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Jeschurun · 1893-03-31 · 13 (31.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Jeschurun
Volume
1893
Issue
13 (31.3.1893)
Date
1893-03-31
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Nr. 13. 1893. Freitag, den 31. März. W fl H I#H# Zeitschrift für ö öes I«öevt«WS. Erscheint an jedem Freitag. Fu beziehen durch die Posl. die Expedition n..^, Buchhandlungen des In- und Auslandes. Brrniisgcver: A. Trutn in r?il>it. Preis vierteljährlich 2 Mark. Anzeigen die viergespaltene Petitzeile 20 Psg. Beilagengebühr nach Übereinkunft. MT Die vorliegende Nummer ist die letzte im laufenden Quartal. Die p. t. Postabonnenten werden gebeten, die Neubestellung schleunigst erfolgen zu lassen. Exped. des „Jeschurun." Anhalt: Wochenübersicht. Zum Peßachfeste. Bon Rabb. W. Reich (Baden.) Jüdische Wundermänner. "Rach den, Globus Bon Dr. S. K. Apologeten. II. .Bon Rabb. Dr. Friedläuder (Pisek.) Litteratur-Briefe. II Bon Rabb. Dr. Rosenthal (Rogasen). Die Weisen in Bene Berak.^ Bon I. M. W. Drei Lehrbücher. Bon S. Dpatz (Affaltrach.) Kleine Chronik. — Feullitou. — Jüdische Gedenktage. Bon D- Mannheim — Aus der Schulpraxis -- Wochenkalender. — Anzeigen. Wochenüherficht. * Tilsit, 29. März. Angesichts der bevorstehenden Auflösung des deutschen Reichstages wird schon jetzt von einem bekannten Rabbiner \in der Jsr. Wochenschr. die Frage ventiliert, wen die Inden in den Reichstag wählen sollen? „Wenn vordem Fragen dieser Art das Land bewegten, so ging dies den Juden als solchen nichts an, denn man kann eine Entscheidung über zwei- oder dreijährige Dienstzeit nicht ans Bibel oder Talmud holen." Das Judentum habe keinen Einfluß ans die Parteistelluug der jüdischen Bürger. Das sei in letzter Zeit vielfach anders geworden und es gilt, daraus die Konsequenzen zu ziehen, falls es zum Konflikte kommen sollte. „Eine neue Partei hat sich anfgethan, die Antisemiten; wenn wir von den innern Beweggründen der einzelnen Führer, sich dieser Partei anzuschließen, absehen, so ist die Anschauung dieser Leute dahin zu präeisieren, daß die Gefahr, die dem deutschen Vaterlande von den Juden drohe, die größte, so daß die Abwendung dieser Gefahr daher die dringlichste Aufgabe bilde." Rach einer Beleuchtung der einzelnen Fraktionen, deren Stellung zur Judenfrage einerseits und zu der Militärvorlage andererseits, gelangt der Verf. zu dem wenig erbaulichen Schlüsse, daß wir Inden bei dieser Wahl jeden Nicht - antisemiten wählen dürfen, mit Ausnahme derer „um Richter," d. h. mit Ausnahme der Gegner lnr Regierungsvorlage, trotzdem diese unsere ehrlichsten Freunde seien. „Ein Jude kann sich heute der Erwägung nicht entziehen: welche Folgen hat deine Abstimmung für dich als Juden, für das Judentum, für die deutschen Juden überhaupt. Gott sei's geklagt, daß es so gekommen ist, aber es ist so gekommen. Was dem einzelnen Israeliten auferlegt wird durch die Bewilligung der Militärvorlage ist geringfügig gegenüber der Gefährdung der Gleichberechtigung, gegenüber der Steigerung des sozialen Unfriedens, wenn wir als die erklärten Feinde der Regierung anftreten. Wir haben ein lebhaftes Interesse, daß ein Ehrenmann wie Caprivi am Ruder bleibt; wir machen kein Hehl von den zum Teil durchaus selbstischen Gründen, die den jüdischen Wähler veranlassen sollen, falls er zur Wahlurne schreitet, seine Stimme zu gunsten der Regierung abzugeben; es sind freilich keine erbaulichen Zustände, die den Juden unseres Erachtens dazu zwingen, sein Urteil bei einer militärischen Vorlage abhängig zu machen von religiös-politischen Erwägungen. Aber wir haben diese Zustände nicht geschaffen und können nicht aus Liebe zur Fortschrittspartei, so sehr wir die Verdienste der Partei und ihrer Führer ehren, unsere bürgerliche Existenz gefährden. Wir verlangen geradezu, die Juden sollen für die Verteidiger der Militärvorlage stimmen und hoffen, daß unsere liberalen Freunde unsere Zwangslage zu würdigen wissen werden." Werweiß? Viel wahrscheinlicher ist es, daß diese Schwenkung ans Kommando, diese politische Apostasie ans Opportunität uns die gerechte Mißachtung derer zuziehen würde, die uns bisher verteidigt, und daß wir auf der einem Seite nichts gewinnen, auf der anderen aber viel verlieren würden. Denn entweder ist die Reichsregierung stark gegenüber dem Drängen der Judenfeinde, dann ist dieser Gesinnungsirnd Frontwechsel überflüssig, oder sie ist nicht widerstandsfähig, dann nützt uns die uns empfohlene Fahnenflucht nichts. Mit der Fahnenflucht iu anderer Hinsicht beschäftigt sich eine kleine, „Der Antisemitismus u n d d a s f r e isinnige I n d e n t n m"*) betitelte, Schrift von Fritz Auerbach. Der Verfasser spricht von der Schädigung die dem Judentum durch die Hetze mittelbar zugefügt wird. Es seien vornehmlich zwei Gefahren, die das Judentum bedrohen: die eine, daß es zurückweiche vor wirlkichen oder vermeintlichen Bedrängnissen — das ist die Flucht nach außen; die andere, daß es verzichte auf einen Teil der Position, die es in langem mühevollem Kampfe, * Frankfurt a. M. Mohlau und Goldschmidt.

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