Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1893
- Issue
- 29 (21.7.1893)
- Date
- 1893-07-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39. 1898. Tilsit, den 21. Juli. Zeitschrift für öie religiöse« «uö f-zisle« I«tereffe« öes I«öest««s. Erscheint an jedem Freitag. Zu beziehen durch die Post, die Expedition und Buchhandlungen des In- und Auslandes. Herausgeber: A. Jeuin in FUjit. Preis vierteljährlich 2 Mark. Anzeigen die viergespaltene Petitzeile 20 Pfg. Beilagengebühr nach Übereinkunft. Inhalt: Wochenübersicht. fm neunten Aw. rm Kapitel des Distanzes. Bon oanä. ph.il. S. Mandl. (Marburg) rotokoll des Hannoverschen Lehrervereins. Kleine Chronik. An der „Koßel Maarawi." Aus dem Russischen von I. Magilnitzki. Maimonides. Bon Landrabb. Dr. Dessauer (Meiningen) Die Ziouide des Jehuda Halevi Der Zukunftstaat der Antisemiten. Bon S. N. Margulies (Lübeck) Lose Blätter. — Für und Wider — Veremsbote. Brief- und Fragekasten. — Wochenkalender. — Anzeigen. Wolhkniibkrßlht. Die sattsam bekannten, durch das famose Gemeindegesetz in Böhmen hervorgerufenen Unzuträglichkeiten wollen nicht zur Ruhe kommen. Wie bekannt, bestimmt dieses Gesetz, daß nur diejenige Gemeinde auf Korporationsrechte Anspruch machen könne, die einen Rabbiner anzustrllen und zu unterhalten im stände ist; die kleinen Gemeinden sollen als Filialen den größeren zugeschlagen werden. Über dieses Gesek ist viel geklagt und geschrieben worden; es wehrten sich gegen dasselbe zahlreiche Gemeinden, denen die Selbständigkeit genommen, es wehrten sich auch die Lehrer und Kantoren des Landes, denen eine nicht erwünschte Bereicherung der Zahl ihrer Vorgesetzten beschert werden sollte. Da aber ihre Proteste nichts fruchteten, so nahmen die Benachteiligten zu einem, erklärlichen allerdings, aber nicht zu billigenden, Ausweg ihre Zuflucht. Für Geld und gute Worte beschafften viele Lehrer und Kantoren sich ein Rabbinats- Befähigungszeugnis; aus dem Lehrer Moscheles, dem Kantor Tinkeles und dem Schächter Pascheles wurden über Nacht drei „Rabbiner" gleichen Namens und alles Leid hatte ein Ende: die Verwaltungsbehörden waren zufrieden, denn dem Wortlaut des Staatsgesetzes war Genüge geschehen, die Gemeinden und deren „graduierten" Kultusbeamten waren nicht unzufrieden, denn sie durften sich auch ferner der Selbständigkeit erfreuen. Nur diejenigen hatten Grund zur Unzufriedenheit, denen diese Wendung ein Strich durch die Rechnung war: — ein Teil derLRabbinerjjBöhmens, weil siel Untergebene gesäet und8„Kollegen" geerntet haben.UUnd sie gaben ihrer Unzufriedenheit oft lauten Ausdruck in verschiedenen ^inundff ausländischen Blättern. Nachdem aber diese Proteste sich als nutzlos erwiesen, schritten sie zu einer Haupt- und Staatsaktion. Sie bildeten einen Rabbiner-Verband, mit dem Prager Oberrabbiner an der Spitze, und wenden sich nun mit einem Rundschreiben an die böhmischen Kultusgemeinden, das im Auszuge hier wiedergegeben sei: „Nachdem die Abgrenzung der Kultusgemeinden behördlicherseits nunmehr erfolgt ist, soll auch jede anerkannte Gemeinde ihren Rabbiner wählen und denselben der Behörde als ihren geistlichen Vertreter namhaft machen. Nun wurde bekanntlich vielen Lehrern, Kantoren, Schächtern, auf deren Einschreiten behördlicherseits der Dispens von dem Nachweise des zur Bekleidung eines Rabbineramtes in Böhmen erforderlichen Maßes allgemeiner weltlicher Bildung erteilt. Um das theologische Wissen und den religiösen Lebenswandel kümmerte sich die Behörde nicht. ... Unter solchen Umständen halten wir es für unsere heilige Pflicht, im Namen des Judentums zu erklären, daß unsere Religion von ihren Seelsorgern in erster Reihe neben religiös-sittlichem Lebenswandel gründliche theologische Kenntnisse auf biblisch-talmudischem Gebiete verlangt, die dieselben auch in den Stand setzen, in Wahrheit die religiösen Führer und Berater der ihnen anvertrauten Gemeinden zu sein." Es wird nun auf unsere Gegner hingewiesen, die so häufig den Inhalt unserer Lehre fälschten und entstellten, und denen nur ein theologisch gebildeter Mann entgegentreten könne, und dann fortgesetzt: „Aber auch zur Kräftigung des religiösen Lebens im Innern .... bedürfen wir heutzutage mehr denn je Männer, die voll und ganz ihrer Aufgabe gewachsen sind . . . wenn nicht die Heranwachsende Jugend unserer Religion entfremdet werden soll. Wie könnte nun gerade in unserer Zeit das Unglaubliche geschehen, daß Leute, welche mit rabbinischen Studien sich nie ernstlich befaßt und für den Rabbinerberuf sich nicht vorbereitet haben, . . . mit einem Male als Rabbiner angestellt werden sollen? Würde damit nicht unser Glaube auf's empfindlichste geschädigt und entwürdigt und würde nicht unser« Gegnern eine Waffe in die Hand gegeben werden, indem sie ihren Anhängern zurufen: Was kann an einer Religion Gutes sein, deren Seelsorger selbst den geringsten Anforderungen, die man an die Vertreter eines so hohen heiligen Amtes zu stellen berechtigt ist, in keiner Weise genügen? Unstreitig dürfte es unter den Lehrern, welche mit dem Dispens von