, so erscheint zahlreichen Anhängern dieser „Idealisten" die Agitation als das einzige Mittel, im Geschäfts- und Gewerbsleben konkurrenzfähig zu werden. Daß dies eine Täuschung ist, hätten sie längst einschen müssen, wenn nicht die kühne Redensart in Wort und Schrift auf Leute in ungünstiger Lebenslage stets ihre Wirkung ausübte. Jetzt, nachdem das Weihnachtsgeschäft vorüber ist, werden sich die kleinen Gewerbetreibenden wohl überzeugt haben, daß ihnen der mit den massenhaft verbreiteten Flug blättern „Kaust nicht bei Juden" getriebene Unfug wenig Nutzen gebracht hat. Ebenso geringen Nutzen werden voraussichtlich den „deutschen" Gewerbetreibenden die Deutschbund-Adreßbücher bringen, welche der „Tägl. Rundsch." zufolge „zur geräuschlosen Abwehr des Judentums und wirtschaftlichen Stärkung des Deutschtums" dienen sollen. Das genannte Blatt zeigt seinen idealen Standpunkt recht offen, wenn es in seiner Nummer vom 9. Dezember 1894 schreibt: „Der geschäftliche Vorteil muß erst auf die Seite der Deutschgesinnung gebracht werden, dann sollt ihr sehen, wie bald die ganze Herrlichkeit Judas bei uns zusammensinkt." So unverhüllt hat wohl noch kein anderes Organ den „geschäftlichen Vorteil" als die Parteilosuug kundgegeben. Damit zeigt die „Tägl. Rundsch." ihr wahres. Gesicht — denn Religions¬ und Klassenhaß war nur die Maske! In demselben Artikel wird auch zugegeben, daß sich nicht wenige anständige christliche Geschäftsinhaber für die zweifelhafte Ehre bedankten, ihre Firmen in dem Deutschbund-Adreßbuch unter denjenigen genannt zu sehen, welche der jüdischen Konkurrenz gegenüber solcher Protektion bedürfen. Diese würdige Ablehnung eines solchen Reklamemittels ist nicht nur christlichen Geschäftsinhabern in Berlin, sondern auch in andern Städten wie z. B. in Bromberg nachzurühmen, wo nur verhältnismäßig wenige Firmen in dem zur Verteilung gelangten „Führer durch Brombergs christliche Geschäfte" inserierten und selbst von diesen noch einzelne nachträglich erklärten, die antisemitische Tendenz des Unternehmens nicht gekannt zu haben. Den Berlinern gegenüber gebrauchte der Herausgeber des Adreßbuches die Drohung, ihre Namen nach wie vor in seinem Adreßbuche aufführen zu wollen, in einem Anhang aber alle zu nennen, welche gegen ihre Aufnahme in das Deutschbund- Adreßbuch Einspruch erhoben haben! — In den Briefkästen vieler antisemitischen Blätter findet man fortwährend als Antworten auf angebliche Anfragen, daß der Arzt N. N., der Rechtsanwalt N. N. Jude oder jüdischer Abstammung sei, daß die Firma X. 9). trotz ihrer deutsch klingenden Namen sich im Besitze der Juden A. B. C. befinde u. dgl. m. Diese Art idealen Strebens bedarf keines Kommentars; ebenso wenig wie die Abonnements-Einladungen mancher Blätter mit den dringenden Bitten an alle Parteigenossen, in den Restaurationen und andern Orten ihr Leibblatt zu verlangen, einer Erläuterung nötig erscheinen lassen. Die Herausgeber solcher Blätter stehen unverkennbar auf derselben idealen Höhe, wie jene bekannten Gastwirte, welche durch Hetzbilder und Hohnlieder judenfeindliche Gäste anzulocken und zu Trinkgelagen zu veranlassen suchen. Alphonse Lewy.

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