Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1893
- Issue
- 24 (16.6.1893)
- Date
- 1893-06-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1893. Nr. 24. Tilsit, den 16. Juni. # ''## DM DM ww ww Erscheint an jedem Freitag. Zu beziehen durch die Post, die Expedition und Buchhandlungen des In- und Auslandes. Herausgeber: A. Ueuin in Tilsit. Preis vierteljährlich 2 Mark. Anzeigen die viergespaltene Petitzeile 20 Pfg. Beilagengebühr nach Übereinkunft. Inhalt: Wochenübersicht. Ein Kulturdifizit. Von Landrabb. Dr. Loevy fBirkenfeldj Der Zionismus und sein Programm. Bon R. Lemberger fWienj Apologeten. IV. Von Rabb. Dr. Friedländer fPisekj Leitende Gesichtspunkte. Von Rabb. Dr. Goldschmidt fOffenbachj Protokoll des Lehrervereins für Rheinland und Westfalen Kleine Chronik. Maimonides. Von Landrabb. Dr. Dessauer fMeiningenj Apyorismen. Von W. Frank sWesterburqi Lose Blätter. Jüdische Gedenktage. Von D. M. Mannheim. Brief- und Fragekasten. — Wochenkalender. — Anzeigen. Wglhknüberßcht. * Man war entrüstet über die Ratsherren von Tivoli, als sie es duldeten, daß in ihrer Mitte der Demagogie das Wort geredet wurde, und man verhöhnte sie später, als sie behaupteten, nur eine „gutartige" Demagogie im Auge gehabt zu haben. Es^ geschah diesen Herren offenbar unrecht, denn es giebt in hrr That eine gutartige, ja eine wünschenswerte Demagogie, sie muß sich nur zur rechten Zeit geltend machen, von edlen Motiven diktiert sein. So verhängnisvoll beispielsweise das Auftreten des Domagogen par excellence, des Helden unseres Wochenabschnittes, K o r a ch, für ihn und seinen Anhang auch geworden, zur rechten Zeit und am rechten Orte würde ein ähnliches Auftreten Segen gestiftet haben. Zahlreiche Belege ließen sich hierfür aus dem Geschichtsleben der Nationen wie aus der Lebensgeschichte Israels bringen; allein das wäre an dieser Stelle nicht am Platze. Es soll heute nur das Experiment in einem enggezogenen Kreise demonstriert werden, in dem engen Kreise des modernen Stammes L e v i: der Künder der Lehre und der Leiter des Kultus in Israel. Was dem Stamme Levi der Gegenwart not thut, das^ist zunächst ein „gutartiger" K o r a ch, der mutig eintritt für die Anerkennung seines Stammes; ein „gutartiger" Korach, der kühn entgegentritt jedem Versuche, seine Stammesgenossen in den Hintergrund zu drängen; ein „gutartiger" Korach, dem es gelingt, die Gleichgesinnten z u s a m m e n z u r o t t e n , und der nicht > vom Flecke weicht, auch wenn ein Abgrund sich unter ihm auflhäte! Und. Korach II. müßte in mannigfacher Hinsicht seinen bösartigen Vorgänger sich zum Vorbilde nehmen. Er müßte zunächst die „Fürsten der Gemeinde, die Männer v v n N a m e n" um sich scharen, in allen seinen Genossen ein berechtigtes S e l b s t b e w u ß t s e i n erzeugen (Ebornyn lWIP) und dann vor die Machthaber hintreten und ihnen erklären, daß es so nicht weiter gehen könne, daß die Lage des enterbten Stammes gebessert, die Bedeutung desselben für die Erhaltung und Entfaltung des Judentums anerkannt werden müsse. Von den „Berufenen der Zusammenkunft" Wjp)» den Gliedern unserer Ratsversammlungen haben wir nichts, oder doch nur wenig zu erwarten. Da werden seit Jahren Resolutionen eingebracht, beraten und angenommen, ohne bisher irgend einen Erfolg^errielt zu haben. „Thatkraft und Ausdauer sind die Mächte,! w elche die Welt bezwingen!" rief vor fast zwanzig Jahren das Organ des Berliner Lehrervereins seinen Mitgliedern zu, um dann noch hinzuzusügen: „Wenn die Lehrer glauben, andere werden ihnen helfen, nur nicht sie selbst, so irren sie sich. Wenn die Lehrer glauben, ihnen werde bald geholfen, so irren sich wieder. Wenn die Lehrer glauben, es genüge, ihre Standes-Angelegenheiten allein zu betreiben, so irren sie sich erst recht. Mache sich ein jeder Lehrer bereit, im Leben und Streben des Volkes (wir sagen: der Gemeinde) eine Rolle zu spielen, und wenn dann der ganze Lehr'erstand darin eine thatbewnßte Rolle spielt, so ist ihm auch sogleich geholfen. Hier hilft auch nicht Schreien, sondern Thatsachen beweisen. — —-" Das ist deutlich, das können wir Wort für Wort unterschreiben, das sei unser Programm! Schaffet uns nur, Leviten, einen Korach, schaffet uns auch die „250 Fürsten der Gemeinde und Männer von Namen!" Stiebet aber auch nicht geängstigt auseinander, wenn unter Korach und seiner Rotte ein Abgrund sich aufthun sollte! Diese letzte Bedingung ist die erste für die bevorstehende Aktion.