Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1892
- Issue
- 7 (10.11.1892)
- Date
- 1892-11-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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^Königsberg i. Pr., den 10. November. 1892. Nr. 7. 1 /## Herausgeber: A. Kevin in Tilsit. Erscheint jeden Donnerstag. Zu beziehen durch die Post oder die Expedition. Verlag: G. Moser, Königsberg. Preis vierteljährlich 2 Mark. Anzeigen die viergespaltene Petitzeile 20 Pfg. Spr. d. silier 1, - Inhalt: Wochenübersicht. Hören, sehen und schweigen. II. Bon Oberrab. vr. Jellinek. (Wien.) Höre, Israel! II. Bon Jbri Anochi (Königsberg i. Pr.) Ein Mahnruf ans Lehrerkreisen. Bon Leopold Katz (Ratibor.) Synagogen-Gottesdieust. Bon Landesarbb. Dr. Hamburger (Strelitz) Bar Mizwa! Bon Ben Israel. Mädchen - Konfirmationsunterricht. Bon Rabb. Dr. Grünwald (Jungbnnzlau.) Keine Chronik. Der Flickschneider. Bon Klemens Junoßa. Das New-Borker Ghetto. Bon S. Wiener. Kritische Blätter. — Für und Wider. — Lose Blätter. — Vereinsbote. Anzeigen. Worhknüberßlht. Eine zu einem Elephanten aufgebauschte Mücke wandert seit mehreren Tagen durch die verschämt und unverschämt antisemitische Presse. In einigen jüdischen Zeitschriften wurde von studentischer Seite auf den starken Prozentsatz der jüdischen Studierenden, andererseits auf die prekäre Lage der jungen Leute hingewiesen, die, vom Wissensdurst nach der Universitätsstadt getrieben, gar oft vom leiblichen Durst und quälenden Hunger heimgesncht werden, ohne, wenigstens den letzteren, in primitiver zwar aber erträglicher Weise stillen zu können. Der Appell an unsere satten Glaubensgenossen, den darbenden Wissensjüngern in würdiger Weise anfzuhelfen, hat das amtliche Organ der konservativen Partei, die „Kons. Korrespondenz" schaudern gemacht, und all die Blätter, denen die „Korrespondenz" die politische Gesinnung in Gestalt eines publicistischen Waschzettels liefert, schaudern pflichtschuldigst mit. Denn — „was kein Verstand der Verständigen sieht, das übet in Bosheit ein „arisch" Gemüt" — dieser Appell eines armen Studenten wird als corpus delicti gestempelt für die Sucht „Judas", die Wissenschaft, die ihr obliegende Jugend und mit dieser die Zukunft an sich zu reißen. Wie das gemacht wird? Je nun, nichts leichter als das. Man verfolge und bewundere freundlichst die Kombinationsgabe unserer Gegner: Da die „Rabbinerpresse", trotz des in sieter Zunahme begriffenen Gelehrtenproletariats vor dem Besuch der Hochschulen nicht warnt, während die „Judenpresse" eine entgegengesetzte Taktik verfolgt und jedermann vor den Pforten der Universitäten znrückznschrecken sucht, so beweiset dies, daß die Judenschaft die höheren Lehranstalten in ihre Hände bekommen will. Quod'erat demonstrandum. Die „Kons. Kvrresp." verlangt nun, daß gegen „die wachsende Hochflut der Juden" in den akademischen Lehrkörpern Vorkehrungen getroffen werden, daß ferner hierzulande ein bischen Rußland gespielt und an den höheren Lehranstalten ein bestimmter Prozentsatz jüdischer Schüler sestgetzt werden soll, den Überschlnß möge man in jüdischen Gymnasien und Realgymnasien unterbringen. Außerdem soll auch ein gewisser Prozentsatz für jüdische Universitütsdozenten festgestellt werden, ans daß sich erfülle der Wunsch, daß in Deutschland nicht einmal die Wissenschaft jedem Bekenntnisse frei sei. — Und dieser Sturm in einem Fasse Druckerschwärze wegen eines Zeitungsartikels, der am Ende nur um der Dvppelmark Honorar willen geschrieben wurde! Elephant Nro. 2, der neben dem oben bezeichneten in antisemitischen Zeitungsspalten einhertrottet, ist noch beachtenswerter als sein Genosse. Denn er scheint aus einer Mücke gebildet, die gar nicht da war. Schreibt da ein „unparteiisches" Blatt, die „Deutsche Warte" benamset, eine Philippika gegen das Schächten. Flugs erhält dieses weit und breit, bei Juden und Christen unbekanntes Preßvrgan einen Schreibebries, unterzeichnet von „einem ergebenen israelitischen Leser" des Inhalts: „Sollten Sie sortfahren, in Ihrer bisherigen ungebildeten Weise, wie sie empörender in keinem antisemitischen Schmntzblatte sich findet, gegen die uralte Kultureinrichtung des Schächten s, die ihre hohe sittliche Berechtigung hat, wie seiner Zeit der Abgeordnete Windihorst anerkannt hat, weiterhin zu Hetzen, so dürften sich doch die Folgen für das Bestehen Ihres noch sehr jungen Blattes bald in einer sehr empfindlichen Weise fühlbar machen. Sie dürften doch wissen, daß ohne Protektion jüdischerseits ein litterarisches Unternehmen Ihrer Art auf die Dauer nicht zu halten ist." Darob natürlich Zeter in der gesamten gesinnungstüchtigen Presse; ein Weheruf, gereimt und ungereimt, ob der Knechtung des deutschen Volkes durch ein Häuslein Orientalen durchzittert deren Spalten, obwohl der Schreibebrief anonym