Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1895)
- Issue
- 2 (11.1.1895)
- Date
- 1895-01-11
- Page
- Seite 31 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2. I e f ch rr r uTvx. Seite Bl. falen erschienen, um über die Itotwendigkeit und die Ziele eines zu gründenden Vereins zu beraten. Herr Rabbiner Dr. Lazarus, der an der Spitze des Komitees stand, eröffnete die Versammlung. Darauf erteilte er Herrn Lob das Wort zur Begrüßung. Das Chanuka-Licht mit dem Thora-Licht vergleichend, betonte er, daß das Anzünden dieses Lichtes jetzt leider zum größten Teile in den Händen der Lehrer liege. Das Wort Chanuka weise uns auch auf die Wichtigkeit der Erziehung hin. Für den Abend empfehle er die Worte des Propheten Lo bechajil welo bechoaeh, nicht mit Sturm und Wetter, sondern in Ruhe und im Geiste Gottes möge die Versammlung verlaufen. Auf Vorschlag aus der Mitte der Versammlung wurde darauf das bisherige Komitee zum Bureau, der bisherige Vorsitzende Dr. Lazarus zum Tagespräsidenten, Dr. Munk zum Schriftführer, die übrigen zu Beisitzern ernannt. Dr. Lazarus begrüßte darauf die Versammlung. Seinen Worten einige Midraschim zu Grunde legend, verglich er die dem jüdischen Lehrer von der Religion zugewiesene Stellung mit der thatsächlichen. Daran knüpfte er die Beschreibung der Mittel an, welche dem Lehrer diese Stellung wieder zurückgeben können, stellt in allgemeinen Zügen die Ziele des Vereins dar und forderte sie, auf des Propheten Wort hinweisend: Ma loch nirdom? auf, recht eifrig an dem heiligen Werk mitzuwirken. Herr Löb referiert über das Verhältnis des zu gründenden Vereins zur Unterstützungskasse der isr. Lehrer u. s. w. Er betont, es sei heilige Pflicht, bestehende Kassen zu fördern und ihnen neue Mitglieder zuzuführen. Dies sei auch der sehnliche Wunsch des neuen Vereins, dessen Erfüllung derselbe aber von dem Entgegenkommen der U.-K. in Bezug auf Abänderung der Aufnahmebedingungen abhängig mache. Er empfiehlt eine Kommission für die Verhandlungen mit der U.-K. zu ernennen. (Von der Wahl eines solchen Komitees wurde jedoch Abstand genommen.) In der sich daran anschließenden Generaldiskussion wurde von verschiedenen Mitgliedern der U.-K. die Befürchtung ausgesprochen, es könne die Gründung eines solchen Vereins der U.-K. Abbruch thun. Es wurde dagegen von allen Seiten betont, daß im Gegenteil eine Hebung derselben nicht allein beabsichtigt werde, sondern geradezu in Aussicht gestellt werden könne. Kollege Graf, Essen, stellt den Antrag: „Die anwesenden Lehrer wollen beschließen, bei dem Verein der isr. Lehrer Rheinland-Westfalens den Antrag zu stellen, daß er genauer ausdrückt, daß er als Verein existiere, sowie daß Erleichterungen bezüglich der Aufnahme der jüngeren Mitglieder in die Witwen- und Waisen-Kasse stattfinden". Kollege Abraham, Kettwig, machte darauf aufmerksam, daß cirka 25 Kollegen ihren Beitritt zum Verein schon erklärt hätten, dieser Verein sich also konstituiert habe, man daher nur von Vereinsbeschlüffen reden könne und macht das Amendement: der Verein der Rabbiner und jüdischen Lehrer in Rheinland und Westfalen wolle beschließen, bei der Unterstützungskasse der isr. Lehrer Rheinland-Westfalens zu beantragen u. s. w.... streicht dann die Worte „daß" bis „sowie". Der Antrag Graf wird abgelehnt, derselbe Antrag mit Amendement Abraham angenommen. Es folgt hierauf die Spezialdiskussion der Statuten und die Vorstandswahl. Rabbiner Dr. Lazarus dankt darauf den Erschienenen für ihre Mühe und hebt die Sitzung auf. gez. Dr. Lazarus, gez. Dr. Munk, Tagespräsident. Schriftführer. Lose Kliitttt. * Wie wir hören erscheint bei Gergonne & Cie., Berlin W. 35, in allernächster Zeit von dem durch seine Real-Encyklopädie für Bibel und Talmud bekannten Oberrabbiner Dr. I. Hamburger eine Broschüre: „Jesus von Razaret. Geschichtliche, objektive Darstellung seines Lebens, Wirkens und Todes." Der gelehrte, durch große Objektivität ausgezeichnete Verfasser, wird in dieser Schrift den Rachweis erbringen, daß Jesus nicht auf Veranlassung der Juden gekreuzigt morden ist, sondern daß diese Thal einzig dem römischen Prokurator Pontius Pilatus zur Last fällt. — Soll das etwas neues sein? Red. * An die Adresse des Barons Königswarter richtet das Witzblatt „Der Floh" folgende interessante Sentenz aus dem Tagebuch eines Philosophen, welche wir den Lesern unseres Blattes nicht vorenthalten wollen: „Das Schicksal der Juden ist innig mit dem der — Staats - papiere verwachsen. Wenn die Rente hoch steht, wird sie konvertiert. So auch die Juden, lucnu sie eine hohe Stellung einnehmen — konvertieren sie". Briefkasten. Infolge der Mitteilung in der heutigen Nr. von „Katheder u. Kanzel" werden wir erst die n ä ch st e Nr. an die geehrten Expeditions- Abonnenten, wie bisher, unter Nachnahme senden. Hrn. Dr. S. K., Hannover. Daß die Shylockfabel im „Kaufmann von Venedig" die Wahrheit auf den Kopf stellt, indem in der ihr zu Grunde liegenden Thatsache nicht der Wucherer, sondern der Bewucherte ein Jude ist, haben wir vor längerer Zeit in einem Entrefilet notiert. Wir danken Ihnen daher herzlich, für den in Aussicht gestellten Aufsatz, den wir vor der Hand nicht bringen könnten. Hrn. L. H., Dessau. Ihre historische Arbeit wird, sobald wir ein wenig viel Raum haben, erscheinen. Wir bitten Sie und alle geehrten Mitarbeiter um Geduld. Königsberg. Der kurze Bericht war bereits gesetzt. Aus Ihrem ausführlichen Berichte werden wir in nächster Nummer einen Auszug bringen. — Hrn. R. N., Wittlich. Der Jeschurun wird nun pünktlicher erscheinen. — Die große Auflage einerseits und die christl. Feiertage andererseits haben die Verzögerung verursacht. Hrn. I. G., Camen. Eine Besprechung Ihres geschätzten Werkes folgt- Lassen Sie uns, bitte, ein wenig Zeit; der Stoff, den wir jetzt zu verarbeiteu haben, hat sich außerordentlich gehäuft, so daß wir alles, was nicht gerade aktuell ist, immer wieder zurückstellen müssen. Hrn. Vorst. L. L., Blieskastel. Besten Dank für fr. Benachrichtigung; es ist nun alles geordnet- Hrn. Vorst. E. R-, Stadtoldendorf. Sobald ich ein wenig freie Zeit habe. Ihre wertvollen Anregungen. hat ein Mitglied der Redaktion zur Verarbeitung übernommen. Jüdische Krmemde. Gottesdienst. Freitag, den 11. Januar, in allen Synagog. Abends 4V2 Uhr. Sonnabend, den 12. Januar in der alten Synag. Morg. 8V2 Uhr, in den übrigen Synag. Morg. 9 Uhr. Predigten Vorm- 9V2 Uhr: Alte Synag. Hr. Rabb. Dr. Maybaum. Vorm- 10 Uhr: Kaisersir-- Synag. Hr. Rabb. Dr. Stier. Jngendgottesdienst Nachm. 8^/2 Uhr: Li n d enstr.-Synag., Hr. Rabb. Dr. Weisse. Gottesdienst an den Wochentagen: Alte Synag. u. Kaiserstr. Synag. Morg. 7 Uhr. Neue Synag. u. Lindenstr. Synag. Morg. 71/2 Uhr. Abends in Men Synag. 4 Uhr. Wir suchen für unsere Gemeinde vom 1. April eventlfrüher, einen Kultusbeamten, der guter Vorbeter, Lehrer und Schächter sein muß. Das Gesamteinkom. beläuft sich auf etwa 900—1000 Rmk. Geeignete Bewerber wollen ihre Offert, bis spätest, den 1. Febr. cr. unter Mitteil. Ihres Lebenslaufes an den Unterzeichn, senden. Nikolaiken Ostpr-, d. 7. Jan. 1895. Der Vorstand der Synag.-Hem. _Jacob H e r z. In hies. Gem. ist die Stelle eines Aekigions-Tekrers, Kantor «nd Schächters, von gleich zu besetzen. Fixes Gehalt 900 u. cirka 400 Mk. neben dem Einkommen. Seminarist. Geprüfte bevorzugt. Dem Gewählt, werden Reisekost, vergütigt. Labiau, Ostpr., 7. Januar 1895. §er Vorstand der Synag.-Hem. Louis Lepehne-