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Jeschurun · 1893-03-31 · 13 (31.3.1893) · p. Seite 207

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1893
Issue
13 (31.3.1893)
Date
1893-03-31
Page
Seite 207 (sequence 15)
Language
German
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Nr 13. 2 t f dj « r int Beite 2u7. 1. Belschetzer, Sohn des Ewilmerodach, Enkel des großen Nebukadnezar's und König von Babilonien ließ ein Gastmahl für seine Hoflente halten und entweihte dabei die heiligen Tempelgeräte. Da kam eine Hand zum Vorschein, welche die Worte „Mene, mene, tekel, upliarsin“ an die Wand schrieb. Daniel deutete diese Schrift auf den baldigen Untergang des babylonischen Reiches. In derselben 'Nacht wurde Belschetzer ermordet und der Mederkönig Darius nahm sein Reich in Besitz. (Daniel 5.) Vgl- Belsazar v. Heine. 2. TitnS begann Jerusalem zu belagern. Eine Million Menschen wurden getötet, 2000 begingen Selbstmorde und 07000 wurden in die Gefangenschaft nach Rom geführt (Josephus de bello V Ende, und Joseph ben Gorjon). 0. Kobad, Regent von Persien, führte 500 nach der g. Zeitr. Krieg gegen den griechischen Feldherrn Belisar und verlangte einen Waffenstillstand, um den Juden, die in seinem Heere dienten, am Peßachfeste Waffenruhe zu gewähren (Grätz V. S. 16). 4. Justinian, Kaiser des byzantinischen (und palästinischen) Reiches verbot den Jaden, das Peßachfest vor den christlichen Ostern zu feiern. Die Statthalter der Provinzen hatten den Befehl darüber zu wachen. So oft also in einem dem Schaltjahre vorangehenden Jahre das Peßachfest vor den christlichen Feiertagen fiele wurden die Juden mit schwerer Geldstrafe belegt, wenn sie Festgottesdieuste hielten und ungesäuertes Brot aßen (Grätz V. 28). 5. In München ward (1285) ein Gerücht verbreitet, daß die Juden von einem alten Weibe ein Christenkind abgekauft hätten. Der rohe Pöbel zündete das Bethaus an und etwa 180 Personen fanden darin den Feuertod. Ein Jahr darauf wurden wegen ähnlichen albernen Geschwätzes in Oberwesel und Boppard 40 Juden erschlagen. -• 1348 wurden in Zürich die jüdischen Gemeindemitglieder teils verbrannt und teils verjagt. 1387 sind mehrere unschuldige Inden in Messina hingerichtet worden. 6. Don Emanuel, König von Portugal, gab» (1507) anfangs April den Befehl, daß alle jüdischen Kinder unter 14 Jahren ihren Eltern gewaltsam geraubt und getauft auf die Ortschaften verteilt und als Christen auf seine Rechnung erzogen werden sollten. Am Peßachfeste töteten Diele zuerst ihre Kinder und dann begingen sie Selbstmorde. Die übrig gebliebenen Greise, Männer, Frauen und Kinder wurden gewaltsam getauft. 7. In der Nacht des Peßachsestes (17. April 1507) entdeckte man in Lissabon mehrere geheime Juden (Neu-Christen), welche Mazoth, bittere Kräuter n. s. w. vor sich hatten, nach der bestehenden Vorschrift. Spät in der Nacht kam plötzlich der Untersuchungs richter mit Schergen, ergriff die andächtig Betenden, nahm 17 von ihnen gefangen; die übrigen ergriffen die Flucht. Man berichtete dies dem Könige, der sich in Abrantes aufhieit. 'Nach zwei Tagen entließ man einige der Eingezogenen „aus Ursachen". Das Volk murrte, redete von Bestechung und schwur Rache. Die Domnikanermönche mischten sich in die Sache und hetzten den Pöbel noch mehr auf. Sie durchzogen die Straßen, schrieen „Ketzerei! Ketzerei!" und nun begann ein entsetzliches Drama. Alle geheimen Juden wurden ermordet und halb und ganz tote Menschen aus Scheiterhaufen verbrannt. Der Kriminalrichter, welcher mit seinen Schergen herbeigeeilt war, konnte kaum entkommen. Über 500 Menschen wurden an diesem Tage aus der Welt geschafft. Die Unmenschen griffen die Häuser, in welchen sich die Geheimjuden zurückgezogen hatten, mit Mauerbrecher an, stürmten sie mit Leitern, rissen die Menschen heraus und warfen die Alten und die Jungen, tot oderlebend, alles bunt durcheinander, auf die Scheiterhaufen. Die zarten Kinder in der Wiege selbst blieben nicht verschont; sie wurden an den Beinen ergriffen und an Mauern zerschellt. Die Gräuelthalen häuften sich bis znm Nachmittag des dritten Tages, an welchem das Militär heranrückte und dem Unwesen ein Ende machte Der König Don Manuel hörte von den Grausamkeiten und ließ sofort 50 Lissaboner Haupträdelsführer gefangen nehinen, welche teils gehenkt, teils erschossen wurden. Zwei Mönche hielten sich einige Tage versteckt, wurden aber bald ergriffen und verbrannt. Alle, welche beim Morden und Plündern beteiligt waren, verloren entweder ganz ihre Habe oder erhielten sonstige empfindliche Strafen; den Rest der Geheimjnden aber gab der König besondere Privilegien, Gleichstellung mit den übrigen Ovationen und freien Abzng nebst ihrem Vermögen; doch verließen verhältnismäßig nur wenige das Land, weil sie auf bessere Zeiten hofften. Jn unsere Leser! Mit Nr. 13 beschließt der „Jesckurnn" das erste Ouartal des laufenden Jahrgangs. Für das nächste Vierteljahr stehen uns folgende größere Beiträge^ zur Verfügung: Der Talmndjnde, Kabbalistisch-liturgische Reformen, Die hervorragendsten Apologeten in der talmnd. Zeit, Religion der Liebe, Wie hat sich die Predigt im Jndentnm entwickelt? Rabbi Jonathan Gibenschüt;, Maimonides, Litteratnrbricse, Zur Geschichte des Kalenderwesens, Knlturzustände Halbasiens, Der Zionismns, Lrzestkos jüd. Erzählungen, Ackerbau und Handwerk unter Sen Inden, Liberias in Galiläa, Legenden nach dem Talmud, Ans dem schriftlichen Nachlasse Aley. Elsäster's, Die mosaische Emgottidee, Briefe an einen jungen Lehrer. (Alle den Lehrer- und Kultnsbeamtenstand berührenden Fragen behandelnd!) Ferner eine große Anzahl von kleineren Aufsätzen, teils polemischen oderbelehrenden, teils pädagogischen und liturgischen Inhalts, sowie, Erzählungen aus dem jüdischen Leben, Gedichte über jüdisch-religiöse Themata u. s. w. u. s. w. KM" Unsere geschätzten Leser, die den „Jeschurun" durch die P o ft beziehen — Zeitungsliste pro 1803 QU'. 3031 — werden gebeten, das Abonnement baldigst erneuern zu wollen. Diejenigen, welche das Blatt durch die Expedition — in Tilsit — beziehen, erhalten den .„Jeschurun" fortlaufend zugesandt; es sei denn, sie bestellten das Blatt ausdrücklich ab. Reduktion und Uerlag des „Jeschurun". Wochen- MärzApr. | 1803. Nissan. | 5653. Kalender. Freitag . . . 31 1 14 Erew Pessacli. Sonnabend . . 1 i 15 \ Pessacli. Sonntag. . 2 16 Montag . . . 3 17 ii Dienstag. . . 4 18! 1 Mittwoch . . 5 10 j j Cliol lux Moed. Donnerstag 6 20!) Freitag . . . 7 21 | Scliewii scliel Pessacli.

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