Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1893
- Issue
- 5 (3.2.1893)
- Date
- 1893-02-03
- Page
- Seite 79 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 5. Seite 79. ^Jeschurnn. Thorarollen, welche in Futterale (Thikin) gelegt und mit silbernen Kronen geschmückt waren, durch die Straßen der Stadt nach dem königlichen Palaste zu ziehen, woselbst der Oberrabbiner, die zwölf Synagogenrabbiner und 24 Rabbinatsadjunkten, jeder mit einer Thorarolle in der Hand, die königliche Majestät und deren Reich segneten und alles Gute vom Himmel herabflehten. Einmal beschlossen die Bertreter der Gemeinde, nur die Futterale mit den Schmnckgegenstäuden bei der feierlichen Parade zu benützen und die Thorarollen in der Synagoge zurückzulassen, da es ungeziemend ei. dieselben durch Umhertragen auf öer Straße zu profanieren- * Dies geschah auch eine Reihe von Jahren, ohne daß es irgendwie! bemerkt worden wäre. Da trat ein Jude, namens Chajim Sciami, zum Christentuin über und wußte sich beim König so in Gunst zu! setzen, daß dieser ihn mit Auszeichnungen überhäufte und sogar zum Ratgeber ernannte. Am Vorabend des Geburtstages sprach sich der König vor seinen Räten sehr belobigend über die Juden aus, , die es nie an Beweisen der Liebe und Anhänglichkeit fehlen ließen.! Der Proselyte war voll Haß gegen seine früheren Glaubensgenossen; erfüllt und erwiderte: „Mein Herr und Gebieter irrt sich sehr, wenn er glaubt, die Juden hegen Liebe für ihn; bei diesem Volke! ist alles Heuchelei und Verstellung. Ihre feierliche Parade ist auch! nur eine Heuchelei, da die Futterale leer sind und die Thorarollen! n den Synagogen zurückgelassen, um sie nicht von dem Anblick eines : christlichen Fürsten entweihen zu lassen." Der König geriet in Zorn! und schwur, daß wenn diese Angaben richtig seien, alle Juden Saraj gossa's und seines ganzen Reiches getötet werden sollten. In der- > selben 'Nacht, so wird erzählt, hatte der gottesfürchtige Synagogen-! diener Efrajim Baruch im Traume eine visionäre Erscheinung, | welche ihm den Auftrag erteilte, sofort in die Synagogen zu eilen; und die Thorarollen in die schon vorbereiteten Futterale hineinzu-; legen. Der Schammes schenkte diesem Traumgebilde keine Beach-; tung und schlief noch einmal ein. Da hatte er zum zweiten Male! dieselbe Vision. Länger konnte er es nun auf seinem Lager nicht; mehr aushalten; er eilte von einer Synagoge zur andern, um noch : vor Sonnenaufgang sämtliche Thorarollen in ihre Behälter zu! legen. Am Geburtstage des Monarchen erschienen die jüdischen! Gemeindevorsteher und Rabbiner mit den Futteralen ihrer Thora- | rollen nach gewohnter Weise vor dem König; dieser fuhr sie aber ' hart an und sprach: „Wollt ihr mich höhnen, daß ihr mit leeren! Futteralen vor mir erscheint? Diesmal sollt ihr den Spaß uiit dem! Leben bezahlen! Öffnet einmal diese Pappendeckel-und Holzschachteln, j damit alle meine Unterthanen sehen, wie das verdammte Judenl gezücht seinen Spott mit mir treibt!" Bei diesen Worten erschraken! die Juden gewaltig und Todesblässe malte sich auf ihren Gesichtern. : Als der König ihre große Verlegenheit sah, befahl er seinen! Dienern, die Futterale mit Gewalt zu öffnen. Aber welche Überj raschung für die jüdischen Gemeindevertreter, als sie in den ver- 1 meintlich leeren Behältern die Thorarollen erblickten! Und ferner! wird erzählt: Als man in Gegenwart des Königs die Thorarollen! öffnete, zeigten sie alle den Vers: „Und dennoch, wenn sie sein j werden im Lande ihrer Feinde, werde ich sie nicht verachten und j nicht verabscheuen u. s. w." Der König bereute es, einem lügenhaften und falschen Ratgeber Gehör geschenkt zu haben und befahl, den Verräter auf der Stelle zu enthaupten. Die Juden wurden aber von dieser Zeit an von Alfons außerordentlich begünstigt. — Da sich dieses Wunder am 38. Schebat ereignete, bestimmten die Rabbiner von Saragossa, daß dieser Tag in ihrer Gemeinde als Festtag begangen werde, der vorhergehende 17. Schebat aber ein Fasttag und ein Tag der Buße sein sollte. Abends wird der ' „Purim Saragossa" gefeiert und die Saragossa-Megilla vorgelesen,; welche den Hergang dieser erfreulichen Begebenheit beschreibt. Noch! jetzt wird in vielen sephardischen Gemeinden des türkischen Reiches! am Vorabend des 18. Schebat diese Megilla verlesen, was darauf hinweist, daß dieselben Abkömmlinge der Emigranten aus Saragossa sind- Am 10. Schebat 5)642 (8. Februar 1882) starb Berthold Auerbach, einer der populärsten deutschen Dichter, zu Cannes. In der Jugend zum Rabbiner bestimmt, trat er schon als junger Mann den Angriffen auf seine Glaubensgenossen mit Mut und Wärme entgegen. Sohn armer Eltern, hat er sich durch die Schöpfungen seines Geistes, welche veredelnd auf Herz und Gemüt wirken, zu einer hohen Stufe der Würdigung in den Palästen der Fürsten wie in den Hütten des Volkes emporgeschwungen und sich ein segensreiches Gedenken gestiftet. Er war ein Kämpfer für die Freiheit und die rdealen Güter der Menschheit, der iiu Dienste des deutschen Geistes rastlos geschaffen und auch für die deutsche Einheit wacker gearbeitet hat. Von seinen Werken sind besonders hervorzuheben: 1. das Judentum und die neueste Litteratur, 2. Gallerie der ausgezeichneten Juden, 8. Dichter und Kaufmann, 4. Spinoza, 5). Gesammelte Schriften. Personalie n. In Weilburg a. d. L. ist, wie uns mitgeteilt wird, Rabb. Di-. Landau aus Zürich zum Bez.-Rabb. gewählt. Rabb Rubinstein, früher in Sorau, ist durch das Umstürzen eines Schlittens in Buuzlau sofort getötet und seine Gattin tötlich verwundet worden. Briefnnd Fragekasten. Herren M. B. u D. L. in A. (Bessarabieu). Der Hamuggid heehadasch ist sehr empfehlenswert. Er erscheint in Krakau (Galizien). Sie würden uns sehr verpflichten, wenn Sie uns - gleichviel in welcher Sprache — gelegentlich mitteilen wollten, wie unsere Brüder in Ihrer Gegend leben, y-p Herrn F. G. in W. Ihre Frage müßte schon etwas ausführlicher gestellt werden. Soll es ein gründlicher Konf.- oder ein sog. Bar Mszwa-Unterricht werdend Herrn I. A. in E. Wir würden sehr ge r n die Rubrik „Personalien" . ausführlicher bringen, wenn die Koll. uns mit dem nötigen Material versehen wollten. Herrn A. G. in Tr. (Bayern). <-ie hätten uns aber auch mitteilen können, daß >Lie bei der Post abonniert sind, damit Ihnen der Jeschnrun durch die Exped. nicht mehr gesandt werde! Herrn I. E. in Pl. Die schles. Mnstergemeinde hat noch immer keiner Beamten. Den Urhebern des Skandals droht — was allerdings des Cliilhil liaschera wegen sehr zu bedauern ist — sogar ein Prozeß. Sie drehen aber den Spieß um, indem sie behaupten, der Beamte habe den Gottesdienst gestört, weil er die Andacht zur festgesetzten Zeit eingeleitet, ohne erst das Zeichen des Syn.-Vorst, abgewartet zu haben. — In jedem Falle ist die Angelegenheit betrübend. Gott beff're es! Synagogen Gemeinde Königsberg i. Pr. Gottesdienst: Freitag, 4*',; Sonnabend, vormittag 87?; Predigt: 9'^ nachmitt. 4%; abends 524. — an Wochentagen: morgens 71/2, abends 4l/s. Heusers Verlag (Houis Heuser), Neuwied a. Nh. Soeben erschien und ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen „Dag Judentum und sein Recht" von Dl-. Pohlmann, Gymnasialoberlehrer. Preis 60 Pfennig. -E" von diesem Werke wurden in wenigen Sagen 6 Auflagen vergriffen. Gegen Einsendung von 55 Pf. in Briefmarken erfolgt franko Zusendung. > Das Vollkommenste und Unentbehrlichste zur Gesundheitspflege ist das Neue Thermometer-Besteck bestehend aus 5 garantiert richtigen Thermometern als 1 Bade-, 1 Zimmer-, I Maximal-, 1 Fieber-, 1 Taschenthermometer. 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