Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1892
- Issue
- 8 (17.11.1892)
- Date
- 1892-11-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8. Königsberg i. Pr., den 17. November. 1893. ww Israelitisches chemeirröe Herausgeber: A. Kevin in Tilsit. Erscheint jeden Donnerstag. Zu beziehen durch die Post oder die Expedition. Spr. d. Bäler 1, MM MM 1 1 i r I Vertag: G. Moser, Königsberg. Preis vierteljährlich 2 Mark. Anzeigen die viergespaltene Petitzeile 20 Pfg. Anhalt: Wochenübersicht. Hören, sehen und schweigen. III. Bon Oberrab. vr. Jellinek. (Wien.) Die Juden in der polnischen Litteratnr. Bon A. Ln. (Lemberg.) Synagogen-Gottesdieust. Bon Landesrabb. I'r. Hamburger (Strelitz) Aus dem Midrasch. Bon Max Beermann (Berlin.) Mädchen - Konfirmationsunterricht. Bon Rabb. vr. Grünwald (Jnngbnnzlan.) Kleine Chronik. Der Flickschneider. Bon Klemens Junoßa. Das New-2)orker Ghetto. Bon S. Wiener. Für und Wider. — Vereinsbote. — Lose Blätter. — Brief- und Fragekasteu. — Anzeigen. Wochenübersicht. Wie sie uns anheimelt, die Geschichte unseres Vaters Abraham und unseres Vetters Lot, die wir vor kurzem; haben vorlesen Horen oder vorlesen müssen! Wie wahr ist! sie und treu in ihrer Zeichnung des unersättlichen menschj lichen Egoismus einer- und des unversiegbaren jüdischen! Idealismus andererseits — so wahr und treu, daß man > leicht ein Bild aus der Gegenwart erhält, sobald man die j Erzählung ein wenig „zeitgemäß" zustutzt. In Ermangelung j eines Berufszeichners, sei mir gestattet eine Skizze zu ent-! werfen, die dann von kunstfertiger Hand zu einem ordentlichen! Bilde umgestaltet werden möge. Ort der Handlung: ein! beliebiges Land. Handelnde Personen: zwei Reisende nebst! ihren Hirten. Diese geraten mit einander in Streit wegen! der Weide; jeder n>öchte die üppigen Plätze für sich haben! und den Berufsgenossen überzeugen, daß er ein gewisses! Recht auf die ertragreichen Flächen habe. Doch keinem; will dies recht gelingen. Da führt der Eine ein Ar- I gument ins Tressen, das seinen Gegner sichtlich verblüfft.! „Ich, spricht er stolz und siegesbewußt, bin ein Kind dieses Landes; auf diesem Boden wandelten einst meine Ahnen; du aber bist fremd in diesem Lande, ein Fremdling seinen Bewohnern: wie willst du unsere nationalen Heerden weiden und fette Weiden heischen?" — Sprach- und wortlos steht der Andere da. Was sollte, was konnte er erwidern? Da —----— 'A. | Habe gerade ein Stück von der „Juden-'' und ein anderes von der „Rabbiner-Presse" vor mir liegen; „Berliner Tageblatt" heißt das eine, „Israelitische Wochenschrift" nennt sich das andere, und in beider Spalten wird w'e Rabbinerwahl in Altona behandelt. Wie wir zur Zeit berichtet, hat der Minister des Innern die Wahl eines ungarischen Herrn zum Oberrabbiner der genannten Gemeinde nicht bestätigt. Der Vorstand derselben aber hat sich mit einer Immediateingabe an den Kaiser gewendet und gebeten, die vom Minister des Innern verweigerte Bestätigung des Dr. R o f e n f e l d zu vollziehen. Nun weiß das „B. T." zu berichten: „Kaum hatte eine Anzahl der übrigen in Deutschland seßhaften Rabbinatskandidaten, welche sich gleichfalls um die Stelle beworben hatten, Kunde hiervon erlangt, da hatten sie nichts eiligeres zu thnn, als sich ebenfalls mit einer Petition an den Kaiser zu wenden und unter Hinweis darauf, daß die Zahl der st e l l e n l o f e n Rabbinatskandidaten im deutschen Reich eine sehr große sei, darum zu bitten, daß denk Ausländer Dr. R. die Bestätigung versagt werde." Ein Korrespondent der genannten jüdischen Zeitschrift widerspricht dieser Nachricht, indem er schreibt: „Das scheint eine grobe Verdächtigung ehrenwerter deutscher Rabbiner, wie sie ähnlich jüngst auch in den Berliner jüdischen Blättern verbreitet wurde, deren eines von einer Petition einiger neunzig stellenloser jüd. Kultusbeamten an den Minister uni Abhilfe gegen die Überschwemmung Deutschlands mit ausländischen Kultusbeamten fabelte, während das andere daraus deutsche Rabbiner machte, gegen welche dann ein wahrscheinlich nichtdeutscher Rabbiner einen geharnischten Artikel losließ." Und bei dieser Gelegenheit weist er auf das himmelschreiende Unrecht hin, das in der Thatsache liegt, daß in Berlin vier Österreichische Rabbiner bereits amtieren und daß auch der fünfte aus jenem Lande geholt werden solle. Und die Redaktion des Blattes bemerkt, daß sie „in der Wissenschaft überhaupt, und ganz besonders in der jüdischen, durchaus keine nationale Abgrenzung oder Sperre kenne, daß aber andererseits der rabbinische Beruf kein ausschließlich wissenschaftlicher sei, sondern daß der Träger dieses Amtes nicht selten in die Lage komme, als Vertreter der Gemeinde zu fungieren und diese zu reprä-