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Jeschurun · 1892-11-10 · 7 (10.11.1892) · p. Seite 111

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1892
Issue
7 (10.11.1892)
Date
1892-11-10
Page
Seite 111 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 7. ^Jeschurun. r<- Seite 111. sonst wie geregelten Reliktenversorgung für die Angehörigen gerade dieser Beamtenklasse, hat der Verein sich zum Ziele gesteckt, derselben als „Sterbekasse" die Möglichkeit zu schassen, ihren Hinterbliebenen beim Tode des Ernährers durch Selbsthilfe ein kleines Not- und Hilfskapital zu sichern. Er hat dabei, ohne den Versicherungsgesellschaften, bei welchen die fest an- und besser gestellten Beamten mit größeren Beträgen sich versichern können, konkurrieren zu wollen, sein Augenmerk womöglich ans die ärmsten und ver- . lassensten gerichtet, um ihren verwaisten Familien schon bei minimalsten Beiträgen eine zur Ergreifung einer eigenen Erwerbsthätigkeit ausreichende Beihilfe gewähren zu können. Derselbe zahlte in den ersten vier Jahren seines Bestehens bereits an elf Familien Unterstützungssummen im Betrage von je 600—700 Mark, eine Leistung, welche gewiß die höchste Anerkennung verdient. Gegenwärtig hat jedoch der Verein eine schwierige Lage zu überwinden, da ihm von seiten der hiesigen Polizeibehörde Bedingungen zur Sicherung seines Bestehens in der Zukunft vorgeschrieben wurden, die aus den eigenen, schwachen Kräften der Vereinsgenossen schwer zu erfüllen sind. Um nun dieses sehr wichtige und notwendige Unterstützungswerk nicht sinken zu lassen, hat der zeitige aktive Vereinsvorstand und Schriftführer, Herr Lehrer S. Nathan, es unternommen, einerseits hier bei den Behörden die Genehmigung der Statuten zu betreiben, anderseits auch Gemeinde-Ehrenmitglieder und Wohlthäter — erstere zugleich als aktive und für ihre jeweiligen Kultusbeamten selbst anspruchsberechtigte Mitglieder — dem Vereine zu erwerben. Es ist dieses wackere Unternehmen des Herrn Nathan zur allseitigen Förderung umso dringender zu empfehlen, als es vorzüglich geeignet ist, nicht nur der schreienden Notlage vieler jüd. Beamtenfamilien dauernd abzuhelfen, sondern auch zugleich die vielen kleineren Gemeinden in der ihnen — moralisch mindestens — obliegenden Pflicht, für die Hinterbliebenen ihrer verstorbenen Beamten sorgen zu müssen, bedeutend zu entlasten, ja in einzelnen Fällen wohl gänzlich abzulösen. Zur Durchführung dieser notwendigen Reorganisation wird der Vereinsvorstand demnächst eine Generalversammlung nach Berlin berufen, welche über folgende Tagesordnung beschließen soll: 1. Geschäfts- und Rechenschafts-Berichterstattung, sowie Decharge-Erteilnng; 2. Annahme der nach Vorschrift der Behörde neubearbeiteten und zuvor von dieser approbierten Statuten; 3. Aufnahme der Gemeinden als anspruchsberechtigte Mitglieder; 4. Verbindung, bezw. Vereinbarung mit andern Vereinen, behufs Centralisiernng des Unterstützungswerkes an ihren Hinterbliebenenen; 5. Einrichtung eines Centralbureaus für Vereinsangelegenheiten in Berlin, bezw. Anschluß an den D. I. G. B.; 6. Modifizierung der „Altersgrenze" bezüglich der Aufnahmefähigkeit neuer Mitglieder; 7. Wahl eines Vereinsorgans; — re. Löse Wirr. * Lothar Bücher pflegte stets mit besonderer Vorliebe einen Witz des 82jährigen Amschel Rothschild mitzuteilen.! R. lag krank im Bett und sprach seinem Arzte die Befürchtung k aus, er würde sterben. Dieser tröstete ihn und meinte, er j (Rothschild) könne noch hundert Jahre alt werden. Worauf! aber der greise Kaufmann: „Wird der liebe Gott mich! nehmen zu pari, wenn er mich haben kann zu zweiundj achtzig?!"! * Im September-Heft des „Little Folks Magazine“ j wird versichert, daß in Travaneor (einem Staate in Nordi indien) eine Rasse weißer Juden lebe, so genannt wegen! der vollständigen Weiße ihrer Haut und ihrer Haare. Sie waren einstmals sehr zahlreich; gegenwärtig aber sind sie auf eine Anzahl von nur 200 Seelen zurückgegangen. Sie bewohnen für sich allein einen Stadtteil im Städtchen Cochin, an der Küste von Malabar. * Der jüngst verstorbene englische Dichter Lord Tennyson war aufrichtig betrübt ob der religiösen Verfvlungen und gab seiner Empörung über die grausame Behandlung der Juden bei mehr als einer Gelegenheit Ausdruck. Beim Guildhall-Meeting im Jahre 1890 verlas der- Bischof von Ripon folgende Zeilen aus einem Schreiben des Lord Tennyson, welches an einen jüdischen Herrn gerichtet war. „Ich verdamme selbstverständlich jede Art von Verfolgung, sympathisiere mit Ihren leidenden Glaubensgenossen und wünsche von Herzen, es möge irgend ein internationales Arrangement getroffen werden, das ihre Lage verbessert." Im Oktober 1891 richtete er folgenden seinerzeit bekannt gewordenen Brief an ein Mitglied des russisch-jüdischen Komitees. „Geehrter Herr! Wenn all das, was Ihr Blatt und die gesamte Presse über die Verfolgungen der Juden in Rußland schreiben, auf Wahrheit beruht, so hat Rußland seine Kirche und seine Nation geschändet. Ich sprach einst den Czar. Er machte mir den Eindruck eines guten Menschen, und ich kann daher kaum annehmen, daß er all die Grausamkeiten kennt, welche in seinem Namen verübt werden." Vor lO1^ Jahren, als das erste Meeting zu gunsten der Juden unter dem Präsidium des Bürgermeisters I. Whittaker Elias abgehalten wurde, wurde ebenfalls ein an Herrn John Simon gerichtetes Schreiben des Lord Tennyson verlesen. Sein Inhalt lautete: „Es ist mir leider unmöglich bei dem Meeting am 1. Februar zu erscheinen, wo ich gern meiner Empörung über die grausamen Verfolgungen der Juden Ausdruck gegeben hätte. Dieser Haß gegen die Juden grenzt an Wahnsinn. Je strenger der allgemeine Protest, desto wirksamer." . Unsere verehrt. Leser, die den Abonnementsbetrag eingesandt, - werden demnächst Empfangsbescheinigung direkt erhalten. Die Expedition. Synagogen-Gemeinde Königsberg i. Pr. Gottesdienst: Fr eit ag,3^; So nnabend, vormittag 8/^ Predigt: 9% nachmitt. 3; abends 447. — An Wochentagen: morgens 774, abends 33/4.

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