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Jeschurun · 1893-07-28 · 30 (28.7.1893) · p. [Seite]

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Journal
Jeschurun
Volume
1893
Issue
30 (28.7.1893)
Date
1893-07-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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9rv. 30. Tilsit, den 28. Juli. 1803. p mw w mw mw (gvfäeint an jedem Freitag. Zu beziehen durch die Post, die Expedition und alle Buchhandlungen des In- und Auslandes. Preis vierteljährlich 2 Mavk. Herausgeber: A. Uevin in Tilsit. Anzeigen die viergespaltene Petitzeile 2Y Psg. Beilagengebühr nach Übereinkunft. Inhalt Wochenübersicht. Die Lage der jüdischen Lehrer in Hessen. „Das Reich Judäa im Jahre 6000". Von Rabb. Dr. Elsaß (Landsberg a. W) Kabbalistisch-liturgische Reformen. I. Von Leop. Löw, weil. Oberrabb. in Szegedin. Protokoll des Hannoverschen Lehrervereins. Kleine Chronik. Maimonides. Von Landrabb. Dr. Dessauer (Meiningens Akiba's Trost. Von Rabb. Dr. Rosenthal (Rogasen) Aphorismen. Von W. Frank (Westerburg) Für und Wider — Wochenkalender. — Anzeigen.__ Mochemibkrßlht. Es ist ein unsäglich Trauriges um eine gefallene Größe! Ihr Anblick bleibt nicht ohne Eindruck selbst auf diejenigen, welche unter ihrer Wucht zu leiden hatten. Stöcker, der vielgenannte und vielbewunderte; Stöcker, dem Tausende zugejubelt als ihrem zweiten Luther — er ist von den geratenen Kindern seines Geistes und Strebens verhöhnt, geschmäht und über Bord geworfen worden. Vergebens berief er sich auf seine väterliche Autorität, auf seine glorreiche Vergangenheit — für das Gewesene giebt offenbar auch der Antisemit nichts — er flog über Bord und wurde von der großen antisemitischen Sturzwelle verschlungeu. Am Freitag- Abend war's, da er über seinen erneuten kläglichen Durch fall bei der Nachwahl in Neustettin zu seinen Christlich- Sozialen sprechen wollte. Es hatten sich aber auch Ahlwardtianen eingefunden, unter deren Mitwirkung die Versammlung einen Verlauf nahm, der selbst den radaulustigsten Berlinern imponieren mußte. Wir können es uns nicht versagen, einen kurzen Bericht über diese Versammlung zu geben. Schon als Stöcker erschien, wurde der Beifall, mit dem ihn seine Anhänger begrüßten, durch ein nicht minder kräftiges Gejohle von anderer Seite unterbrochen und bei den vergeblichen Versuchen der Christlich-Sozialen, einige Demonstranten aus dem Saale zu bringen, kam es mehrfach zu heftigen Rempeleien. Stöcker erging sich darauf in einer beweglichen Jeremiade über den Ausfall der Wahl in Neustettin. Der Kampf in diesem Wahlkreise sei die tranMste^ErjcheiWltg^gMesen. die man sich nur denken könne. (Stürmisches Hohngelächter, Beifall und Lärm.) Er habe von vornherein gewußt, daß er in Neustettin unterliegen werde. (Sürmisches Hohngelächter, Beifall und furchtbarer.Lärm. Rufe: Fauler Mumpitz! Weshalb gingen Sie denn erst hin?) Ihm sei von den dortigen Christlich- Sozialen das Mandat schon angeboten worden, noch ehe an eine Auflösung des Reichstages zu denken war. (Rufe: Aber trotzdem durchgefallen!) Er habe auch von vornherein seine Kandidatur nur als eine Zählkandidatur betrachtet. (Lachen, Rufe: Trauben sind sauer! Fauler Mumpitz! Schlauberger!) Sowohl Ahlwardt wie auch Förster Haben durch Verbreitung von Unwahrheiten gesiegt. (Stürmische, wiederholte Pfuirufe. Unbeschreiblicher Lärm. Rufe: Raus! raus! In einigen Gegenden des Saales kommt es zu Rempeleien.) Er habe es mit großer Freude begrüßt, daß er durch Aufstellung im Wahlkreise Neustettin Gelegenheit fand, sowohl den Ahlwardtismus als auch das Böckeltum zu bekämpfen. (Stürmischer und langandauernder, betäubender Lärm. Rufe: Frechheit! Gemeinheit! Wir lassen uns nicht beschimpfen. Raus! raus! Herunter von der Bühne! Wir haben genug gehört!) In dieser erbaulichen Weise ging die Rede Stöckers weiter. Nach Ahlwardt wandte sich Stöcker gegen Böckel, dem er sein Verhalten in Siegen zum Vorwurf machte. Fast bei jedem Satze wurde er aber durch großen Lärm unterbrochen, sodaß er schließlich die Versammlung auf 3 Minuten vertagte und bei Erneuerung des Skandales drohte, von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen. Nach Wiedereröffnung der Versammlung erklärte er, Böckel bis aufs Blut bekämpfen zu wollen. Ec kam dann wieder auf die Wahl in Neustettin zurück und behauptete, Ahlwardt und Herr Förster hätten mit derSchnapslüge den Wahlkreis Neustettin erobert. (Unbeschreiblicher, lang andauernder Lärm, Pfeifen und Schreien. Rufe: Frechheit! Gemeinheit.) Als Stöcker wieder zum Worte kam, erklärte er auch Ahlwardt bis aufs Blut bekämpfen zu müssen. Die Versammlung unterbrach Stöcker abermals fortwäh^iad. Ein Teil derselben flieg auf Tische und Stühle und ließ Ahlwardt hoch leben Weiterhin zieh Stöcker Ahlwardt des gefährlichsten Kommunismus. Ec als „Vater des Antisemitismns" habe es für seine Pflicht gehalten, solchem demagogischen Treiben entgegenzntreteu, chas die antisemitische

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